Profilbild von liesmal

liesmal

Lesejury Star
offline

liesmal ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit liesmal über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.10.2025

Ganz schön giftig!

Nachtschattengewächse
0

Eustacia Rose, Professorin der Botanik, Spezialgebiet Pflanzentoxologie, sammelt Giftpflanzen aus aller Welt. Sie lebt allein mit ihren exotischen Pflanzen, die sie in ihrem Dachgarten hegt und pflegt. ...

Eustacia Rose, Professorin der Botanik, Spezialgebiet Pflanzentoxologie, sammelt Giftpflanzen aus aller Welt. Sie lebt allein mit ihren exotischen Pflanzen, die sie in ihrem Dachgarten hegt und pflegt. Einzige Ablenkung in ihrem Tagesablauf ist ein Teleskop, mit dem sie durch das Glasdach ihres Gartens den Sternenhimmel betrachten kann.

Zu ihrem Vater hatte sie immer eine sehr enge Verbindung. Das ändert sich auch nicht nach dessen Tod, sondern weitet sich sogar dahingehend aus, dass sie die Anzüge ihres Vaters trägt, wenn sie mal aus dem Haus geht. Aber Eustacia Rose hat noch weitere gewöhnungsbedürftige Eigenheiten, die ihr etwas sehr Spezielles verleihen. Mit ihrem Teleskop beobachtet sie nicht nur den Nachthimmel, sondern auch ihre schöne Nachbarin Simone, von der sie sich auf besondere Weise angezogen fühlt. Die Geschichte nimmt Fahrt auf, als Eustacia beobachtet, wie Simone entführt wird.

Die Geschichte ist ungewöhnlich. Sie wirkt sogar recht geheimnisvoll, auch durch einzelne Giftpflanzen, die die Autorin Jill Johnson an vielen Stellen in den Vordergrund rückt und den Lesern durch Eustacia auch deren Wirkungskraft und ihre Giftigkeit näherbringt.

Für mich ist die Geschichte vor allem aber deswegen ungewöhnlich, weil ich manchmal das Gefühl habe, selbst eine Beobachterin zu sein, die nur von außen zuschaut, aber selbst nicht bemerkt werden darf.

Sehr gern empfehle ich dieses besondere Buch, das einen nicht außerordentlich spannenden, aber dennoch fesselnden Krimi beinhaltet, in den Professorin Rose immer tiefer verwickelt wird, aber auf der anderen Seite am Versuch der Aufklärung maßgeblich beteiligt ist. Wer sich wie ich von dem Wissen über Giftpflanzen begeistern kann und faszinieren lassen will, hat hier einen tollen Schatz gefunden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.10.2025

Kampf um Menschlichkeit und Freiheit

Die Frauen vom Rosenhag. Sehnsucht nach Freiheit
0

„Sehnsucht nach Freiheit“ ist der Untertitel des zweiten Teils der Frauen vom Rosenhag. Marlene und Liv sind nicht nur Freundinnen geworden, sondern sie haben mit dem Rosenhag gemeinsam einen Zufluchtsort ...

„Sehnsucht nach Freiheit“ ist der Untertitel des zweiten Teils der Frauen vom Rosenhag. Marlene und Liv sind nicht nur Freundinnen geworden, sondern sie haben mit dem Rosenhag gemeinsam einen Zufluchtsort für Frauen in Bedrängnis geschaffen. Doch die Ruhe, die sie sich für ihre Arbeit wünschen, kehrt nicht ein. Immer wieder werden ihnen Steine in den Weg gelegt, so auch weiterhin von Livs Ehemann Sten Boregard. Aber auch Lügen und Intrigen bringen Unruhe und Sorgen.

Sehr gut gefällt mir, dass Corina Bomann in kurzen Einschüben Erklärungen zum Inhalt des ersten Bandes gibt. Das hilft mir, schnell wieder in der Geschichte anzukommen. Außerdem erleichtert es Leserinnen und Lesern, die den ersten Teil nicht kennen, sicherlich den Einstieg. Trotzdem lohnt es sich, auch noch den ersten Band zu lesen.

Ich mag auch hier wieder die kurzen Kapitel und finde es großartig, wie es Corina Bomann mit ihrem Spannung erzeugenden Schreibstil gelingt, mich dazu zu bringen, immer noch einen weiteren Abschnitt lesen zu wollen. So fliege ich förmlich durch die Seiten. Immer begleitet mich dabei die Sorge um Marlene und Liv. Dass die Sorgen und Ängste nicht unbegründet sind, das könnt Ihr mir glauben!

Die Geschichte spielt vor mehr als einhundert Jahren. Es ist unfassbar, welche Rechte den Frauen damals verweigert wurden. Trotzdem nehmen Liv und Marlene den Kampf auf, immer wieder, trotz vieler Niederlagen und Enttäuschungen.

Das Ende der Geschichte ist überraschend, aber ich bin damit zufrieden, auch wenn ich gerne noch lesen würde, wie das Leben der beiden Frauen weitergeht. So hätte ich nichts dagegen, wenn es einen weiteren Folgeband geben würde, obwohl die Geschichte bis hierher ein gutes Ende genommen hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.09.2025

Wenn Menschen nur noch Nummern sind

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
0

Es ist das Cover, das meinen Blick auf das Buch gelenkt hat. Das Bild des kleinen Jungen, der ganz ruhig da steht und traurig und verlassen wirkt, und die „Nr. 104“ im Buchtitel haben mich gleichermaßen ...

Es ist das Cover, das meinen Blick auf das Buch gelenkt hat. Das Bild des kleinen Jungen, der ganz ruhig da steht und traurig und verlassen wirkt, und die „Nr. 104“ im Buchtitel haben mich gleichermaßen berührt.
Dies ist die Geschichte von Hardy und Margret, die nach dem Zweiten Weltkrieg in einem katholischen Kinderheim aufwachsen. Hardy wird als kleiner Junge gefunden, er spricht nicht, sein Alter wird geschätzt. Margret ist einige Jahre älter als Hardy. Sie nimmt sich seiner an und beschützt ihn, soweit es ihr möglich ist.
Die Geschichte spielt in zwei Zeitebenen, die eine in der Kindheit von Margret und Hardy, die zweite, mit der auch das Buch anfängt, beginnt im Jahr 2006. Wir lernen mit Hardy und Margret, ihrer Tochter Sabine, der Enkelin Julia und der Urenkelin Emily eine Familie kennen, in der es große Probleme gibt, aber auch beklommenes Schweigen herrscht, wenn es um die Vergangenheit geht.
Der Teil, der sich im Heim abspielt, wird von der Autorin Susanne Abel authentisch beschrieben. Es wird nichts geschönt, sondern die Leserinnen und Leser können sich ein glaubhaftes Bild machen. Es geht um Gewalt gegenüber Heimkindern in der deutschen Nachkriegszeit und um sexuellen Missbrauch sowie deren seelische Folgen, die bis in die Gegenwart reichen.
Mich hat es zutiefst erschreckt zu lesen, wie ein Großteil der Betreuenden mit den Kindern umgegangen ist und was ihnen angetan wurde. Obwohl ich mir kein Urteil erlauben möchte, denke ich, dass es dafür kaum eine gerechte Strafe geben kann.
Ich bin so froh, dass Margret für den kleinen Hardy da war, der sich an ihr festhalten konnte. Betreuerinnen, die versucht haben, den Kindern etwas Freude zu schenken und sie liebevoll zu behandeln, gab es auch einige, aber was aus ihnen wurde, bleibt ein Rätsel.
Mit Susanne Abel habe ich eine Autorin kennengelernt, die das ganze Leid der Kinder in den Heimen, aber auch der späteren Familie mit einer außergewöhnlichen Ausstrahlungskraft beschreibt. Ich bin gleichermaßen betroffen und fasziniert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.09.2025

Eine Geschichte, die alle Sinne berührt

Über die Toten nur Gutes
0

Wenn ich einem farbigen Cover ansehen kann, dass das Buch einen witzigen Krimi beinhaltet, dann lasse ich lieber die Finger davon. Anders bei einem Roman von Andreas Izquierdo. Da weiß ich, dass ...

Wenn ich einem farbigen Cover ansehen kann, dass das Buch einen witzigen Krimi beinhaltet, dann lasse ich lieber die Finger davon. Anders bei einem Roman von Andreas Izquierdo. Da weiß ich, dass er es versteht, Spannung und Humor so in Einklang zu bringen, dass es auf keinen Fall kitschig oder albern wird. „Über die Toten nur Gutes“ hat Witz und trotzdem eine tiefgründige und spannende Handlung.
Mads lebt mit fast 30 Jahren immer noch mit seinem Vater Fridtjof und einer kleinen Malteserhündin zusammen. Dass der Beruf des Trauerredners für ihn der richtige ist, davon kann ich mich schnell überzeugen. Bei einer etwas ungewöhnlichen Trauerfeier ist allerdings auch bald klar, dass Fridtjof etwas speziell ist.
So überwiegend witzig, wie das Buch beginnt, so spannend wird es, nachdem Mads vom Tod seines früheren Freundes Patrick erfährt, für den er eine Trauerrede halten soll. Er fragt sich, warum sein Freund so früh gestorben ist, beginnt mit seinen eigenen Ermittlungen und stößt dabei auf Menschen, die alles andere als vertrauensvoll erscheinen.
Mit Hauptkommissarin Mills bringt eine Polizeibeamtin, die in dem Fall ermittelt, frischen Wind, aber auch zusätzliche Verwirrung in Mads‘ Spurensuche.
Mich hat die Geschichte großartig unterhalten, sämtliche Fragen über Beweggründe und Entscheidungen der Menschen um Patrick herum beantwortet und damit alle meine Sinne angesprochen.
Gerne gebe ich meine volle Leseempfehlung allen, die die Art ernsthafter Krimis lieben, die gut abgestimmt und mit Herz, einer guten Prise Humor und Spannung gefüllt sind.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.09.2025

Familiengeheimnisse vor zauberhafter Kulisse

Apfelzeit am Deich
0

Das Cover mit dem alten Apfelhof strahlt Wärme aus. Den Duft der Äpfel in den Körben und Kästen kann ich förmlich riechen. Die Apfelbäume sind wunderschön und das Alte Land lädt ein zum Glücklichsein. ...

Das Cover mit dem alten Apfelhof strahlt Wärme aus. Den Duft der Äpfel in den Körben und Kästen kann ich förmlich riechen. Die Apfelbäume sind wunderschön und das Alte Land lädt ein zum Glücklichsein. Doch auch im Alten Land ist nicht alles so harmonisch, wie es auf dem Bild scheint.
Falsche Einschätzungen, gegenseitige Anschuldigungen, aufklärende Gespräche, die nicht stattgefunden haben und Konflikte, die nie gelöst worden sind: All das sind die Gründe für eine zerbrochene Familie aus drei Generationen.
Grete lebt inzwischen ganz allein auf dem Apfelhof. Sie ist alt geworden und bräuchte Hilfe, die sie von ihren Angehörigen allerdings nicht bekommt. Ihre Enkelin Merle ist die Einzige, Kontakt zu ihr hält.
Merle lebt zusammen mit Falk, aber ich spüre ihre großen Beziehungsängste. Wahrscheinlich hat sie die Trennung ihrer Eltern – sie selbst war damals erst zwölf Jahre alt – nicht verarbeiten können.
Grete merkt, dass sie die Einzige ist, die versuchen kann, die Scherben der Vergangenheit zu beseitigen. Es gibt so viele Geheimnisse und Missverständnisse, nicht nur zwischen ihr und ihrem Sohn, sondern auch Funkstille zwischen Merle und ihrem Vater, der nach der Trennung eine neue Familie gegründet hat.
Frieda Lamberti hat vor dem Hintergrund einer zauberhaften Landschaft, die so eindrucksvoll beschrieben ist, dass ich mich sofort auf den Weg dorthin machen möchte, eine traurige und dramatisch Familiengeschichte erzählt, für die ich gern eine Leseempfehlung gebe.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere