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Veröffentlicht am 05.10.2025

So ist es eben

Hustle
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Haben wir alle die gleiche Malm-Kommode? Ängste, Sorgen? Mein Fazit nach Hustle: Anteilig sicher, aber ist das nicht auch vollkommen in Ordnung? Zudem bin ich mir sicher, dass der Inhalt meiner Kommode ...

Haben wir alle die gleiche Malm-Kommode? Ängste, Sorgen? Mein Fazit nach Hustle: Anteilig sicher, aber ist das nicht auch vollkommen in Ordnung? Zudem bin ich mir sicher, dass der Inhalt meiner Kommode sich von anderen unterscheidet - das kann und darf und soll er auch.
Hustle war für mich eine extreme Abwechslung zu dem, was ich zu dieser Jahreszeit sonst normalerweise aufschlage: Fantasy-Romane mit einem klaren Handlungsstrang in verwunschenen Wäldern. Und auf einmal: Kurze, oft deutlich klare Sätze, 314 Seiten lang.
Leonie zieht nach München. Sie hat einen neuen Job. Aber da lauert noch etwas anderes. Neue Stadt (teuer), neue Wohnung (muffig), neue Arbeit (unbedeutend).. all das, auf sich allein gestellt. Doch Leonie findet Anschluss und wird in einer durch Humor, High-Society-Munich-Life, und Geheimnisse geprägte Freundinnengruppe aufgenommen. Wer München kennt, fühlt sich während Hustle oftmals in die Straßen, auf die Wiesn, oder in die Berge gesetzt, nie verlassen vom Endgegner Immobilienmarkt.

Das Cover hat mich noch vor der Leserunde direkt in den Bann gezogen. Der Titel und die Figur auf dem Umschlag machen Lust auf mehr. Wer hustled, wie wird gehustled? All das erfährt man nach und nach - Leonie macht ein Geschäft aus dem Racheverlangen ihrer Kund*innen - eine Geschäftsidee, welche sich als lukrativ aber zunehmend gefährlich erweist.
Auch die Freundinnen, wie Leonie sie nach einer Zeit betitelt, haben ihr Gepäck. Jede hat hier „Leichen im Keller“ - aber es wird sich unter die Arme gegriffen, um gegen Ungerechtigkeit und gesellschaftliche Ordnungen vorzugehen - und sei es nur der Crémant, um blöde Situationen zu verarbeiten.
Während Hustle lernt man, dass Leonie sich ihre Familie nicht ausgesucht hat, sie jedoch erträgt. Ihre Eltern streiten, manchmal durch Leonie, um nicht mit der „besseren“ Hälfte reden zu müssen. Diese Last, welche hier auf Leonie liegt, ist im Buch unglaublich authentisch umschrieben und regt zum nachdenken an. Auch Kim, ihre Freundin, struggled mit der Erziehung ihrer eigenen Kinder, da sie sehr streng aufwuchs - was zum Nachdenken anregt. Schön finde ich, dass auch Leonie's Eltern sich Gedanken machen und am Ende zueinander stehen.
Was man über Bord werfen möchte, ist folgende Einstellung: „So ist es eben“. Leonie’s Flamme Lukas nutzt diesen Satz und lebt ihn. Auch wenn nicht allzu viel über Lukas geschrieben wurde, haben mich die Momente, in welchen Lukas Leonie damit gelangweilt / nicht gefordert hat, zum nachdenken angeregt. Ist es wirklich halt so? Oder kann ich doch etwas gegen meinen tristen 30er-Alltag unternehmen? Leonie kommt zu dem Entschluss, dass sie etwas unternimmt. Sie lässt sich nicht davon aufhalten - was ich gut, relatable, und, ja, „Hustle“ finde. Das gesamte Buch ist einfach ein Vibe, so neumodisch es klingen mag.

Julia Bähr hat die Gabe, all das ganz nahbar zu beschreiben. Authentisch. Die Gespräche über Gott (& die Welt) hätten so 1 zu 1 aus meinem eigenen Gruppenchat stammen können.
Mich persönlich brachten die oftmals sehr kurzen Satzstrukturen eher dazu, diese nochmals lesen zu müssen - auch, um Kontext nachvollziehen zu können.
Der Lesespaß während des Buchs blieb jedoch nicht aus. Egal ob es um die Beziehung Leonie’s Eltern geht, ihrer Beziehung zu Love Interests, oder ihrer Beziehung zu sich selbst und ihrer Zukunft - auch wenn ich weniger kriminell bin, fand ich mich sehr oft wieder und musste fast durchgehend schmunzeln.

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