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Veröffentlicht am 19.04.2026

Italien, Emotionen und große Erzählkunst

Villa Rivolta
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Ich habe bereits mehrere Romane von Daniel Speck gelesen – und geliebt. Umso größer war die Vorfreude auf „Villa Rivolta“! Auch dieses Buch reiht sich nahtlos in Specks Reihe erzählerisch starker Werke ...

Ich habe bereits mehrere Romane von Daniel Speck gelesen – und geliebt. Umso größer war die Vorfreude auf „Villa Rivolta“! Auch dieses Buch reiht sich nahtlos in Specks Reihe erzählerisch starker Werke ein.

Besonders hervorzuheben ist das atmosphärische Setting in Italien, das der Autor mit großer Detailverliebtheit und spürbarer Leidenschaft zum Leben erweckt. Die Schauplätze wirken authentisch und lebendig, sodass man sich beim Lesen mühelos dorthin versetzt fühlt. Dieses mediterrane Flair ist ein großer Teil dessen, was den Roman so besonders macht. Außerdem mochte ich die Protagonisten Valeria und Piero auf Anhieb. Ich habe die beiden sehr gern begleitet und finde es beeindruckend, wie Speck ihre privaten Lebensgeschichten mit gesellschaftlich wichtigen Themen wie den damaligen Klassenunterschieden verknüpft.

Typisch für den Autor ist der kunstvoll aufgebaute Erzählstil: Mehrere Handlungsstränge - hier zwei Zeitebenen - verlaufen parallel, greifen ineinander und entfalten nach und nach ein vielschichtiges Gesamtbild. Gerade dieses Zusammenspiel sorgt für Spannung und Tiefe. Es macht großen Spaß, die einzelnen Fäden zu verfolgen und zu beobachten, wie sie sich schließlich miteinander verbinden. Lediglich das Ende, das sehr offen gehalten ist, hat mich etwas enttäuscht. Hier hätte ich mir mehr Klarheit gewünscht.

Der Schreibstil von Daniel Speck ist wie gewohnt flüssig, bildhaft und sehr zugänglich. Er versteht es einfach, komplexe Geschichten leicht lesbar zu erzählen.

Insgesamt ist „Villa Rivolta“ ein weiterer gelungener Roman eines Autors, dessen Bücher für mich inzwischen eine feste Größe sind. Wer seine bisherigen Werke mochte, wird auch dieses Buch lieben – und wer ihn noch nicht kennt, findet hier einen wunderbaren Einstieg.

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Veröffentlicht am 19.04.2026

Suche nach Identität

Elbland
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"Elbland" von Claudia Rikl erzählt eine ruhige, aber eindringliche Geschichte über Herkunft, Familie und Identität.

Als Ninas Mutter Irma stirbt, bricht eine Welt für sie zusammen und sie beginnt, sich ...

"Elbland" von Claudia Rikl erzählt eine ruhige, aber eindringliche Geschichte über Herkunft, Familie und Identität.

Als Ninas Mutter Irma stirbt, bricht eine Welt für sie zusammen und sie beginnt, sich viele Fragen zu stellen. Lange Zeit hat sie ihr ganzes Leben nach den Bedürfnissen ihrer Mutter ausgerichtet und als diese plötzlich nicht mehr ihr Leben bestimmen, muss Nina ihren eigenen Weg finden. Das tut sie u.a., indem sie in das tschechische Riesengebirge reist, aus dem ihre Mutter einst als Kind vertrieben worden ist. Nina erhofft sich dadurch Antworten auf ihre Fragen dazu, warum ihre Mutter so war wie sie war.

Zu Beginn fiel es mir aufgrund der verschiedenen Zeitebenen nicht leicht, in die Handlung hineinzufinden. Doch nach und nach hat mich die Geschichte dann immer mehr in ihren Bann gezogen. Die Autorin erzählt unaufgeregt, aber dennoch auch mit einer gewissen Dramatik. Besonders beeindruckt haben mich die Figuren. Sie sind keine glatt gezeichneten Charaktere, sondern haben Ecken und Kanten, wirken dadurch authentisch und greifbar. Im Zentrum steht dabei immer wieder die Beziehung der beiden Schwestern Nina und Katja, die vielschichtig und glaubwürdig dargestellt wird. Wiederholt habe ich mich gefragt, ob ich Ninas Wut auf ihre Schwester und ihren Vater nachvollziehen kann oder ob ich durchaus auch die Entscheidungen der anderen Familienmitglieder nachvollziehen kann.

Besonders spannend fand ich die Nachforschungen, die Nina im Heimatland ihrer Mutter anstellt. Nach und nach setzt sich ein Puzzle zusammen, was einen Zusammenhänge verstehen lässt. Der Autorin gelingt es wunderbar, Ninas Suche nach Identität und der damit verbundenen Herkunft der Familie zu schildern. Es wird deutlich, was es mit den nachfolgenden Generationen macht, wenn die eigene Familiengeschichte verschwiegen wird. Der Umgang der Mutter mit ihrer Vergangenheit scheint die gesamte Familie sehr geprägt zu haben, weshalb man als Leser*in sehr neugierig ist, was ihr widerfahren ist.

Auch sprachlich überzeugt das Buch: Der Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Stattdessen schafft er Raum für leise Zwischentöne, die lange nachwirken.

„Elbland“ ist ein stiller, nachdenklicher Roman, der eine zentrale Frage aufwirft: Weiß man eigentlich wirklich, woher man kommt? Und wie sehr prägt uns das, was wir über unsere Herkunft wissen – oder eben nicht wissen?

Da wir im Sommer nach Tschechien und in die Slowakei reisen, hat mich dieses Buch besonders interessiert. Ich lese vor Urlauben sehr gern Romane, die ganz oder zumindest teilweise in unseren Reiseländern handeln, da man so vorab schon einige wertvolle Eindrücke und oft spannende Einblicke in die Geschichte des Landes erhält. Das Lesen dieses Romans hat sich definitiv gelohnt!

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Überzeugendes Finale

Magisterium - Das 5. Jahr
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„Magisterium - Das 5. Jahr“ ist ein schöner Abschluss der gesamten Buchreihe. Nachdem das Ende des vierten Bands doch etwas plötzlich kam, wurde der finale Kampf hier das gesamte Buch über sehr angenehm ...

„Magisterium - Das 5. Jahr“ ist ein schöner Abschluss der gesamten Buchreihe. Nachdem das Ende des vierten Bands doch etwas plötzlich kam, wurde der finale Kampf hier das gesamte Buch über sehr angenehm aufgebaut. Call und seine Freunde müssen sich spannenden, magischen Herausforderungen stellen und dabei einmal mehr zeigen, wie viel man mit Freundschaft, Loyalität und Mut erreichen kann.

Ich habe mich sehr gefreut, dass dieser Band im Gegensatz zum Vorgänger wieder zu großen Teilen im Magisterium spielt. Ich mag die Atmosphäre der unterirdischen Zauberschule sehr und habe mich sehr über das Wiedersehen mit alten Freunden wie dem Waran „Warren“ gefreut. Die zwischenzeitlichen Ortswechsel machen das Buch dynamisch und sorgen für einen schönen Spannungsaufbau. Besonders gefallen hat mir außerdem die Weiterentwicklung der Figuren. Die Hauptcharaktere wirken reifer, reflektierter und stehen vor Entscheidungen, die ihre moralischen Überzeugungen auf die Probe stellen. Callum beschäftigt sich glücklicherweise nicht mehr so stark mit seiner „Kriegstreiberliste“, sondern kann sich immer besser mit seiner Identität arrangieren und versucht, das Beste daraus zu machen. Es war spannend, seinen Umgang mit Schuld, Erwartungen und der Frage nach Identität als Leserin zu verfolgen. Ich mochte außerdem, dass anhand des Protagonisten sehr schön deutlich wurde, dass nichts vorbestimmt ist, sondern man immer eine Wahl hat, sich zwischen Gut und Böse zu entscheiden. Der fünfte Band hält auch immer wieder inhaltliche Überraschungen bereit, die für spannende Wendungen sorgen und mich überzeugt haben.

Die Sprache der Autorinnen ist klar und verständlich und passt so wunderbar zur anvisierten jungen Zielgruppe. Auch das Cover ist sehr ansprechend gestaltet und würde mich in einer Buchhandlung auf das Buch aufmerksam machen. Neben dem schönen Cover und dem tollen Farbschnitt ist auch die Gestaltung der Innenseiten des Hardcover-Umschlags sehr gelungen!

Insgesamt konnte mich der fünfte Band sehr überzeugen! Das Finale wirkt weder erzwungen noch überhastet, sondern rundet die Reihe stimmig ab. Wer die vorherigen Bände mochte, wird auch diesen Abschluss gern lesen!

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Veröffentlicht am 09.10.2025

Historischer Kinderkrimi

Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten
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Davide Morosinottos "Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten" bietet eine tolle Mischung aus historischem Roman und Kriminalgeschichte. Da mich die Geschichte rund um Kaspar Hauser schon als Kind ...

Davide Morosinottos "Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten" bietet eine tolle Mischung aus historischem Roman und Kriminalgeschichte. Da mich die Geschichte rund um Kaspar Hauser schon als Kind fasziniert hat, bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden.

Zunächst einmal hat das Buch ein wunderschönes Hardcover, das durch die dunklen sowie goldenen Akzente sofort ins Auge sticht. Das Buch fühlt sich wertig an und die Innengestaltung des Buchs (Stadtplan, Illustrationen) unterstreicht dies noch einmal.

Der Autor schafft es direkt zu Beginn wunderbar, das Nürnberg von 1829 vor meinem Auge zum Leben zu erwecken. Ich konnte mir das Stadtbild und die Stimmung zur damaligen Zeit sehr gut vorstellen. Außerdem mochte ich, dass das Setting sehr düster und daher passend zur Geschichte rund um Kaspar Hauser ist.

Der Spannungsbogen beim Lesen war für mich angenehm: Es gibt immer wieder Andeutungen und Hinweise, die einen als Leserin auf verschiedene Fährten locken. So war das Buch bis zum Ende hin spannend und man fiebert mit. Der Schreibstil liest sich flüssig und angenehm.

Die Protagonistin Greta ermittelt selbstbewusst auf eigene Faust und wirkt dabei sehr sympathisch und klug. Wenn man Romane für Erwachsene gewohnt ist, fehlt es einem in Kinder- und Jugendbüchern häufig an Tiefe bei den Charakteren. Das habe ich bei diesem Buch auch so empfunden, für junge Leser
innen ab 12 Jahren finde ich es aber vollkommen angemessen. Insbesondere Kaspar Hauser bleibt bis zum Ende eine diffuse Figur - das hat der Autor vermutlich aber bewusst so konzipiert.
Die Komplexität der Handlung ist stimmig für das Alter und wird vor allen denjenigen viel Freude bereiten, die Rätsel bzw. Geheimnisse und eine düstere Atmosphäre mögen. Eine klare Leseempfehlung für dieses Alter, aber auch für Erwachsene, die sich für die Geschichte rund um Kaspar Hauser interessieren!

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Frauen zwischen persönlichen Wünschen und gesellschaftlichen Erwartungen

Hello Baby
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Sechs südkoreanische Frauen und ein Wunsch: Mutter werden. In einem Gruppenchat tauschen sie sich über ihren bislang unerfüllten Kinderwunsch und die Behandlung in einer Fruchtbarkeitsklinik in der Stadt ...

Sechs südkoreanische Frauen und ein Wunsch: Mutter werden. In einem Gruppenchat tauschen sie sich über ihren bislang unerfüllten Kinderwunsch und die Behandlung in einer Fruchtbarkeitsklinik in der Stadt Seoul aus. Dabei erfährt man viel über die verschiedenen Frauen, was den Leser*innen auch einen Einblick in die südkoreanische Gesellschaft gibt.

Ich fand es erschütternd, was die Frauen auf ihrer „Kinderwunschreise“ so alles erleben müssen. Ich habe schon bei Frauen aus meinem Freundeskreis mitbekommen, dass eine Kinderwunschbehandlung körperlich und psychisch hart ist, aber die Einblicke aus dem Roman haben mir noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie hart dieser Weg tatsächlich ist. Die Autorin macht im Nachwort deutlich, dass sie persönliche Erfahrungen in diesem Bereich machen musste, weshalb ich die Schilderungen im Roman als sehr realistisch einschätze. Abgesehen von den Einblicken in die Kinderwunschbehandlung haben mich vor allem die Schilderungen der gesellschaftlichen Umstände sehr fasziniert. In Südkorea scheint das Paradoxon zu existieren, dass insbesondere die älteren Generationen die Frauen unter Druck setzen, doch bitte möglichst schnell Nachwuchs zur Welt zu bringen, während die Wirtschaft hofft, dass Frauen auf dem Arbeitsmarkt verfügbar bleiben und nicht durch Schwangerschaft und Eltern-Dasein ausfallen. Die Autorin Kim Eui-kyung verwebt diesen Widerspruch wunderbar in ihrem Roman und macht deutlich, was diese nicht miteinander vereinbaren Ansprüche auf emotionaler Ebene mit ihren Romanfiguren macht.

Auch wenn der Erzählsstil recht nüchtern ist, werden die Emotionen sehr gut deutlich und man fühlt sich schnell in die verschiedenen Frauen hinein. Ich mochte die abwechselnden Erzählperspektiven sehr gern und habe mich durch diesen Roman insgesamt sehr gut unterhalten, aber auch informiert gefühlt. In der Zukunft werde ich definitiv anders auf IVF blicken.

Für alle, die gesellschaftskritische Romane mögen und Interesse am Thema haben, kann ich diesen Roman nur wärmstens empfehlen!

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