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tinten_fischchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.02.2026

Kafka im Kreisverkehr

Schleifen
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Eine kurze Liste der Dinge die ich während des Lesens über den Autor und das Buch recherchiert habe:

Punkt 1: Elias Hirschl ist ein ehemaliger Mathematik-Student
Punkt 2: Elias Hirschl hat Philosophie ...

Eine kurze Liste der Dinge die ich während des Lesens über den Autor und das Buch recherchiert habe:

Punkt 1: Elias Hirschl ist ein ehemaliger Mathematik-Student
Punkt 2: Elias Hirschl hat Philosophie studiert. Eventuell im Wien. Das würde das Vorkommen des Wiener Kreises im Buch erklären
Punkt 3: Das Buch entstand aus einer Fülle an Kurzgeschichten die erst später mit einer Rahmenhandlung verknüpft wurden

„Schleifen“ liest sich so, wie es die oben genannten Punkten vermuten lassen würden. Das Buch ist speziell, im besten Sinne. Absurd, kreativ, humorvoll aber auch voll brutaler, roher Schönheit. Ein wilder mix aus Sprachtheorie, Wissenschaft, Philosophie, Geschichte, Kunst. Ein wenig Mathematik ist auch dabei. Selbstreflexiv. Teilweise auch kindisch, fast schon dumm. Einmal Lesen reicht vermutlich nicht, um alle Feinheiten entdecken zu können. Reale Figuren werden mit fiktiven vermischt. Biblische Geschichten neu gedeutet. Raum und Zeit neu vermessen.

Kein einfaches Buch für nebenbei. Aber ein Buch, das Spaß macht, wenn man sich darauf und die verrückten Ideen, die darin durchgekaut werden, einlassen kann. Ich habe es geliebt, weiß aber, dass das Buch alles andere als Mainstream ist.

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Veröffentlicht am 06.02.2026

Zwischen Poesie und Schrecken

Der letzte Sommer der Tauben
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Bei der letzten Seite hatte ich Gänsehaut. Wahnsinn, was für ein Ende. Was für ein Buch.

Obwohl der Stil und Aufbau relativ einfach ist, ist die Leseerfahrung dem Thema entsprechend alles andere als ...

Bei der letzten Seite hatte ich Gänsehaut. Wahnsinn, was für ein Ende. Was für ein Buch.

Obwohl der Stil und Aufbau relativ einfach ist, ist die Leseerfahrung dem Thema entsprechend alles andere als einfach.

In etwas mehr als 200 Seiten wird eindrücklich geschildert wie der Alltag mehr und mehr verschwindet. Immer wieder neue Verbote, Ausgangssperren aber auch Gehirnwäsche. Nicht nur der Alltag sondern auch Familie und Freunde verändern sich im Laufe der Zeit. Verschwinden.

Umso schwieriger ist es das alles aus Sicht eines Heranwachsenden zu erleben. Noah, der immer noch sehr naiv ist und sich wieder und wieder vorstellt, das alles wieder gut und normal wird. Ganz nebenbei erfährt man vieles über Tauben und ihre Zucht.

„Die Tauben sind mir wie immer ein Trost. Ohne sie, denke ich, wäre ich verloren. Sie sind das einzige Beständige in einer Welt, die sich um mich herum gerade so rasant wandelt.“ lässt Abbas Khider Noah einmal erklären. Besser kann man es gar nicht beschreiben.

Ein kurzes, bedrückendes Buch mit Nachhall.

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Veröffentlicht am 04.12.2025

Wunderschönes Buch, das sich schwer einordnen lässt

Malte & Oßkar und der Lauf der Dinge
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Auf dem Buchrücken wird bereits angedeutet, dass das Buch sich in keine Schublade stecken lässt. „Malte & Oßkar und der Lauf der Dinge“ ist kein typisches Kinderbuch und richtet sich meiner Meinung nach ...

Auf dem Buchrücken wird bereits angedeutet, dass das Buch sich in keine Schublade stecken lässt. „Malte & Oßkar und der Lauf der Dinge“ ist kein typisches Kinderbuch und richtet sich meiner Meinung nach eher an ein älteres Publikum.

Dies liegt nicht nur an der Schwere der Thematik. Wobei man den Autoren zugutehalten muss, dass sie sich der Thematik sehr sanft annähern. Lediglich die letzte Seite gab mir emotional einen Schlag in die Magengrube.

Die Geschichte beginnt noch sehr ruhig und es wird anfangs Wert auf verspielte Details gelegt. Alles genau erklärt, wie man es von Kinderbüchern kennt. Doch dann kippt die Geschichte und die Ereignisse überschlagen sich. Und es wird leider etwas konfus. Zudem setzt die Geschichte auf sehr viel Symbolik und ist etwas abstrakt. Für kleine Kinder noch etwas schwer zu begreifen. Sehr einfach zu begreifen ist hingegen das Thema Freundschaft, das auch immer wieder durchklingt.

Besonders gefallen haben mir die Zeichnungen und das Layout. Das gesamte Buch strahlt etwas unglaublich Sanftes aus. Selbst der Umgang der Figuren miteinaner ist von Verständnis und Sanftmut geprägt. . Für Erwachsene Leser kann diese heile Welt aber auch schnell mal zuviel des Guten werden.

Fans detailverliebter Bilder kommen jedoch auf ihre Kosten.Die ganze Aufmachung des Buches ist hochwertig. Es fühlt sich unglaublich gut an über den Einband und die Seiten zu streichen. Bzw. sehr sanft darüberstreicheln.

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Veröffentlicht am 11.10.2025

Unheimlicher Auftakt einer Reihe

Gänsehaut in Hovenäset 1. Flammenrad
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Am Buchrücken wird bereits Werbung für Band 2 gemacht. „Sternengrab“ heißt dieser. Auch wenn „Flammenrad“ als in sich geschlossenes Abenteuer konzipiert ist, hätte ich durchaus Lust auf Band 2. Mein Neffe ...

Am Buchrücken wird bereits Werbung für Band 2 gemacht. „Sternengrab“ heißt dieser. Auch wenn „Flammenrad“ als in sich geschlossenes Abenteuer konzipiert ist, hätte ich durchaus Lust auf Band 2. Mein Neffe auch.

Streckenweise erinnert Kristina Ohlssons Roman an Stephen King. Ein mysteriöser Fremder, ein geheimnisvolles Riesenrad, ein abgeschnittener, kleiner, unheimlicher Ort, an dem die Geschichte spielt…

Ohlsson setzt in ihrem Buch auf psychologischen Horror. Das durchaus effektiv. Es gibt allerdings eine Szene, die für sensible Kinder und jugendliche eventuell nicht geeignet ist. Die in der die Großmutter von brennenden Babys im Zusammenhang mit dem Riesenrad spricht.

Probleme wie Scheidung, Arbeitslosigkeit, ein neues Baby, Geldsorgen und sogar Demenz werden durchaus kindgerecht erzählt. Ja, das Buch ist gruselig, aber viele Kinder mögen sowas. Und ich muss zugegeben, dass die Wolfgang und Heike Hohlbein-Bücher die ich und meine Freunde als Kinder gelesen haben, streckenweise brutaler waren.

Die Spannung ist hoch, daher können sich auch ältere Leser unterhalten fühlen. Für Leute die gruselige Kurzgeschichten und Creepypasta mögen eine Empfehlung. Auch für Kinder ab 12, die gerne unheimliche Geschichten lesen.

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Veröffentlicht am 03.10.2025

Böser Roman mit Sogwirkung

Schwanentage
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Die Geschichte spielt innerhalb weniger Tage. Tage nach denen nichts so sein wird zuvor.

Alles beginnt mit einer versuchten Entführung. Yu Ling, eine Frau die jede Minute ihres Lebens zu Geld macht ...

Die Geschichte spielt innerhalb weniger Tage. Tage nach denen nichts so sein wird zuvor.

Alles beginnt mit einer versuchten Entführung. Yu Ling, eine Frau die jede Minute ihres Lebens zu Geld macht und in einem fremden Haus, unter Fremden, lebt und arbeitet, plant ein neues Leben. Ein anderes Leben. Eines das ihr gehört, in dem sie tun und lassen kann was sie will. Aber will sie das überhaupt?

Auch wenn Yu Ling im Zentrum der Geschichte steht, werde ich aus ihr nicht schlau. Mit einer stoischen Gleichgültigkeit scheint sie vieles einfach nur hinzunehmen. Mitunter wirkt sie naiv. Ihre Motive bleiben rätselhaft. Während die anderen Figure im Roman, abgesehen von dem kleinen Jungen, auf ihren eigenen Vorteil aus sind, lügen und betrügen, macht Yu Ling Dinge scheinbar ohne Eigennutz.

Dadurch wirkt sie wie ein Fremdkörper in einer Gesellschaft durchzogen von Korruption und Ungerechtigkeit. Dass ihr ständig Unrecht widerfährt scheint sie nicht oder kaum zu korrumpieren.

Zhang Yueran schafft es durch interessante Beobachtungen und Sätze das Leben auf dem Haltegleis einer Hausangestellten zu beschreiben. Ihre Überlegungen zum Thema Backofen waren erhellend.

Die Geschichte entwickelt sich in eine Richtung die ich nicht erwartet habe. Unerwartete Figuren treten auf, es gibt auch Momente die man als beißende Satire auf Chinas Klassimus betrachten kann. Auch Yu Lings teilweise sehr böse Bemerkungen und Gedanken bieten viel Potential zum schmunzeln. Wobei einem doch auch des öfteren das Lachen im Halse stecken bleibt.

Der Schreibstil ist flüssig. Ich habe das Buch innerhalb eines Tages fertig gelesen. Das Ende hat mich unbefriedigt zurückgelassen. Ich habe es aber auch erst am nächsten Tag kapiert. Denke ich..

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