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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.09.2024

Eigenwilligen Mix aus interessanten Gedankenexperimenten und absurder Action

Die Abschaffung des Todes
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Das Spannende an Romanen von Andreas Eschbach ist neben den interessanten Prämissen ja immer, dass sie sich in völlig unerwartete Richtungen entwickeln.

Bei "Die Abschaffung des Todes" ist es wieder ...

Das Spannende an Romanen von Andreas Eschbach ist neben den interessanten Prämissen ja immer, dass sie sich in völlig unerwartete Richtungen entwickeln.

Bei "Die Abschaffung des Todes" ist es wieder so: James Windover ist Redakteur der objektivsten Zeitung der Welt, die den Vorsatz "sine ira, sine studio" bis zum äußersten verfolgt und nur die Fakten ohne Emotion liefert. Aufgrund seiner fast unbestechlichen Unvoreingenommenheit wird er von einer Abonnentin gebeten, die Versprechen der Firma Youvatar einzuordnen, die nichts Geringeres ankündigt als den Tod abzuschaffen.
Mit seinen Recherchen setzt James Ereignisse in Gang, die zu rasanten Verfolgungsjagden quer durch Europa und dazwischen eingestreuten interessanten Gedankenexperimenten führen.

Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt, wie eigentlich immer bei Eschbachs "Was wäre, wenn..." Überlegungen. Für mich waren leider die Action-Szenen ein großer Schwachpunkt (fairerweise muss ich sagen, dass ich persönlich kein Action-Thriller Fan bin), da sie die interessanten Dialoge unterbrechen. Die Idee, die Action mit Meta-Humor zu brechen und Protagonist James darauf hinweisen zu lassen, dass dieses oder jenes so absurd sei, dass man es in einem Roman oder Film nicht bringen könnte, ist ein paar Mal witzig, aber dann leider etwas zu oft benutzt.

Ich hätte mir statt der Actionszenen mehr Raum für die Ideen gewünscht. Alleine James' Zeitung, die sich maximaler Objektivität verschrieben hat, wäre eine eigene Geschichte über die Macht der Informationen wert. Oder eben, was die "Abschaffung des Todes" gesellschaftlich bedeuten würde. Oder wie die vorgestellte Methode missbraucht werden kann.

Ich durfte den Roman im Rahmen einer Leserunde der Lesejury zusammen mit anderen lesen und fand den Austausch spannend. Und da punktet "Die Abschaffung des Todes": Wenn man es mit Freunden und Familie liest, regt es spannende Diskussionen an und bringt einen auch dazu, über die Dinge zu sprechen, die man gerne ausblendet (z.B. Patientenverfügung).

Fazit: "Die Abschaffung des Todes" wird nicht mein neuer Lieblingsroman von Andreas Eschbach (da stehen unangefochten "Herr aller Dinge" und "Ausgebrannt"), aber die unterwegs beim Lesen aufgenommenen Themen und Ideen waren das Lesen wert und ich freue mich dann schon auf die nächste Gedankenreise.

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Veröffentlicht am 05.10.2019

Unterhaltsame Lektion in Gelassenheit vom größten Nerd der Republik

Mein Leben nach dem Tod
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Dr. Mark Benecke ist vielen vor allem als Kriminalbiologe bekannt, der über Insekten die Liegezeit von Leichen bestimmt oder DNA-Spuren analysiert. Das ist ein so ungewöhnlicher Beruf, dass man schon gerne ...

Dr. Mark Benecke ist vielen vor allem als Kriminalbiologe bekannt, der über Insekten die Liegezeit von Leichen bestimmt oder DNA-Spuren analysiert. Das ist ein so ungewöhnlicher Beruf, dass man schon gerne wissen möchte, wie man dazu kommt und ob er schon als Kind „so“ war. Diese Frage ist Dr. Benecke anscheinend so oft gestellt worden, dass er jetzt zusammen mit Andreas Hock seinen Werdegang in einer (hoffentlich noch nicht abgeschlossenen) Biografie vorstellt.

Angefangen von seinen Wurzeln in Bayern, über die Integration zum „Kölsche Jung“ bis hin zu seiner Arbeit für die New Yorker Polizei, erfahren wir viel über Mark Benecke, was wir ihn vielleicht schon immer bei einem Bier fragen wollten. Dank des lockeren Plaudertons hat man beim Lesen tatsächlich ein bisschen das Gefühl, dass man die Geschichten in einem Gespräch erzählt bekommt. Oft weiß er allerdings selbst nicht so genau, was ihn geformt hat, vor allem seine beneidenswerte Gelassenheit und die Dinge einfach anzunehmen, wie sie sind, will er den Kölnern in die Schuhe schieben („Et is, wie et is.“).

Diese Gelassenheit hilft ihm dann auch, wenn er auf einmal nicht in die USA einreisen darf, weil er in einem Formular ein Kreuzchen falsch gesetzt hat (wie er das originell löst, soll hier nicht verraten werden). Manchmal ist er vielleicht ZU sorglos und spaziert bei einer anderen Gelegenheit mit Schnappdeckel-Röhrchen voll mit in Alkohol eingelegten Proben durch die Flughafen-Kontrolle (auch wieder USA und auch hier möchte ich nicht mehr verraten).

Bis auf ein paar Beispiele werden konkrete Fälle aus der Arbeit als Kriminalbiologe ausgeklammert, was ich sehr gut fand, da es eben kein weiteres „True Crime“-Buch sein sollte.
Dafür gibt es mehr Einblicke in Dr. Beneckes Ausflüge in die Politik als Landesvater der Partei „Die Partei“ in NRW und andere amüsante Begebenheiten in einem eher ungewöhnliches Leben.

Kommen wir damit zu meinem einzigen Kritikpunkt: Es sind ausgewählte Einblicke, dadurch fehlt leider auch eine Menge. Mir hatten ein paar Sachen gefehlt, nämlich noch Beneckes Tätigkeit im Komitee für den IGNobel-Preis und da ein paar Stories, wie z.B. die Arbeit eines niederländischen Biologen über Nekrophilie bei Enten (a.k.a. „Der Entenmann“). Aber er hat ja weitere Bücher in Aussicht gestellt und da würde ich mich auch über Stories aus seiner Arbeit für GWUP freuen (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung des Paranormalen). Dafür schließt das Buch mit einem Abschnitt von einer Gruppe, die sich „Die Markierten“ nennt, auf den ich auch gut hätte verzichten können.

Insgesamt hat mir das Buch, das mir im Rahmen einer Leserunde zur Verfügung gestellt wurde, ganz gut gefallen, es ist sehr kurzweilig, mit viel zum Schmunzeln.

Et is, wie et is.

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Veröffentlicht am 28.08.2018

Wahrer Fall aus erster Hand geschildert

Schädelfall
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Der Fall erschütterte 2009/2010 die Universität Frankfurt am Main: Ein Herr, der sich mit diversen Adelstiteln und einer Reihe von akademischen Titeln schmückte, von denen er keinen einzigen hätte führen ...

Der Fall erschütterte 2009/2010 die Universität Frankfurt am Main: Ein Herr, der sich mit diversen Adelstiteln und einer Reihe von akademischen Titeln schmückte, von denen er keinen einzigen hätte führen dürfen, hatte jahrzehntelang die Leitung getäuscht und sein Institut wie ein kleiner König geführt. Nun hat jemand, der diesen Skandal hautnah miterlebt hat, unter dem Pseudonym Davidson Black die Vorgänge in einen Wissenschaftsthriller verarbeitet. Die Geschichte um den Zahnmedizinstudenten Adrian, der als Externer bei „Professor von Blücher“ seine Doktorarbeit beginnt und Unregelmäßigkeiten im Wissenschaftsbetrieb bemerkt, ist auf jeden Fall eine spannende Geschichte, die Fakten dahinter sind alle stimmig und man kann leicht die realen Figuren dahinter entschlüsseln (die damals in der Presse ausführlich beschrieben wurden). Sehr gut ist die Beschreibung der Atmosphäre der Angst und Verunsicherung an der Uni eingefangen und der Druck, unter dem die Studenten stehen, die dann auch noch vor ein moralisches Dilemma gestellt werden. Leider merkt man beim Lesen, dass „Davidson Black“ normalerweise eher wissenschaftliche Texte schreibt und hier schon Lektoren und Freunde korrigierend eingegriffen haben, um die Geschichte etwas zu beleben.
Fazit: Wer selber in den 80iger und 90iger Jahren im Bereich Biologie an der Frankfurter Universität dem besagten Herrn über den Weg gelaufen ist, wird die Schilderungen auf jeden Fall spannend finden, für Außenstehende, die sich für das Thema „Fälschungen in der Wissenschaft“ oder auch gekaufte akademische Titel interessieren, ist es ebenfalls eine empfehlenswerte Lektüre, wer aber einen Wissenschaftsthriller im Stil von Douglas Preston oder Michael Crichton erwartet, könnte enttäuscht werden. Es erinnerte mich sehr an „Ein tiefer Fall“ von Bernhard Kegel und wer daran Freude hatte, wird auch „Schädelfall“ mögen.

Veröffentlicht am 06.10.2025

Flotter Auftakt zu einer YA-Reihe mit Luft nach oben

Let's Split Up - Ein verfluchtes Haus. Vier Freunde. Eine verhängnisvolle Entscheidung.
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Bill Wood´s Debütroman „Let´s split up” spielt mit den Tropes (man könnte auch sagen Klischees) des Teenie-Slasher-Genres, weicht aber auch genug davon ab, um nicht komplett vorhersehbar zu sein.

Worum ...

Bill Wood´s Debütroman „Let´s split up” spielt mit den Tropes (man könnte auch sagen Klischees) des Teenie-Slasher-Genres, weicht aber auch genug davon ab, um nicht komplett vorhersehbar zu sein.

Worum es geht: In dem kleinen Nest Sanera steht ein verlassenes Herrenhaus, um das sich einige lokale Legenden ranken. Als zwei junge Menschen auf mysteriöse Weise darin umkommen, wird das Freundes-Trio Cam, Amber und Jonesy von ihrer neuen Mitschülerin Buffy angeregt, sich das Spukhaus selbst einmal genauer anzuschauen. Doch das scheint vielleicht nicht die beste Idee gewesen zu sein…

Was einen erwartet: Der Roman macht keinen Hehl daraus, dass Serien wie Scooby Doo- Where are you und eben diverse Teenie-Slasher- Filme die Hauptinspiration für Setting und Charaktere gewesen sind. Wer damit nichts anfangen kann, wird dann mit der Geschichte vielleicht nicht so viel Spass haben. Zu diesen Serien/Filmen gehört auch ein bestimmter Ablauf der Ereignisse, so dass man nicht auf allzu viele Überraschungen hoffen sollte. Während die erwachsenen Nebenfiguren vergleichsweise blass bis stellenweise unglaubwürdig gestaltet sind, schenkt Bill Wood seinen jugendlichen Hauptfiguren viel Aufmerksamkeit. Cam, Amber und Jonesy sind in ihren Teenie-Ängsten um queere erste Liebe und Platz in der Welt sehr sympathisch gezeichnet und auch die geheimnisvolle Buffy gewinnt schnell die Herzen des Trios.

Die Balance zwischen noch fast kindlichem Detektiv-Roman a la Die drei ??? und blutigem Horror mit zum Teil sehr drastisch beschriebenen Sterbeszenen müsste allerdings noch in weiteren Bänden dieser Reihe etwas verfeinert werden. Je nach Kapitel/Szene hat man das Gefühl zwischen diesen beiden Genres zu springen als eine gelungene Mischung aus den Elementen aus beidem vor sich zu haben.

Fazit: Wie eben Horror-Filme und Teenie- Mystery Serien ist dieser Roman ein Guilty Pleasure: Es macht Spaß ihn zu lesen, er liest sich flott. Tiefe Einsichten oder einen neuen Blick auf das Genre sollte man nicht erwarten.

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Veröffentlicht am 11.10.2022

Interessantes Gedankenexperiment mit leichten Schwächen

Freiheitsgeld
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Jedes neue Buch von Andreas Eschbach ist eine kleine Überraschung, man weiß nie, wo die Reise hingeht, mal ist es ein historisches Gedankenexperiment wie in „NSA“, mal Science Fantasy wie in „Eines Menschen ...

Jedes neue Buch von Andreas Eschbach ist eine kleine Überraschung, man weiß nie, wo die Reise hingeht, mal ist es ein historisches Gedankenexperiment wie in „NSA“, mal Science Fantasy wie in „Eines Menschen Flügel“ oder Science Fiction mit einer gehörigen Portion Action wie „Der Herr aller Dinge“.

Auch „Freiheitsgeld“ ist ein Gedankenexperiment: „Was wäre, wenn in der nicht allzu fernen Zukunft, in ganz Europa den Menschen ein bedingungsloses Grundeinkommen gezahlt würde, das sogenannte Freiheitsgeld?“ Während ein Experiment im Labor meist nur einen Parameter verändert, um die Auswirkungen beobachten zu können, hat Eschbach in dieser fiktiven Zukunft weitere große, gesellschaftliche Veränderungen entworfen: Ressourcenschonung und Klimaschutz sind erste Bürgerpflicht, die Menschen leben in großen Metropolen, während der Rest Europas aus großen Naturschutzgebieten besteht.
Für sich betrachtet klingen all diese Neuerungen großartig: Niemand muss arbeiten, außer er möchte, entsprechend gut werden unbedingt notwendige Berufe wie z.B. die Pflege bezahlt, Drogen sind legal, werden aber versteuert und Kleidung und Bücher gibt es ressourcenschonend „on demand“. Trotzdem sind viele Protagonisten in „Freiheitsgeld“ nicht zufrieden, die Gesellschaft ist längst nicht egalitär, einige wenige können sich doch durch Privilegien abheben. Außerdem scheinen die Hintergründe zur Einführung des „Freiheitsgeldes“ nicht ganz so utopisch-optimistisch zu sein, wie zum Jubiläum propagiert. Die Recherchen eines Journalisten und die Ermittlungen eines Polizisten führen in das Herz einer Verschwörung.

Mehr soll hier nicht verraten werden, um nicht zu spoilern.

„Freiheitsgeld“ ist grandios im World Building, man möchte mehr von dieser nicht ganz unwahrscheinlichen Zukunft sehen und wissen, wie sie funktioniert. Neben dem großen Thema finden sich viele kleine interessante Details wie die Products on Demand.
Tatsächlich ist die Finanzierung des Freiheitsgeldes eine nicht ganz uninteressante Frage. Und auch (oder gerade weil) ich Herrn Eschbach nicht in all seinen Überlegungen zu den Konsequenzen eines bedingungslosen Grundeinkommens zustimme, regt es zum Nachdenken und Diskutieren an.

Leider hält der Abschluss nicht das, was die Reise dahin verspricht, es ist kein schlechtes Ende, aber im Vergleich zu „NSA“ oder „Herr aller Dinge“ kommt es eher lauwarm daher.
Wer ein großer Fan überraschender Enthüllungen am Ende eines Romans ist, könnte hier enttäuscht werden, wen die Ausgestaltung einer Welt in einer möglichen nahen Zukunft interessiert, wird hier gut unterhalten und findet reichlich Gedankenfutter.

Leseempfehlung für alle, die gerade keine Wohlfühl-Geschichte suchen und etwas länger an einer Geschichte knabbern wollen.

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