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Shilo_

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.10.2025

Wenn Verantwortung zur Versuchung wird

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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Ich war schnell mitten im Leben dieser Frau, die zwischen Zahlen, Pflichten und eigenen Träumen hin- und hergerissen ist. Das Grand Hotel Frohner mit seinem Glanz, den gedämpften Stimmen in der Lobby und ...

Ich war schnell mitten im Leben dieser Frau, die zwischen Zahlen, Pflichten und eigenen Träumen hin- und hergerissen ist. Das Grand Hotel Frohner mit seinem Glanz, den gedämpften Stimmen in der Lobby und der strengen Ordnung wirkt so echt, dass ich es förmlich vor mir sehen konnte. Kein Ort aus Märchen, sondern einer, an dem man spürt, wie dünn die Grenze zwischen Schein und Wirklichkeit sein kann.
Angelika Moser, die Buchhalterin, will eigentlich nur alles richtig machen. Doch irgendwann fängt sie an, in den Zahlen zu jonglieren – nicht aus Gier, sondern aus Sorge und vielleicht auch ein bisschen Trotz. Das hat mich sehr berührt, weil es so menschlich ist. Dieser Moment, in dem man glaubt, man könne etwas geradebiegen, und dann merkt, dass man sich verheddert hat.
Vea Kaiser erzählt das feinfühlig und mit einem genauen Blick für Menschen und Orte. Besonders mochte ich, wie sie Wien beschreibt – nicht geschönt, sondern lebendig, mit dem besonderen Ton zwischen Charme und Alltagsmüdigkeit. Zwischendurch blitzen immer wieder kleine, stille Momente auf, die das Ganze auflockern.
Mich hat die Geschichte sehr nachdenklich gemacht: Wie viel Verantwortung kann man übernehmen, ohne sich selbst zu verlieren? Angelika meint anfangs, sie handelt richtig – und doch entfernt sie sich Stück für Stück von sich selbst.
Ein stilles, kluges Buch, das bleibt. 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 07.10.2025

Mitreißendes Finale um Burgl und ihre Oblatenbäckerei

Turbulente Zeiten
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„Turbulente Zeiten“ von Ada Caine ist ein würdiger Abschluss der Oblatenbäckerin-Saga, der mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat. Schon nach wenigen Seiten war ich wieder mitten im Leben ...

„Turbulente Zeiten“ von Ada Caine ist ein würdiger Abschluss der Oblatenbäckerin-Saga, der mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat. Schon nach wenigen Seiten war ich wieder mitten im Leben von Burgl, die sich in Karlsbad eine neue Existenz aufgebaut hat. Ihre Oblatenbäckerei läuft gut, sie ist voller Vorfreude auf ihr erstes Kind – und dennoch wird sie mit Prüfungen konfrontiert, die nicht nur ihr Glück, sondern auch ihre Sicherheit bedrohen.
Besonders eindrucksvoll fand ich, wie geschickt Ada Caine Spannung und historische Atmosphäre miteinander verbindet. Während Burgls Alltag zunächst von Hoffnung und Aufbruch geprägt ist, ziehen dunkle Wolken auf. Das Verschwinden junger Frauen, die unerwarteten Anschläge auf den Oblatenstand und die rätselhafte Rolle der jungen Zofe Emma Schorer, die ihre erste Stellung antreten will, sorgen für eine Dynamik, die mich dazu brachte, immer weiterzulesen. Langeweile kam nie auf, im Gegenteil: Die Ereignisse überschlugen sich, und ich wollte unbedingt wissen, wie Burgl die Hindernisse meistert.
Emotional hat mich der Roman besonders dadurch erreicht, dass die Figuren so lebendig und nahbar wirken. Burgl ist eine starke, mutige Frau, die gleichzeitig verletzlich bleibt, und gerade das macht sie so authentisch. Auch die Nebenfiguren sind überwiegend sympathisch, was die Geschichte noch wärmer wirken lässt – trotz aller Gefahren, die drohen.
Für mich war es eine fesselnde Lektüre, die den Bogen zur gesamten Trilogie schließt und doch neue Facetten eröffnet. Ich habe das Buch kaum aus der Hand legen können, so sehr wollte ich wissen, ob Burgl ihre Träume und ihre Bäckerei retten kann. Ada Caine hat mit diesem Finale bewiesen, wie viel Herzblut und Erzählkunst in ihrer Saga steckt.
Mein Fazit: Ein gelungener Abschluss der Trilogie, voller Spannung, Emotionen und historischer Lebendigkeit. Für alle, die Burgls Weg von Anfang an begleitet haben, ein Muss – und für neue Leserinnen und Leser ein packender Einstieg, der neugierig auf die Vorgängerbände macht. 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 04.10.2025

Bewegend, präzise und erschreckend aktuell

Als der Golem die Augen schloss
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Die Geschichte setzt ganz ruhig ein und schildert ausführlich das Leben im Schtetl: den Umgang der Nachbarn, die kleinen Freuden, die tägliche Arbeit und die vertrauten Rituale von Festen und Märkten. ...

Die Geschichte setzt ganz ruhig ein und schildert ausführlich das Leben im Schtetl: den Umgang der Nachbarn, die kleinen Freuden, die tägliche Arbeit und die vertrauten Rituale von Festen und Märkten. Alles wirkt lebendig und nah. Man spürt die Sorgen und Hoffnungen der Menschen, aber auch, wie fragil dieses Gefüge ist und wie leicht es ins Wanken geraten kann.
Schon früh legt sich ein düsterer Schatten über die Geschichte: Der Mord an dem Knaben Michail Ribatschenko in Dubossary steht sinnbildlich für die wachsende Gefahr. Schritt für Schritt zeigt sich, wie Verdächtigungen und Gerüchte Kreise ziehen, Misstrauen wächst und alte Vorurteile eine zerstörerische Dynamik annehmen. Die zunehmende Verunsicherung und die drohende Eskalation sind klar und nachvollziehbar dargestellt.
Besonders eindrucksvoll ist, wie sensibel und zugleich ungeschönt der Autor diesen Wandel beschreibt. Die Brutalität des Pogroms wird greifbar, ohne reißerisch zu wirken. Gleichzeitig macht Boris Sandler das vielschichtige Leben im Schtetl sichtbar: die Feste, die religiösen Bräuche, die familiären Bindungen – und rückt die Menschen in ihrer ganzen Menschlichkeit ins Licht. Dieses Nebeneinander von Alltagsnähe und drohender Katastrophe erzeugt eine intensive Spannung.
Mich hat das Buch sehr bewegt, weil es nicht nur die Grausamkeit zeigt, sondern auch den Zusammenhalt, die Kultur und die Widerstandskraft der Menschen würdigt. Ihre Angst, ihre Unsicherheit und ihre Hoffnung konnte ich beim Lesen mitfühlen.
Das Buch macht deutlich, dass Geschichte nie abstrakt ist. Sie besteht aus Menschen, die lieben, leiden, hoffen und kämpfen. Für mich war die Lektüre ein stiller, eindringlicher Moment, der nachhallt. Ein starkes, wichtiges Werk, das ich uneingeschränkt mit fünf Sternen empfehle.

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Veröffentlicht am 01.10.2025

Düsterer Mordfall im 14. Jahrhundert

Der Kriminale Inquisitor
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Dieser historische Kriminalroman entführt direkt ins Jahr 1368 nach Goslar und öffnet ein eindrucksvolles Fenster ins Mittelalter. Schon zu Beginn spürt man, wie gefährlich und unsicher das Leben damals ...

Dieser historische Kriminalroman entführt direkt ins Jahr 1368 nach Goslar und öffnet ein eindrucksvolles Fenster ins Mittelalter. Schon zu Beginn spürt man, wie gefährlich und unsicher das Leben damals war – geprägt von Pest, Aberglauben und klaren Grenzen zwischen den Ständen. Gerade diese Kulisse hat mich beim Lesen immer wieder gefesselt, weil sie so anschaulich beschrieben ist und das Geschehen dadurch besonders authentisch wirkt.
Im Mittelpunkt steht Jan von Granitweiler, ein ehemaliger Ordensritter mit klarem Verstand, der die Ermittlungen aufnimmt. An seiner Figur hat mir gefallen, dass er nicht nur analytisch denkt, sondern auch mit seiner Vergangenheit ringt und innere Zweifel mit sich trägt. Dadurch wirkt er vielschichtig und glaubwürdig. Neben ihm spielt Isolde eine wichtige Rolle – eine junge Frau mit einem gefährlichen Geheimnis. Sie bringt eine eigene Sichtweise ein, die sich gut mit der eigentlichen Ermittlungsarbeit verbindet und der Geschichte zusätzliche Tiefe gibt.
Die Mordserie entfaltet sich Schritt für Schritt, bleibt spannend und nachvollziehbar. Besonders gelungen fand ich, wie verborgene Zusammenhänge nach und nach ans Licht kommen. Für mich war das Lesen fast so, als würde man Stück für Stück ein komplexes Puzzle zusammensetzen, bei dem sich mit jeder neuen Erkenntnis ein klareres Bild ergibt.
Was mir an diesem Buch besonders gefallen hat, ist die Mischung aus Kriminalhandlung und historischem Hintergrund. Die Atmosphäre ist dunkel, manchmal beklemmend, doch die Figuren zeigen immer wieder Momente voller Menschlichkeit. So entsteht ein ausgewogenes Bild, das weder übertrieben noch künstlich wirkt, sondern in sich stimmig bleibt.
Am Ende bleibt ein historischer Kriminalroman, der sowohl durch Spannung als auch durch seine überzeugende Authentizität punktet – und den ich ohne Zögern weiterempfehle. Von mir gibt es 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 30.09.2025

Eine Geschichte, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwebt

Die Kastanienschwestern
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Eine Geschichte, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwebt
Sehr bewegend

Schon nach wenigen Seiten war ich mitten in der Geschichte. Die Verbindung von Gegenwart und Vergangenheit hat mich sofort ...

Eine Geschichte, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwebt
Sehr bewegend

Schon nach wenigen Seiten war ich mitten in der Geschichte. Die Verbindung von Gegenwart und Vergangenheit hat mich sofort neugierig gemacht und nicht mehr losgelassen. Besonders die Rückblicke haben mich tief berührt, weil sie eine eigene Stimmung tragen und dem Buch eine besondere Intensität verleihen.
Im Mittelpunkt steht Cara, die nach vielen Jahren in ihr Heimatdorf zurückkehrt. Kein leichter Schritt, denn der Tod ihrer Schwester Neve liegt noch immer wie ein Schatten über allem. Auch das gespannte Verhältnis zu Casimiro, dem Vater ihrer Tochter, macht die Rückkehr nicht einfacher. Doch Cara wagt es – vor allem für Lily, die hier ihre Wurzeln entdecken darf.
Fesselnd fand ich, wie Cara bei der Arbeit an der Weingutsgeschichte immer tiefer in die Vergangenheit hineingezogen wird. Alte Rezepte, Erinnerungen und schließlich das geheimnisvolle Rezeptbuch öffnen Türen zu einem Familiengeheimnis, das eng mit dem Schicksal ihrer Schwester verbunden ist. Schritt für Schritt entfaltet sich eine Geschichte, die zeigt, wie sehr Vergangenes das Heute prägt.
Die Figuren wirken lebendig und vielschichtig – manche waren mir sofort sympathisch, bei anderen brauchte es Zeit. Genau das machte die Lektüre spannend, denn wie im echten Leben sind nicht alle Menschen leicht einzuordnen. Auch die Kastanienfrau, geheimnisvoll und rätselhaft, trägt viel zur besonderen Atmosphäre bei.
Die Natur spielt eine wichtige Rolle: Kastanien, Reben und der See ließen mich das südliche Flair fast hautnah spüren. Am stärksten hat mich jedoch die Geschichte aus der Vergangenheit bewegt. Sie gibt dem Roman Tiefe und zeigt, wie alte Entscheidungen noch Generationen später nachwirken können.
Für mich war es eine rundum gelungene Lektüre, die ich kaum aus der Hand legen konnte. Ich habe mitgefühlt, mitgerätselt – und das Buch am Ende mit einer Träne im Auge und einem stillen Nachklang zugeschlagen. Eine klare Empfehlung und fünf Sterne.

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