Platzhalter für Profilbild

Dr_M

Lesejury Profi
offline

Dr_M ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Dr_M über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.10.2025

Notizen aus dem Maschinenraum einer Getriebenen

Und ob das geht!
0

Was kann diese Hannah nicht alles? Und wie macht sie das nur? Stolz verkündet sie, was sie schon alles war und ist: Wirtschaftspsychologin, Mutter, Zahnmedizinstudentin, Influencerin, Unternehmerin, Reality-TV-Star ...

Was kann diese Hannah nicht alles? Und wie macht sie das nur? Stolz verkündet sie, was sie schon alles war und ist: Wirtschaftspsychologin, Mutter, Zahnmedizinstudentin, Influencerin, Unternehmerin, Reality-TV-Star und Autorin. Ich bin kein Psychologe, werde mir also auch kein Urteil abringen. Aber seltsam finde ich diese Aufzählung dann doch.

Mal angenommen, Hannah Kerschbaumer bringt ihr Zahnmedizin-Studium tatsächlich zu Ende. Was dann? Ist sie neben ihrer Tätigkeit als Zahnärztin dann auch noch all das, was oben aufgezählt wurde? Ich würde mir eine solche Ärztin jedenfalls nicht wünschen. Und mal ganz nebenbei: Multitasking ist erwiesenermaßen eine Illusion. Auch ohne diesbezügliche Studien hier anführen zu wollen, sagt einem der gesunde Menschenverstand doch, dass man nur über eine begrenzte Menge an Energie und Aufmerksamkeit verfügt. Verteilt man das auch viele Tätigkeiten, dann bleibt für jede nicht genug übrig, will man sie sehr gut ausführen.

Wenig überraschend bietet dieses Buch auch wenig Neues. Wie auch? Diese zehn Strategien sind bekannt, allerdings werden sie hier besonders am Anfang gut aufbereitet. Neu sind nur die Geschichten aus dem Leben der Autorin, die dieses Buch zu etwas Besonderem machen, selbst wenn es nicht innovativ ist und nicht sein kann. Frau Kerschbaumer ist keine Koryphäe auf dem Gebiet der Psychologie, verfügt über wenig Praxis und Erfahrung und muss deshalb ihr eigenes Leben als Quelle benutzen. Das aber macht sie sehr gut. Darüber hinaus verfügt sie über ausgezeichnete didaktische Fähigkeiten, kann klar denken und entsprechend eindrucksvoll formulieren.

Wenn man also ein Buch über Erfolgsstrategien sucht, dann könnte dieses unter gewissen Umständen nützlich sein. Allerdings sieht man auch hier das lustige Dilemma solcher Werke und ihrer Autoren. Die wenigsten erfolgreichen Menschen - ob Frau Kerschbaumer dazu gehört, mag jeder selbst beurteilen – haben vor ihren Erfolgen Strategiebücher gelesen. Ihre Motivation kam von innen. Und so war das auch in diesem Fall. Das hinterher zu verallgemeinern und das eigene Schicksal als Beweis anzuführen, ist paradox, weil lebensfremd und weil es so eben nicht gewesen ist. Und Frau Kerschbaumer hatte hinreichend Glück bei vielem. Es hätte auch bei aller Strategie anders laufen können.

Das Buch liest sich bis zur Hälfte sehr gut, dann wird es dichter und etwas verwirrender, auch weil Frau Kerschbaumer bei ihren Lebensberichten in der Zeitebene nun oft springt. Wenn ich das nicht schon zu oft erlebt hätte, wäre es mir bestimmt nicht so aufgefallen: Mein Eindruck war, dass auch hier am Ende ein gewisser Zeitdruck da war und das Buch fertig werden musste. Das jedenfalls würde die Verschlechterung in der zweiten Hälfte erklären. Während sich Autoren anfangs noch viele Gedanken machen und die Sache langsam angehen, überschlagen sich dann in der zweiten Hälfte die Ereignisse. Ein Klassiker, der auch hier zu beobachten ist.

Vielleicht bewirkt dieses Buch bei einigen Menschen tatsächlich etwas, wenigstens für den Augenblick oder eine begrenzte Zeit. Wenn man das Buch aufmerksam genug liest, dann erkennt man auch, warum es geschrieben wurde. Auch Getriebene müssen von etwas leben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 15.10.2025

"Ich hole eine Frau zurück ins Leben"

Das geheime Bildnis
0

Juliette Willoughby soll als exzentrische, surrealistische Malerin nur ein Bild erschaffen haben, das "Selbstporträt als Sphinx". Angeblich verbrannte dieses Bild mit der Malerin und ihrem Geliebten 1938 ...

Juliette Willoughby soll als exzentrische, surrealistische Malerin nur ein Bild erschaffen haben, das "Selbstporträt als Sphinx". Angeblich verbrannte dieses Bild mit der Malerin und ihrem Geliebten 1938 in Paris. Zwei Kunststudenten, Patrick und Caroline, bekommen über 50 Jahre später den Auftrag, Arbeiten über das kleine Gemälde, seine Interpretation und Geschichte zu schreiben. Die Universität schickt sie dafür zu einer alten Frau, die sie dabei beraten soll. Das ist außergewöhnlich, wird aber von beiden nicht wirklich hinterfragt.

Da Patrick zu den aristokratischen Clans gehört, aus denen auch Juliette stammte, kommen die beiden bei einer Feier in eines der Häuser dieser Herrschaften. Und Caroline findet dort das angeblich verbrannte Bild. Wie kann das sein? Auf naheliegende Schlussfolgerungen kommt keiner der beiden. Stattdessen geraten sie in verschiedene Verstrickungen, die später Patrick in Dubai in den Knast bringen. Er soll ein Mörder sein. Inzwischen ist eine weitere Version des Gemäldes zu bewundern, das auch von der 1938 verbrannten Malerin stammen soll.

Beide Gemälde weisen Unterschiede auf, die dann auf Familiengeheimnisse in Juliettes Clan hinweisen sollen.

Man kann diesen Kriminalroman als Puzzle verstehen, das sich erst am Ende zusammenfügt und vorher nicht zu durchschauen ist. Oder aber man stellt sich als Leser einfache Fragen, die dann die Dinge schnell in einem anderen Licht erscheinen lassen, selbst wenn man die ganze Wahrheit nicht vor dem Ende entschlüsseln kann. Vieles ist gewollt, aber das merkt man anfangs nicht, weil es ja gerade zur Methode der Autoren gehört, die Dinge zu verschlüsseln und so die Spannung zu erhalten. Insbesondere passt dazu die Existenz eines Mr X, der zwar im Roman am Anfang erscheint, aber nicht für bedeutend gehalten wird. Aber Mr X besitzt Fähigkeiten, die schließlich die ganze Geschichte im richtigen Licht erscheinen lassen.

Aus meiner Sicht ist das ein ganz passabler Kriminalroman, der ganz anders funktioniert als solche Romane, die deutsche Autoren verfassen. Ohne Effekthascherei wird eine Geschichte erzählt, deren dunkle Geheimnisse sich erst nach und nach enthüllen. Allerdings übertreiben es die Autoren dabei auch etwas mit ihrem Puzzle. Wenn man das aushält, kann man sich ganz gut unterhalten fühlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.10.2025

Kann man diesen Roman als Graphic Novel herausbringen?

Verstand und Gefühl - die Graphic Novel nach Jane Austen
0

Natürlich kann man das, aber insbesondere bei Jane Austen sind die Hürden hoch. Ihre Romane beleuchten vielschichtig und dicht immer eine Kernfrage, die jedem irgendwann einmal begegnet. Hier ist es der ...

Natürlich kann man das, aber insbesondere bei Jane Austen sind die Hürden hoch. Ihre Romane beleuchten vielschichtig und dicht immer eine Kernfrage, die jedem irgendwann einmal begegnet. Hier ist es der ewige Kampf zwischen Vernunft und Gefühl. In unserer Kultur dominiert die Vernunft. Meistens hören wir nicht auf unser Bauchgefühl, obwohl es in der Regel intelligenter ist als der Verstand. Denn in dieses Bauchgefühl beruht auf gesammelten und verarbeiteten Erfahrungen, auch wenn wir das meist nicht erklären können. Wir setzen lieber auf unseren Verstand, der aber die Dinge nicht immer rational sieht, denn er enthält auch jede Menge von Konventionen und Regeln, an die wir uns halten sollen.

In Jane Austens Roman, der dieser Graphic Novel zugrunde liegt, trennt die Autorin Verstand und Gefühl, obwohl natürlich beides in jedem Menschen wohnt. Nach dem Tod ihres Vaters wird der Landsitz an ihren Bruder vererbt, weil das Gesetz das so vorschreibt. Die beiden Schwestern ziehen weit weg von ihrem Geburtsort und treffen dort auf das andere Geschlecht. Marianne vertraut ihrem Gefühl, sie ist impulsiv und glaubt, dass es die große Liebe nur einmal geben wird. Elinor macht es genau andersherum. Sie ist zurückhaltend und unterdrückt ihre Gefühle. Beide verlieben sich. Die eine will es nicht wahrhaben, und die andere ist Feuer und Flamme. Wie das Ganze bei den beiden Schwestern ausgeht, weiß man, wenn man den Roman kennt.

Tut man das aber nicht, dann hat man es bei dieser Graphic Novel schwer. Erstens kann man mit dieser Kunstform nach meiner Ansicht eine solche tiefe Auseinandersetzung in Menschen nicht darstellen, zweitens untergräbt man mit einer visuellen Darstellung die eigene Phantasie, die sich beim Lesen des Romans entwickelt, und drittens hat diese spezielle Darstellung einen gewissen Mangel, der mich ziemlich verwirrt hat. Die Zeichnerin ist in der Darstellung von Gesichtern offenbar limitiert, was alle Figuren sehr ähnlich aussehen lässt. Man muss sich ziemlich konzentrieren, wenn man erkennen will, wer nun eigentlich auftritt, was vom eigentlichen Geschehen ablenkt.

Ich empfand diese Graphic Novel deshalb als etwas anstrengend, was natürlich ein subjektiver Eindruck ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.10.2025

Wir sind nicht alle, würden aber gerne über alle bestimmen

Wir sind nicht alle
0

Über diesen merkwürdigen Text kann man auch lachen, aber vermutlich werden es nur wenige Menschen tatsächlich tun. Es ist ein wenig mühsam, die innere Komik des Buches zu verstehen. Irgendwie haben die ...

Über diesen merkwürdigen Text kann man auch lachen, aber vermutlich werden es nur wenige Menschen tatsächlich tun. Es ist ein wenig mühsam, die innere Komik des Buches zu verstehen. Irgendwie haben die Autoren zwar verstanden, dass der Westen in der Welt nicht mehr agieren kann, wie er es gerne möchte, denn dazu sind viele Länder des sogenannten Globalen Südens inzwischen zu mächtig geworden. Allen voran China.

Auf der anderen Seite folgen sie aber, ohne dass sie es wirklich merken, der traditionellen Linie des Westens: Wir sagen euch, was ihr gefälligst zu tun habt. Dieses dümmliche Überlegenheitsgefühl, das in einem inzwischen offensichtlichen Kontrast zur Realität steht, können sie einfach nicht ablegen. Das äußert sich zum Beispiel darin, dass sie lange diskutieren, wie man mit „autokratischen Regimen“ umgehen sollte. Das betrifft dann vor allem China und Russland. In einer multipolaren Welt anderen vorzuschreiben, wie sie sich organisieren oder wie sie „das Klima retten“ sollten, ist nichts weiter als ein Ausdruck kolonialen Denkens. Die meisten Staaten des Globalen Südens besitzen eine koloniale Vergangenheit und dürften deshalb darauf empfindlich reagieren.

Immerhin aber erkennen beide Autoren, dass der Westen ständig Doppelstandards anwendet, einen für sich und einen für den Rest der Welt. Auch solche Begriffe wie zum Beispiel „regelbasierte Ordnung“, die auch die Autoren benutzen sind ein Ausdruck dieses Denkschemas. Denn eigentlich ist das Völkerrecht die geltende Regel. Da braucht es keine zweite „regelbasierte Ordnung“, von der man nicht weiß, um welche Regeln es eigentlich geht und wer sie festlegt. Oder man weiß es doch: Es ist der Westen, der die Regeln vorgibt. Es sind seine Regeln, die er ausschließlich zu seinem Vorteil nutzt.

Kurz gesagt: Das ist eigentlich ein sehr lehrreiches Buch, in dem die Autoren zwar die Wirklichkeit der westlichen Doppelmoral ganz gut beschreiben, aber selbst nicht merken, wie auch sie ihr folgen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 13.10.2025

"Die Chartanalyse ist ein hervorragendes Instrument für die Marktprognose"

Technische Analyse – schnell und einfach erklärt
0

Jeder Anfänger glaubt das gerne, denn die Dinge werden schließlich bestens erklärt. Alles sieht aus wie eine unzweifelhafte Wissenschaft. Da entsteht dann schnell mal das Gefühl, dass der Reichtum ganz ...

Jeder Anfänger glaubt das gerne, denn die Dinge werden schließlich bestens erklärt. Alles sieht aus wie eine unzweifelhafte Wissenschaft. Da entsteht dann schnell mal das Gefühl, dass der Reichtum ganz nahe liegt. Spätestens wenn eigenes Geld eingesetzt wird, kann es passieren, dass alles ganz anders kommt. Denn Anfänger fallen gerne auf den Trick herein, der stets mit der Darstellung der Technischen Analyse einhergeht:

Es heißt ja nicht umsonst "Analyse". Die Technische Analyse stellt keine Handlungsanweisungen dar, und schon gar nicht ist sie eine Trading-Strategie. Dazu nämlich gehört viel mehr. Nehmen wir einmal an, die Kurse bewegen sich in einem Kanal und dessen oberer Rand ist erreicht. Folgt nun daraus, dass man fleißig short gehen soll? Und wenn ja, wo bitte schön? Was macht man, wenn es nicht nach unten geht, sondern der Kanal nach oben durchbrochen wird? Wo steigt man aus? Kann man ein solches Verhalten vorher eventuell ahnen? Fragen über Fragen, auf die die Technische Analyse keine Antworten gibt.

Was in Büchern über die Technische Analyse gerne und oft verschwiegen wird, ist die einfache Tatsache, dass sie keine sicheren Aussagen liefert, sondern allenfalls Möglichkeiten, deren Eintrittswahrscheinlichkeiten unbekannt sind. Und das ist die Crux beim Trading, über das in solchen Büchern (auch hier nicht) geschrieben wird. Das Denken in Wahrscheinlichkeiten ist jedoch bei den meisten Menschen gänzlich unterentwickelt.

Neben diesem Defizit, das gerne unbeschrieben bleibt, gibt es eine zweite Falle, die die Wahrnehmung des Lesers in eine falsche Richtung lenkt. Man nimmt Charts her und erklärt an ihnen bestimmte Dinge, die in der Vergangenheit liegen. Da dann die Zukunft bekannt ist, sieht alles glasklar aus. Doch die Realität beim tatsächlichen Handeln ist eine ganz andere. Man ist an einer bestimmten Stelle eines Charts und kennt dessen Zukunft eben nicht. Nun muss man eine Entscheidung treffen, die immer ein Risiko einschließt, dass alles ganz anders kommt als man sich das ausgemalt hat. Das wird im Buch natürlich ebenfalls nicht thematisiert.

Tatsächliche Trading ist einfacher und komplexer zugleich. Man braucht dazu eine Handelsstrategie, die oft weit über Mittel der Technischen Analyse hinausgehen und von der man weiß, dass sie profitabel ist. Das findet man in solchen Büchern nicht.

Was bringt nun dieses Büchlein. Es ist eine Zusammenfassung eines viel dickeren Werkes des Autors. Für eine erste Bekanntschaft ist diese Broschüre hervorragend geeignet, wenn man weiß, dass dieses Rüstzeug allenfalls elementar ist. Alle Grundkonzepte dieser Herangehensweise werden kurz und natürlich richtig erklärt. Murphy ist schließlich einer der ganz großen Experten auf dieser Strecke. Man sollte die Technische Analyse kennen, aber dann verstehen lernen, wo ihre Grenzen liegen. Und das kann mitunter teuer werden.

Wie man diese Broschüre bewerten soll, ist mir ein Rätsel. Natürlich ist nichts falsch in ihr. Das Büchlein legt maximal einige grobe Handwerkszeuge auf den Tisch. Wie man damit umgeht, erklärt es nicht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover