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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.10.2025

Die Welt wieder mit Kinderaugen betrachten

Drei Tage im Schnee
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Hannah lebt in der Großstadt und führt dort ein doch eher übliches Arbeitsleben. Sie hetzt zwischen Terminen, hat einen Beruf, der sie fordert. Zeit für sich selbst findet sie nicht viel und steckt diese, ...

Hannah lebt in der Großstadt und führt dort ein doch eher übliches Arbeitsleben. Sie hetzt zwischen Terminen, hat einen Beruf, der sie fordert. Zeit für sich selbst findet sie nicht viel und steckt diese, wenn in Selbstoptimierungskurse. Vieles ist der Karriere untergeordnet. Als sie sich ein abgelegenes Holzhäuschen für ein paar Tage mietet, tut sie das mit dem Wunsch abzuschalten. Schön idyllisch in beschneiter Landschaft an einem See. Dann steht plötzlich die kleine Sophie im Garten und möchte Schneeengel formen. Die beiden freunden sich an – und Hannah wird immer wieder an ihre eigene Kindheit erinnert und sieht ihr Leben nun etwas mehr aus Kinderaugen.

Die Autorin erzählt in einem sehr angenehmen Stil von der Suche nach sich selbst. Ein sehr philosophisches Thema, dass auch durch den Schreibstil gespiegelt. Ruhig und sehr bildlich werden die Tage in der Hütte geschildert. Man kommt beim Lesen selbst durch die detaillierten Schilderungen selbst gut zur Ruhe.

Aktion reiche Handlung darf man auf Grund des Themas nicht erwarten. Auch die Anzahl der Charaktere ist auf zwei limitiert. Diese sind in meinen Augen aber sehr liebevoll und authentisch gestaltet. Ein junges Mädchen, dass natürlich alles aus Kinderaugen sieht und entsprechend hinterfragt. Speziell mit Hannah konnte ich mich sehr identifizieren, das die Fragen sehr viele Erwachsene wohl schon einmal umgetrieben haben.

Ein schönes Buch, auch in der Gestaltung, für eine angenehme Leseauszeit, speziell wenn es einmal philosophischer sein soll.

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Veröffentlicht am 06.10.2025

Temporeicher, aktueller Politthriller

Der Wortschatz des Todes
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Irina Starilenko,eine ehemalige BKA-Ermittlerin, wird von ihrem Bruder Konstantin kontaktiert, mit der Bitte seinem Freund Oeksi zu helfen. Oleksandr, Oleksi, der nach dem russischen Angriffskrieg aus ...

Irina Starilenko,eine ehemalige BKA-Ermittlerin, wird von ihrem Bruder Konstantin kontaktiert, mit der Bitte seinem Freund Oeksi zu helfen. Oleksandr, Oleksi, der nach dem russischen Angriffskrieg aus der Ukraine geflüchtet ist, steht unter Verdacht einen polnischen Geschäftsmann namens Majewski erschossen zu haben. Zu allem Überfluss hat er auch schon gestanden. Irina unterstützt Oleksis Verteidiger Julian Bergmann bei diesem Fall als Privatermittlerin, auch um ihren Bruder zu schützen.

Die Geschichte ist sehr dicht an Informationen und wird dicht und temporeich erzählt. Der Schreibstil ist flüssig, klar und verständlich. All dies sorgt dafür, dass man rasch durchs Buch kommt, unter anderem auch weil die Spannung, durch immer neue Ereignisse hoch bleibt. Dies ist auch nicht zuletzt auch dem aktuellen Thema geschuldet und der doch eher höheren Plausibilität, dass sehr viele Dinge so schon passiert ist oder passieren können.

Man erfährt im Laufe der Erzählung mehr über die Geschichte der Familie der Protagonisten und taucht damit auch immer weiter in die Geschichte der Ukraine ein. Es werden Aufstände, Hungersnöte, Repressalien und Unterdrückung in der Sowjetunion und der neuern Zeit behandelt. Man erkennt welche Auswirkungen all dies bis in die heutige Zeit und die heutigen Konflikte hat. Auch wie sehr das private Leben und Schicksale, durch all das beeinflusst werden. In manchen Geschichts- und Hintergrund lastigen Bereichen benötigt man als nicht so informierte Person jedoch sicher etwas Ruhe um die Dinge zu verarbeiten und einordnen zu können. Immerhin sind die Zusammenhänge doch komplex.

Die Charaktere sowohl der Haupt- und Nebenfiguren sind gut und glaubwürdig gezeichnet. Speziell Irina Starilenko weist viele Ecken und Kanten auf, und kämpft auch gegen ihre eigenen Dämonen. Dies macht den Charakter sehr glaubwürdig und spannend. Aber auch Nebenfiguren wie ehemalige BKA-Kollegen und Kontakte waren für mich gut getroffen, auch da sehr originell.

Insgesamt kann ich das Buch jedem empfehlen, der einen temporeichen, gut recherchierten Politthriller mit sehr aktuellem Bezug sucht. Ich hoffe noch mehr von Irina Starlineko lesen zu dürfen.

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Veröffentlicht am 06.10.2025

Kurzgeschichten über den Polizeialltag aus Sicht eines Polizeihundes

Man sieht nur mit der Schnauze gut
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Aspro ein Mischlingshund, wird auf Grund eines Unfalls beim Stöckchen spielen, Waise bzw. passender herrchenlos. Die junge Polizistin, die mit dem Fall betraut wird, adoptiert ihn trotz der Widerstände ...

Aspro ein Mischlingshund, wird auf Grund eines Unfalls beim Stöckchen spielen, Waise bzw. passender herrchenlos. Die junge Polizistin, die mit dem Fall betraut wird, adoptiert ihn trotz der Widerstände ihres Partners. Langsam gewöhnt man sich aneinander, und auch an ein weiteres Familienmitglied, denn die Polizistin ist schwanger. Aspro darf seine Chefin zum Dienst begleiten und erlebt dabei so manch ein Abenteuer und erweist sich als wertvolle Unterstützung.
Erzählt in sechsundzwanzig Kurzgeschichten, zeichnet sich das Buch vor allem durch viel Humor aus. Alle Geschichten lassen sich auch leicht zwischendurch unabhängig voneinander lesen. Leichte Kriminalfälle werden geklärt- Einbrüche, vermisste Personen.

Alles wird aus dem Blickwinkel von Aspro geschildert und dieser findet so manches menschliche Verhalten sehr eigenartig. Man bekommt Einblick in menschliches und Hundeleben. Jedes Kapitel ist eher kurz, pointiert und ein episodenhafter Einblick in den Alltag. Immer gespickt mit reichlich Humor und Wortwitz. Da sowohl das Buch in Österreich spielt als auch der Autor Österreicher ist, ist auch so mancher Ausdruck und Witz österreichisch. Ich denke, das sollte jedoch auch einfach in anderen Regionen verstanden werden.

Für mich insgesamt eine kurzweilige Lektüre mit ordentlich Humor, die schön die Beziehung zwischen Menschen und Hund beleuchtet. Ich würde mich freuen in Zukunft, einen etwas größeren Kriminalfall aus Sicht von Aspro lesen zu dürfen.

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Veröffentlicht am 29.09.2025

Agatha Christie trifft Computerspiel- ein etwas anderer Cozy-Crime

Die Einladung – Mord nur für geladene Gäste
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Rosemary MacLaine, 77jährig auch Mimi genannt, wird von ihrer reichen und extravaganten Nachbarin Jane zu einer Party und Auktion im Stile der Zwanzigerjahre geladen. Eigentlich möchte Mimi absagen, doch ...

Rosemary MacLaine, 77jährig auch Mimi genannt, wird von ihrer reichen und extravaganten Nachbarin Jane zu einer Party und Auktion im Stile der Zwanzigerjahre geladen. Eigentlich möchte Mimi absagen, doch die Gastgeberin lässt ihr keine Wahl. Mimis Enkelin Addie, Computerspieldesignerin, soll sie begleiten. Im Herrenhaus treffen sie auf eine illustre Schar aus Gästen und Angestellten. Nach der Auktion überschlagen sich die Dinge- Jane wird tot aufgefunden und ein Schneesturm gigantischen Ausmaßes schließt die Gäste und das Personal im Haus ein. Mimi und Addie machen sich auf die Suche nach dem Täter, da die Polizei wohl für einige Stunden nicht auftauchen wird.

Das Ermittlerduo aus Mimi und Addie ist definitiv gelungen. Passend zu Miss Marple- eine ältere souveräne und grantelnde Mimi, die sehr scharfsinnig ist. Unterstützt von ihrer Enkelin, die nach der Trennung von ihrem Freund und dem Verlust ihres „Babys“, dem gemeinsam entwickelten Computerspiels, sehr an sich zweifelt. Ein sehr unterschiedliches Ermittlerduo, das im Zuge der Untersuchung und natürlich auf Grund der nahen Gefahr, auch seine eigenen Differenzen versucht zu lösen. Die weiteren Charaktere muten vielleicht etwas skurril und klischeehaft an. Jedoch wir alles sehr plastisch beschrieben. Besonders gelungen fand ich in diesem Zusammenhang jedoch vor allem die Gestaltung des Covers, in dem die jeweiligen Personen abgebildet sind.

Generell wird die Geschichte mit sehr viel Humor erzählt. Der Text nimmt Anlehnungen an Agatha Christies Ermittlern und greift auch weitere berühmte Ermittler immer wieder im Text auf. Außerdem gibt es etliche Referenzen zu Popkulturthemen. Spannend ist auch das Theorien des Storytellings und der Spielentwicklung durch Addie erklärt werden. Ermittlungstechnisch ein klassischer Cozy-Crime-Roman, bei dem man dem Ermittlerduo auf seinen Befragungen folgt. Passend zu einem Computerspiel befindet man sich auch in einem Haus, das vor Geheimgängen nur so strotz.

So manches muss man meiner Meinung nach mit Humor nehmen und darf es nicht zu ernst sehen. Beispielsweise die vielleicht etwas klischeehaften, Charaktere, die dadurch jedoch erst wieder unterhaltsam sind. Auch der übermäßige Alkoholkonsum, der doch sehr fraglich ist, sollte einen wohl nicht zu sehr stören, sondern vielleicht passend sehen, denn immerhin befindet man sich in einem Herrenhaus, das den Alkoholschmugglern aus Prohibitionszeiten gehörte.

Für mich ein gutes Cozy-Crime Buch, mit Rätseln, Wendungen und Seitenhieben.

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Veröffentlicht am 25.09.2025

Beste Unterhaltung durch ein kultiges Ermittlerteam

Bodenfrost
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Alles beginnt harmlos- bei einem Kindernachmittag der Miesbacher Polizei. Geleitet von Polizeihauptmeister Leonhart Kreuthner, wird auf dem Gelände eines alten Bauernhofs eine Leiche gefunden. Besonders ...

Alles beginnt harmlos- bei einem Kindernachmittag der Miesbacher Polizei. Geleitet von Polizeihauptmeister Leonhart Kreuthner, wird auf dem Gelände eines alten Bauernhofs eine Leiche gefunden. Besonders brisant ist, dass eine Zeichnung den Bauch des Leichnams ziert, die auf einen Serienkiller mit dem Namen Harpunier hinweist. Dieser war jedoch Jahre nicht aktiv. Die Ermittlungen beginnen durch Clemens Wallner von der Kriminalpolizei und seinem Team und unterstützt von Polizeihauptmeister Kreuthner.

Eines vorneweg, obwohl dies schon der zwölfte Band des Autors Andreas Föhr ist, lässt sich der Roman auch gut ohne Vorkenntnisse lesen. Die Charaktere sind richtige Originale, ja Unikate. Gut dargestellt mit Ecken, Kanten und Marotten. So trifft Clemens Wallners korrekte Art auf Leonhart Kreuthners Schlitzohrigkeit ja Bauernschläue und dem Wandern am Rande der Legalität. Aber auch die weiteren Figuren tragen zu einem großartigen Leseerlebnis bei: z.B. Manfred, Wallners 94jähriger Großvater, der im Umfeld jüngerer Frauen immer besonders aufblüht. Auch die Gäste der Mangfallmühle sind richtige Unikate.

Man wird in einen Strudel von Spannung, Humor und etwas Chaos mitgerissen. Der Fall und die Ermittlungen erscheinen mir logisch, gut recherchiert und ohne Fehler. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber gerade deshalb sehr unterhaltsam, ist die Art wie Kreuthner Fälle löst. Man könnte es als etwas chaotisch und grenzwertig bezeichnen. Aber gerade darin liegt finde ich der Charme.

Es ist ein Lokalkrimi, mit dem Setting in Bayern, und dies wird meiner Meinung nach, sehr angenehm transportiert. Auch die Sprache, bayrischer Dialekt, sorgt für Authentizität, lässt sich aber auch für nicht kundige, meiner Meinung nach gut lesen, zumal sie eigentlich hauptsächlich nur von Kreuthner verwendet wird.

Ich freue mich die Serie nun entdeckt zu haben, und werde definitiv nachlesen.

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