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Veröffentlicht am 01.11.2025

Angst - und Lustobjekte

Das Buch der Phobien und Manien
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Ängste kennt jeder von uns, manche sehr real, andere nur in unseren Köpfen, die Eine erzeugt nur einen leichten Schauer, die Andere dafür heftige körperliche Redaktionen. Die Objekte, so verschieden wie ...

Ängste kennt jeder von uns, manche sehr real, andere nur in unseren Köpfen, die Eine erzeugt nur einen leichten Schauer, die Andere dafür heftige körperliche Redaktionen. Die Objekte, so verschieden wie der Mensch selber, Tiere, Gegenstände, Situationen, Phobien sind vielfältig und können unseren Alltag genauso beeinflussen, wie das Gegenteil, die Sehnsucht nach einer Handlung, einem Gefühl, oder einem Gegenstand, die Manie, die Besessenheit von etwas. Kate Summerscale hat hier 99 Obsessionen und Ängste zusammengestellt,von A, wie Agotaphobie, bis Z, wie Zoophobie und es ist ziemlich sicher, das man sich als Leser bei der Ein, oder Anderen wiederfindet.

Nachdem ich aus dem Verlag schon "Das kleine Buch der Risiken" gelesen hatte, musste dieses Buch natürlich auch sein. Die Autorin hat eine umfangreiche Sammlung zusammengestellt und liefert zu jeder Phobie/Manie eine kleine Erklärung zu Entstehung, wie sich das Ganze äußert und teilweise auch, wie man es behandeln kann. Als Leser begegnen einem ziemlich bekannte Sachen, wie eben die Angst vor bestimmten Tieren, vor Menschenansammlungen, oder engen Räumen, Spritzen, Blut, dem Zahnarzt. Zum Teil sehr real, zum Teil aber auch eher abstrakt, wie die vorm Erwachsenwerden, oder vor langen Wörtern (von denen es im Buch einige gibt). Bei den Manien, die den kleineren Teil des Buches ausmachen möchte man meist eher lächeln, oder sie abtun, wie bei der Beatlemania, oder die Büchermanie (keine Ahnung was das sein soll), aber es gibt leider auch die, die wirklich gefährlich sind, wie eben zb Alkoholsucht, Spielsucht, oder solche, bei denen sich die Betroffenen selbst verletzen wie Haareausreißen.

Das Buch bietet kurz zusammengefasstes Wissen, oft mit einem Augenzwinkern, aber, wo es angebracht ist auch durchaus ernsthaft. Für Klugscheisser wie mich findet sich eine Vielzahl hochtrabender Worte mit deren Erklärung man auf jeder Party sein unnützes Wissen unter Beweis stellen kann. Natürlich findet man sich als Leser auch bei dem Ein, oder Anderen wieder, bei mir sind es Spinnen, oder Höhenangst. Das Buch ersetzt natürlich keine Analyse und schon gar nicht eine Therapie, wobei es hier ziemlich aufschlussreich ist, was der vielzitierte Sigmund Freud so alles auf Sexualität zurückführt. Naja, kann man glauben, muss man aber zum Glück nicht.

Mir hat die Lektüre Spaß gemacht, ich habe noch einiges Neues gelernt und bei Bedarf kann man das Thema ja im Nachgang noch mit der entsprechenden Fachliteratur vertiefen.

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Veröffentlicht am 19.10.2025

Zombi ist nicht gleich Zombi

Manchmal kehren sie wieder
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Zombis sind im Horrorgenre gern verwendete Figuren und nicht erst seit "The walking Dead" ist der Hype um sie ungebrochen. In dieser Anthologie haben sich nun 26 Autor*innen dem Zombi angenommen und ihn ...

Zombis sind im Horrorgenre gern verwendete Figuren und nicht erst seit "The walking Dead" ist der Hype um sie ungebrochen. In dieser Anthologie haben sich nun 26 Autor*innen dem Zombi angenommen und ihn zum Protagonisten einer ihrer Storys gemacht. Die Szenarien sind dabei so unterschiedlich, dass man durchaus überrascht ist, auf welch vielfältige Weise man das Thema interpretieren kann.

Der Leser trifft auf die verschiedensten Vertreter ihrer Art, die auf die unterschiedlichsten Arten zu dem wurden, was sie sind. Da gibt es das klassische Szenario eines weltweiten Virus, genauso wie die Ursprungsversion des Mythos aus dem Voodoo. Bei vielen der Geschichten spürt man, dass es sich hier um eine Aufarbeitung der Coronapandemie handelt. Einige Storys erinnern an bekannte Serien wie "Last of us", andere folgen einem ganz neuen Ansatz. Manchmal ist dieser düster und bedrohlich, manchmal eher zum schmunzeln und manchmal auch ein bisschen Gesellschaftskritik. So trifft man zb auf einen Schriftsteller, dessen Publikum mehr an ihm, als an seinem Buch interessiert ist, einen Beamten, der die Zombiapokalypse fast verschläft, eine Influenzerin, die eine App zur Verständigung mit den Untoten entwickelt, einen Mann, der seinen Nachbarn aus Frust zu seinem Zombidiener macht und damit so gar nicht glücklich ist, einen Gutachter, der als Futter endet, eine Infizierte, die über den Sinn der neuen Existenz grübelt, oder eine Wissenschaftlerin, der ihr eigener Forscherdrang zum Verhängnis wird.

Natürlich kommt nun auch wieder mein Standardsatz zum Thema Anthologie. Es liegt in der Natur der Sache, dass einem bei einer Anthologie nicht alle Geschichten gleichermaßen gefallen und so ist es auch hier, die eine Story liegt einem vom Stil her mehr, die andere weniger. Das ist vollkommen okay, schließlich hat jeder Autor, jede Autorin seinen/ihren eigenen Stil und eine ganz individuelle Herangehensweise an das Thema. Ich wurde aber insgesamt gut unterhalten und kann die Sammlung guten Gewissens an Genrefans und solche die es werden wollen weiterempfehlen. Wer besonderen Gefallen an einer bestimmten Geschichte gefunden hat kann sich am Ende des Buches noch einige Infos zum jeweiligen Verfasser ansehen und so noch weitere Lektüre entdecken.

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Veröffentlicht am 12.10.2025

Märchen in moderner Form

Fabeljäger
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Der junge Veit lebt mit seinen Freunden allein in einer bedrohlichen und fantastischen Welt. Gefürchtet von den Menschen in ihrer Nähe leben die Kinder am Rande des dunklen Waldes, dessen Pflanzen und ...

Der junge Veit lebt mit seinen Freunden allein in einer bedrohlichen und fantastischen Welt. Gefürchtet von den Menschen in ihrer Nähe leben die Kinder am Rande des dunklen Waldes, dessen Pflanzen und Geschöpfe das Hinterland und die wenigen dort lebenden Menschen ständig bedrohen. Trotz das die Kinder dafür sorgen, dass die seltsamen Bäume des Waldes nicht über dessen Grenzen hinaus zu wuchern beginnen, werden sie von den Menschen gemieden, einzig Daria ist ihnen freundlich gesinnt und besucht die Kinder so oft es geht. Als Daria verschwindet tritt der Hass und die Furcht der Dorfbewohner offen zu Tage und den Kindern bleibt nichts als die Flucht in den bedrohlichen Wald.

Schon das Cover des Buches hat mir sehr gefallen und als Liebhaber klassischer Märchen und moderner Fantasy war ich auch von der Geschichte direkt angetan. Schon nach wenigen Seiten hat der Autor es geschafft mich in seine Welt zu ziehen, die voll ist von bekannten und unbekannten, freundlichen und bedrohlichen Wesen und von solchen, bei denen man nicht auf den ersten Blick erkennt, zu welcher Gruppe sie gehören. Der erste Teil der Geschichte dient dazu die Gruppe der Kinder und ihr beschwerliches, einsames leben kennen zu lernen. Man entwickelt direkt Sympathie für sie und auch sowas wie Beschützerinstinkt, ahnt man doch, dass da noch mehr kommen wird. Hier bekommt man auch einen kleinen Überblick über die Welt, in der die Geschichte spielt.

Nach der Vertreibung der Kinder durch die Dorfbewohner nimmt die Story dann deutlich an Fahrt auf und es kommen nun auch mehr und mehr Figuren ins Spiel. Hier bedient sich der Autor schamlos an bestehenden Märchen und so trifft man wunscherfüllende Feen, häuserbauende Heinzelmännchen, Klabautermänner, aber auch Vampire und Werwölfe, aber auch viele Wesen, wie zb Kindergrauen, von denen man bisher noch nichts gehört hat. Der Autor verknüpft in seiner Story geschickt Bekanntes mit Neuem und schafft so eine fantastische Welt, in der es viel zu entdecken gibt und in der nicht unbedingt die selben Gesetzmäßigkeiten gelten, wie in der der Gebrüder Grimm. Das der Autor sich diese Inspirationen holt und sie verwendet, hat mich überhaupt nicht gestört, im Gegenteil, ich finde es vollkommen legitim, allerdings war es mir zwischenzeitlich doch manchmal etwas drüber, es hätte nur noch gefehlt, dass die Heinzelmännchen "heiho, heiho" wärend der Arbeit gesungen hätten. Und auch, dass die Geschichte zum Ende hin doch sehr an die eines bekannten Zauberlehrlings erinnert hat, war mir etwas zu plakativ.

Insgesamt hat Leon Schweitzer aber ein modernes Märchen geschaffen, eine fantastische Welt, düster und voller Gefahren, aber auch voller liebenswerter Figuren, deren Entwicklung man gerne weiter verfolgen möchte. Definitiv eher etwas für Erwachsene und ältere Kinder, etwa ab 13/14 Jahren.

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Veröffentlicht am 12.10.2025

Mord kennt keinen Ruhestand

Der Donnerstagsmordclub
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Coopers Chase ist eine beschauliche Seniorenresidenz, in der die einzige Aufregung die wöchentliche Bingorunde bietet. Könnte man meinen, denn einige der Bewohner befassen sich mit durchaus aufregenderen ...

Coopers Chase ist eine beschauliche Seniorenresidenz, in der die einzige Aufregung die wöchentliche Bingorunde bietet. Könnte man meinen, denn einige der Bewohner befassen sich mit durchaus aufregenderen Themen, mit Mord nämlich. Elizabeth, Ron und Ibrahim untersuchen gemeinsam mit ihrer Freundin Penny, die früher Polizistin war alte, ungelöste Fälle. Zusammen haben sie den "Donnerstagsmordclub" gegründet, der nun gezwungen ist in einem aktuellen Fall zu ermitteln, denn direkt vor ihrer Haustür geschieht ein Mord.

Die Reihe von Richard Osman ist nicht erst seit gestern auf der Bestsellerliste und nachdem jetzt die Verfilmung des ersten Buches anstand habe auch ich mich dem Phänomen nicht mehr verschließen können. Ich habe allerdings zuerst den Film gesehen und mir erst im Anschluss das Buch dazu gekauft. Natürlich gibt es ein paar Unterschiede und ich denke es wäre andersherum besser gewesen, aber letztlich ist es okay.

Das Motiv, das Laien, sehr zum Unmut der Polizei, zu Ermittlern werden ist nicht neu. Schon Agatha Christie lässt ihre ältliche Miss Marple Kriminalfälle lösen und treibt die ermittelnden Beamten dabei regelmäßig an den Rand des Wahnsinns und auch Robert Thorogood lässt in "Mrs Potts Mordclub" eine recht ungewöhnliche Truppe auf die Kriminellen los. Meist mit einer gehörigen Portion Humor und einem Augenzwinkern gehen die Amateurdetektive auf Verbrecherjagd und sind mit ihren unkonventionellen Methoden der Polizei dadurch oft einen Schritt voraus. So natürlich auch hier.

Richard Osman schreibt sehr leichtgängig, seine Figuren sind sympatisch gezeichnet, haben dabei aber auch ihre kleinen Eigenheiten und sogar Geheimnisse. Die Mischung an verschiedenen Charakteren ist so gewählt, dass sie sich untereinander ergänzen und es nicht langweilig wird, allerdings gibt es im Buch neben den Hauptfiguren auch eine große Anzahl Nebenfiguren und da muss man erstmal den Überblick behalten.

Der beschriebene Kriminalfall ist insgesamt sehr gut konstruiert, fällt aber natürlich eher in die Kategorie Cosy Crime. Das ist auch überhaupt nicht schlimm, denn auch dieses Genre hat seine Berechtigung und ich, als eingefleischter Krimi und Thriller Fan mag es ab und zu mal ganz gern, wenn es nicht ganz so brutal und blutig zugeht. Manchmal wird es mir im Verlauf der Story aber dann doch etwas zu gemütlich, was natürlich auch dem Alter der schrulligen Protagonisten geschuldet ist, der Autor schafft es aber durch die vielen liebevollen Kleinigkeiten gut, dass die Stimmung nicht kippt und ich in der Story gehalten werde.

Für mich ist die Reihe definitiv etwas für den Herbst, gemütlich eingekuschelt mit einer Tasse Tee werde ich sicher auch die anderen Fälle des Donnerstagsmordclubs verfolgen.

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Veröffentlicht am 25.09.2025

Auf eigene Faust

Über die Toten nur Gutes
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Mads ist Trauerredner aus Leidenschaft, auch wenn sein Vater ja der Meinung ist, Mads könnte mit seiner sonoren Stimme durchaus Karriere beim Radio machen. Als ein Freund aus Kindertagen stirbt, möchte ...

Mads ist Trauerredner aus Leidenschaft, auch wenn sein Vater ja der Meinung ist, Mads könnte mit seiner sonoren Stimme durchaus Karriere beim Radio machen. Als ein Freund aus Kindertagen stirbt, möchte Mads die Rede für dessen Beerdigung schreiben, stellt jedoch fest, dass er recht wenig zum Leben des einstigen Freundes weiß. Er stellt ein paar Recherchen an, in deren Verlauf seine eigenen Kindheitserinnerungen wieder zu Tage treten und er merkt, dass der Freund anscheinend vor seinem Tod in ziemlichen Schwierigkeiten gesteckt hat.

Ich liebe ja Krimis und Krimis mit besonderen und gern auch mal schrägen Ermittlern ganz besonders. Von der Idee, dass ein Trauerredner zum Ermittler wird war ich direkt angetan, auch weil der Klappentext eine humorvolle Story erwarten ließ. Humorvoll wurde es dann auch direkt zu Beginn, hier würde ich spoilern, wenn ich mehr verraten würde, nur so viel, man lernt Mads Vater Friedtjof und direkt alle weiteren wichtigen Personen kennen. Naja, fast alle.

Die Figuren in Andreas Izquierdoˋs Buch sind schon alle etwas speziell, fast schon ein bisschen überzeichnet. Allen voran natürlich Mads Vater, Kommissarin Mills, die unscheinbare neue Bekanntschaft von Mads Freund Fiete, der schweigsame Herr Barnardy und natürlich in erster Linie der skrupellose Verbrecherboss Stoike. An sich würde ich auch das ziemlich mögen, allerdings beginnt es hier so ein bisschen zu haken, denn die leicht schräge Story passt hier im Detail nicht wirklich zueinander. Natürlich bin ich mir bewusst, dass ich hier eine fiktive Geschichte lese, aber ein ganz klein wenig näher an der Realität hätte Mads Ermittlungsarbeit dann doch sein dürfen.

Das Buch liest sich leicht weg, der Schreibstil des Autors ist hier sehr angenehm. Seine Figuren sind menschlich in ihren Stärken und Schwächen, gerade bei Mads Vater Friedtjof wird das deutlich. Der alte Herr, mit seiner Besessenheit vom Bingospiel macht im Buch dann auch die größte Entwicklung durch, wurde mir zwischenzeitlich richtig unsympathisch, bringt aber dadurch Tiefe und Emotionalität in die Story. Bösewicht Stoike wird ebenso ins Klischee gepresst, wie sein muskelbepackter Handlanger, oder auch Kommissarin Mills. Das ist fast etwas schade, passt aber letztlich ins Gesamtbild und lässt den Humor der Story funktionieren.

Ich habe das Buch mit etwas gemischten Gefühlen beendet und länger über meine Sternevergabe gegrübelt, denn teilweise war mir das Ganze doch sehr an den Haaren herbeigezogen. Da ich aber schräge Kriminalfälle ala Weimarer Tatort, oder der Eberhofer-Reihe sehr mag, war ich dann doch geneigt hier nicht all zu streng zu sein. Mir gefällt der Humor und die Figuren reißen einiges raus, auch wenn die Mischung insgesamt etwas unrund ist.

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