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Veröffentlicht am 15.10.2025

Spannung in Christiania!

Schwelbrand
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Dieser Thriller mit dem Untertitel „Die Narben der Wahrheit“ ist der dritte Band um die Privatdetektivin Liv Jensen von Katrine Engberg. Und es istz wohl auch ihr persönlichster Fall, schließlich wird ...

Dieser Thriller mit dem Untertitel „Die Narben der Wahrheit“ ist der dritte Band um die Privatdetektivin Liv Jensen von Katrine Engberg. Und es istz wohl auch ihr persönlichster Fall, schließlich wird das Wissen um die Vergangenheit benötigt, um den aktuellen Fall aufzuklären. Aber in der Vergangenheit war ihr Idol, der Opa, als Polizist darin verwickelt.

Die Privatdetektivin Liv Jensen wird telefonisch kontaktiert. Der Anrufer fühlt sich stark gestört und hat den Eindruck, dass bei ihm eingebrochen wurde. Er bittet Liv Jensen, Sicherheitskameras in seiner Wohnung anzubringen. Liv ist anpassungsfähig und handelt zügig, um ihre Miete zu decken, und bringt die Kameras schnell zum Klienten.

Während sie dabei ist, eine Kamera im Keller zu installieren, wird das Haus erneut von jemandem betreten! Sie vernimmt nur das Geräusch, als die Kellertür von außen abgeschlossen wird. Sie ist gefangen. Jemand plant Böses. Plötzlich hört sie, wie ihr Klient ermordet wird, und ist machtlos, etwas dagegen zu unternehmen. Schließlich gelingt es ihr, sich mit einem Feuerlöscher als Rammbock aus dem Keller zu befreien.

Sie fängt an zu recherchieren und entdeckt einen Zusammenhang zu einem vier Jahrzehnte alten Fall. Damals starb in der Freistadt Christiania ein junger Mann, dessen Ermittlungen Livs Großvater leitete. Hat die Wahrheit all die Jahre im Verborgenen verharrt? Haben die Geheimnisse all diese Zeit unentdeckt weiterexistiert? Liv vertieft sich in ihre eigene Familiengeschichte und erkennt, dass ein Mörder auf freiem Fuß ist. Ein Mörder, der sie im Auge behält und genau weiß, wer sie ist.

In diesem Roman nutzt Katrine Engberg zahlreiche kurze Szenen, die aus unterschiedlichen Handlungslinien hervorgehen, was sowohl die Spannung steigert als auch das Lesetempo anhebt. Neben den zunächst privat wirkenden Erzählungen gibt es tatsächlich einen zweiten Kriminalfall, der mit der Ermittlerin nicht direkt verbunden ist. Dieser wird eher beiläufig präsentiert und ist ebenso fesselnd wie der Hauptstrang. Die Figuren, die in allen Handlungslinien miteinander interagieren, bilden die einzige Gemeinsamkeit. Das habe ich sehr gelungen empfunden.

Ein Kommissar, der Anzeichen von Demenz zeigt, ist ebenfalls eine ungewöhnliche Figur und sorgt dafür, dass das Interesse der Leser bleibt. Die komplexen Beziehungen zwischen Liv und ihren Freunden verleihen der Geschichte eine zusätzliche Dimension. Jeder Bekannte hat offenbar seine eigenen Geheimnisse, die nach und nach ans Licht kommen.

Das Geschehen in der Gegenwart und in der Vergangenheit führt zu einem ungewöhnlichen Zusammenhang und Leser können sich auf zahlreiche Wendungen gefasst machen. Alle Informationen und Erkenntnisse scheinen irgendwann doch nicht mehr zu stimmen und es muss neu durchdacht werden. Nicht nur vom Leser, sondern eher von der Protagonistin. Die Vergangenheit wird durch einen anderen Schriftstil sehr gut kenntlich gemacht, so dass es keine Probleme für das Verständnis des Geschehens gibt.

Während die Ermittlungen voranschreiten, werden die Verbindungen zwischen den Fällen immer klarer. Diese unerwarteten Wendungen halten die Spannung bis zur letzten Seite hoch. Engberg gelingt es meisterhaft, die Leser in eine Welt voller Intrigen und unerwarteter Enthüllungen zu entführen.

Mit diesen Kriminalermittlungen stellt Katrine Engberg die Freistadt Christiania auf ganz besondere Weise vor. Eine Stadt, die für Hippies, Kiffer und Aussteiger steht, wird ihrem Aussehen umfangreich und detailreich beschrieben. Sowohl Straßenzüge, Häuserfassaden als auch die Wohnungen von innen. Dsa ist alles interessant und ein zusätzlicher Leckerbissen.

„Schwelbrand“ ist ein echt fesselnder Roman, der mit mehreren Handlungssträngen und interessanten Figuren aufwartet, von denen jeder sein eigenes Geheimnis hat. Besonders spannend sind die Einblicke in die Örtlichkeiten von Christiania, die den Hintergrund lebendig werden lassen. Die Protagonistin zeigt einen beeindruckenden Pragmatismus, der die Geschichte noch greifbarer macht. Ein echter Lesetipp! Einziger Wermutstropfen: Die für Skandinavien typischen Anredeformen mit Vornamen und „Du“ können etwas gewöhnungsbedürftig sein. Aber lass dich davon nicht abschrecken – das Buch ist definitiv lesenswert!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

Veröffentlicht am 01.10.2025

Der Donnerstagsmordclub auf der Suche nach einem Code für Bitcoins

Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code (Die Mordclub-Serie 5)
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Dieser Kriminalroman von Richard Osman ist der mittlerweile fünfte Roman aus dieser überaus beliebten Cosy Crime Reihe. Für mich war es der erste, den ich gelesen habe. Und wie bei den meisten Autoren, ...

Dieser Kriminalroman von Richard Osman ist der mittlerweile fünfte Roman aus dieser überaus beliebten Cosy Crime Reihe. Für mich war es der erste, den ich gelesen habe. Und wie bei den meisten Autoren, die Reihen schreiben, ist dieser Roman losgelöst von den vorhergehenden lesbar. Zwar wird hin und wieder auf ein Ereignis in der Vergangenheit hingewiesen, aber gelesen haben muss man den dafür zugrundeliegenden Roman nicht.

Joyce ist stark in die Vorbereitungen für die Hochzeit ihrer Tochter Joanna eingebunden. Joanna wird Paul heiraten, dessen Freund Nick Silver als Trauzeuge fungiert. Obwohl Holly Lewis, die Geschäftspartnerin von Nick, ebenfalls eine Freundin von Paul ist, hat sie sich mit einer nichtssagenden Ausrede von den Feierlichkeiten abgemeldet und fehlt daher. Nick und Holly arbeiten gemeinsam, und Paul hatte sich vor einigen Jahren an ihrem Unternehmen beteiligt.

Elizabeth wird vom Trauzeugen Nick angesprochen und um Hilfe gebeten. Am Morgen hätte er unter seinem Auto, welches draußen auf dem Parkplatz steht, eine Bombe entdeckt. Offenbar wollen ihn jemand töten.

Elizabeth wittert die Möglichkeit einer Ermittlung für den Mordclub, obwohl bislang ja noch gar kein Toter existiert. Aber der Versuch eines Anschlages reicht ihr bereits. Schnell wird klar, dass Nick einen Code kennt, mit dem der Zugang zu einem Tresor voller Bitcoins erlangt werden kann. Einen zweiten Teil des Codes kennt nur seine Geschäftspartnerin Holly.

Doch bevor der Mordclub weiter ermitteln kann, ist Nick Silver spurlos verschwunden. Und dann explodiert ein Auto und es gibt eine Tote.

Die Kapitel sind relativ kurz, was den Roman insgesamt unterhaltsam macht. In chronologischer Reihenfolge und mit den entsprechenden Wochentagen versehen, kann der Leser die Ermittlungen nachverfolgen.

Die Kapitel werden aus unterschiedlichen Perspektiven dargestellt. Teile davon sind aus der Ich-Sicht von Elizabeth und Joyce geschrieben, während die meisten Passagen von einem fiktiven Erzähler in der dritten Person wiedergegeben werden. Obwohl die Ich-Erzähler in den Überschriften klar gekennzeichnet sind, geschieht der Wechsel der Perspektive so geschmeidig und unauffällig, dass er kaum bemerkt wird. Dies fügt sich gut in die Erzählung ein.

Richard Osman hat eine komplexe Handlung erschaffen, die zahlreiche kleine Abzweigungen enthält, um die Leser zu verwirren. Es gibt viele Verdächtige und verschiedene Szenarien, die erklären könnten, was geschehen ist und wer die Drahtzieher sind. Dies sorgt für Unterhaltung und steigert das Lesetempo.

Der Erzählstil ist angenehm und entspannt. Die vier Hauptcharaktere der Geschichte – Elizabeth, Joice, Ron und Ibrahim – werden durch ihre Taten und Gespräche mit anderen Figuren lebhaft und detailliert präsentiert. Es macht Spaß, ihnen zu folgen, und man kann oft schmunzeln, denn viele der Situationen kennt man nur zu gut aus dem eigenen Alltag.

Der Donnerstagsmordclub wird auch durch eine bunte Truppe weiterer Charaktere aufgepeppt. Besonders der Enkel von Ron bringt frischen Wind in die Runde der Rentner – als kleiner Wirbelwind ist er zwar nur ein Dreikäsehoch, hat aber einen gehörigen Anteil an den Ermittlungen!

Es wundert nicht, dass es eine brandneue Verfilmung bei Netflix gibt, die nur so voller hochkarätiger Schauspieler (Helen Mirren, Pierce Brosnan, Ben Kingsley und Celia Imrie) wimmelt.

Obwohl es ganz schön aufregend zugeht, finde ich einige der kleinen Abschnitte eher überflüssig. Sie entfernen sich so weit vom Hauptplot, dass sie nur dazu dienen, gute Laune zu verbreiten, ohne wirklich etwas zur Geschichte beizutragen. Aber keine Sorge, diese Stellen mindern nicht den Spaß am Lesen – das können wir schon mal festhalten! Und hey, wer könnte schon dem Donnerstagsmordclub widerstehen?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieser Cosy Crime in Südengland nicht nur spannend ist, sondern auch voller falscher Fährten, die selbst die cleversten Detektive ins Schleudern bringen. Mit einer schier endlosen Liste von Verdächtigen und amüsanten Wortwechseln wird die Geschichte zu einem wahren Vergnügen. Die humorvollen Situationen und interessanten Figuren sorgen dafür, dass man vor Schmunzeln kaum aus dem Lesen herauskommt.

Wer auf der Suche nach einem unterhaltsamen Lesevergnügen bist, sollte unbedingt in die Welt des Donnerstagsmordclubs eintauchen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

Veröffentlicht am 18.09.2025

Clete Purcel erzählt seine Story

Clete
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Dies ist der vierundzwanzigste Roman aus der Dave-Robicheaux-Reihe von James Lee Burke und ist gerade in einer deutschen Übersetzung bei Pendragon erschienen. Diesen hardboiled Roman zeichnet aus, dass ...

Dies ist der vierundzwanzigste Roman aus der Dave-Robicheaux-Reihe von James Lee Burke und ist gerade in einer deutschen Übersetzung bei Pendragon erschienen. Diesen hardboiled Roman zeichnet aus, dass der Erzähler der Geschichte gewechselt hat. Kein unabhängiger Erzähler und auch nicht die Hauptfigur dieser Reihe erzählt, was so abgeht. Nein es ist Robicheauxs langjähriger Freund Purcel.

Obwohl es immer noch ein Kriminalroman ist, hat sich der Fokus deutlich verschoben. Verbrechen und ihre Lösung sind nach wie vor zentrale Themen. Allerdings gewinnen die Charaktere der Protagonisten Robicheaux und Purcel, ihre Umgebung und die politischen Aspekte in den USA zunehmend an Bedeutung. Trotz dieser Veränderungen hat der Roman keineswegs an Spannung und Unterhaltungswert eingebüßt, im Gegenteil.

Zunächst beginnt alles ganz harmlos. Clete hat seinen Caddilac Eldorado bei einem Kumnpel in der Waschanlage abgegeben, um ihn reinigen zu lassen. Doch kaum hat er ihn von dort abgeholt, da wird der Wagen von zweilichtigen Typen auseinander genommen und zerfleddert. Offenbar haben sie etwas gesucht und nicht gefunden.

Diese Typen sind aber harnäckig und fordern immer wieder von Clete zur Herausgabe ihrer Sachen ein. Dabei schrecken sie nicht vor Gewalt zurück und gehen auch über Leichen. Clete selbst kommt kaum unverletzt aus so mancher Begenung heraus. Aber er hat ein riesengroßes Problem: Er weiß gar nicht, um was es geht. Was wollen die Typen von ihm? Auch von seinem Waschstraßenkumpel Eddy wird er nichts erfahren.

Die Jagd nach dem, was in Cletes Caddy versteckt sein soll, bestimmt den Roman. Wobei Clete und Dave aber den Spieß umdrehen und Jagd auf die Ganoven machen, die hinter Clete her sind.

Es ist faszinierend, wie anders die Geschichte klingt, wenn eine andere Figur sie erzählt und mit welcher Akribie der Autor daran gearbeitet zu haben scheint. Zwar ähneln sich die beiden Figuren, Dave und Clete, an vielen Stellen, aber doch ist der eine Cop und an Regeln gebunden, die er bei weitem nicht immer einhält, es aber versucht, der andere als Privatdetektiv völlig freier und nimmt auch mal Jobs von Verbrechern an. Der Erzählstil dieses Romans gibt also mal eine andere Stimmung wieder.

James Lee Burke, ein politischer Schriftsteller, artikuliert seine Ansichten durch die Handlung seiner Romane. In diesem Buch integriert er viele metaphorische Details in die Visionen des Erzählers, der regelmäßig Jeanne d’Arc aus dem 15. Jahrhundert sieht und sogar mit ihr interagiert. Diese Visionen scheinen den Erzähler jedoch in den Wahnsinn zu treiben, was er nicht leugnen kann. Dennoch unterstützen sie ihn dabei, sich weiterhin für Gerechtigkeit einzusetzen. Verbrechen gegen Frauen und Juden belasten Clete sehr. Obwohl er gelegentlich für Kriminelle tätig ist, sind Kinder und Frauen für ihn unantastbar. Hier zeigt sich, dass die heutigen USA unter Donald Trump sich unweigerlich in Richtung Mittelalter bewegen.

James Lee Burkes Erzählstil bietet eine Vielfalt an Darstellungsmöglichkeiten. Er integriert Landschaften, Orte, Figuren und Ereignisse ausgewogen in seine Geschichten und schafft so ein umfassendes Gesamtbild. Es ist deutlich spürbar, wie sehr er die Menschen, die Landschaften von Louisiana und das Streben nach Gerechtigkeit schätzt, obwohl er auch die Hoffnungslosigkeit betont, dass diese Gerechtigkeit vielleicht nie erreicht werden kann.

In den vorangegangenen Büchern war Sarkasmus ein wiederkehrendes Element. Witzige und anzügliche Dialoge sorgen für Lebendigkeit. Der spezielle Humor zwischen Dave und Clete zeigt sich oft in ihrer langjährigen Partnerschaft als die „Bobbsey Twins von der Mordkommission“, was zu Wortgefechten führt, die nur zwischen engen Freunden entstehen können. Letzteres ist eine Anspielung der beiden auf ihre gemeinsame Zeit bei der Polizei.

Wie auch bei den anderen Büchern dieser Serie, kann ich einfach nicht anders, als »Clete« zu empfehlen. Aufgrund der einzigartigen Freundschaft der Hauptfiguren und der kontroversen Thematik in einem Südstaaten-Setting der USA ist es ein Roman, den man unbedingt gelesen haben sollte.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

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Veröffentlicht am 06.09.2025

Blut, Wurst und dunkle Geheimnisse

Alles hat ein Ende
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Mit diesem Krimi von Andrea Revers hat es mich wieder in die Eifel geführt. Schon seit den Zeiten des legendären Jaques Berndorf führt es mich immer wieder in die kriminellen Gefilde dieses wunschönen ...

Mit diesem Krimi von Andrea Revers hat es mich wieder in die Eifel geführt. Schon seit den Zeiten des legendären Jaques Berndorf führt es mich immer wieder in die kriminellen Gefilde dieses wunschönen Fleckchens in Deutschland.

Ein alter Spruch lautet: Rentner haben niemals Zeit. So geht es natürlich auch der pensionierten Kriminalkommissarin Frederike. Da sie von Natur und von Ex-Beruf aus immer die Nase in alles stecken muss, bleiben ihr die Ermittlungen in einem rätselhaften Todesfall nicht verborgen. Mit diesem Todesfall werden die Leser gleich auf den ersten Seiten konfriontiert. Im Nachbardorf hat sich eine Frau ein deftiges Essen »Himmel un Äd« zubereitet. Doch während des Verzehrs wird ihr der Kopf schwer und ist sofort tot. Es stellt sich heraus, dass die herzhaften Blutwurst eine Menge Ecstasy in sich trug.

Neben dieser Information erfährt Frederike, dass sie bald Großtante wird, und ihre ihre schwangere Nichte Angela steht auch schon mit Koffer und gebrochenem Herzen vor der Tür ihres Häuschens in der Vulkaneifel. Der werdende Vater Frank hat sie in letzter Zeit schmählich vernachlässigt – und wie sich später herausstellt, hat er zudem ein ausgewachsenes Drogenproblem. Besonders pikant ist dabei, dass er bei der Mordkommission arbeitet.

Bei Frederike lösen die Beigabe von Drogen und Ecstasy in der Blutwurst sofort Alarmglocken aus. Sind die Ereignisse Zufall? Wohl kaum. Möglicherweise können die aktuellen Ermittlungen sie vor dem drohenden Familienchaos bewahren. Der Verkaufswagen der örtlichen Metzgerei rückt rasch in den Mittelpunkt – und ein weiterer Toter erwartet sie bereits dort. Wieder einmal kann Frederike beweisen, dass der Ruhestand für sie keine Bedeutung hat. Doch je tiefer sie gräbt, desto mehr geraten auch ihre Angehörigen unerwartet ins Visier. Plötzlich verwandelt sich die Mordermittlung in eine würzige Mischung aus Blutwurst und Blutvergießen.

Leser von Krimis interessieren sich nicht nur für die Kriminalfälle, sondern auch für die Vorkommnisse rund um die Protagonisten. Dies kann neue Freundschaften, familiäre Streitigkeiten oder unausgesprochene Geheimnisse beinhalten. Andrea Revers hat ein umfangreiches und sympathisches Figurenensemble geschaffen. Obwohl Konflikte manchmal vorhersehbar sind, bleibt die Spannung erhalten, wie sie gelöst werden.

Besonders schön fand ich, dass das Thema des Kriminalfalls weit über einen Cosy Crime hinausgeht. Drogen und Drogenkartelle spielen eine wesentliche Rolle. Und neben der örtlichen Kripo kommt auch Ermittler vom LKA zum Einsatz. Der Fall scheint hochbrisant und durchaus aktuell.

Andrea Revers hat in »Alles hat ein Ende« viele Fährten ausgelegt, denen die Leser folgen können. Welche sich als richtig erweist, wird erst zum Schluss aufgelöst. Und da es verschiedene Konflickte gibt, gibt es auch mehrere Auflösungen am Ende, damit die Leser den Roman sehr zufrieden zuklappen können.

Der Leser kann unbegrenzt mitdenken. Richtig gut gemachte, spannende Unterhaltung, die auch kritisch die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung betrachtet. Alles hat ein Ende.

In einer Welt, in der Drogenmilieus und süchtige Kripomitarbeiter aufeinanderprallen, während schwangere Freundinnen das Drama mit Eifersüchteleien würzen, bleibt uns nur eines zu sagen: Das Leben ist wie ein spannender Krimi – voller unerwarteter Wendungen und einer Ex-Kommissarin, die immer wieder das letzte Wort haben will. Manchmal ist es schwer, der Realität zu entfliehen, aber genau das macht diesen Krimi so fesselnd.

Wenn euch dieser wilde Ritt zu »Alles hat ein Ende« gefallen hat, teilt den Blogbeitrag auf euren sozialen Medien und lasst eure Freunde an diesem schrägen Abenteuer teilhaben! Schließlich ist alles gut, was gut endet – und wer weiß, vielleicht gibt es ja bald eine Fortsetzung!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

Veröffentlicht am 13.07.2025

Eine deutsch-deutsche Sache? Ein verzwickter Fall in einer noch selbst erlebten Vergangenheit

Kollateralschaden
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Willi Vögeli’s Kriminalroman »Kollateralschaden« versetzt die Leser zurück in die 1980er Jahre, in eine Zeit mit zwei deutschen Staaten, in der die Staatssicherheit und der Verfassungsschutz einander beobachteten, ...

Willi Vögeli’s Kriminalroman »Kollateralschaden« versetzt die Leser zurück in die 1980er Jahre, in eine Zeit mit zwei deutschen Staaten, in der die Staatssicherheit und der Verfassungsschutz einander beobachteten, und in der Handys noch nicht existierten.

Nachdem Wilhelm Beck, ein pensionierter Kriminalhauptkommissar, aufgrund eines Nervenzusammenbruchs infolge eines Falls in den Ruhestand trat, eröffnete er eine Buch- und Weinhandlung. Jetzt, da er sich von seiner Krankheit erholt hat, fühlt er sich ziemlich wohl in seinem neuen Unternehmen.

Es passiert hin und wieder, dass bekannte Personen an ihn herantreten und um Unterstützung bei Ermittlungen bitten. Neben seinem Job als Buch- und Weinhändler arbeitet er als Privatdetektiv. Bei seiner Arbeit erhält er Hilfe von seiner ehemaligen Kollegin Senta, die nach wie vor für die Polizei tätig ist.

Eines Tages wendet sich auch eine Frau mittleren Alters an Kommissarin Senta, die ihrerseits dann Beck um Hilfe bittet, die vor Kurzem verschwundene Tochter zu finden. Da die Polizei den vermissten Fall nicht ernst nimmt, da auch ein Koffer mit Kleidung aus der Wohnung der Tochter verschwunden ist, wird die Versicherung der Mutter, dass ihre Tochter nie ohne ein Wort zu sagen verschwinden würde, von der Polizei ignoriert. Deshalb hat Senta diese Frau an ihren früheren Chef weitergeleitet.

Zu Beginn zögert er, der Mutter eine klare Zusage zu machen, da die Art von Ermittlungen zu anspruchsvoll für einen Privatdetektiv wie ihn ist. Um ihre Tochter zu finden, müsste er die Polizei hinzuziehen. Ohne die Unterstützung seiner ehemaligen Kollegin kann er die vermisste Tochter nicht suchen.

Alles beginnt recht unscheinbar mit dem Vermisstenfall des Mädchens, doch schnell wird klar, dass die Suche weitreichendere Konsequenzen hat. Es stellt sich heraus, dass weitere Frauen auf ähnliche Weise verschwunden sind wie das Mädchen. Es ergeben sich auch Hinweise, die in eine völlig andere Richtung, wie das Drogenmilieu, deuten. Beck und sein Freund stoßen eher zufällig auf ein Drogenlabor, das möglicherweise mit dem Verschwinden des Mädchens in Verbindung steht.

Während des Kriminalsromans »Kollateralschaden« existieren beide deutsche Staaten, da die Handlung 1983 spielt. Ein Verdächtiger für Beck und seine Kollegin ist ein Chemietechniker in einem großen Chemiekonzern, der aus der DDR in den Westen gebracht wurde. Er galt als Dissident in der DDR, wurde im Jugendwerkhof festgehalten und schließlich von der BRD freigekauft. Dies führt zu Ermittlungen in Halle an der Saale, wo er sich zwischen den Geheimdiensten Staatssicherheit und Verfassungsschutz wiederfindet.

Mir hat zunächst die Zeit, in der die Handlung stattfindet, gefallen. Es ist weder ein historischer noch ein gegenwärtiger Roman, dennoch wird eine vergangene Ära beschrieben, die man persönlich erlebt hat, die aber heute nicht mehr existiert. Der Autor hat darauf geachtet, dass die Figuren nicht mit Handys, sondern lediglich mit Telefonzellen agieren. Die Atmosphäre dieser Zeit wurde in beiden Teilen Deutschlands, im Westen wie im Osten, angemessen dargestellt. Die vergangene Zeit in Ost- und Westdeutschland wirkt authentisch und einfühlsam.

In der knappen Inhaltsangabe oben sind bereits spannende Ansätze in verschiedenen Richtungen erkennbar. Im Verlauf des Romans nehmen die Verwicklungen zu, je weiter man in die Ermittlung eintaucht. Die Spannung steigert sich kontinuierlich, während die Ermittlung immer komplexer wird. Es ist faszinierend, wie die Charaktere ohne moderne Technologie auskommen und dennoch überzeugend agieren. Durch die geschickt gelegten Spuren entsteht eine vielschichtige Handlung mit unerwarteten Wendungen.

Der Roman »Kollateralschaden« entführt die Leser auf eine Reise in die Vergangenheit, die durch geschickte Dramaturgie und raffinierte Ermittlungsarbeit überzeugt.

Die Charaktere um Wilhelm Beck, den Hauptprotagonisten, sind glaubwürdig und liebenswert. Sie bilden eine feste Freundesgruppe, die ihm zur Seite steht, wenn er sie braucht. Nur seine Freundin ist eine Ausnahme, mit der er momentan streitet und sich bemüht, ein normales Familienleben aufzubauen. Somit bleibt auch das Privatleben des Ermittlers nicht außer Acht.

Der Roman »Kollateralschaden« macht viel Spaß und ist unterhaltsam. Auch wenn der Buchsatz (z.B. unterschiedliche Zeilenzahl auf jeder Seite) nicht gerade perfekt ist, empfehle ich ihn sehr gerne. Er kann ruhigen Gewissens in den Koffer mit der Urlaubslektüre gepackt werden. Der Urlaub wird umspo spannender.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025