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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.10.2025

So war es damals in Bonn

Die Frau der Stunde
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Helen Busch hat die Scheidung eingereicht. Die Seitensprünge ihres Mannes will sie nicht mehr hinnehmen. Bevor sie nach New York zurückkehrt, bringt sie ihren Ehemann zu Fall. So berichtet es Suzanne den ...

Helen Busch hat die Scheidung eingereicht. Die Seitensprünge ihres Mannes will sie nicht mehr hinnehmen. Bevor sie nach New York zurückkehrt, bringt sie ihren Ehemann zu Fall. So berichtet es Suzanne den beiden Freundinnen Catharina und Azadeh. Das Fatale an der Sache ist, dass Helmut Busch Außenminister und Vizekanzler ist. Mit ihm steht und fällt eine Koalition, die überhaupt nicht stabil ist. Nach dem Abgang des Außenministers liegt es also alleine an seinem Nachfolger, ob Neuwahlen verhindert werden können. Warum hat Catharina an diesem Abend das Gefühl, dass es das letzte unbeschwerte Zusammensein mit ihren Freundinnen ist?

Die Autorin schreibt so, dass ich mich sofort in der Story zuhause fühlte. Heike Specht ist für mich eine Neuentdeckung unter den Historikern. „Die Frau der Stunde“ erzählt von der noch recht jungen Republik. Bonn war die Bundeshauptstadt und Frauen in der Politik gab es nur selten. Ja, als Sekretärin vielleicht aber als Ministerin? Undenkbar. Die Story verharrt nicht stur bei den Volksvertretern in Bonn. Immer wieder gibt es Berichte aus Teheran, wo sich eine Umwälzung anbahnt.

Das Buch hat mich gefesselt. Viele Ereignisse, die hier beschrieben werden, habe ich miterlebt. Der Bau des „langen Eugen“ zum Beispiel war ein Ereignis, das über die Grenzen NRWs gefeiert wurde. Die Protagonisten sind zwar anhand ihrer Namen nicht sofort erkennbar. Wer sich aber ein wenig in der Politik der 70er Jahre auskennt weiß, wer gemeint ist. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 08.10.2025

Die Lösung des Falls ist überraschend

Mord im Wattenmeer
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Femke Jansen traut ihren Augen nicht. Als sie ihren Auftrag erfüllen möchte, ein Ferienhaus für kommende Gäste zu reinigen, liegt vor ihr eine Leiche. Obwohl sie völlig außer sich ist weiß sie doch, wen ...

Femke Jansen traut ihren Augen nicht. Als sie ihren Auftrag erfüllen möchte, ein Ferienhaus für kommende Gäste zu reinigen, liegt vor ihr eine Leiche. Obwohl sie völlig außer sich ist weiß sie doch, wen sie anrufen muss. Ihren Exfreund Lasse. Der arbeitet nämlich bei der Polizei von Dangast und wird sich um die Lösung des Falls kümmern. Schade, dass er ihren guten Spürsinn nicht erkennt und sie vor Alleingängen warnt.

„Mord im Wattenmeer“ ist der erste Band mit Femke Janssen. Sie kommt durchaus sympathisch daher und das Buch besticht nicht nur durch die lebendige Sprache. Darüber hinaus bleibt die Spannung bis zum Schluss permanent. Es gibt etliche Verdächtige, die sich aber bald als unschuldig herausstellen. Erst wenige Zeilen vor dem Ende des Buches kommt es zum Finale. Der Täter wird überführt und ich denke, dass nur wenige Leser ihn verdächtigten.

Die Sprecherin möchte ich unbedingt hervorheben. Sie versteht ihr Handwerk und konnte mich durch ihre Art der Wiedergabe fesseln. Das Hören war mir ein Genuss und meine Empfehlung gilt ausdrücklich.

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Veröffentlicht am 08.10.2025

Die Problematik in der Pflege wurde hier deutlich

Zuhause ist vorübergehend geschlossen
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Aha, sie wollen also streiken. Das Pflegepersonal der Seniorenheime vor Ort. Richtig so, denkt Annett und hat volles Verständnis für die Forderungen der Angestellten. Bis es an ihrer Haustüre klingelt ...

Aha, sie wollen also streiken. Das Pflegepersonal der Seniorenheime vor Ort. Richtig so, denkt Annett und hat volles Verständnis für die Forderungen der Angestellten. Bis es an ihrer Haustüre klingelt und einer der Senioren in ihre Wohnung geschoben wird. Begründung: Es wurde von „oberer Stelle“ beschlossen, dass alle Heimbewohner in Familien untergebracht werden, die genug Platz haben. Und das kurz vor Weihnachten. Annett kann es nicht glauben, findet sich jedoch schnell mit der Verordnung ab. Nicht so ihr Sohn. Der versteht nicht, dass er für einen „fremden Opa“ sein Zimmer hergeben muss. Auf die Hilfe ihres Mannes muss Annett ebenfalls verzichten.

„Zuhause ist vorübergehend geschlossen“ ist eine Mischung aus humorvollem und ernsthaftem Roman. Dass Pflegekräfte oft mit ihren Kräften am Ende sind, ist kein Gerücht. Häufig sind sie die einzigen Ansprechpartner der Bewohner. Die Pflegeschlüssel entsprechen kaum der Realität. Das gilt besonders für private Einrichtungen, die sehr auf Profit ausgelegt sind. Klar ist aber auch, dass es kaum eine Lösung gibt, die alle Parteien befriedigt. Nein, dass Kinder ihre Eltern auf jeden Fall zuhause versorgen sollten, das ist keine Option. Zum Beispiel ist es bei dem Krankheitsbild der Demenz kaum möglich. Diese und noch weitere Tatsachen werden in dem Buch thematisiert. Immer mal wieder wird der Ernst des Themas durch launige Unterhaltungen der Protagonisten ein wenig abgeschwächt.

Jeder Altenpfleger weiß, was in den Heimen vor sich geht. Und das nicht erst seit wenigen Jahren. Das Buch weist auf Missstände hin und die Sprecherin Vera Teltz ist Garant für eine lebendige Wiedergabe des Buches. Ich gebe eine Empfehlung ohne Abstriche.

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Veröffentlicht am 03.10.2025

Gut durchdachter Krimi, der ohne Blutvergießen auskommt

Das Geheimnis der weißen Weihnacht
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Es ist also eine Einladung nach Kopenhagen, die in dem Brief versteckt war. Die wurde recht herzlich formuliert. Eigentlich, so dachte Beatrice Adela Lestange Bradley, hätte sie eine Auszeit durchaus verdient. ...

Es ist also eine Einladung nach Kopenhagen, die in dem Brief versteckt war. Die wurde recht herzlich formuliert. Eigentlich, so dachte Beatrice Adela Lestange Bradley, hätte sie eine Auszeit durchaus verdient. Fast war sie also geneigt, das Schreiben positiv zu beantworten. Immerhin handelt es sich um die Teilnahme an einem Kongress zur „Pädagogischen Psychiatrie“, ihrem Spezialgebiet. Allerdings trudelte zugleich auch ein Brief ihres Lieblingsneffen ein. Er schrieb darin, dass er und seine schwangere Frau sehr gerne die Weihnachtstage mit Beatrice verleben würden. Da Blut halt dicker als Wasser ist, sagte sie kurzentschlossen ihrem Neffen zu.

Der Neffe lebt in einem großen Herrenhaus in Cotswolds. An den Festtagen versammeln sich etliche Menschen um den festlich gedeckten Tisch. Nicht alle freuen sich über das Zusammensein, denn ein mysteriöser Briefeschreiber versetzt die Adressaten in helle Aufregung. Als dann auch noch eine Leiche entdeckt wird, ist die Verunsicherung in dem kleinen Dorf groß. Wie gut, dass Beatrice sich mit Ermittlungen auskennt.

"Das Geheimnis der weißen Weihnacht" stammt aus der Feder von Gladys Mitchell. In über 60 Kriminalromanen ging es bei ihr immer um Beatrice. Dass sie die Werke Sigmund Freuds mochte und sich zudem für Magie und Hexerei begeisterte, ist in ihren Büchern gut zu erkennen. Das Cover ist außergewöhnlich und nahm mich schon vor dem Lesen für dieses besondere Werk ein.

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Veröffentlicht am 01.10.2025

Eine spannende Reise in die Vergangenheit

Sieben Jahre
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Aha, das ist also seine Mutter. Diese Königin ohne Krone. Nicht mehr ganz so umfangreich wir vor der Ankunft des kleinen Bruders. Sie ist erschöpft, das sieht Heinrich sofort und er macht sich so seine ...

Aha, das ist also seine Mutter. Diese Königin ohne Krone. Nicht mehr ganz so umfangreich wir vor der Ankunft des kleinen Bruders. Sie ist erschöpft, das sieht Heinrich sofort und er macht sich so seine Gedanken. Sein Vater, der König, regiert mit strenger Hand. Nicht nur das Reich, auch seine Familie war vor seinen Wutausbrüchen nicht sicher. Als Friedrich sein Heim verlassen wollte, musste er ein Jahr lang in „Einzelhaft“ verbringen. Zudem auch noch ansehen, wie sein bester Freund erhängt wurde. Seine Schwester Wilhelmine züchtigte der strenge Vater, weil sie ihren Lieblingsbruder nicht verraten wollte. Und trotzdem wurde Friedrich König und Wilhelmine blieb seine Lieblingsschwester.

"Sieben Jahre" lässt die Historie Preußens lebendig werden. Friedrich II ging als „der Große“ in die Geschichte ein. Obwohl er verheiratet war hält sich hartnäckig das Gerücht, er sei homosexuell. Dass er gerne musizierte ist allerdings unzweifelhaft belegt und wird auch in diesem Roman thematisiert.

Die Autorin Tanja Kinkel ist bekannt für ihre akribische Recherchearbeit. Aus dem Grund ist das Buch auch recht umfangreich. Das Lesen lohnt sich allerdings und die Reise in die Vergangenheit ist nicht nur spannend sondern auch bildhaft dargestellt. Besonders gefielen mir die Dialoge der Brüder Heinrich und Friedrich. Die beiden hatten keine Scheu voreinander und Heinrich nahm bei seiner Kritik an Friedrich kein Blatt vor den Mund. Meine Leseempfehlung gilt ohne Einschränkung.

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