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Veröffentlicht am 14.10.2025

Mordskekse

Mord an Weihnachten
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Wenige Tage vor Weihnachten trifft man sich auf der Insel Föhr am Oldsumer Weihnachtsbasar. Die Aufregung ist groß, als nicht nur ein Besucher mit krampfartigen Schmerzen zu Boden geht und die Rettungssanitäter ...

Wenige Tage vor Weihnachten trifft man sich auf der Insel Föhr am Oldsumer Weihnachtsbasar. Die Aufregung ist groß, als nicht nur ein Besucher mit krampfartigen Schmerzen zu Boden geht und die Rettungssanitäter mehrere Personen ins Krankenhaus bringen müssen. Ein Standbetreiber bricht überhaupt leblos zusammen, schnell sind seine Weihnachtskekse als vergiftet entlarvt. Allerdings fehlen Täter und Mordmotiv, die Wyker Polizei samt Staatsanwalt Broder Jacobsen, der eigentlich nur kurz auf seiner Heimatinsel urlauben will, muss kurz vor dem Fest noch alles geben.

Während es sonst bei den bereits bekannten Personen auf Föhr eher ruhig zugeht, passiert ausgerechnet am letzten Adventsonntag ein Mordanschlag. Aber wem gilt er? Und wer ist dafür verantwortlich? Kekse als Mordwaffe sind einmal etwas Neues und Kommissar Udo Harksen ist gewiss, dass noch vor dem Heiligen Abend ein Täter überführt werden kann. Die Ermittlungen sind dann aber doch deutlich komplizierter als zunächst angenommen und führen zu Nachbarschaftsproblemen, deren Ursprung schon viele Jahre zurückliegt.

Gekonnt zeigt Hanna Paulsen, dass sie nicht nur wunderbare Familien- und Liebesgeschichten erzählen kann, sondern auch spannende Kriminalfälle auf der schönen Nordseeinsel Föhr aufzuklären weiß. Kurze Kapitel und wechselnde Sichtweisen sorgen für Spannung, interessante Details zu Brauchtum und festlichen Traditionen verfeinern die winterlich-weihnachtliche Atmosphäre. Ohne brutale Szenen, dafür aber mit viel Feingefühl und Gespür geht man verworrenen Beziehungskonflikten nach und deckt mehr auf als anfangs gedacht, die einzelnen Fäden ziehen sich schlussendlich logisch zusammen.

Ein unterhaltsamer Krimi, nicht nur für Freunde der Insel Föhr, für solche aber ganz besonders. Ich freue mich jedes Mal aufs Neue, wenn ich die bereits bekannten Figuren wieder treffe, egal, in welchem Zusammenhang, denn zu erzählen gibt es immer etwas. Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 10.10.2025

Wehmut

Wer wir geworden sind
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Juli und ihr Mann August wohnen oben am Berg am Unterhof, nebenan gibt es noch den Oberhof, drum herum nichts als Natur. Zwei Weltkriege kommen und gehen, das Leben verändert sich, die Menschen verändern ...

Juli und ihr Mann August wohnen oben am Berg am Unterhof, nebenan gibt es noch den Oberhof, drum herum nichts als Natur. Zwei Weltkriege kommen und gehen, das Leben verändert sich, die Menschen verändern sich, man steht einen Tag nach dem anderen durch und fügt sich ins Schicksal, das es recht oft nicht gut zu meinen scheint mit den Pfallers und Ebenhausers. Generationen kommen und gehen, ein Schwenk nach Amerika und ein weiterer zurück, schon ist die Jahrtausendwende da und der Weg zum Verstehen geebnet.

Stets mit einem leicht wehmütigen Unterton schildert Gabi Kreslehner diesen wunderbaren und bewegenden Roman, welcher eine traurige und doch so realistische Familiengeschichte über mehrere Generationen beleuchtet. Harte Arbeit und stete Entbehrungen prägen die Zeit der beiden Kriege, als Sieger geht schließlich keiner hervor. Besonders der erste (längste) Abschnitt geht trotz – oder gerade wegen – der leisen Töne im Text tief unter die Haut, erzählt vom Verlust und von sichtbaren körperlichen und unsichtbaren seelischen Narben. Im folgenden Teil wandern wir aus nach Amerika und erleben schließlich im dritten Fragment, wie stark Familienbande wirken und wie sehr Menschen einander über mehrere Generationen hinweg beeinflussen.

Ein virtuoser Schreibstil und nahe gehende Lebenswege unter der Prämisse „Wir haben doch alle nichts dafürkönnen“ [kindle, Pos. 2690] treiben dem Leser Tränen in die Augen und doch hält das Los nicht für jeden ein gutes Ende bereit. Überaus realitätsnah und niemals übersteigert, so dürfen wir hautnah miterleben, wie es damals war am Ober- und am Unterhof in einem Dorf in Österreich, dessen Name kein einziges Mal genannt wird. Ein eindringlicher Roman, der eine erschreckende Stille zurücklässt und genau deshalb so empfehlenswert ist. Großartig!

Veröffentlicht am 09.10.2025

Messerstiche

Dunkles Wien - Die Morde von Lainz
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Mit acht Messerstichen niedergestreckt liegt die Leiche im Lainzer Tiergarten. Laura Sturm und ihr Kollege Karl Suchanek vom Wiener LKA sind alsbald einem mutmaßlichen Täter auf der Spur, Chef Martin Farkas ...

Mit acht Messerstichen niedergestreckt liegt die Leiche im Lainzer Tiergarten. Laura Sturm und ihr Kollege Karl Suchanek vom Wiener LKA sind alsbald einem mutmaßlichen Täter auf der Spur, Chef Martin Farkas will den Fall noch vor den nahenden Weihnachtsfeiertagen abschließen. Doch da befallen Laura Zweifel an der Ermittlungsrichtung.

Unterschiedlichste Handlungsstränge präsentiert Lisa Jeglitsch in diesem spannenden Wien-Krimi und zieht die Leser dadurch sofort in ihren Bann. Die Figuren sind vielschichtig angelegt, wodurch sie überaus lebensnah erscheinen mit all ihren Stärken und Problemen. Vereinzelte Rückblicke in die Vergangenheit lassen da und dort Informationen durchblitzen, bis zum Ende hält der Krimi aber Überraschungen bereit. Eine recht eigenwillige Art, Ermittlungen durchzuführen, legen die Wiener Kriminalisten an den Tag und lassen genau dadurch diesen Reihenauftakt zu einem einzigartigen und unverwechselbaren Lesevergnügen werden.

Abwechslungsreich, was Themenauswahl und Charaktere betrifft, ein Kriminalfall, der nichts von dem ist, was er auf den ersten Blick zu sein scheint. Dunkles Wien überzeugt durch ein besonders Flair, das zwischen den Zeilen durchkommt, die Toten für den Folgeband warten schon – darauf bin ich jetzt natürlich neugierig.


Veröffentlicht am 08.10.2025

Aroser Anekdoten

Arosa - wo auch Gauner Urlaub machen
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Arosa kennt man als paradiesischen Ferienort im Schweizer Kanton Graubünden, aber Andreas Russenberger lässt uns mit seinen kurzweiligen Anekdoten noch viel tiefer blicken.

Auf tief verschneiten Hängen ...

Arosa kennt man als paradiesischen Ferienort im Schweizer Kanton Graubünden, aber Andreas Russenberger lässt uns mit seinen kurzweiligen Anekdoten noch viel tiefer blicken.

Auf tief verschneiten Hängen kreuzen veraltete Spaghetti-Schi mit Parablacks das neueste Luxusmodell, die gewitzte Putzfrau setzt sich noch vor Weihnachten in die Heimat ab, bevor es geheime Köfferchen vom Himmel regnet. Pferde können hier nicht nur wiehern, sondern sich ganz ausgezeichnet unterhalten, während andernorts der Plüschbär steppt. Kurzweiliges Jassen und bittere Pralinen versüßen dem Leser die unterhaltsame Zeit mit diesem großartigen Büchlein, das man schon nach der ersten Geschichte gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Witz und Humor, aber auch nachdenklich stimmende Episoden folgen einander Schlag auf Schlag, nur der gelernte Concierge und der stets wache Bartender wissen auch alles, was zwischen den Zeilen geflüstert wird. Während der köstlichen Lektüre mit charmanter Schweizer Sprachfärbung darf aber auch der Leser schmunzeln über Eiszapfen als Mordwaffe oder die grandiosen Metaphern wie „das vielfältige Regelwerk zum Kartenspiel ist länger als die Bedienungsanleitung einer italienischen Espressomaschine“ (kindle, Pos. 1148). Damit einem das Lachen auch sicher nicht irgendwann im Halse stecken bleibt, empfiehlt sich zum Buch ein Kafi Lutz, dessen Zubereitung man allerdings tunlichst selbst vornehmen sollte. Warum? Lest selber nach!

Ein wunderbares Buch voller Humor und Ironie, dass die einzelnen Geschichten in raffinierter Weise durch winzige Details untereinander verbunden sind, setzt dem Ganzen noch ein Zuckerhäubchen oben drauf. Wer originelle Kurzweil sucht, wird hier sein Glück finden, auch als (Weihnachts)Geschenk findet dieser gaunerische Anekdotenband bestimmt großen Anklang. Ich habe mich jedenfalls bestens unterhalten.

Veröffentlicht am 06.10.2025

Gefahren

Turbulente Zeiten
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Burgls Oblatengeschäft in Karlsbad floriert auch im Jahre 1896. Zudem erwartet die tüchtige Bäckerin ihr erstes Kind. Während sie auf der Suche ist nach Unterstützung in der Backstube, verschwinden junge ...

Burgls Oblatengeschäft in Karlsbad floriert auch im Jahre 1896. Zudem erwartet die tüchtige Bäckerin ihr erstes Kind. Während sie auf der Suche ist nach Unterstützung in der Backstube, verschwinden junge Frauen aus Karlsbad und gibt es nächtliche Anschläge auf ihre Butike auf der Alten Wiese. Allerlei Gefahren muss getrotzt werden.

Lebhaft, wie immer, schildert Ada Caine aus dem Leben Burgls und deren Lieben. Frau Kaniß und Tante Zöpfel sowie Therese dürfen nicht fehlen und auch der brave Loisl tritt als liebevoller und vernünftiger Ehemann auf. Turbulent, wie der Titel verspricht, geht es tatsächlich zu, Burgl hat alle Hände voll zu tun mit ihrer Oblatenbäckerei und neidvollen Nachbarn, aber auch die Gerüchte um die frisch ausgebildeten Zofen und Gouvernanten, die in Karlsbad auf eine neue Anstellung warten, gehen ihr nahe. Bunte Bilder von Karlsbad im Kaiserthum Österreich holen den Leser sofort ab und bezaubern diesen mit vielen sympathischen Charakteren. Da und dort lauert natürlich ein Bösewicht, der die Idylle trübt, aber mit vereinten Kräften werden die Gefahren hoffentlich abgewendet werden können.

Egal, ob Burgl – oder Eva aus einer früheren Reihe – im Mittelpunkt steht, Karlsbad an der Wende zum 20. Jahrhundert ist stets einen Besuch wert, speziell dann, wenn Ada Caine ihre Feder führt und die damalige Zeit wieder zum Leben erweckt. Flüssig lassen sich die Zeilen lesen, charmant stellen sich die Geschichten rund um die bekannte Kurstadt dar, ich komme sehr gerne immer wieder. Leseempfehlung!