Wenn dein Mörder dir schreibt – und du zurückschreibst
Ich traf meinen MörderWer braucht noch Thriller, wenn das echte Leben so abgefahren schreibt? Can Dündar liefert mit „Ich traf meinen Mörder“ eine Geschichte, die so verrückt ist, dass sie eigentlich verboten gehört – und zwar, ...
Wer braucht noch Thriller, wenn das echte Leben so abgefahren schreibt? Can Dündar liefert mit „Ich traf meinen Mörder“ eine Geschichte, die so verrückt ist, dass sie eigentlich verboten gehört – und zwar, weil sie wahr ist. Da schreibt der Mann, der selbst zur Zielscheibe geworden ist, über seinen potenziellen Killer, den er im Knast besucht. Das ist kein Plot aus einem Netflix-Politthriller – das ist reale Weltpolitik auf Speed.
Man liest diese Seiten mit offenem Mund und einer Mischung aus Wut, Bewunderung und „das kann doch nicht euer Ernst sein!“. Dündar schafft das Kunststück, investigativen Journalismus mit erzählerischer Wucht zu verbinden. Der Typ hat’s einfach drauf – und Mut sowieso. Denn während viele von uns schon bei einem zu scharfen Kommentar auf Social Media nervös werden, legt er sich mit Autokraten an und recherchiert weiter.
Seine Begegnung mit Serkan Kurtuluş – dem Mann, der ihn eigentlich töten sollte – ist so surreal, dass man kurz vergisst, dass das hier kein Roman ist. Zwischen den Zeilen steckt aber mehr als Spannung: Es geht um Macht, Verrat, Korruption, und um den Preis der Wahrheit.
Das Buch ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die glauben, Pressefreiheit sei selbstverständlich. Es ist unbequem, aufrüttelnd und verdammt gut geschrieben. Und wenn man die letzte Seite zuschlägt, bleibt dieses beklemmende Gefühl: dass Mut in dieser Welt immer noch lebensgefährlich sein kann – und genau deshalb so wichtig ist.
5 Sterne? Mindestens. Und eine Portion Gänsehaut gratis obendrauf.