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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.10.2025

Can Dündar,  Journalist mit Mut

Ich traf meinen Mörder
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Der türkische Journalist Can Dündar, der mutig über die Verbrechen der Autokratie des Landes berichtete, ist weiterhin dran und hat ein neues Buch:
Ich traf meinen Mörder
Untertitel: Ein Journalist und ...

Der türkische Journalist Can Dündar, der mutig über die Verbrechen der Autokratie des Landes berichtete, ist weiterhin dran und hat ein neues Buch:
Ich traf meinen Mörder
Untertitel: Ein Journalist und die dunklen Seiten der Macht
 
Da berichtet er von einem Mann, der mit einem Attentat auf ihn beauftragt war und sich ihm jetzt, wo er in Argentinien im Gefängnis sitzt, an ihn wendet. Da er befürchtet in die Türkei ausgeliefert zu werden, ist er bereit, Dündar alle Hintergründe zu berichten. Und da gibt es noch mehr, zum Beispiel illegale Waffenlieferungen an Islamisten.   
 
Auch der Anschlag auf Dündar 2016 wird thematisiert.

Man merkt schnell, dass dieses Buch wichtig ist, denn viele Journalisten wurden schon eingeschüchtert und mundtot gemacht. Da sind die, die weiterhin offen berichten, umso wichtiger.
 
Das Buch ist kurz, aber kompakt und direkt.

Veröffentlicht am 08.10.2025

Erzählungsband

Auf ganz dünnem Eis
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Der Schweizer Schriftsteller Peter Stramm ist einer der ganz wenigen Autoren von Bedeutung, der neben Romanen auch immer wieder Erzählungsbände schreibt. Auf ganz dünnem Eis versammelt 9 Kurzgeschichten. ...

Der Schweizer Schriftsteller Peter Stramm ist einer der ganz wenigen Autoren von Bedeutung, der neben Romanen auch immer wieder Erzählungsbände schreibt. Auf ganz dünnem Eis versammelt 9 Kurzgeschichten. Es sind gediegene, kleine Erzählungen ohne allzu viel Handlung und auf der Oberfläche gesehen eher kühl.Aber man spürt schnell, dass unter dieser Oberfläche mehr liegt.
Wie bei vielen Erzählungsbänden kann man mit manchen Geschichten mehr anfange als mit anderen.Meine Favoriten sind die Titelgeschichten Auf dünnem Eis I und Auf dünnem Eis II.
Eine Geschichte zeigt Passagen aus America got talent, mit den Auftritten von Susan Boyle und Paul Potts. Sehr gut beobachtet.
Mit der dystopischen Erzählung Wintern schließt das Buch nahezu majestätisch. Absolut bemerkenswert.
Die meisten Erzählungen sind sehr ruhig, aber alle haben präzise Beschreibungen. Das Markenzeichen für Peter Stamm.

Veröffentlicht am 08.10.2025

Donna Quichotte und Sancho Pansa

Die Tochter des Predigers
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Die Tochter des Predigers hat eine spannende und interessante Story, die den Leser zu dem Buch lockt. Doch zu Beginn ist der Roman zu schleppend. Mit Ausnahme der 18jährigen Protagonistin Lily, die ihren ...



Die Tochter des Predigers hat eine spannende und interessante Story, die den Leser zu dem Buch lockt. Doch zu Beginn ist der Roman zu schleppend. Mit Ausnahme der 18jährigen Protagonistin Lily, die ihren verschwundenen Freund Peter sucht, sind die Figuren zu flach. Lebhafter wird es erst, als mit Allan Woodson eine komplexere Figur auftaucht. Lily und Allan werden ein Team auf der Suche nach Peter. Wie im Nachwort angemerkt wirken sie tatsächlich ein wenig wie eine Donna Quichotte und Sancho Pansa.
Auch die Dialoge haben jetzt mehr Pep.

Jake Hinkson hat mit Arkansas einen Schauplatz gewählt, den er gut kennt und entsprechend vermittelt. Das Buch hat einen Hauch von Country Noir.
Insgesamt habe ich es aber in erster Linie als Familiendrama gelesen.

Ein kluges Nachwort von Peter Henning schließt das Buch.

Veröffentlicht am 08.10.2025

David Maratse

Sieben Gräber für den Winter
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Sieben Gräber für den Winter ist einerseits ein geradliniger Krimi, andererseits aber auch ein Buch, das viel über Grönland zeigt. Die Umgebung, die Kultur, die Sprache. Christoffer Petersen thematisiert ...

Sieben Gräber für den Winter ist einerseits ein geradliniger Krimi, andererseits aber auch ein Buch, das viel über Grönland zeigt. Die Umgebung, die Kultur, die Sprache. Christoffer Petersen thematisiert viel von Grönland, auch über Probleme und die Politik.
Er zeigt auch die Unterschiede zwischen einer Großstadt wie Nuuk und einem Dorf wie Inussuk. Beides sind Schauplätze der Handlung.

Eine weitere große Stärke des Romans ist seine Hauptfigur, David Maratse. Er wurde in Nuuk bei einem Einsatz schwer verletzt und frühpensioniert. Aber so ganz ist er noch nicht bereit, loszulassen und da noch weitere Romane mit ihm folgen, wird sich das wohl auch nicht so schnell ändern. Trotz Schmerzen bleibt Maratse aktiv und auch widerspenstig. Er forscht inoffiziell in einem Fall über den Tod einer jungen Frau, die er durch Zufall im Meer gefunden hatte. Wir Leser wissen, dass sie ermordet wurde, denn die brutale Tat wurde in einem Kapitel gezeigt. Und auch Maratse ahnt es.
Ich denke, Christoffer Petersen hat seinen Grönlandkrimi gut gestaltet und man darf gespannt sein, ob das hohe Niveau in den folgenden Teilen gehalten wird.

Veröffentlicht am 30.09.2025

Wir dürfen Deutschland nicht den Rechten überlassen

Es ist unser Land
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Es ist unser Land ist im Prinzip der Nachfolger von Michel Abdollahis Buch Deutschland schafft mich, aber es ist ernster, fast schon düster.
Das Resümee über Deutschlands politische Entwicklung ist Ernüchternd. ...

Es ist unser Land ist im Prinzip der Nachfolger von Michel Abdollahis Buch Deutschland schafft mich, aber es ist ernster, fast schon düster.
Das Resümee über Deutschlands politische Entwicklung ist Ernüchternd. Man spürt den kaum verhaltenen Zorn, den Michel Abdollahi zu Recht hat.
Dennoch gibt er sich auch kämpferisch, wie schon der Untertitel „Wir dürfen Deutschland nicht den Rechten überlassen“ verrät.
Ich habe das Buch mit Interesse gelesen.