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Veröffentlicht am 08.03.2026

Sprachlich sehr schön, inhaltlich fade ...

Ich möchte zurückgehen in der Zeit
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ICH MÖCHTE ZURÜCKGEHEN IN DIE ZEIT
Judith Hermann
ET: 25.02.26

Judith Hermann nähert sich in diesem Text ihrer eigenen Familiengeschichte. In diesem Buch folgt sie den Spuren ihres Großvaters, der während ...

ICH MÖCHTE ZURÜCKGEHEN IN DIE ZEIT
Judith Hermann
ET: 25.02.26

Judith Hermann nähert sich in diesem Text ihrer eigenen Familiengeschichte. In diesem Buch folgt sie den Spuren ihres Großvaters, der während des Zweiten Weltkriegs als SS-Angehöriger im polnischen Radom stationiert war. Über diese Vergangenheit wurde in der Familie nie gesprochen; das Thema blieb ausgespart und hinterließ eine Leerstelle. Auch ihre Mutter kann oder will keine Antworten geben. Ausgangspunkt ihrer Suche ist ein Foto ihres Großvaters aus jener Zeit, aufgenommen in Radom in Polen.

Hermann reist nach Radom, streift durch die Stadt, besucht Orte, hält nach möglichen Spuren Ausschau und bleibt eine Weile dort. Später führt sie der Weg zu ihrer Schwester nach Italien. Dort tritt ein anderes Thema in den Vordergrund: der Tod. Gleichzeitig zeigt sich, dass das Verhältnis der beiden Schwestern angespannt ist.

Leider konnte mich das Buch nicht überzeugen. Über weite Strecken beschreibt die Autorin sehr detailliert ihren Alltag und viele beiläufige Beobachtungen. Ich hatte erwartet, sie auf eine ernsthafte Spurensuche in die Zeit des Nationalsozialismus zu begleiten und mich intensiver mit der Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Stattdessen bleibt der Text für mich erstaunlich oberflächlich. Vieles wirkt lose aneinandergereiht, ohne dass sich daraus eine wirkliche inhaltliche Tiefe entwickelt.

Beim Lesen hatte ich häufig das Gefühl, dass sich die Autorin eher im Beschreiben von Momenten und Stimmungen verliert, anstatt den Fragen nachzugehen, die das Thema eigentlich aufwirft. Dadurch entstand bei mir der Eindruck, dass der Text inhaltlich kaum vorankommt.

Einzig die Sprache von Judith Hermann ist, wie so oft, sehr schön und literarisch. Sie schreibt ruhig, präzise und atmosphärisch.

Fazit:
Für mich bleibt ein sprachlich schönes, aber inhaltlich enttäuschend oberflächliches Buch, das die Möglichkeiten seines Themas kaum nutzt. Leseempfehlung für alle, die seichte Texte mögen und sich an einer sehr schönen, literarischen Sprache erfreuen.

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Veröffentlicht am 25.02.2026

Konnte mich nicht erreichen ...

Grüne Welle
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GRÜNE WELLE
Esther Schüttpelz
ET: 25.2.26

Nach einem gemeinsamen Kinobesuch mit ihrer Freundin steigt die Frau allein in ihr Auto und fährt los. Nicht nach Hause zu ihrem Mann, sondern in die entgegengesetzte ...

GRÜNE WELLE
Esther Schüttpelz
ET: 25.2.26

Nach einem gemeinsamen Kinobesuch mit ihrer Freundin steigt die Frau allein in ihr Auto und fährt los. Nicht nach Hause zu ihrem Mann, sondern in die entgegengesetzte Richtung. Sie nimmt sich vor, erst an der nächsten roten Ampel umzudrehen. Doch die Ampeln sind entweder ausgeschaltet oder zeigen Grün. Irgendwann fasst sie den Entschluss, überhaupt nicht mehr zurückzufahren. Ihr Mann wird wütend sein – doch daran will sie jetzt nicht denken.

Später, beim Tanken, nimmt sie zwei 19-jährige Anhalterinnen mit. Ob die zunächst namenlose Protagonistin am Ende doch noch umkehrt oder weiterfährt, sollte man selbst herausfinden.

Die Buchbeschreibung klang für mich sehr vielversprechend. Ich hatte gehofft, im Laufe dieses Roadtrips mehr über die Protagonistin und ihre Ehe zu erfahren, doch wirklich aufschlussreich wurde es leider nicht. Zwar gefiel mir der besondere Schreibstil, und ich gewöhnte mich schnell an die langen Sätze in der dritten Person, dennoch blieb mir die Hauptfigur emotional fremd. Sie wirkte kühl und distanziert, sodass keine echte Nähe entstehen konnte.

Schade – ich hatte mir einen tiefgründigen Roman erhofft. Dieses Buch blieb jedoch deutlich hinter meinen Erwartungen zurück.
2½/5

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Veröffentlicht am 19.12.2025

Nette Momente ...

Lass uns noch bleiben
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LASS UNS NOCH BLEIBEN
Saskia Luka
ET: 3.11.25

Anna lebt in Berlin ein zurückgezogenes, fragiles Leben.
Allein in einer Wohnung, die sie sich eigentlich nicht leisten kann, und mit dem plötzlichen Verschwinden ...

LASS UNS NOCH BLEIBEN
Saskia Luka
ET: 3.11.25

Anna lebt in Berlin ein zurückgezogenes, fragiles Leben.
Allein in einer Wohnung, die sie sich eigentlich nicht leisten kann, und mit dem plötzlichen Verschwinden der Frau, in die sie unsterblich verliebt war.

Tagsüber verkauft sie Topfpflanzen in ihrem kleinen Laden.
Der feste Anker in ihrem Alltag ist der tägliche Gang zu einem Café, wo sie Kaffee to go für sich und den Antiquariatsbesitzer Henning holt.
Ein paar Worte, ein kurzer Austausch – mehr Nähe entsteht zwischen ihnen nicht.

Erst als ein junger Mann ihren Laden betritt und fragt, ob er ein Wohnungsgesuch aufhängen darf, gerät Annas ruhige Routine ins Wanken.

Der Einstieg und das Setting haben mir sehr gut gefallen.
Leider verliert die Geschichte danach an Tempo und entwickelt keinen wirklichen Sog.
So feinfühlig und atmosphärisch die Autorin auch schreibt, die Handlung bleibt für mich zu zaghaft und kommt nicht richtig in Gang.

Fazit:
Eine kurze Geschichte mit schönen Momenten und guter Grundidee, die sich über weite Strecken zu ruhig entfaltet und dadurch Längen entwickelt.
Kann man lesen, muss man aber nicht.
2½/5

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Veröffentlicht am 14.11.2025

Eine Geschichte über zwei unreife Männer

Koller
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KOLLER
Annika Büsing
ET: 27.3.23

Zwei junge Männer, Chris und Koller, lernen sich zufällig im Park kennen und beschließen spontan, gemeinsam an die Ostsee zu fahren. Doch wie so oft im Leben kommt alles ...

KOLLER
Annika Büsing
ET: 27.3.23

Zwei junge Männer, Chris und Koller, lernen sich zufällig im Park kennen und beschließen spontan, gemeinsam an die Ostsee zu fahren. Doch wie so oft im Leben kommt alles anders: In der Eifel wütet gerade ein verheerendes Hochwasser, das alles mit sich reißt. Als Koller einen Anruf erhält, in dem er gebeten wird, dort nach seiner Tochter zu sehen – von deren Existenz er bis zu diesem Moment nichts wusste – nimmt die Reise eine unerwartete Wendung.

Ein Roadtrip, geprägt von Eifersucht, Nähe und der Suche nach Liebe.

Annika Büsing zeichnet ihre beiden sehr unterschiedlichen Figuren mit viel Gespür, doch mich konnte die Geschichte leider nicht wirklich erreichen. Sprachlich stark wie gewohnt, aber thematisch einfach nicht meins. Vielleicht hatte ich es schon geahnt – sonst hätte das Buch wohl nicht so lange auf meinem SuB gelegen.

Fazit:
Kann man lesen, muss man aber nicht.

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Veröffentlicht am 02.10.2025

Schade ...

Die Assistentin
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Die Assistentin
Caroline Wahl
ET: 28.8.25

Nachdem mir die beiden vorherigen Bücher von Caroline Wahl ausgesprochen gut gefallen haben, war ich natürlich sehr gespannt auf Die Assistentin. Ich mag Wahls ...

Die Assistentin
Caroline Wahl
ET: 28.8.25

Nachdem mir die beiden vorherigen Bücher von Caroline Wahl ausgesprochen gut gefallen haben, war ich natürlich sehr gespannt auf Die Assistentin. Ich mag Wahls Schreibstil und wie sie Figuren lebendig wirken lässt – deshalb war meine Erwartungshaltung entsprechend hoch.

Grundsätzlich finde ich es toll und mutig, dass die Autorin mit diesem Buch einen etwas anderen Weg eingeschlagen hat. Es ist nicht einfach, sich aus der Komfortzone zu bewegen und neue Themen oder Tonalitäten auszuprobieren – das respektiere ich sehr. Leider hat mich die Umsetzung diesmal aber nicht ganz überzeugen können.

Die Grundidee war interessant, und an manchen Stellen blitzt auch wieder dieser Charme durch, den ich an Wahl so schätze. Aber insgesamt hat mich die Geschichte nicht so richtig gepackt. Einige Figuren blieben für mich zu blass, die Dynamik zwischen den Hauptcharakteren konnte mich nicht mitreißen, und zwischendurch hatte ich das Gefühl, dass sich die Handlung etwas zieht. Während ich bei den vorherigen Büchern regelrecht mitgefiebert habe, bin ich hier oft auf Distanz geblieben.

Mein Fazit: Die Assistentin war für mich persönlich leider nur mittelmäßig. Kein schlechtes Buch, aber eben auch keines, das mir nachhaltig im Gedächtnis bleiben wird. Von mir gibt es deshalb 2½ von 5 Sternen. Ich hoffe aber sehr, dass Caroline Wahl auch weiterhin Neues ausprobiert – denn Mut zur Veränderung sollte man als Autorin unbedingt haben, auch wenn nicht jedes Experiment für jede Leserin gleich funktioniert.

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