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Veröffentlicht am 10.10.2025

Die Selbstfindung zweier einsamer Seelen

Weil es nicht anders sein kann
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Addie trifft auf der Insel Rokesby auf Sol. Er hat seine Mutter verloren und besucht den Ort, den sie mochte. Addie hingegen wird von ihrer selbstsüchtigen Mutter ausgenutzt. Das Retreat und damit die ...

Addie trifft auf der Insel Rokesby auf Sol. Er hat seine Mutter verloren und besucht den Ort, den sie mochte. Addie hingegen wird von ihrer selbstsüchtigen Mutter ausgenutzt. Das Retreat und damit die Gästebetreuung und Versorgung dieser übernimmt Addie praktisch allein. Sie kocht, näht und hat kein eigenes Leben. Ihre einziger Freund ist Eureka, ein Oktopus.

Sol leidet unter seinem kalten Vater, zudem hat sich seine ehemalige Freundin in seinen Vater auch noch verliebt. Das Leben scheint merkwürdig und nicht einfach. Doch irgendwie sollen sich Addie und Sol dort begegnen. Zwei einsame Seelen, die auf der Suche nach sich selbst sind.

Sie, die Angst hat vor der Liebe und Bindungen, und er, der trotz seiner Sensibilität bereit ist, das Wagnis einzugehen.
Sie beschließen, es wie die Papageientaucher zu tun, die einen Teil ihres Lebens getrennt voneinander leben und doch immer wieder zusammenfinden. Hat das eine Chance auf ein gemeinsames Leben?

Dieses Buch ist mein Highlight in diesem Jahr im Genre Literatur/Belletristik. Die zarte Annäherung der beiden Hauptcharakter hat mir unglaublich gut gefallen.
Man spürt, dass die Autorin ein großer Fan von Vogelbeobachtungen ist, überhaupt von der Natur, so einfühlsam, wie sie darüber schreibt. Dies hat sie am Ende des Buches verraten.

Das Buch ist "leise" und doch eine Wucht. Der Schreibstil sucht seinesgleichen. Poetisch und trotzdem realistisch habe ich ihn empfunden. Es wird oft in Metaphern von Sol gesprochen, die viel Wahres in sich tragen.

Auch Addie hat ihre Ecken und Kanten, aber die muss sie erst einmal finden.

Die anderen Figurenzeichnungen waren auch interessant.
Zudem kann ich nachvollziehen, dass sich nicht jede(r) von seinen Eltern abwendet und die Kraft hat, eigene Wege zu beschreiten. Das muss man erst lernen. Es ist ein Prozess. Und das mitzuerleben, war aufgrund des leisen Erzählstils schön mitzuerleben. Das muss man erst einmal schaffen und so herüberbringen, dass man als Leserin ständig mitfühlt.

In dem Buch werden so viele Emotionen angesprochen, wie Verzweiflung, Trauer, fehlendes Selbstbewusstsein, aber auch wachsendes Vertrauen und natürlich Liebe, und vieles mehr. Die beiden sind für Menschen, die sich nicht in sie hineinfühlen können, vielleicht schwer zu fassen. Doch wer wissen möchte, wie sich soziale Isolation anfühlt, egal ob anerzogen oder mit den Jahren vollzogen, wird den beiden gern folgen. Denn der Weg ist das Ziel, da herauszukommen. Und das braucht manchmal Zeit.

Die Autorin schreibt aus beiden Perspektiven und lässt so die ganze Bandbreite an Gefühlen aus Addies und Sols Sicht aufeinander treffen.

Wunderschön, traurig, hoffnungsvoll. Mit einer großen Verbeugung vor Natur und Tier.

5 Sterne.

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Veröffentlicht am 29.09.2025

Mumie oder nicht, das ist hier die Frage

Mumien morden mittwochs nie
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Für Apollonia "Polly" Obermoser ist es die Ausstellung ihres Lebens. Die siebte Dynastie, die es in Ägypten einmal gegeben haben soll, und über die es kaum Aufzeichnungen gibt, erwacht in dem verschachtelten ...

Für Apollonia "Polly" Obermoser ist es die Ausstellung ihres Lebens. Die siebte Dynastie, die es in Ägypten einmal gegeben haben soll, und über die es kaum Aufzeichnungen gibt, erwacht in dem verschachtelten privaten Gamser-Museum zum Leben.
Und nicht nur die. Gleich am Tag der Pressekonferenz meuchelt sich ein Mörder durch die Gänge. Daphne, die Tochter der reichen Museumsbesitzerin vermutet den Fluch einer rachsüchtigen Mumie. Polly sieht das Ganze pragmatischer. Mumien gibt es nicht, oder etwa doch?
Die bunt zusammengewürfelte Schar an Angestellten und Gästen fürchtet alsbald um ihr Leben. Denn sie wissen nicht, wen der Mörder als nächstes im Visier hat, oder wer hinter bandagierten Augen ausgespäht wird.

Zwischen Champagnerempfang und uralten Artefakten entspinnt sich ein unterhaltsamer Krimi, der bis zuletzt für Überraschungen sorgt.

Mir hat die Geschichte richtig gut gefallen. Die Charakterzeichnungen sind gelungen, die Handlung an sich ist spannend und undurchsichtig, und man lernt noch nebenbei etwas über die Ägyptische Geschichte.

Zudem sind die Gedanken von Polly und die Dialoge humorvoll, sodass man auch lachen kann, wenn sich das Grauen mehr und mehr in den Museumswänden ausbreitet.

Überhaupt wird den Lesern die richtige Dosis Horror verabreicht, bei der man sich fragt: Wer ist es? Gibt es wirklich einen Fluch, der auf diesem Gebäude lastet?

Der Schreibstil wartet ab und an mit Wörtern auf, die längst in Vergessenheit geraten sind, oder die nicht mal bekannt sein können. Was ich wiederum spannend fand.

Ich mochte Polly, aber auch die anderen Figuren, egal, welche Charaktereigenschaften sie besaßen, weil sie vielschichtig beschrieben waren und trotz des Horrorszenarios immer wieder für Lacher sorgten.

Ich empfehle diese Krimödie gern weiter. Für alle Ägyptenliebhaber, Krimifans und solche, die Lust auf trockenen Humor haben.

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Veröffentlicht am 28.09.2025

Ein informatives Buch, in dem wirklich an alles gedacht wird, was wichtig ist

Japan Essentials
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Was sollte man unbedingt wissen, wenn man eine Reise nach Japan bucht und sich dort aufhält? Genau diese Fragen beantwortet das Buch „Japan Essentials“ von Mr. Nippon.

Der deutsch-japanische Creator, ...

Was sollte man unbedingt wissen, wenn man eine Reise nach Japan bucht und sich dort aufhält? Genau diese Fragen beantwortet das Buch „Japan Essentials“ von Mr. Nippon.

Der deutsch-japanische Creator, der schon länger in Japan lebt, hat die wichtigsten Informationen zusammengetragen.

Neben dem Vorbereiten der Reise gibt er nützliche Tipps für den Urlaub und die Reise, so dass die Voraussetzungen für eine angenehme Zeit geschaffen werden.

Er spricht kurz über die Geschichte Japans und vermittelt, wann es am besten ist, dorthin zu reisen.

Es werden die Themen Transport, Unterkunft, Essen, Sehenswürdigkeiten und Einkaufen aufgegriffen.

Im Bereich Service & Sonstiges erhält man dann noch ein kleines Miniwörterbuch, zudem, wie man mit JapanerInnen in Kontakt kommen kann, und eine kleine Übersicht bei Notfällen, was auch immer sehr wichtig ist.

Man spürt, wie viele Gedanken sich der Autor gemacht hat. Die Stärke dieses Buches ist, dass nichts schnell abgehandelt wird. Hier wird ausführlich und doch auf den Punkt gebracht, wichtiges Wissen vermittelt. Es steckt eine Menge Arbeit darin, das Gefühl vermittelt jede Seite.

Wer in ein asiatisches Land reisen möchte, hat sich sicherlich im Vorfeld schon viele Gedanken gemacht, auf was alles geachtet werden muss, und wie am Besten im Voraus geplant wird. Vielleicht ist man schon daran gescheitert, dass man dachte: Das verschiebe ich, weil ich mir nicht sicher bin, ob ich genug vorbereitet bin.

Mit diesem Buch wurden regelrecht alle meine Bedenken genommen.

Nun weiß ich zum Beispiel, welche Arten es von Unterkünften in Japan gibt, wo man Shinkansen-Tickets (Hochgeschwindigkeitszug) kaufen kann, oder was neben Tokyo auch Yokohama oder Kyoto zu bieten hat. Das sind nur wenige Beispiele, denn die Tipps sind breitgefächert.

Dabei sind auch die Hinweise auf Fettnäpfchen, die einen erwarten können, spannend, denn hier trifft man auf ein Land, in dem Höflichkeit und Zurückhaltung groß geschrieben werden. Und das sollte man bei einem Besuch respektieren.

Ich habe erfahren, welche Museen es gibt und was man wo shoppen kann (als Beispiel Andenken, Anime, Manga usw.).

Dabei kommt auch ein Aktivurlaub nicht zu kurz, denn wer den Fuji besteigen, oder auf einige der vielen Inseln reisen möchte, wird hier auch ausreichend beraten.

Interessant fand ich auch die ganze Food-Thematik. Da kommt der Appetit schon beim Lesen.

Die farbenfrohe Aufmachung des Buches gefällt mir sehr.

Das Cover ist ein Eyecatcher (es erinnert, wie auch im Buch erwähnt wird, an Shibuya), genau wie die Illustrationen für die Themenbereiche. Und auch zwischendurch werden bedeutende Hinweise farblich hervorgehoben.

Das Buch ist nicht nur vor der Reise, sondern auch währenddessen nützlich. Das Format des Buches ist handlich, sodass man es gut verstauen kann. So kann man Redewendungen nachschlagen, oder nachschauen, welche Tagesausflüge durchgeführt werden können, wenn man noch nicht so durchgeplant ist und es eher ruhiger angehen lässt.

Denn eine solche Reise ist neben der angenehmen Aufregung auch für die Erholung da, und dabei helfen die Ausführungen ungemein. Weniger Gedanken machen, mehr Spaß haben.

Der sympathische Autor, der sonntags auf Youtube live aus Japan streamt und zudem Videos zu interessanten Themen Japans veröffentlicht, hat ein Werk geschaffen, mit dem es sich ruhiger und doch spannender reisen lässt, in ein Land, in dem es so viel zu entdecken gibt.

5 Sterne.

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Veröffentlicht am 11.09.2025

Vorsicht, Lady Lydia ermittelt

Nightingale
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Lydia ist Amerikanerin und hat Nigel Nightingale geheiratet. Er und seine Familie sind gut betucht, sie liebt ihn, und so könnte es doch ein schönes Leben sein, oder?
Doch nach der Hochzeit erlebt sie ...

Lydia ist Amerikanerin und hat Nigel Nightingale geheiratet. Er und seine Familie sind gut betucht, sie liebt ihn, und so könnte es doch ein schönes Leben sein, oder?
Doch nach der Hochzeit erlebt sie ein böses Erwachen.
Nigels ehemalige Geliebte, die Malerin Florentine wird im Musensaal tot aufgefunden. Ein ungewöhnlicher Fundort.
Nigel wird verhaftet, weil Indizien auf ihn verweisen, und Lydia befindet sich von nun an in einem Albtraum.
Doch sie legt nicht die Hände als neue Lady in den Schoß, sondern fängt an, zu ermitteln. An ihrer Seite ist Godfrey, Butler ihrer Schwiegermutter Charlotte, die von diversen Gläschen Sherry geradezu besessen zu sein scheint.
Und so versucht Lydia ihrem frisch Angetrauten zu helfen, denn für die Polizei ist er der Verdächtige Nummer eins.

Mir hat das Buch unglaublich gut gefallen. So stelle ich mir einen Cozy Crime Krimi vor. Die Beschreibungen des Anwesens waren bildhaft, und die ganze Ermittlungsarbeit, sei es von den beiden Hobbydetektiven oder der Polizei, ist nachvollziehbar und selbsterklärend. Hier wird alles logisch angegangen und erklärt.
Dazu noch das englische Flair, es passt.

Mir gefielen auch die Personen, allen voran Godfrey, der wunderbar trocken und sehr intelligent mit Lydia ermittelt. Dadurch, dass die Maskenbildnerin ist, kann sie in auch mal in eine andere Rolle schlüpfen.
Charlotte, die Mutter von Nigel konnte ich richtig vor mir sehen. Angeblich von allem geplagt, immer ein gut gefülltes Glas zur Hand und in die kunstvollsten Kostüme gekleidet.

Die Dialoge gefielen mir auch sehr gut. Als würde man einen englischen Krimi schauen. Lawson, der Ermittler der Polizei, hatte da ein paar Highlights. Genervt und doch dienstbeflissen.

Das Buch lebt von seinen Figuren und der Handlung, wird niemals langweilig und treibt den Lesenden an, selbst nachzugrübeln, wie nun alles zusammenhängt und wer der Täter ist. Das mag ich.

Spannend, mit etwas trockenem englischen Humor und sehr bildhaft.

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Veröffentlicht am 30.09.2025

Visuell und auf inhaltlicher Ebene bestechend

THE WOODS
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Dieses Buch erregt Aufsehen und ist durch die Größe und die hochwertigen Bilder etwas ganz Besonderes.

Ich würde es nicht nur Naturliebhabern empfehlen, sondern auch jenen, die einfach mal abschalten ...

Dieses Buch erregt Aufsehen und ist durch die Größe und die hochwertigen Bilder etwas ganz Besonderes.

Ich würde es nicht nur Naturliebhabern empfehlen, sondern auch jenen, die einfach mal abschalten möchten und vielleicht zu wenig sich in der Ruhe und Kraft des Lebensraumes Wald verlieren können. Sei es, weil die Zeit fehlt oder es bisher an Interesse fehlte, da das Leben oft viel zu geschäftig ist.

Das Buch misst 25,2 x 3,3 x 31,3 cm. Man spürt schon beim Anheben, wie schwer es ist und dass es somit auch viel Inhalt gibt. Die Gestaltung ist andersartig, denn der Einband und somit auch das Cover sind mit einem Material gestaltet, welches Holz imitiert und es befindet sich ein ausgestanztes Astloch in der Mitte.

Wenn man mit den Händen über die Zeichnungen und die Schrift fährt, spürt man die detaillierte Verarbeitung.

Das Inhaltsverzeichnis ist übersichtlich gestaltet, zudem ist hinten ein Bildverzeichnis, das verrät, wo diese schönen Bilder geschaffen worden sind.

Das Buch wurde mit Naturpapier hergestellt.

Zunächst möchte dich die außergewöhnlichen Fotografien erwähnen. Sie sind in ihrer Bandbreite nicht zu übertreffen.

Die Fotos haben ein breites Spektrum, von rätselhaft oder sehnsuchtsvoll, bis ästhetisch, warm, märchenhaft oder malerisch. Man sieht auch, wie neues Leben entsteht, dort, wo eigentlich keines mehr war.

So kann man sich oft über eine Doppelseite in ein Bild optisch einfühlen und in die wunderschöne, mystisch angehauchte Welt des Waldes abtauchen. Mit milden Farben, die mit Licht und Schatten, Nebel, Schnee oder Wassertropfen spielen, die zeigen, wie schützenswert dieser Lebensraum ist.

Das Buch gliedert sich in vier wichtige Themenbereiche:

Mensch und Mythos Wald, Das Herz des Waldes, Der Wald als Kraftquelle und Der Wald als Symbol des Lebens.

Interessant ist tatsächlich alles, was man zu lesen bekommt. Sei es, wie der kulturgeschichtliche Kreislauf aussieht, in all den Facetten, wie der Wald nutzbar gemacht und auch verehrt wurde und wie die Kreisläufe des Waldes miteinander funktionieren.

Zudem lernt man, achtsamer, mit allen Sinnen, durch den Wald zu gehen.

Es gibt noch viele andere Informationen, die dieses Buch zu einem Highlight machen, zum Beispiel die Waldapotheke, der Wald in den einzelnen Jahreszeiten oder das Kommunikationsnetzwerk.

Daran erkennt man, viel vielschichtig dieses Buch ist.

Es gibt einzelne Zitate zu lesen, u. a. von Aristoteles, Albert Einstein oder Emily Dickinson. Diese passen auch zu dem Thema immer gut.

Die Ausführungen sollte jede(r) lesen, damit wir alle das Geflecht des natürlichen Lebens besser verstehen und zu schätzen wissen.

Was ist schon ein Menschenleben im Gegensatz zu dem eines majestätischen Baumes? Hier spürte ich, wie klein wir sind, aber auch, wie viel Schaden wir schon angerichtet haben.

Auch die, die denken, sie wissen schon sehr viel, dürften überrascht sein.

Der Lerneffekt ist groß, weil das Buch leicht verständlich geschrieben ist.

Ich nehme aus dem Buch mit, die Natur noch mehr zu schätzen, das nächste Mal mit all meinen Sinnen den Wald zu beschreiten.

Ich sehe nun vieles nun mit anderen Augen.

Hochwertig, visuell bestechend und mit einer Bandbreite an Informationen und den Preis wert.

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