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JessyJcb

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Veröffentlicht am 03.10.2025

Gute Ansätze, aber nicht immer konsequent erzählt!

Das Flüstern der Marsch
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Das Flüstern der Marsch ist ein leises, aber kraftvolles Buch über
Familie, Schweigen und das, was zwischen den Generationen verloren geht –
oder weitergegeben wird, oft ohne Worte. Schon das Setting – ...

Das Flüstern der Marsch ist ein leises, aber kraftvolles Buch über
Familie, Schweigen und das, was zwischen den Generationen verloren geht –
oder weitergegeben wird, oft ohne Worte. Schon das Setting – die
norddeutsche Marschlandschaft – schafft eine besondere Stimmung: rau,
abgelegen, aber auch irgendwie beruhigend. Die Natur spielt hier fast
eine eigene Rolle, was ich persönlich sehr mochte.

Die Geschichte entfaltet sich langsam: Mona kehrt zum Geburtstag ihres
Großvaters zurück in den Heimatort, wo plötzlich ihre Großmutter
verschwunden ist. Was zunächst wie ein familiäres Missverständnis wirkt,
wird bald zu einer Spurensuche in die Vergangenheit – mit wechselnden
Perspektiven und Zeitebenen. Vor allem die Rückblenden in die 60er-Jahre
und die Kapitel um Freya haben mir gut gefallen. Sie bringen Tiefe in
die Geschichte und zeigen, wie sehr alte Entscheidungen in neue Leben
hineinwirken.

Was mir gefehlt hat, war stellenweise der Fokus. Es gibt viele Fäden,
viele Andeutungen – nicht alle werden wirklich zu Ende geführt. Einige
Nebenfiguren bleiben blass, obwohl sie interessant angelegt sind. Auch
der eigentliche Anlass, das Verschwinden der Großmutter, gerät
zwisc
hendurch etwas in den Hintergrund. Ich hätte mir da mehr Klarheit
und etwas mehr Spannung gewünscht.

Trotzdem: Die Sprache ist feinfühlig, ruhig, aber nicht langweilig. Die
Figuren wirken echt – gerade weil sie manchmal ungreifbar bleiben. Und
das Ende hat mich mit dem Buch versöhnt, weil es nicht alles auflöst,
aber genug, um einen zufrieden zurückzulassen.

Insgesamt ein stimmungsvolles, gut erzähltes Buch, das sich Zeit nimmt –
und das sollte man als Leserin auch tun.

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Veröffentlicht am 03.10.2025

Ein Buch wie eine Skizze!

Der Laden in der Mondlichtgasse
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"Der Laden in der Mondlichtgasse" verzaubert auf den ersten Blick mit
seinem atmosphärischen Titel und einem vielversprechenden Setting. Die
Idee eines geheimnisvollen Ladens, in dem Geschichten zum Leben
erwachen, ...

"Der Laden in der Mondlichtgasse" verzaubert auf den ersten Blick mit
seinem atmosphärischen Titel und einem vielversprechenden Setting. Die
Idee eines geheimnisvollen Ladens, in dem Geschichten zum Leben
erwachen, hat mich sofort neugierig gemacht – und der Erzählstil hat
diese Stimmung wunderbar getragen. Die Sprache ist sanft, bildreich und
lädt zum Schmökern ein. Man merkt, dass hier mit viel Gefühl erzählt
wird.

Allerdings bleibt der Inhalt hinter dem Potenzial zurück. Die einzelnen
Geschichten, so charmant sie auch sind, stehen weitgehend nebeneinander,
ohne echte Verbindung oder einen roten Faden. Gerade wenn man beginnt,
sich auf eine Figur oder Atmosphäre einzulassen, ist die Episode auch
schon wieder vorbei. Es fehlt ein wenig an Tiefe und Nachklang. Viele
Ansätze wirken fast wie Skizzen, die mehr hätten werden können.

Trotzdem: Wer sich gerne treiben lässt, Wert auf Sprache legt und
kleine literarische Auszeiten mag, wird mit dem Buch schöne Lesemomente
haben. Es ist ein liebevoll gestaltetes Werk, das verzaubert – auch wenn
man sich zwischendurch wünscht, der Zauber würde etwas länger anhalten.

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Veröffentlicht am 03.10.2025

Stimmungsvoll, aber etwas überladen!

Weißes Licht
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Weißes Licht ist ein ruhiger, nachdenklicher Roman, der nicht auf große
Dramen setzt, sondern auf das, was zwischen den Zeilen passiert. Eric
Puchner erzählt über mehrere Jahrzehnte hinweg von einer kleinen ...

Weißes Licht ist ein ruhiger, nachdenklicher Roman, der nicht auf große
Dramen setzt, sondern auf das, was zwischen den Zeilen passiert. Eric
Puchner erzählt über mehrere Jahrzehnte hinweg von einer kleinen Gruppe
Menschen, deren Beziehungen, Entscheidungen und Verluste sich wie feine
Risse durch ihr Leben ziehen.

Was mir besonders gefallen hat, war die Atmosphäre: diese Mischung aus
Nostalgie, Melancholie und dem Versuch, mit der Zeit Schritt zu halten.
Die Figuren wirken oft verloren in ihrer eigenen Geschichte, auf der
Suche nach dem, was sie ausmacht – und das macht sie unglaublich
menschlich.

Puchner schreibt sensibel, manchmal fast zart, aber ohne kitschig zu
werden. Seine Sprache ist klar und ruhig, und trotzdem bleibt einiges
hängen. Manche Sätze musste ich zweimal lesen, einfach weil sie so
schön formuliert waren.

Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass der Roman stellenweise ein wenig zu
viel will. Es gibt viele Zeitsprünge, verschiedene Perspektiven und
Themen – manchmal wirkt das leicht überladen. Einige Figuren hätten für
meinen Geschmack mehr Tiefe vertragen, vor allem in der zweiten Hälfte.

Aber am Ende bleibt ein Buch, das nachwirkt. Kein lauter Roman, aber
einer, der mit seiner leisen Art genau das erreicht, was viele lautere
Bücher nicht schaffen: Er begleitet einen noch eine Weile, auch wenn
man ihn längst zugeschlagen hat.

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Veröffentlicht am 17.09.2025

Leise Rebellion, starke Worte!

Monstergott
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Monstergott ist ein sprachlich starkes und atmosphärisch dichtes Debüt, das sich mutig mit den Schattenseiten religiöser Prägung auseinandersetzt. Im Mittelpunkt stehen Esther und ihr Bruder Ben, die innerhalb ...

Monstergott ist ein sprachlich starkes und atmosphärisch dichtes Debüt, das sich mutig mit den Schattenseiten religiöser Prägung auseinandersetzt. Im Mittelpunkt stehen Esther und ihr Bruder Ben, die innerhalb einer streng gläubigen Freikirche aufwachsen – äußerlich geordnet, innerlich zerrissen. Caroline Schmitt zeichnet dieses Spannungsfeld mit viel Gespür für Zwischentöne und Widersprüche. Der Erzählton ist ruhig, aber eindringlich, und viele Szenen bleiben hängen – gerade weil sie mehr zeigen als erklären.

Besonders überzeugend sind die Figuren, die nicht idealisiert, sondern komplex gezeichnet sind. Esther entwickelt sich glaubwürdig aus ihrer Rolle heraus, Bens Konflikte wirken nachvollziehbar und schmerzhaft echt. Auch strukturell funktioniert der Roman gut, obwohl manche Rückblenden etwas mehr Orientierung vertragen könnten. Stilistisch wechselt die Autorin zwischen poetisch verdichtet und nüchtern direkt, was der Thematik gerecht wird, aber nicht immer gleich zugänglich ist.

Was Monstergott stark macht, ist die klare Haltung: Das Buch benennt Macht, Missbrauch und spirituelle Enge ohne platt zu verurteilen. Es lässt Raum für Fragen, Zweifel und leise Hoffnung. Wer bereit ist, sich auf ein herausforderndes Thema einzulassen, wird mit einem eindrucksvollen, wichtigen Text belohnt – und mit einer literarischen Stimme, die Potenzial hat.

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Veröffentlicht am 17.09.2025

Lebendige Figuren, flüssiger Stil!

Lázár
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„Lazar“ hat mich vor allem durch seine sehr lebendig gezeichneten Figuren beeindruckt. Man kann sich gut in sie hineinversetzen, ihre Gedanken und Gefühle wirken authentisch und nahbar. Die Geschichte ...

„Lazar“ hat mich vor allem durch seine sehr lebendig gezeichneten Figuren beeindruckt. Man kann sich gut in sie hineinversetzen, ihre Gedanken und Gefühle wirken authentisch und nahbar. Die Geschichte dreht sich um Lazar, dessen Leben sich durch eine Reihe unerwarteter Ereignisse verändert. Dabei wird nicht nur seine persönliche Entwicklung erzählt, sondern auch das komplexe Geflecht der Beziehungen, die ihn umgeben.

Der Schreibstil ist angenehm flüssig, was das Lesen trotz der teilweise komplexen Handlung erleichtert. Allerdings zieht sich das Erzähltempo an manchen Stellen etwas, wodurch das Buch nicht immer rund läuft. Besonders gewöhnungsbedürftig fand ich die plötzlichen Charakterwechsel mitten in den Kapiteln. Das hat mich anfangs aus dem Lesefluss gerissen und erfordert etwas Geduld, um sich darauf einzustellen.

Insgesamt bietet „Lazar“ eine fesselnde Geschichte mit starken Figuren, die einen lange begleiten. Mit ein wenig Eingewöhnung wird das Buch zu einem lohnenden Leseerlebnis.

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