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Veröffentlicht am 13.10.2025

Von Warren Buffett lernen? Geht nur bedingt für kleines Geld

Die Deals von Warren Buffett - Vol. 2
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Wenn man sich die Mythen anhört, die über Warren Buffett gestrickt werden, dann helfen die vier Bände dieser Reihe sie zu entlarven. Der Grundmythos liest sich so: Man müsse nur die Regeln von Graham kennen, ...

Wenn man sich die Mythen anhört, die über Warren Buffett gestrickt werden, dann helfen die vier Bände dieser Reihe sie zu entlarven. Der Grundmythos liest sich so: Man müsse nur die Regeln von Graham kennen, sie strikt anwenden, und dann kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Wahr ist, dass Buffett mit ein paar Tausend Dollar angefangen hat. Schon im ersten Band kann man an seinen Geschäften genau verfolgen, was er wirklich gemacht hat. Statt sein Kapital zu diversifizieren, wie man das Kleinanlegern predigt, hat er stets alles auf eine Karte gesetzt und ganze Gesellschaften übernommen.

Mehrheitsbeteiligungen, die teilweise heute noch zu Berkshire gehören haben für einen stetigen Kapitalfluss gesorgt, mit dem immer neue Investments finanziert wurden, die wiederum ihren Gewinn an Berkshire abführen mussten. Dieses Spiel, oft genug erfolgreich wiederholt, führt zu einer rasanten Vermehrung des Ausgangskapitals. Natürlich darf dabei nicht viel schief gehen, vor allem nicht am Anfang. Und dass genau das nicht passierte, liegt am Genie von Buffett. Zusammen mit Munger hatte er ein untrügliches analytisches Geschick für ein erfolgreiches Einsteigen zu einem günstigen Zeitpunkt. Worin dieses analytische Vermögen besteht, wird in wenigstens zwei Kapiteln in diesem Band etwas deutlicher. Aber so ganz lässt sich Buffett nie in die Karten schauen.

Zwei Mal allerdings, bei GEICO und bei Salomon stand Berkshire am Rande eines riesigen Verlustes, der letztlich abgewandt wurde. Vielleicht war das Glück, vielleicht lag es auch an Buffetts Geschick.

Finanzjournalisten und andere selbsternannte Experten erklären Kleinanlegern gerne, dass sie genau das Gegenteil von Buffett machen sollen, nämlich ihr Risiko verteilen und einen langen Atem haben. Abgesehen vom Letzterem ist Buffett so nie vorgegangen. Und er wäre anders auch nicht so reich geworden. Kleinanleger sind in der Regel unterkapitalisiert und mehr oder weniger unwissend. Nur wenn man ausreichend Kapital in ein Investment steckt, das erfolgreich ist, weil man es vorher richtig verstanden hat, kann man eine hohe Rendite erreichen. Ständiger Kapitalfluss über Dividenden sichert dann die Wiederholung dieses Prozesses. Da Berkshire über einige Versicherungsgesellschaften verfügt, fließt auch außerhalb der Dividenden-Zeit reichlich Kapital über die Versicherungsprämien.

Und schließlich hatten sich Buffett und Munger irgendwann einen Namen gemacht, der sie zu weiteren Möglichkeiten führte, die sie reichlich nutzten. Auch das ist ein Prinzip, das sich für Kleinanleger nicht eröffnet, denn dazu sind sie zu unbedeutend.

Hinter dem stets freundlichen Buffett verbirgt sich ein knallharter Geschäftsmann mit ebenso knallharten Vorstellungen. Wer sich mit seinen Investments beschäftigt – und dazu sind diese Bücher eine einzigartige Quelle – kann sich diesem Eindruck nicht mehr entziehen. Lernen kann man von Buffett nicht viel, es sei denn man will genau so vorgehen wie er. Aber dazu muss man auch seine Fähigkeiten besitzen, von denen nicht alle übertragbar sind, weil sie zu seiner Persönlichkeit gehören.

Dieses Buch ist wie schon der erste Band ein Augenöffner, weil es offenbart, dass Buffett nicht wiederholbar ist. Und im Übrigen ist Buffett nicht der einzige erfolgreiche Investor, der selten sein Kapital diversifiziert hat, besonders nicht am Anfang. Die erste Million ist die schwerste, dann hat man genügend Kapital, um in verschiedene Projekte zu investieren. Am Kapitalmarkt besteht nur der, der genau weiß, was er tut.

In diesem Band werden folgende Investments sehr ausführlich erklärt: GEICO, The Buffalo Evening News, Nebraska Furniture Mart, Capital Cities, ABC, Disney, Scott Fetzer, Fechheimer Brothers, Salomon Brothers, Coca Cola, Borsheims, Gilette, Procter & Gamble, Duracell.

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Veröffentlicht am 13.10.2025

Wie heißt eigentlich die Maus?

Kater Klaus vermisst die Maus
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Obwohl in diesem Märchen die Maus der eigentliche Held ist, hat sie keinen Namen. Vermutlich liegt das an Großvater Vasilis, der sie nicht als Haustier anerkennt. Vasilis wohnt im Wald und ist offenbar ...

Obwohl in diesem Märchen die Maus der eigentliche Held ist, hat sie keinen Namen. Vermutlich liegt das an Großvater Vasilis, der sie nicht als Haustier anerkennt. Vasilis wohnt im Wald und ist offenbar ein Selbstversorger, der eventuell nötige Sachen im Tauschhandel erwirbt. Rente scheint er nicht zu bekommen.

So hat er nicht einmal genug Geld, um seinen Kindern und Enkeln ein Weihnachtspaket zu schicken. Das muss Kater Klaus nun mit Hilfe der Maus bewältigen. Klaus lässt seine Beziehungen in die wilde Tierwelt spielen, packt die Maus ins Paket und schickt sie per Tierkurier auf Reisen. Nach einigen Abenteuern kommen die Maus und ihr Paket auch tatsächlich in der Ferne an der richtigen Stelle an. Doch die Empfänger sind überraschend zu Vasilis gereist. Also alles rückwärts.

Warum die Geschichte, die hier kindgerecht und schön illustriert erzählt wird, in Griechenland spielt, bleibt das Geheimnis der Autorin. Fünfjährige wissen vermutlich nicht unbedingt, wo das liegt. Und sie kennen auch die griechischen Weihnachtsgerichte und Bräuche nicht. Hier lernen sie sie endlich kennen. Insofern bildet das Buch auch noch, wenn man es positiv sieht.

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Veröffentlicht am 13.10.2025

Devil’s Breath

Nachtschattengewächse
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So heißt das Buch im Original, was wesentlich griffiger ist. Aber Devil’s Breath ist auch der Name eines Nachtschattengewächses, dessen Samen man zerreiben und Leuten ins Gesicht blasen kann, wenn man ...

So heißt das Buch im Original, was wesentlich griffiger ist. Aber Devil’s Breath ist auch der Name eines Nachtschattengewächses, dessen Samen man zerreiben und Leuten ins Gesicht blasen kann, wenn man sie gefügig machen möchte. Das spielt im Buch zwar keine Rolle, und diese Pflanze kommt auch nicht im Anhang vor, aber ihr Name eignet sich bestens für einen Titel. Jedenfalls besser als "Nachtschattengewächse", zu denen auch Tomaten gehören.

Gleich am Anfang macht man Bekanntschaft mit Professorin Eustacia Amelia Rose, ehemalige Leiterin des Instituts für Botanische Toxikologie am University College London.

Bevor ich weiterschreibe, möchte ich dem Verlag für seinen ungewollten Humor danken. Warum? Nun der ganze Text ist schwach gegendert. Es gibt also keine Studenten, sondern nur Studierende und den ganzen anderen sprachlichen Unfug. Immerhin aber keine Sterne oder andere dämlichen Zeichen mitten im Wort. Das Lustige an diesem Krampf findet man auf Seite 326. Da wird die gute Eustacia mit vollem Titel vorgestellt, so wie oben. Nur steht da eben nicht Professorin wie bei mir, sondern Professor. Herzlichen Glückwunsch.

Eustacia hat wegen eines Vorfalls in ihrem Labor ihren Job verloren. Was da genau vorgefallen war, bleibt wie so vieles andere in diesem Krimi absichtlich im Ungewissen. Nun sammelt Eustacia nur noch auf ihrem Dachgarten sehr giftige Pflanzen, die sie sich für viel Geld aus aller Welt als Setzlinge schicken lässt. In diesem Dachgarten steht auch ein modernes Objektiv zur Beobachtung von Himmelskörpern. Allerdings benutzt es Eustacia mehr zur Ausspähung ihrer Nachtbarn. Irgendwie muss sie schließlich am Leben der anderen teilnehmen, denn menschlichen Kontakten geht sie stets aus dem Weg.

So lernt sie aus der Ferne eine junge Frau kennen, mit der dann die weiteren Verstrickungen beginnen. Weil sie sich merkwürdig verhält und offenbar Verhältnisse der verschiedenen Art mit mehreren Männern hat, nennt Eustacia sie zunächst Psycho. Dann stellt sich heraus, dass sie mit einem Mann schläft den Eustacia sehr gut kennt und der ihr Schmerzen bereitet hat. Dieser Kerl wird die spätere Leiche werden, vergiftet mit den Samen einer Pflanze, die Eustacia in ihrem Dachgarten anbaut.

Wie die Dinge sich entwickeln, kann ich hier natürlich nicht verraten, aber dieser Krimi hat tatsächlich etwas Besonderes. Die Autorin reizt das Verwirrprinzip weitestgehend aus. Man wird in die Gedanken der Hauptfigur Eustacia versetzt, die zunächst von Psycho so angetan ist, dass sie sie verfolgt und gegen ihre gewöhnlichen Verhaltensweisen sogar eine Bekanntschaft mit ihr beginnt. Allerdings versteht man als Leser bis zuletzt die Zusammenhänge nicht wirklich. Aus Prinzip eben. Selbst die Frage, wer nun den Kerl vergiftet hat, bleibt offen. Man kann sich einen aus der Truppe der Rachsüchtigen aussuchen, die im Lauf der Handlung vorgestellt wird. Es geht dabei um ein Ereignis in Brasilien, das der Ermordete zu verantworten hatte.

Was das Buch natürlich noch interessanter macht ist Eustacia selbst, denn diese Figur liegt weit abseits jeder Normalität. Sie kleidet sich männlich mit den Klamotten ihres verstorbenen Vaters, kämmt sich die Haare männlich und grenzt sich von der Öffentlichkeit weitgehend ab. Na und dann eben diese Professur, entstanden aus einer Obsession für Gifte.

Das Buch ist flüssig geschrieben und liest sich schon allein wegen seiner ungewöhnlichen Konstruktion gut. Und dann gibt es natürlich diese komische Paradoxie. Menschen lieben außergewöhnliche Typen. Aber natürlich nur in Büchern und nicht etwa in ihrer unmittelbaren Umgebung.

Ein sehr schöner und ziemlich ungewöhnlicher Krimi.

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Veröffentlicht am 13.10.2025

Faszinierend. Aber auch ein Ausdruck menschlichen Größenwahns

Englische Landschaftsgärten
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Unter Gärten stellt man sich eigentlich etwas anderes vor. Landschaftsgärten, wie sie in diesem Buch eindrucksvoll beschrieben werden, sind in Wirklichkeit Parks, in denen die Natur so umgestaltet wurde, ...

Unter Gärten stellt man sich eigentlich etwas anderes vor. Landschaftsgärten, wie sie in diesem Buch eindrucksvoll beschrieben werden, sind in Wirklichkeit Parks, in denen die Natur so umgestaltet wurde, dass sie dem jeweiligen Auftraggeber gefiel. Zwanzig solcher öffentlich begehbarer Parks kann man mit diesem Buch in der eigenen Phantasie besuchen. Eine wirkliche Vorstellung von ihnen wird sich so allerdings nicht entwickeln, aber man gewinnt einen ersten Eindruck.

In England scheinen solche Parks massenhaft vorhanden zu sein, was auch ein Indiz für den unfassbaren Reichtum des englischen Adels zu sein scheint. Dass solche Parks eine teure Angelegenheit sind, kann man auch in Deutschland sehen. An der polnischen Grenze liegt der Park von Bad Muskau, ganz nach englischen Vorbild von Fürst Pückler angelegt. So wunderbar er auch heute noch ist - er hat den Fürsten finanziell völlig ausgelaugt.

Im Buch kann man die Geschichte der 20 dort vorgestellten Landschaftsparks nachlesen. Die dazugehörigen Bilder sind eindrucksvoll, folgen aber nicht immer dem Text. Wenn man anfängt ein wenig über den Sinn solcher Landschaftsarchitektur nachzudenken, dann gelangt man schnell zu menschlichem Größenwahn. Denn was hat es für einen Sinn, sich eine ganze Landschaft auszudenken und künstlich zu gestalten? Der Aufwand ist erheblich, und der Nutzen liegt allein im Status. Will man den Park nicht verfallen lassen, dann kostet er auch die nachfolgenden Generationen ein Vermögen.

Bleibt noch die Frage, was dieses wirklich schöne Buch in Deutschland für einen Markt hat. Vermutlich kaum einen, es sei denn man hat vor einen dieser Parks in England zu besuchen.



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Veröffentlicht am 12.10.2025

Kaspar Hauser: eine neue Theorie als Roman verpackt

Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten
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Im Mai 1826 erschien in Nürnberg ein junger Mann, der von sich behauptete aus einer jahrelangen Gefangenschaft bei Wasser und Brot geflohen zu sein. Er sollte noch über Jahre die Öffentlichkeit faszinieren. ...

Im Mai 1826 erschien in Nürnberg ein junger Mann, der von sich behauptete aus einer jahrelangen Gefangenschaft bei Wasser und Brot geflohen zu sein. Er sollte noch über Jahre die Öffentlichkeit faszinieren. Menschen lieben Rätsel und Geheimnisse. Obwohl versucht wurde die Identität dieses Mannes und seine Geschichte zu klären, gelang es nicht, die Geheimnisse zu entschlüsseln. Kaspar Hauser, so nannte sich der Unbekannte selbst, wurde im Dezember 1833 in Ansbach ermordet.

Bis heute gibt es zwei Theorien zu Hauser. Die erste besagt, dass er ein Erbprinz gewesen sei, der in Gefangenschaft gehalten wurde um eine andere Linie an die Macht zu bringen. Auch Gentests brachten kein Licht ins Dunkel dieser Theorie. Die zweite Erklärung geht von einem Betrüger aus. Auch dafür gibt es keine Beweise.

Nun liefert Davide Morosinotto eine dritte Variante in diesem Jugendbuch. Natürlich kann er auch dafür keine Beweise vorlegen. Das muss er auch nicht, denn in seinem Buch geht es lediglich um eine spannende Geschichte, um Literatur, Unterhaltung und Fiktionen. Von den vielen Büchern, die Morosinotto schon geschrieben hat, ist dieses eines seiner besten.

Es ist fraglich, ob die Zielgruppe für dieses Buch überhaupt weiß, wer Kaspar Hauser war. Insofern hält der Autor die Erinnerung über Hauser auch für einige Jugendliche von heute wach. Morosinotto ist ein toller Erzähler, und diesmal hat er sich ein Thema ausgesucht, das viele Generationen später noch fesselt. Da sich Morosinotto lange in Nürnberg aufgehalten hat und das Stadtarchiv ausführlich nutzte, kommen neben seiner Erzählkunst auch Kenntnisse der damaligen Verhältnisse dem Buch sehr zugute. So stellt man sich gute Jugendliteratur vor.

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