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Veröffentlicht am 03.09.2025

Meine Mutter – ein bewegendes Familienporträt

Meine Mutter
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Bettina Flitner erzählt in ihrem Buch „Meine Mutter“ vom Leben ihrer Mutter, mit all seinen Höhen und Tiefen. Mir war bewusst, dass es keine leichte Lektüre sein würde, denn schon vor dem Lesen wusste ...

Bettina Flitner erzählt in ihrem Buch „Meine Mutter“ vom Leben ihrer Mutter, mit all seinen Höhen und Tiefen. Mir war bewusst, dass es keine leichte Lektüre sein würde, denn schon vor dem Lesen wusste ich, dass sich ihre Mutter das Leben genommen hat.

An was ich nicht gedacht habe: dass man beim Lesen in die Kriegszeit eintaucht. Die Familie lebt damals im letzten Eck des Deutschen Reiches, im heutigen Polen. Lange Zeit führt sie dort ein gutes Leben, auch noch während der ersten Kriegsjahre. Doch schließlich ändert sich alles. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, um nicht zu spoilern.

Bettina Flitner ist an die Orte gereist, an denen ihre Mutter lebte, und tief in die Familiengeschichte eingetaucht. Sie erzählt klar, anschaulich und nimmt mich als Leserin vollkommen mit hinein. Ich konnte die Orte, Häuser und Menschen lebhaft vor meinen Augen sehen. Besonders die Kindheit der Mutter hat mich sehr berührt und zum Nachdenken gebracht.

Die Passagen über die junge Erwachsene hingegen haben mich manchmal die Haare raufen lassen, vielleicht auch deshalb, weil ich eigene Gedankenkarusselle und graue Tage kenne. Und wieder brachte mich Bettina Flitner zum Nachdenken: Wie lebt man ein Leben, das nicht den eigenen Vorstellungen entspricht? Wie kann man weitergehen, ohne daran zu zerbrechen?

Sehr eindrucksvoll wechselt die Autorin zwischen Vergangenheit und Gegenwart, indem sie von ihren eigenen Recherchereisen und Gedanken berichtet. So verwebt sie Familiengeschichte, Zeitgeschichte und persönliche Reflexion miteinander.

Ein intensives, bewegendes Buch, das mich noch lange begleiten wird.
Eine große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 09.08.2025

Wenn ein Buch nach Sommer, Fluss und Freundschaft schmeckt …

Ja, nein, vielleicht
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Oh, dieses Buch! Das Lesen war wie ein paar Tage Urlaub bei einer sehr guten Freundin: ausschlafen, gemütlich vor dem Haus unter dem Sonnenschirm frühstücken, gemeinsam am Fluss chillen und dabei ganz ...

Oh, dieses Buch! Das Lesen war wie ein paar Tage Urlaub bei einer sehr guten Freundin: ausschlafen, gemütlich vor dem Haus unter dem Sonnenschirm frühstücken, gemeinsam am Fluss chillen und dabei ganz viel quatschen.

Ob mir das Buch gefallen hat? Ja, nein, vielleicht … Eindeutig: Jaaaa!

Die Protagonistin lebt teils in einem gemütlichen, schon etwas in die Jahre gekommenen Haus am Land, teils in einer Single-Wohnung in Wien. Die Zwillinge sind aus dem Haus, und auch der Mann hat sich in Luft aufgelöst. Sie ist zufrieden mit ihrem Leben, es fehlt ihr an nichts.

Doch dann beginnt alles mit einem wackeligen, schmerzenden Zahn, und das Gedankenkarussell fängt an, sich zu drehen: Gedanken übers Älterwerden, Sorgen um eine Schwester, die plötzlich ihre Wohnung in Beschlag nimmt, Überlegungen, ob sie mit ihrem nach Jahren wiedergetroffenen Jugendgspusi eine Beziehung eingehen sollte, und nebenbei die Hochzeitsplanung ihrer besten Freundin.

Doris Knecht erzählt all das in einem sehr unterhaltsamen Ton. Es fühlte sich an, als würde ich mit der Protagonistin Sommertage verbringen, während sie mir von all ihren Gedankengängen erzählt. Viele davon konnte ich gut nachvollziehen, nicht zuletzt, weil auch in meinem Kopf immer wieder Gedankenkarusselle am Werk sind.

Ich habe das Schwimmen im Stausee, das Chillen am Fluss und die Hunderunden im Wald genossen. Gegen Ende des Buches habe ich sehr mit ihr mitgefiebert. Verraten, worum es ging, werde ich allerdings nicht.
Ach ja, und dann gab es auch noch einen kurzen gedanklichen Ausflug zu Ingeborg Bachmann, das habe ich besonders geliebt.

Also, ihr seht schon: ganz große Leseempfehlung!
Eine richtig schöne Sommerlektüre.

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Veröffentlicht am 02.08.2025

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Im Leben nebenan
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Das Buch „Im Leben nebenan“ von Anne Sauer, erschienen im dtv Verlag, hat mich auf besondere Art und Weise berührt, denn es behandelt ein Thema, das oft im Verborgenen bleibt: den unerfüllten Kinderwunsch.

Toni ...

Das Buch „Im Leben nebenan“ von Anne Sauer, erschienen im dtv Verlag, hat mich auf besondere Art und Weise berührt, denn es behandelt ein Thema, das oft im Verborgenen bleibt: den unerfüllten Kinderwunsch.

Toni und ihr Freund Jakob wünschen sich sehnlichst ein Kind, doch der Wunsch bleibt unerfüllt. Die Enttäuschung kehrt Monat für Monat zurück, und mit ihr die Zweifel, die Ohnmacht, die Sprachlosigkeit. Eines Tages wacht sie plötzlich mit einem – besser gesagt: ihrem – Baby an ihrer Seite auf, in einer Wohnung, die sie nicht kennt.

Das Buch hat zwei Erzählstränge:
Toni und Jakob, deren Kinderwunsch unerfüllt bleibt, und Antonia mit ihrer ersten großen Liebe Adam, die verheiratet ist und mit Baby Hanna in ihrem Heimatort lebt. Zwei Leben, zwei Realitäten, und die Frage: Was, wenn alles auch ganz anders sein könnte?

Anne Sauer gelingt es, das emotionale Auf und Ab rund um das Thema Kinderwunsch feinfühlig und aufrichtig zu erzählen. Sie zeigt, wie tief dieser Wunsch reichen kann, wie einsam sich Betroffene oft fühlen, und wie wichtig es ist, darüber zu sprechen.

„Im Leben nebenan“ ist ein leises, starkes Buch über das Hoffen, das Hadern und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben, ob mit oder ohne Kind.

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Veröffentlicht am 02.08.2025

Ein Buch, das nachhallt und leuchtet

Das Haus der Türen
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Wie kann ich euch von diesem besonderen Buch erzählen?

Der Schriftsteller Willie Somerset Maugham (eine historische Person) besucht nach seiner China-Reise seinen Freund Robert Hamlyn und dessen Frau ...

Wie kann ich euch von diesem besonderen Buch erzählen?

Der Schriftsteller Willie Somerset Maugham (eine historische Person) besucht nach seiner China-Reise seinen Freund Robert Hamlyn und dessen Frau Lesley in Malaysia. Begleitet wird er von seinem Sekretär und Liebhaber Gerald Haxton.

Anfangs ist Lesley dem Besuch gegenüber etwas skeptisch. Doch mit den verstreichenden Tagen kommen sich Willie und Lesley auf geistiger Ebene immer näher, bis Lesley dem Schriftsteller ihr Geheimnis anvertraut, im Wissen, dass er es wahrscheinlich in seinem nächsten Buch verwenden wird.

Ich brauchte ein paar Seiten, um in die Geschichte hineinzufinden, konnte das Buch dann aber nicht mehr zur Seite legen. Wieder einmal durfte ich dank eines Buches in ferne Länder, Zeiten und Leben reisen.

Es gab einige besonders eindrückliche Momente, die so wunderbar beschrieben sind. Eine Szene bleibt mir sicher lange in Erinnerung: Zwei Personen (um nicht zu viel zu verraten, nenne ich keine Namen) schwimmen in der Dunkelheit im Meer, und bringen das Wasser dabei zum Leuchten. Klingt in einem Satz so banal, ist im Buch aber so besonders beschrieben.

Auch die geschichtlichen Hintergründe rund um China und dessen Revolutionen fand ich sehr interessant. Laut Klappentext geht es in diesem Buch unter anderem um Gleichberechtigung der Frau, Homosexualität und politischen Freiheitskampf.

Ich habe die Reise durch dieses Buch sehr genossen.

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Veröffentlicht am 09.10.2025

Gedanken zwischen Stille und Schneeflocken

Drei Tage im Schnee
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Ich bin hin- und hergerissen. Schon die Leseprobe hat meine Neugier geweckt: auf Hannah, die gestresst vom Alltag für drei Tage in eine einsame Hütte inmitten verschneiter Natur flieht, und auf Sophie, ...

Ich bin hin- und hergerissen. Schon die Leseprobe hat meine Neugier geweckt: auf Hannah, die gestresst vom Alltag für drei Tage in eine einsame Hütte inmitten verschneiter Natur flieht, und auf Sophie, das Mädchen, das sie dort immer wieder besucht. Ich freute mich auf Begegnungen, Gespräche und kleine, feine Erlebnisse. Und ja, das eine oder andere davon gab es. Es war nett zu lesen, ruhig und sanft.

Und doch fühlte es sich für mich an manchen Stellen so an, als würde mich jemand ununterbrochen vollreden. Hannah reflektiert viel: über ihr Leben, ihren Alltag, über das, was war und was noch kommen könnte. Sophie stellt Fragen, die zum Nachdenken anregen, Fragen, die wunderbar ins Journaling passen würden. Manche davon habe ich mir sogar notiert.

Aber abseits der Gedankenflüsse passierte nicht allzu viel. Ich hatte keine große Action erwartet, das braucht so ein Buch auch gar nicht. Doch ein, zwei greifbare Momente mehr zwischen Hannah und Sophie hätten der Geschichte gutgetan.

Und trotzdem: Ich weiß, dass Bücher manchmal einfach den richtigen Moment brauchen. Vielleicht war jetzt nicht meine Zeit für „Drei Tage im Schnee“. Deshalb bekommt das Buch einen besonderen Platz in meinem Bücherregal, griffbereit für später. Irgendwann, vielleicht an einem stillen Wintertag, wenn draußen Schneeflocken tanzen, werde ich es noch einmal zur Hand nehmen. Mit einem weißen Kakao und ein paar Haferkeksen.

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