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Veröffentlicht am 12.11.2025

Winter Wonderland? Nicht bei Simon Beckett...

Knochenkälte
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Die verschneiten Berge Cumbrias bilden das Setting des neuesten David-Hunter-Krimis, auf den Fans mehrere Jahre warten mussten. Und hat sich das Warten gelohnt? In meinem Fall… ja, schon irgendwie, aber… ...

Die verschneiten Berge Cumbrias bilden das Setting des neuesten David-Hunter-Krimis, auf den Fans mehrere Jahre warten mussten. Und hat sich das Warten gelohnt? In meinem Fall… ja, schon irgendwie, aber…


Mit einem wohligen Schaudern denke ich dran zurück, wie ich atemlos auf der Couch saß und völlig versunken war in den Fall, in dem er auf der Hebrideninsel Runa ermittelte oder als er in den USA auf der sogenannten „Body Farm“ unterwegs war - Fälle (und Bücher), die Maßstäbe gesetzt haben für eine ganze Generation von Thrillerautoren. Gemessen daran muss ich leider sagen, dass der neue Fall an diese außergewöhnlichen Thriller nicht heranreicht (zumindest in meinen Augen).

 

Was aber immer noch heißt, dass „Knochenkälte“ ein echt gutes Buch ist! Der Ton, das Setting und die Verwicklungen sind gut ausgearbeitet und beschrieben, so dass man wie immer in Becketts Büchern mittendrin ist und einem der eisige Wind förmlich um die Ohren pfeift, wenn man mit David Hunter in der winterlichen Fichtenplantage mitten im Nirgendwo unterwegs ist. Auch der Fundort der Skelette in den Wurzeln der Bäume ist eine neue Perspektive, die ich so noch nicht gelesen habe. Und sind wir mal ehrlich - wie schwer ist es für Thrillerautoren, immer wieder neue Ideen zu entwickeln, möglichst spektakulärer als bisher und die Leser immer wieder zu überraschen?

 

Am meisten hat mich Simon Beckett diesmal ehrlich gesagt mit dem Anfang der Geschichte überrascht - ich sag nur: das Schaf ohne Beine. Das war für seine Verhältnisse ein ziemlich amüsanter Einstieg in den Roman, der dann aber schnell zur gewohnten Ernsthaftigkeit fand.

 

Aus irgendwelchen Gründen konnte mich dieser Fall jedoch nicht so fesseln wie die vorherigen. Ich bin mit den Figuren nicht so richtig warm geworden (die einzige Ausnahme war Max - aber wer könnte einem jungen Labrador auch widerstehen?). Selbst bei Nisha hatte ich immer ein kleines Distanzgefühl (vielleicht hatte ich auch unterschwellig immer den Verdacht, dass keiner der Protagonisten am Ende so ist, wie er/sie am Anfang wirkt…) und auch Hunter selbst war für mich  diesmal etwas „blass“. Eine wirklich neue Entwicklung in seiner Person habe ich in diesem Buch nicht gesehen und das hat mich irgendwie ein wenig enttäuscht.

 

Aber letztendlich muss man sagen - das ist Jammern auf ziemlich hohem Niveau, denn der Fall um die in den Baumwurzeln eingewachsenen Knochen ist spannend, clever konstruiert und atmosphärisch geschildert. Natürlich schrammt Hunter auch diesmal wieder knapp am sicheren Tod vorbei und vollbringt schier Übermenschliches, um die Personen um sich herum zu retten. Genau so, wie es seine Fans lesen wollen.

 

Deshalb empfinde ich diesen 7. Band der Reihe als routiniert geschriebene Fortsetzung, die diesmal durch das winterliche, abgeschottete Setting in einem kleinen Dorf in den Bergen Cumbrias besticht. Punkten kann der Autor bei mir mit einem cleveren und komplexen Plot, der am Ende viele Fäden zusammenlaufen lässt und einigen Anflügen von Humor, die mir in seinen früheren Romanen nicht so aufgefallen sind. Mit der Charakterentwicklung des Protagonisten war ich jedoch nicht so zufrieden, da hätte ich mir mehr Dynamik erhofft.

 

Alles in allem ist der Roman für mich eine gute, aber keine herausragende Fortsetzung der Reihe. Im nächsten Band wünsche ich mir da mehr - oder aber einen würdigen Abschluss, denn vielleicht wäre es auch an der Zeit, neue Wege zu gehen und David Hunter zu verabschieden, wenn seine Geschichte nahezu auserzählt ist.

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Veröffentlicht am 29.10.2025

Tierforscher in Afrika

Der Ruf der Kalahari
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In der Neuauflage des Nature-Writing-Klassikers aus dem Jahr 1984 " Der Ruf der Kalahari " beschreiben Mark und Delia Owens (ja, die von den Flusskrebsen!) ihre Forschungsarbeit in einem abgelegenen Camp ...

In der Neuauflage des Nature-Writing-Klassikers aus dem Jahr 1984 " Der Ruf der Kalahari " beschreiben Mark und Delia Owens (ja, die von den Flusskrebsen!) ihre Forschungsarbeit in einem abgelegenen Camp jenseits der Zivilisation in Afrika.

Am Anfang hat mich das Buch etwas herausgefordert, denn wie die beiden ihr Leben in Afrika starten, fand ich sehr blauäugig und weltfremd. Des öfteren habe ich über ihre Entscheidungen, die teilweise wirklich lebensgefährlich waren, den Kopf geschüttelt und mich gefragt wie studierte, erwachsene Leute so agieren können. Aber zum Glück ging letztlich alles gut und als die Forschungsgelder dann flossen, nahm das Buch hauptsächlich die Tierforschung in den Fokus und ich war wieder versöhnt 😅

Ihre Beobachtungen des Sozialverhaltens von Löwenrudeln, Hyänen und weiterer Kalahari-Bewohner zeigten von Respekt und Demut vor der Tierwelt und gaben einen interessanten Einblick in das harte Alltagsleben in einem unwirtlichen Landstrich.

Insgesamt habe ich das Buch also dennoch als sehr bereichernd empfunden und gebe gern eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 08.10.2025

Genau das Richtige für den Herbst!

Eichhörnchenglück
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Eichhörnchen sind fürchterliche Tiere. Sie buddeln im Dreck und sind so vergesslich, dass sie nicht mehr wissen, wo sie ihr Futter versteckt haben. Dass sie nebenbei auch super niedlich aussehen mit ihrem ...

Eichhörnchen sind fürchterliche Tiere. Sie buddeln im Dreck und sind so vergesslich, dass sie nicht mehr wissen, wo sie ihr Futter versteckt haben. Dass sie nebenbei auch super niedlich aussehen mit ihrem seidigen Fell, den Puschelöhrchen und ihren aufgeweckten Augen, ist Annikes Mutter völlig egal. Sie beschimpft alles und jeden, einschließlich ihrer Tochter, die nach dem Tod des Vaters nur widerwillig den Weg ins elterliche Heim gefunden hat. Doch ein Eichhörnchen-Notfall wird zum Rettungsanker für die Familie – und auch für die kleine Manou, die mit dem verwundeten Nager plötzlich vor ihrer Haustür steht.

„Eichhörnchenglück“ ist ein amüsanter, gleichzeitig aber erstaunlich ernsthafter Roman über Missverständnisse innerhalb einer Familie. Nur langsam gelingt wieder eine vorsichtige Annäherung zwischen Mutter und Tochter, doch unterstützt vom liebenswerten Ex-Lehrer Onkel Theo und Manou findet sich am Ende vielleicht doch eine Handvoll Nüsse…. äääääh, eine Handvoll Glück. 😉

Süße Feelgood-Lektüre mit durchaus ernsten Anklängen, viel Humor und einem tierischen Sidekick – genau das Richtige für den Herbst!

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Veröffentlicht am 12.09.2025

Verwechslungskomödie mit kleinen Schwächen

Storybook Ending - Bis ans Ende aller Seiten
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Verwechslungskomödie mit kleinen Schwächen

 

Die Idee an sich ist echt süß: Um den Mitarbeiter einer Buchhandlung kennenzulernen, hinterlegt April einen Brief in einem Buch. Eine wirklich niedliche Sache ...

Verwechslungskomödie mit kleinen Schwächen

 

Die Idee an sich ist echt süß: Um den Mitarbeiter einer Buchhandlung kennenzulernen, hinterlegt April einen Brief in einem Buch. Eine wirklich niedliche Sache - aber, wie sich jeder Leser denken kann, recht fehleranfällig. Und so kommt es wie es kommen muss. Statt dem Buchhändler Westley hält plötzlich Kundin Laura das Buch (und damit den Brief) in den Händen. Und so nimmt die Verwechslungskomödie ihren Lauf…

 

Aufgepeppt wird die Handlung noch durch den „Störfaktor“ Filmdreh. Just zu dieser Zeit finden in dem Buchladen Dreharbeiten für einen Independent Film statt und die Filmcrew macht den Mitarbeitern das Leben schwer. Zur grundsätzlichen Handlung trägt das eigentlich nichts bei, außer dass man einer Nebenfigur einen Love Interest beschert und noch ein bisschen Wirbel in den sonst eher ruhigen und gediegenen Buchladen bringt.

 

Deshalb wirkte die Story auf mich auch ein bisschen unausgegoren. Zwei Schwerpunkte, die aber eigentlich nichts füreinander tun und sich damit quasi parallel durch den Roman bewegen… hätte ich so nicht gebraucht.

 

Die Verwechslungsgeschichte an sich fand ich wirklich entzückend und könnte ich mir tatsächlich gut als Idee für einen Film vorstellen. April und Laura sind Figuren, mit denen man sich gut identifizieren kann. Beide haben so ihre Baustellen: April die Einsamkeit in ihrem Homeoffice-Job, Laura den Spagat zwischen Familie und Beruf als arbeitende Single Mom einer 7-jährigen. Dadurch werden sie sehr nahbar und sind als Figuren durch und durch sympathisch.

 

Durch die vielen Zwischenszenen zum Filmdreh zog sich die Verwechslung dann tatsächlich bis kurz vor Ende des Buches (was die Story dafür allein nicht wirklich hergab, das muss man einfach mal so klar sagen). Und letztlich wurde dann kurz vor Schluss nochmal ordentlich Drama generiert, bevor sich (natürlich! - Achtung Spoiler! ) alles auflöste und es schnellen Schrittes in Richtung Happy End ging.

 

Jetzt aber wirklich ein kleiner Spoiler, der allerdings für mich einen Kritikpunkt darstellte, deshalb muss es erwähnt werden: Auf den letzten paar Seiten wurden dann allen drei Hauptfiguren und auch einigen Nebenfiguren noch schnell neue Partner und damit ein ganz klassisches Happy End an die Seite geschrieben. Das ging mir deutlich zu schnell, war ein wenig klischeehaft und ich war nicht so ganz happy mit dem End.

 

 

Sollte jemand noch etwas Würze in der Liebessuppe suchen: Spice sucht man vergeblich in diesem Roman. So ist das Buch nicht konzipiert und das hätte auch an keiner Stelle wirklich gepasst.

 

Und zum Schluss mal noch ein Kompliment an diejenigen, die viel zu selten genannt werden: Cover-Designer. Ich finde, dieses Buch ist tatsächlich zur Zeit eines der schönsten auf dem Markt. Das Cover ist einfach nur wunderschön, verspielt und hat einen absoluten Wohlfühl-Look. Ich war hier ein richtiges Cover-Opfer und auch wenn das Buch mich nicht zu 100 % überzeugen konnte - die Gestaltung konnte es definitiv!

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Veröffentlicht am 20.08.2025

So wild und unberechenbar wie die Natur der Sümpfe

Unsere letzten wilden Tage
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Zart besaitet sollte man nicht sein, wenn man diesen Roman liest, der in den Sümpfen Louisianas spielt. Denn so wild, unberechenbar und zuweilen auch grausam wie die Natur der Sümpfe ist auch dieser Roman. ...

Zart besaitet sollte man nicht sein, wenn man diesen Roman liest, der in den Sümpfen Louisianas spielt. Denn so wild, unberechenbar und zuweilen auch grausam wie die Natur der Sümpfe ist auch dieser Roman.

Während flirrende Hitze über der Landschaft liegt und die Luftfeuchtigkeit einem den Atem nimmt, rückt die Polizei von Jacknife aus, um eine Tote aus den Sümpfen zu bergen. Loyal ist als Vertreterin der Lokalpresse vor Ort, allerdings ist sie selbst gerade erst in ihren Heimatort zurückgekehrt. Und als sie sieht, wer die Tote ist, dreht sich ihr der Magen um. Ihre ehemals beste Freundin Marianne „Cutter“ Labasque liegt dort. Doch Loyal gibt sich nicht mit den vermeintlich einfachen Antworten zufrieden, die die Polizei findet. Sie gräbt weiter und tiefer - und stößt in ein Wespennest, was eine Spirale von Gewalt auslöst.

Die Autorin schafft es in diesem Roman unheimlich gut, die Sümpfe Louisianas zum Leben zu erwecken und die Stimmung in einem ländlichen Teil der USA, der geprägt ist von fast schon fanatischer Religion und einem mitunter fragwürdigen Werteverständnis, wiederzugeben. Der Ton ist rauh, genau so wie die Natur hier unerbittlich ist. Menschen leben von der Alligatorjagd - ein Knochenjob, und ein gefährlicher dazu. Menschen leben hier und Menschen sterben hier - und wer hier lebt, hat das Sterben akzeptiert. Deshalb sollte man als Leser hier auf keinen Fall eine Südstaatenromantik erwarten, denn die wird man nicht bekommen. Statt dessen spitzt sich die Geschichte immer mehr zu und die Hinweise verdichten sich, dass auch Personen, die vermeintlich eine weiße Weste haben sollten, das ganze Gegenteil von dem sind, was sie scheinen.

Hauptfigur Loyal war für mich aber leider kein Charakter, der mir dauerhaft in Erinnerung bleiben wird - denn ihr Sidekick, der junge Journalist Sasha, war dafür als Figur einfach zu überragend und zu schillernd. Er hat Loyal im wahrsten Sinne des Wortes überstrahlt, mit seinen pinken Haaren und den Strass-Steinen auf der Jeans. Die Szene mit den wieder angeklipsten Haaren nach einem schief gegangenen Versuch, sich selbst die Haare zu schneiden, wird mir definitiv in Erinnerung bleiben!

Ich denke, die Story und die Zusammenhänge werden bei mir nicht soooo lange nachhallen - aber die Stimmung und die Bilder der Landschaft schon. Und dieses Gefühl von flirrender Hitze, Schwüle, Moskitos und der permanent latenten Gefahr von Alligatorangriffen. Diese Bilder im Kopf werden bleiben, und zwar lange.

Wenn ihr vor Spannungsromanen nicht zurückschreckt, die an der einen oder anderen Stelle ein wenig explizter in der Gewaltdarstellung sind und wenn ihr Bücher mögt, die unheimlich stimmungsvoll das Lebensgefühl einer Gegend vermitteln - hier des ländlichen Louisiana - dann könnt ihr mit diesem Roman nichts falsch machen! Und wer schon immer mal mal auf Alligatorjagd gehen wollte - ganz ohne die Gefahr, als Snack zu enden - der sollte diesem Roman ebenfalls eine Chance geben!

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