Profilbild von auszeit_lesen

auszeit_lesen

aktives Lesejury-Mitglied
offline

auszeit_lesen ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit auszeit_lesen über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.10.2025

Unerwartet anders - aber besonders

Bestie
0

„Denn Mädchengedanken gehören in Schönschrift gepresst und hinter winzige Plastikschlösser gesperrt. Zwischen den Seiten sitzt das ganze Mädchen. Und neben ihnen die Scham.“ (Kapitel 2)



Worum geht’s?

Als ...

„Denn Mädchengedanken gehören in Schönschrift gepresst und hinter winzige Plastikschlösser gesperrt. Zwischen den Seiten sitzt das ganze Mädchen. Und neben ihnen die Scham.“ (Kapitel 2)



Worum geht’s?

Als Delia zufällig eine „Mitbewohnerin gesucht“-Anzeige ihrer liebsten Influencerin Anouk entdeckt, nutzt sie diese Chance für einen Neuanfang. Als Lilly zieht sie bei Anouk ein und versucht alles, um Anouk als Freundin zu gewinnen und ihren Traum Bühnenautorin zu werden umzusetzen. Gleichzeitig will Anouk auch von Lilly profitieren und lässt sie damit immer weiter in ihr Leben.



Wie war’s?

Auf dieses Buch habe ich mich lange gefreut und dann war es da. Und es war ganz anders, als erwartet. Joana June schreibt ganz einzigartig und geht geschickt mit Worten um. Sie baut stilistische Szenen ein, die das Buch mittendrin wild, anders und einzigartig machen. Ich habe anfangs meine Zeit gebraucht, um in das Buch zu finden, in die Handlung und die beiden Protagonistinnen. Und dann war ich mittendrin und bin durch die Seiten geflogen. Bestie zeigt, wie schwierig es sein kann Freundschaften zu schließen, wenn man älter wird und man selbst zu sein bzw. sich selbst zu finden. Insbesondere in Zeiten von Social Media, in denen eigentlich nichts so ist, wie es nach außen scheint.

Joana June zeichnet tiefgründige Charaktere mit Ecken und Kanten, die auch nicht immer sympathisch sind, aber dafür absolut authentisch. Immer wieder habe ich mich selbst dabei ertappt, mich in den Gedanken oder Handlungen wiederzuerkennen.

Ein großartiges Buch, das nicht immer Antworten gibt, aber dafür Fragen aufwirft, Gedankengänge anstößt und dazu anregt sich mit sich selbst auseinanderzusetzen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.10.2025

Ein Buch, das nicht löslässt

Yellowface
0

„In der Nacht, in der ich Ethena Liu sterben sehe, feiern wir ihren Vertrag mit Netflix.“ (Kapitel 1)



Worum geht’s´?

June und Athena pflegen seit dem Studium eine oberflächliche Freundschaft, denn ...

„In der Nacht, in der ich Ethena Liu sterben sehe, feiern wir ihren Vertrag mit Netflix.“ (Kapitel 1)



Worum geht’s´?

June und Athena pflegen seit dem Studium eine oberflächliche Freundschaft, denn vor allem stehen sie in Konkurrenz in der hart umkämpften Literaturbranche. Als Athena June von ihrem neuen Manuskript berichtet und kurz darauf stirbt, kann June nicht anders, als das Manuskript an sich zu nehmen, zu vervollständigen und selbst zu veröffentlichen. Denn June erkennt ganz klar: Diese Geschichte verdient es erzählt zu werden, egal von wem. Mit diesem Geheimnis begibt sie sich jedoch in eine Abwärtsspirale…


Wie war’s?

Nachdem ich das Buch Anfang des Jahres beendet hatte, habe ich 4 Sterne vergeben. Das musste ich nun doch nochmal nach oben korrigieren, da mich das Buch immer noch nicht loslässt. Etwas gestört hatte mich das Ende. Das Verhalten der Protagonistin war mir zum Schluss zu übertrieben. Mittlerweile überlege ich, ob es nicht doch logischer Teil einer Charakterentwicklung war, nur einfach anders als ich es erwartet habe.

Und da sind wir schon bei den besonderen Aspekten dieses Buches. Zum einen ist es die unglaublich selbstgerechte June. Ich finde es wahnsinnig spannend, dass Rebecca Kuang bewusst mit einer unsympathischen Protagonistin arbeitet und wie es ihr gelingt ihren inneren Konflikt greifbar darzustellen. Zum anderen gefällt mir der Schreibstil wieder sehr gut. Es hat ein bisschen was von einem Unfall. Man will unbedingt wissen, wie es weitergeht!

Mit diesem Buch zeigt Rebecca Kuang, dass sie absolut wandelbar ist. Ihre besonderen Merkmale bleiben dennoch bestehen: eine ausführliche Recherchearbeit und ein geschicktes Einbinden ihrer chinesischen Wurzeln. Darüber hinaus bekommen wir tiefgründige Einblicke in die Literaturbranche und Themen wie Rassismus oder Canel Culture. Absolut lesenswert!

Veröffentlicht am 02.01.2026

Feministische Marienerscheinung

Bible Bad Ass
0

Worum geht’s?

Klara ist so wütend auf die ganzen patriarchalen Strukturen und kann doch nichts ändern. Aber dann wird sie aus heiterem Himmel in den Gruppenchat Bible Bad Ass aufgenommen – mit diversen ...

Worum geht’s?

Klara ist so wütend auf die ganzen patriarchalen Strukturen und kann doch nichts ändern. Aber dann wird sie aus heiterem Himmel in den Gruppenchat Bible Bad Ass aufgenommen – mit diversen diffamierten Frauenfiguren aus der Bibel.

Wie war’s?

Klingt verrückt? Ist es auch! Das Buch finde ich grandios geschrieben. Modern, zugespitzt und immer wieder übertrieben. Die Vergleiche und Metaphern, die Klara reißt, waren teilweise herrlich, teilweise drüber. Ein Sinnbild ihrer Wut. Insgesamt ist Klara zu Beginn des Buches schon krass in ihren Einstellungen, aber auch eingefahren und müde. Halt in einer Sackgasse angekommen. Insofern darf man nicht alles ganz so ernst nehmen.

Durch die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Geschichten der Frauen aus der Bibel erlebt sie quasi eine 180-Grad-Wendung. Wie realistisch diese krasse Veränderung ist, sei dahingestellt. Die Message kommt an, auch wenn ich dem nicht voll und ganz zustimmen kann. Ich kann Female Rage klar etwas Positives abgewinnen.

Der Kern des Buches ist aber sehr spannend: Es setzt sich mit der Frage auseinander, wie die Rolle der Frau in der Bibel und Kirche war und ist und damit einhergehend, ob es einen feministischen, modernen, dem Zeitgeist (oder der Zeitgeistin) entsprechenden Glauben geben kann.

Die Verbindung von Vergangenheit und Realität durch den Gruppenchat, quasi als modere Marienerscheinung, war als Idee ziemlich cool und gleichzeitig total wild. Einige Stellen fand ich etwas zu verklärt, zu esoterisch.

Da das Buch mit verschiedenen Theorien und Fakten arbeitet, gibt es an ein paar Stellen Verweise auf Bibelstellen oder Autoren, aber ich hätte mir an der ein oder anderen Stelle mehr Quellen gewünscht oder ein Quellenverzeichnnis zum Schluss. Aber gut, es ist ja ein Roman. Und zum Nachdenken anregen, tut er.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.12.2025

Die harte und schonungslose Geschichte von Lizzie und Hugh

Boys of Tommen 6: Releasing 10
0

Worum geht's?

Dieses Buch ist wahrscheinlich das mit Abstand schrecklichste, das ich bisher gelesen habe. Es ist Band 6 der Reihe und dieses Mal geht es um die Geschichte von Lizzie und Hugh. Wir erfahren, ...

Worum geht's?

Dieses Buch ist wahrscheinlich das mit Abstand schrecklichste, das ich bisher gelesen habe. Es ist Band 6 der Reihe und dieses Mal geht es um die Geschichte von Lizzie und Hugh. Wir erfahren, warum Lizzie ist, wie sie ist, was mit ihrer Schwester Caighme passiert ist und woher ihre Feindseligkeit gegenüber Gibsie kommt.

Wie war's?

Releasing 10 ist wieder ein ziemlicher Brocken von einem Buch. Dank Chloe Walshs wirklich leichtem, mitreißendem Schreibstil fühlt es sich aber nicht nach 1000 Seiten an, auch wenn dem Buch 100-200 Seiten weniger nicht geschadet hätten, ohne an Emotionalität einzubüßen. Denn dieses Buch ist das bei Weitem emotionalste und härteste der Reihe, wie ich finde. Chlose Walsch schildert hart und brutal. Ich habe derart mitgelitten und gleichzeitig waren die Momente zwischen Lizzie und Hugh schön und auch immer wieder ein kleines bisschen heilsam. Aber dieses Buch zerrt auch an einem.

Das, was das Lesen so erschwert, ist die Thematik. Wer die vorigen Bücher kennt, weiß, dass Chloe Walsh sehr schwierige, aber reale Themen aufgreift. In diesem Buch legt sie noch mal eine Schippe drauf: Es geht um Missbrauchserfahrungen. So grausam es ist, so wichtig ist es gleichzeitig, es nicht zu Tabuisieren. Es zeigt eindringlich, wie wichtig es ist immer sensibel und aufmerksam zu bleiben. Für mich war es stellenweise wirklich kaum zu ertragen, ich brauchte Pausen und ich habe von einigen mitbekommen, dass sie das Buch nicht beenden konnten. Kann ich verstehen. Nehmt die Triggerwarnungen unbedingt ernst und achtet beim Lesen gut auf euch!

Ich habe das Buch vor allem deswegen durchgezogen, weil ich unbedingt ein Ende brauchte, das Hoffnung schenkt, auch wenn ich grundsätzlich ein Fan von offenen oder alternativen Enden bin. Leider habe ich aber genau das nicht bekommen, denn wie sich herausstellte, ist mit diesem Band die Geschichte noch nicht abgeschlossen. Und das ist für mich bei der Schwere dieser Thematik und der Seitenanzahl ein wesentlicher Kritikpunkt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.12.2025

Licht kennt keine Ketten.

To Love a God
0

-Spoilerfrei-

Worum geht's?

Band 2 setzt nahtlos an Band 1 an. Colden fehlen die Erinnerungen an die letzten 200 Jahre und damit auch an Aurora. Gleichzeitig ist durch die Freisetzung der Macht des Zepters ...

-Spoilerfrei-

Worum geht's?

Band 2 setzt nahtlos an Band 1 an. Colden fehlen die Erinnerungen an die letzten 200 Jahre und damit auch an Aurora. Gleichzeitig ist durch die Freisetzung der Macht des Zepters ein Riss im Raum entstanden, durch den ein (fast) allen bekannter Charakter aus der alten Götterwelt in diese gekommen ist. Und dann steht auch noch ein Kampf gegen den Exarchen Galadon an.



Wie war's?

Dieses Buch hat wieder unglaublich viel Spaß gemacht! Das Worldbuilding wird weiter ausgebaut und ich bin weiterhin total von Anna Bennings Schreibstil angetan. Sie schreibt so lockerleicht und gleichzeitig spannend, dass man wirklich schnell durch die Seiten fliegt und immer wieder mitfiebert oder emotional abgeholt wird.

Wir bekommen einen interessanten neuen Charakter, der nochmal für frischen Wind sorgt und den ich bis zum Schluss noch nicht durchschauen kann, aber ziemlich genial finde. In der Storyline hätte ich mir ein paar Dinge allerdings etwas kreativer gelöst gewünscht. Der Gedächtnisverlust von Colden oder das Decidium erinnern mich sehr an verschiedene andere Bücher, wie z. B. die Tribute von Panem. Auch die ein oder andere Frage ist für mich noch offen geblieben.

Dem Unterhaltungsfaktor schadet es jedoch nicht, denn ich wurde durchweg gut unterhalten. Gerade zum Ende hin ist noch einiges passiert und es gab mehrere Wendungen, die mich ins Grübeln für Band 3 gebracht haben. So etwas liebe ich ja sehr an einem Buch! 🫶🏻 Ich habe auf jeden Fall schon ein paar Theorien. Auf Band 3 bin ich somit supergespannt, denn der verspricht ein grandioses Finale zu werden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere