Die Problematik in der Pflege wurde hier deutlich
Zuhause ist vorübergehend geschlossenAha, sie wollen also streiken. Das Pflegepersonal der Seniorenheime vor Ort. Richtig so, denkt Annett und hat volles Verständnis für die Forderungen der Angestellten. Bis es an ihrer Haustüre klingelt ...
Aha, sie wollen also streiken. Das Pflegepersonal der Seniorenheime vor Ort. Richtig so, denkt Annett und hat volles Verständnis für die Forderungen der Angestellten. Bis es an ihrer Haustüre klingelt und einer der Senioren in ihre Wohnung geschoben wird. Begründung: Es wurde von „oberer Stelle“ beschlossen, dass alle Heimbewohner in Familien untergebracht werden, die genug Platz haben. Und das kurz vor Weihnachten. Annett kann es nicht glauben, findet sich jedoch schnell mit der Verordnung ab. Nicht so ihr Sohn. Der versteht nicht, dass er für einen „fremden Opa“ sein Zimmer hergeben muss. Auf die Hilfe ihres Mannes muss Annett ebenfalls verzichten.
„Zuhause ist vorübergehend geschlossen“ ist eine Mischung aus humorvollem und ernsthaftem Roman. Dass Pflegekräfte oft mit ihren Kräften am Ende sind, ist kein Gerücht. Häufig sind sie die einzigen Ansprechpartner der Bewohner. Die Pflegeschlüssel entsprechen kaum der Realität. Das gilt besonders für private Einrichtungen, die sehr auf Profit ausgelegt sind. Klar ist aber auch, dass es kaum eine Lösung gibt, die alle Parteien befriedigt. Nein, dass Kinder ihre Eltern auf jeden Fall zuhause versorgen sollten, das ist keine Option. Zum Beispiel ist es bei dem Krankheitsbild der Demenz kaum möglich. Diese und noch weitere Tatsachen werden in dem Buch thematisiert. Immer mal wieder wird der Ernst des Themas durch launige Unterhaltungen der Protagonisten ein wenig abgeschwächt.
Jeder Altenpfleger weiß, was in den Heimen vor sich geht. Und das nicht erst seit wenigen Jahren. Das Buch weist auf Missstände hin und die Sprecherin Vera Teltz ist Garant für eine lebendige Wiedergabe des Buches. Ich gebe eine Empfehlung ohne Abstriche.