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Veröffentlicht am 30.09.2025

Rückkehr ins Himmelreich

Entführung im Himmelreich
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"Kontrolle ist Angst. Chaos ist Freiheit. Wer kontrollieren will, scheut das Risiko."

Endlich: Dauercamper Björn Kupernikus, fast pensionierter Schauspieler und "Wunsch-Tatort-Kommissar" und die ehemalige ...

"Kontrolle ist Angst. Chaos ist Freiheit. Wer kontrollieren will, scheut das Risiko."

Endlich: Dauercamper Björn Kupernikus, fast pensionierter Schauspieler und "Wunsch-Tatort-Kommissar" und die ehemalige Lehrerin Annabelle Schäfer ermitteln wieder. Schon nach wenigen Seiten fühlt man sich im Himmelreich wieder heimisch: alle - ja, wirklich alle - alten Bekannten sind auch im zweiten Teil wieder mit dabei. Und ganz genau deswegen ist es unerlässlich den ersten Teil vorab gelesen zu haben.

Der Campingplatz Himmelreich gerät in Aufruhr, als der ortsansässige Bäcker plötzlich verschwindet. Die Bewohner machen sich Sorgen: Der Lieferwagen des Vermissten wird in der Nähe des Sees gefunden, seine Schuhe stehen einsam am Ufer. Die Polizei sieht zuerst keinen Hinweis auf Fremdverschulden und spricht von einem möglichen Unfall oder Selbstmord. Da sind Kupernikus und Annabella grundsätzlich anderer Meinung und nehmen umfangreiche Ermittlungen auf. Diese gestalten sich dann nätürlich wieder äußerst turbulent und ereignisreich. Die Geschichte ist voller Abwechslung, der Humor nicht zu aufdringlich und jederzeit angemessen dosiert. Mit dem sympathischen Ermittlerteam rund um die Hundedame Pinguin muss man einfach mitermitteln.

Tatsächlich gelingt es Winkelmann, seine drastisch überzeichneten Charaktere gleichzeitig so charmant und liebenswert darzustellen, dass man ihnen gern durch jede noch so absurde Wendung folgt.

Auch aufgrund der angenehm einfach gewählten Sprache und der eingängigen Dialoge ist das Buch recht flüssig und deshalb auch leider schnell ausgelesen.
Der Fall bleibt dabei jederzeit spannend genug, um neugierig weiterzulesen.

Ein Campingplatz als nicht alltäglicher Schauplatz sorgt zusätzlich für ein ganz eigenes Flair und verleiht dem Krimi eine besondere Note.

"Entführung im Himmelreich" ist rasant, witzig und voller kluger Wortspielereien; und das ist genau die richtige Mischung für alle, die sich mit einem kurzweiligen Wohlfühlkrimi entspannen möchten. Bitte mehr davon!

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Veröffentlicht am 01.07.2025

Hat alles, was ein Thriller braucht

Der Trailer
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"Meistens, eigentlich fast immer, war die naheliegendste Möglichkeit auch die richtige."

Vor fünfzehn Jahren verschwindet die Studentin Lisa Martin bis heute spurlos auf einem Campingplatz in den Bergen.
Die ...


"Meistens, eigentlich fast immer, war die naheliegendste Möglichkeit auch die richtige."

Vor fünfzehn Jahren verschwindet die Studentin Lisa Martin bis heute spurlos auf einem Campingplatz in den Bergen.
Die Hamburger Kommissarin Frieda Stahnke greift die Geschichte erneut auf und sucht über einen True-Crime-Podcast nach weiteren Zeugen und neuen Erkenntnissen. Auf diesem Weg findet sie tatsächlich einen ehemaligen Augenzeugen: Wout Meertens, einen zwielichtigen Barbesitzer aus Köln, der vor fünfzehn Jahren ebenfalls zur gleichen Zeit auf dem Campingplatz war.

Frieda und Wout beginnen zunächst widerwillig zusammenzuarbeiten, um herauszufinden, was damals wirklich geschehen ist. Dabei müssen sie sehr schnell feststellen, dass der Podcast viel mehr ins Rollen gebracht hat, als sie gedacht haben – neue Morde scheinen mit dem alten Fall verbunden.

„Der Trailer“ ist der fesselnde Auftakt zur neuen „Donkerbloem“-Trilogie von Linus Geschke, der mich von der ersten Seite an begeistert hat. Zwar dreht sich die Geschichte um ein eher düsteres und unbequemes Thema (abgründige Begierden jenseits gesellschaftlicher Normen), doch Geschke schafft es, dieses Setting glaubhaft und packend zu erzählen. Seine Figuren wirken dabei äußerst lebendig und echt, vor allem Frieda und Wout agieren jederzeit glaubwürdig. Eine Identifikation fällt leicht.

Die Sprache ist klar, der Stil flüssig, und die oft überschaubar kurzen Kapitel verleihen der Geschichte ein enormes Tempo, sodass man kaum mit dem Lesen aufhören kann/möchte.

Geschickt werden die verschiedenen Handlungsstränge mehr und mehr miteinander verwoben: die enorme Komplexität der Geschichte wirkt aber nie verwirrend, sondern sorgt für durchgehende Spannung. Gerade zum Ende hin legt der Thriller noch einmal deutlich an Tempo und Intensität zu und überrascht mit einer letzten Wendung, die das Gesamtbild stimmig abrundet.

Linus Geschke zeigt erneut seine ganze Klasse als Thriller-Autor und knüpft an seine besten Werke an. Sollte die Trilogie auf diesem Niveau weitergehen, wird sie zu einem echten Highlight des Genres werden. „Der Trailer“ hat mich absolut überzeugt, ein Thriller, der alles bietet: Atmosphäre, Spannung und viele überraschende Wendungen.

Absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 20.05.2025

Das Sterben hat begonnen

Aschesommer
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"Das hier war seine Rache. Er war nicht auf der Welt, um zu verzeihen. Er war hier, um sie zu zerstören."

Ein halbes Jahr nach den traumatischen Ereignissen der „Krähentage“ wird die Sonderermittlungsgruppe ...


"Das hier war seine Rache. Er war nicht auf der Welt, um zu verzeihen. Er war hier, um sie zu zerstören."

Ein halbes Jahr nach den traumatischen Ereignissen der „Krähentage“ wird die Sonderermittlungsgruppe 4 erneut mit einem verstörenden Fall konfrontiert.
Nach einem rätselhaften Hinweis stoßen Jakob Krogh und Mila Weiss auf zwei tiefgefrorene Leichen in einem verlassenen Bauernhof. Eine Botschaft aus Asche kündigt weiteres Sterben an. Während die "Gruppe 4" ermittelt, zeigt sich: Der Täter kennt nicht nur die Opfer, sondern gleichzeitig die geheimsten Schwächen der Ermittler. Die Spur führt tief in psychologische Abgründe; die Grenze zwischen den Ermittlern und dem Täter beginnt zu verschwimmen.

Die erzählte Geschichte ist unheimlich spannend und in sich sehr schlüssig; gleichzeitig aber auch verstörend genial und klug konstruiert. Die handelnden Charaktere, allen voran natürlich Mila und Jakob, sind detailreich und glaubwürdig charakterisiert.
Aufgrund des verwendeten Schreibstils lässt sich der Thriller flüssig lesen, man kann das Buch kaum noch aus der Hand legen und wird regelrecht atemlos in die Handlung hineingezogen.

„Aschesommer“ ist ein fesselnder Thriller, der mich mit psychologischer Tiefe, komplexen Charakteren und einer spannungsgeladenen Handlung in den Bann gezogen hat. Benjamin Cors ist es erneut gelungen, eine zunehmend düstere Atmosphäre zu erschaffen, in der die Ermittler nicht nur gegen einen skrupellosen Mörder, sondern auch gegen ihre eigenen inneren Dämonen zu kämpfen haben.

Wer schon die „Krähentage“ gelesen hat (und das ist zum Verständnis unbedingt Voraussetzung), sollte sich diesen Nachfolger keinesfalls entgehen lassen.
Die Handlung ist unfassbar packend; inhaltlich zugleich absurd genial.
Ein Thriller, der keine Kompromisse macht: Für mich ist der "Aschesommer" tatsächlich noch etwas besser als der schon ausgesprochen gute erste Teil.
Uneingeschränkte Thrillerempfehlung, volle Punktzahl!
Ich freue mich auf weitere Teile der Serie, es gibt wohl ganz offensichtlich noch recht viel zu erzählen.

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Veröffentlicht am 09.05.2025

Horror und Liebe

Phantasma – Spiel um dein Leben, fürchte die Liebe
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"Du hast versagt, obwohl du noch nicht einmal angefangen hast. Klopf dreimal gegen die Mauer, dann wird alles wieder gut."

„Phantasma“ von Kaylie Smith hat mich wirklich positiv überrascht und ist mal ...


"Du hast versagt, obwohl du noch nicht einmal angefangen hast. Klopf dreimal gegen die Mauer, dann wird alles wieder gut."

„Phantasma“ von Kaylie Smith hat mich wirklich positiv überrascht und ist mal etwas ganz anderes gewesen als das, was ich sonst lese. Wir begleiten Ophelia nach dem Tod ihrer Mutter nach Phantasma – und was dort passiert, muss man selbst gelesen haben. Teufel, Phantome und Dämonen. Alles findet seinen Platz in dieser Geschichte. Also auch die Liebe. Sie steht zwar nicht unbedingt im Vordergrund, hat aber dennoch eine starke Präsenz.

Weiter ins Detail gehen möchte ich in Sachen Liebe allerdings nicht. Nur so viel: Es entstehen definitiv interessante Beziehungen unter den Protagonisten.
Ophelia und Blackwell sind vor allem interessant. Ophelia, weil sie nun mal eben im Mittelpunkt der Geschichte steht und das ein oder andere Problem bewältigen muss. Sie ist nicht die klassische starke weibliche Protagonistin und hinter ihrer Fassade steckt noch mehr, wie man im Laufe der Geschichte bemerkt. Besonders der Bund zu ihrer Schwester ist sehr stark und bringt sie in die ein oder andere brenzlige Situation.

Und brenzlige bzw. gefährliche Situationen findet man in Phantasma sehr häufig. Und das macht diese Geschichte aus. Kaylie Smith schafft es einfach viel Spannung und ruhigere Story Elemente in ein perfektes Gleichgewicht zu bringen – denn langweilig ist mir beim Lesen nie geworden. Was auch an dem Schreibstil liegt, der ganz einfach gehalten ist. Die Beschreibungen der Umgebung lassen das gesamte Setting lebendig werden und man hat das Gefühl, man würde sich zusammen mit Ophelia den einzelnen Prüfungen stellen.

Insgesamt lassen sich in „Phantasma“ viele wundervoll ausgearbeitete Ideen finden, die alle auf irgendeine Weise zusammenpassen. Diese Geschichte ist einfach etwas Besonderes – von den Protagonisten bis hin zum Setting. Wer also Lust auf eine Geschichte hat, die man nicht weglegen kann, wird hier fündig. Aber denkt beim Lesen daran: Verliebt euch nicht (zu schnell in die Protagonisten).

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Veröffentlicht am 21.04.2025

atmosphärischer Auftakt

Elbnächte. Die Lichter über St. Pauli
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"Glück. Sie hatte vergessen, was das war."

Hamburg im Jahr 1913: Louise Dumont wird von einem Tag auf den anderen aus ihrem wohlbehüteten Leben gerissen, als ihr Ehemann Viktor plötzlich spurlos verschwindet ...


"Glück. Sie hatte vergessen, was das war."

Hamburg im Jahr 1913: Louise Dumont wird von einem Tag auf den anderen aus ihrem wohlbehüteten Leben gerissen, als ihr Ehemann Viktor plötzlich spurlos verschwindet und sie vollkommen mittellos zurücklässt. Um sich über Wasser zu halten, plant sie gemeinsam mit Ella Tomaczowa, einer geflüchteten Bordellmitarbeiterin, auf St. Pauli eine Bar zu eröffnen.
Als in unmittelbarer Nähe ein Juwelier ermordet wird, geraten die beiden ungewollt in ein düsteres Netz aus Verdächtigungen und Geheimnissen. Und dann ist da noch der ehemalige Polizist Paul Klinker - nach einem "Unfall" verliert er nicht nur einen Arm sondern zudem auch seine Frau und sein Zuhause - der zur gleichen Zeit versucht, eine brutale Bande von Straßenkindern zu stoppen.

Henrike Engel gelingt mit "Elbnächte - Die Lichter über St. Pauli" eine eindrucksvoll überzeugende Mischung aus historischem Roman und packender Kriminalgeschichte. Bedächtig und ruhig erzählt, aber mit stetig hohem Spannungsbogen. Nach einer für mich unerwarteten und überraschenden Storywendung zieht die Spannung zum Ende der Geschichte nochmal deutlich an. Gut gemacht!

Wir erleben in einer wohl einzigartigen Stadt, Hamburg - St. Pauli, eine bildgewaltige Reise in die erlebnisreiche Zeit Anfang des letzten Jahrhunderts.
Die Erzählung und die Charaktere sind plastisch und authentisch gezeichnet: ich konnte mir Louise, Ella, Paul und ihr Umfeld sehr gut vorstellen und mich in ihre individuellen Schicksale hineinversetzen.

Der erste Band der "Elbnächte" hat mich überzeugend gut unterhalten, der Autorin Henrike Engel ist es gelungen, mich mit dieser Geschichte zu fesseln und ich bin schon sehr gespannt auf den Nachfolgeband.

Leseempfehlung!

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