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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.11.2025

Rache ist buchbar!

Hustle
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Was für ein Spaß! Hustle ist so ein Buch, das man aufschlägt, „nur kurz reinlesen“ will – und plötzlich ist man auf Seite 200 und lacht Tränen über Leonies sarkastische Kommentare, bissige Beobachtungen ...

Was für ein Spaß! Hustle ist so ein Buch, das man aufschlägt, „nur kurz reinlesen“ will – und plötzlich ist man auf Seite 200 und lacht Tränen über Leonies sarkastische Kommentare, bissige Beobachtungen und die absurden Situationen, in die sie sich hineinmanövriert. Julia Bähr hat hier einen Roman geschrieben, der gleichzeitig federleicht und messerscharf ist – Unterhaltung mit Köpfchen, Gesellschaftskritik mit Witz.
Im Mittelpunkt steht Leonie, Anfang 30, Biologin, moralisch flexibel und lebensklug. Nachdem ihr Chef ihre Forschung klaut und sie in einem legendären Wutanfall sein Büro verwüstet, findet sie sich ohne Job wieder – und mit einem Neuanfang in München, der teuersten Stadt Deutschlands. Dort stößt sie auf drei Frauen, die sich mit mehr oder weniger legalen „Nebenjobs“ über Wasser halten – und bald gründet Leonie ihr eigenes Business: Rache Inc. Wer Liebeskummer hat, zahlt, und Leonie sorgt mit raffinierten Aktionen für Gerechtigkeit auf ihre ganz eigene Art.
Was das Buch so großartig macht, ist der Ton. Julia Bähr schreibt herrlich trocken, mit einem Gespür für Timing und Situationskomik, das an Mareike Fallwickl oder Caroline Wahl erinnert – nur noch schärfer und urbaner. Ich habe selten so oft laut gelacht und gleichzeitig gedacht: Autsch, das trifft leider genau ins Schwarze. Zwischen überzogenen Mieten, Selbstoptimierung und moralischen Grauzonen erzählt Hustle von einer Generation, die gelernt hat, sich selbst zu hustlen, weil sonst niemand für sie sorgt.
Dabei bleibt der Roman warmherzig. Die Freundschaften zwischen den Frauen sind das emotionale Rückgrat der Geschichte – loyal, wild, solidarisch, und manchmal chaotisch. Es tut gut, dass hier einmal nicht die romantische Liebe im Zentrum steht, sondern weibliche Bündnisse, Wut und Witz.
Leonie ist keine Heldin im klassischen Sinne, sondern ein Mensch, der Fehler macht, flucht, zweifelt – und gerade deshalb so sympathisch ist. Dass Julia Bähr diese Figur nie moralisierend, sondern liebevoll ironisch zeichnet, macht Hustle zu etwas Besonderem.
Kurz gesagt: Hustle ist frech, modern, brillant beobachtet und einfach verdammt unterhaltsam. Ein Buch, das man verschlingt, weil es einen zum Lachen bringt – und danach noch lange zum Nachdenken.
Fazit:
Ein feministischer, hochkomischer Gesellschaftsroman über Geld, Moral und Freundschaft – mit Suchtfaktor!
📚 5/5 Sterne – und der dringende Wunsch, Leonie & Co. bald wiederzusehen.

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Veröffentlicht am 11.11.2025

Eine Frau der Stunde trifft auf eine Leserin mit vielen Hüten

Die Frau der Stunde
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Als Frau mit mehreren Rollen im Alltag – Mutter, Führungskraft, Teilzeit-Therapeutin meiner To-do-Liste und Vollzeit-Multitaskerin – hat mich Die Frau der Stunde von Heike Specht direkt gepackt. Denn ...


Als Frau mit mehreren Rollen im Alltag – Mutter, Führungskraft, Teilzeit-Therapeutin meiner To-do-Liste und Vollzeit-Multitaskerin – hat mich Die Frau der Stunde von Heike Specht direkt gepackt. Denn wer sich schon einmal in einem Meeting zwischen charmanten Mansplainern behaupten musste, der wird Catharina Cornelius sofort ins Herz schließen.
Heike Specht entführt uns ins Bonn der späten 70er – also dorthin, wo Politik noch nach Cognac, kaltem Rauch und Altherrenparfüm roch. Zwischen Aktenbergen und Anzugträgern sitzt Catharina, liberal, ledig, furchtlos – und plötzlich Außenministerin. Die Herren im Bundestag fallen fast vom Stuhl, als die „zierliche Frau mit dem Chignon“ das politische Parkett betritt. Und was macht sie? Sie zieht das durch. Mit Stil. Mit Scharfsinn. Und mit Gin Tonic.
Specht schreibt das mit einer herrlichen Mischung aus Witz, Tiefgang und Zeitkolorit. Ich wäre gern mit Catharina und ihrer Frauenclique in einer Bonner Bar gesessen, während sie zwischen Weltpolitik und Frauenfreundschaft jongliert. Und das mit einem Schlag Selbstironie, der selbst in den verrauchten Hinterzimmern von 1979 frischen Wind verbreitet hätte.
Besonders gefallen hat mir, dass Specht keine Heldin aus Zuckerwatte zeichnet. Catharina ist klug, verletzlich, ehrgeizig – und manchmal einfach müde davon, ständig doppelt so gut sein zu müssen wie die Herren in grauen Anzügen. Ihre Freundinnen, die belgische Journalistin Suzanne und die iranische Regisseurin Azadeh, geben der Geschichte zusätzlich internationale Tiefe – und das Gefühl, dass Frauen auf der ganzen Welt denselben Tanz führen: zwischen Freiheit und Erwartung, Herz und Haltung.
Natürlich gibt es viele Figuren (ich hätte mir fast ein Personenverzeichnis gebastelt), aber sobald man drin ist, entfaltet der Roman eine wunderbare Mischung aus politischem Drama, Frauenpower und 70er-Jahre-Glamour.
Mein Fazit: Ein Buch für alle, die sich schon mal gefragt haben, wie weit Selbstbestimmung wirklich geht – und ob sich Freiheit manchmal wie ein Drahtseilakt in High Heels anfühlt.

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Veröffentlicht am 05.10.2025

Magie im Teebecher

Thea Magica, Band 1 - Das Geheimnis von Port Mint
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Wir lesen nicht oft das gleiche Buch – aber Thea Magica hat uns als Mutter-Tochter-Duo richtig zusammengebracht. Wir haben es uns mit kleinen Leseschichten abwechseln geteilt. Schon das allein sagt einiges: ...

Wir lesen nicht oft das gleiche Buch – aber Thea Magica hat uns als Mutter-Tochter-Duo richtig zusammengebracht. Wir haben es uns mit kleinen Leseschichten abwechseln geteilt. Schon das allein sagt einiges: Dieses Buch entfaltet beim Lesen einen solchen Zauber, dass man es kaum mehr aus der Hand legen möchte.
Die Geschichte um Robin, die plötzlich mit einer geheimnisvollen Gabe und einem Umzug in das Küstenstädtchen Port Mint konfrontiert wird, hat uns beide sofort gepackt. Vivien Verley erschafft eine Welt, die man beim Lesen fast schmecken kann – nach Salzluft, Geheimnissen und einer guten Tasse Tee. Die Idee, Magie über Tee zu wirken, ist sehr originell und doch so simple, dass überzeugt!
Robin ist eine dieser Figuren, die man gern begleiten möchte – mutig, sensibel, manchmal überfordert, aber nie aufgebend. Meine Tochter mochte besonders, dass Robin so ehrlich mit ihren Gefühlen ist, während ich beeindruckt war, wie sie trotz allem die Ruhe bewahrt. Man spürt, dass in ihr eine große Stärke wächst – leise, aber entschlossen.
Auch die Nebenfiguren sind wunderbar lebendig: Mailin mit ihrem Piratenmut, Cornelius mit seiner geheimnisvollen Ruhe – und dazwischen eine Freundschaft, die sich so echt anfühlt, dass wir beim Lesen mehrmals schmunzeln, mitfiebern und mitfühlen mussten.
Die Magie rund um das „Thea Magica“ ist dabei nicht nur Kulisse, sondern Herzstück des Buches. Vivien Verley spielt mit Ideen, die gleichzeitig fantastisch und nachvollziehbar sind: über Macht, Verantwortung und den Mut, man selbst zu bleiben – auch wenn andere das nicht verstehen.
Der Schreibstil ist leicht, atmosphärisch und bildreich. Man liest Seite um Seite, ohne es zu merken, und plötzlich ist man mittendrin in einer Welt, die so liebevoll ausgedacht ist, dass man sich fragt, ob irgendwo da draußen vielleicht wirklich Tee mit magischer Wirkung existiert. (Wir haben beim Lesen übrigens tatsächlich neue Sorten ausprobiert.)
Am Ende waren wir uns einig: Thea Magica ist ein Buch, das man gemeinsam erleben möchte. Es hat uns erbunden durch Neugier, Fantasie und Gespräche über Mut und Freundschaft.
Fazit:
Eine warmherzige, klug erzählte Geschichte voller Magie, Tee und echter Gefühle. Perfekt zum gemeinsamen Lesen, Träumen und Staunen – ob mit oder ohne Zauber im Becher.
Und nicht zu vergessen mit einem soooooo schönen Farbschnitt!!!!

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Veröffentlicht am 05.10.2025

Wie kann Führung menschlicher werden?

Empathische Führung
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Ich finde Lunia Hara ist unglaublich charismatisch – klar, klug, empathisch und dabei wunderbar authentisch. Daher habe ich natürlich gerne zu ihrem Buch gegriffen!
In Empathische Führung verbindet Lunia ...

Ich finde Lunia Hara ist unglaublich charismatisch – klar, klug, empathisch und dabei wunderbar authentisch. Daher habe ich natürlich gerne zu ihrem Buch gegriffen!
In Empathische Führung verbindet Lunia Hara genau das, was ich an ihr so schätze: emotionale Intelligenz mit praktischer Klarheit. Sie schreibt über eine neue Art des Führens, die nicht auf Kontrolle, sondern auf Vertrauen basiert – auf Zuhören, auf Verständnis, auf der Fähigkeit, Menschen wirklich zu sehen. Eigentlich kein rocket science, aber noch mal gut auf den Punkt gebracht.
Besonders berührt hat mich, wie sie den Bogen spannt zwischen Arbeitswelt und Gesellschaft. Führung, so Lunia Hara, endet nicht an der Bürotür. Jede Entscheidung, die wir treffen, hat Auswirkungen – auf Systeme, auf Menschen, auf unser Zusammenleben. Diese Haltung zieht sich durch das ganze Buch: Verantwortung als etwas zu begreifen, das größer ist als die eigene Position. Sehe ich auch so.
Ich mochte auch, wie konkret sie wird. Zwischen inspirierenden Gedanken finden sich handfeste Tipps, die sofort umsetzbar sind – von ehrlicher Kommunikation über Feedback-Kultur bis hin zu Selbstreflexion. Denn: Wer sich selbst nicht versteht, kann andere nicht führen.
Das Buch liest sich leicht, ist aber alles andere als oberflächlich. Lunia Hara schreibt mit Wärme und Klarheit, ohne belehrend zu wirken. Stattdessen öffnet sie Perspektiven: Wie kann Führung menschlicher werden, ohne an Stärke zu verlieren? Wie schaffen wir Räume, in denen Menschen wachsen dürfen?
Das Vorwort von Verena Pausder, die ich ebenfalls sehr schätze, passt perfekt – zwei starke Stimmen, die zeigen, dass Zukunftsführung weiblich, mutig und empathisch gedacht werden darf.
Empathische Führung muss der Weg in die Zukunft sein, der Druck gut zu leisten steigt immer weiter, da braucht es Führungspersönlichkeiten mit Werten und safe spaces. Lesen, einsinken lassen und dann– in Meetings, in Gespräche, in den Alltag – den Inhalt mitnehmen und anwenden. Weil es erinnert: Führen heißt, Menschen bewegen. Und das gelingt nur mit Herz.

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Veröffentlicht am 19.09.2025

Lügen, Pump & Proteinshakes

Gym
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Wer glaubt, dass ein Fitnessstudio nur der Ort für Bizeps, Burpees und Beinpresse ist, der irrt gewaltig. Verena Keßler zeigt in Gym, dass hinter glänzenden Spiegeln und Eiweißshakes nicht nur Muckis, ...

Wer glaubt, dass ein Fitnessstudio nur der Ort für Bizeps, Burpees und Beinpresse ist, der irrt gewaltig. Verena Keßler zeigt in Gym, dass hinter glänzenden Spiegeln und Eiweißshakes nicht nur Muckis, sondern auch ganze Lebenslügen aufgebaut werden können – und das in einem Ton, der so frisch ist wie der Geruch von neu geöffnetem Magnesium-Pulver.
Die namenlose Protagonistin stolpert nicht einfach in das MEGA GYM, sie mogelt sich hinein – mit einer Notlüge, die so klein klingt wie ein Satz Sit-ups und sich dann doch zu einem Marathon aus Täuschungen auswächst: Angeblich hat sie gerade ein Kind bekommen. Applaus, Mitleid, Respekt – alles da. Nur: Babyfotos sind schwer zu liefern, wenn es „den Kleinen“ gar nicht gibt. Hier liegt die große Raffinesse des Romans: Keßler macht aus einer spontanen Ausrede einen dramaturgischen Deadlift, bei dem wir Leserinnen und Leser mit jeder Seite tiefer in die Gedankenwelt einer Erzählerin gezogen werden, die selbst nicht mehr weiß, wo die Wahrheit endet und die Pose beginnt.
Besonders stark gelingt es Keßler, den Fitnesskult als Bühne für Selbstoptimierung, Sehnsucht nach Anerkennung und die Gefahr der Obsession zu inszenieren. Zwischen legeren Flirts am Tresen, Proteinshake-Smalltalk und dem Stolz eines feministischen Chefs entfaltet sich eine Geschichte, die mal komisch, mal beklemmend wirkt – ein Wechselspiel wie zwischen Aufwärmübung und Maximalgewicht.
Und dann ist da Vick: die Bodybuilderin, die wie eine lebendige Hantel aus Stahl den Ton im Studio und in der Erzählung verschiebt. Mit ihrem Auftreten kippt das Buch vom lockeren Aufwärmen ins Hochintensive – kein leichtes Pumpen mehr, sondern eiserner Drill. Ab hier wird klar: Die Notlüge war nur der erste Satz im Trainingsplan einer Frau, die sich selbst neu erfinden will – koste es, was es wolle.
Keßlers Sprache ist dabei so pointiert, dass man beim Lesen fast glaubt, den Schweiß tropfen zu hören. Humor und Härte, Satire und Tragik – Gym jongliert das alles mit der Leichtigkeit eines Fitnessgurus, der noch beim Plank über Gleichstellung diskutiert.
Am Ende bleibt ein Fazit, das so simpel wie schwer ist: Ehrlichkeit wiegt mehr als jede Langhantel. Gym ist ein Roman, der unterhält, erschüttert, zum Schmunzeln bringt und gleichzeitig mitten ins Herz der Selbstoptimierungsgesellschaft zielt. Ein echtes Jahreshighlight – mit Muskelkater-Garantie fürs Hirn.

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