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Veröffentlicht am 19.10.2025

Das Leben ist wie ein Jahreskreis

Wilder Honig
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Der Roman spielt im walisischen Berllan Deg, wo Hannah mit ihrer Schwester Sadie aufgewachsen ist. Sadie floh vor den sehr bestimmenden Eltern und führte ihr eigenes Leben in der Stadt, während Hannah ...

Der Roman spielt im walisischen Berllan Deg, wo Hannah mit ihrer Schwester Sadie aufgewachsen ist. Sadie floh vor den sehr bestimmenden Eltern und führte ihr eigenes Leben in der Stadt, während Hannah und ihr Ehemann John bis zu deren Tod unter ihrer Herrschaft litten.
Im Winter ihres Lebens ist Hannah nun nach dem Tod ihres Mannes alleine in ihrem Elternhaus angekommen. Zur Trauerfeier reist ihre Schwester Sadie an, die Hannah die nächste Zeit unterstützen möchte. Doch lange sind die beiden Frauen nicht alleine, denn sie bekommen Besuch von Megan, einer jungen Frau, die in einem besonderen Verhältnis zu Hannah und Sadie steht. Mehr möchte ich dazu nicht erzählen....

Alle drei Frauen fühlen sich in ihrem Leben verloren und sind nach der Suche nach sich selbst. Während sich Hannah, Sadie und Megan im dunklen und schneereichen Winter zurückziehen, nähern sie sich im kommenden Frühling an. Während John vor allem seine wissenschaftlichen Bücher und die Imkerei am Herzen lag, widmet sich Hannah nun dem verwilderten Obstgarten ihres Vaters, den sie endlich nach ihren eigenen Plänen anlegen kann. Mit Jack, der John bei den Bienen geholfen hat und im Frühling und Sommer in einem Wohnwagen im Garten wohnt, kommt eine weitere interessante Figur hinzu. Er befasst sich vor allem mit den Bienenvölkern und bringt Megan und dem Leser das Bienenvolk näher. Hier habe ich mit Neugier gelesen, denn mein Mann ist seit letztem Jahr ebenfalls Imker und ich muss zugeben, dass ich vieles noch nicht richtig verstehe.

Dazwischen lesen wir aus den Briefen, die John seiner Frau hinterlassen hat. Anhand seiner Erzählungen aus dem Leben der Bienen, versucht er Hannah mitzuteilen, warum ihr Leben und ihre Ehe so verlaufen ist. Vor allem aber möchte er ihr erklären, warum er sein Geheimnis erst nach seinem Tode offenbart und ihr nicht früher davon erzählt hat. Dieses Geheimnis reißt jedoch alte Wunden auf, die Hannah fast zerstören....
Die Briefe, die John an Hannah geschrieben hat, haben mich nicht wirklich überzeugt. Mir fehlten hier die Emotionen im Bezug zu ihrer Ehe und Liebe.

Die bildhafte und poetische Sprache der Autorin habe ich genossen, obwohl sich die Geschichte eher unaufgeregt und leise präsentiert. Die Charaktere sind facettenreich und haben eine emotionale Tiefe, die sich jedoch erst langsam entwickelt. Es werden wesentliche Themen angesprochen und beleuchtet.

Vor allem die atmosphärische Beschreibung der Natur und der Landschaft habe ich genossen. Dabei wird die Geschichte auf anderer Seite sehr unaufgeregt erzählt, wobei es auch zu kleinen Längen kommen kann. Ich denke, man muss sich in die Geschichte hineinfühlen und auch in der richtigen Stimmung sein.

Am Ende schließt sich der Jahreskreis und gibt der Geschichte um Hannah, John, Sadie, Megan und Jack den perfekten Rahmen. Diese Verbindung habe ich als sehr harmonisch empfunden. Der graue und kalte Winter mit Johns Tod und Hannahs Trauer und Wut, danach der Frühling und Megans Ankunft bzw. ihre kleine Annäherung an die Schwestern, Hannahs Pflege des Obstgartens und dann die in Blüte stehenden Bäume, die neue Hoffnung geben bis es zur Ernte kommt.

Mir hat die Aussage der Geschichte und die bildhafte Erzählung im Jahreskreis gut gefallen, wenn sie auch manchmal etwas mehr Tempo vertragen hätte.

Fazit:
Ein sehr leiser und tiefgründiger Roman, bei dem mir vor allem die atmosphärische Beschreibung der Natur gefallen hat und die langsame Entwicklung der drei Frauen, die schlussendlich zu sich selbst finden.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

Teuflische Manipulationen

Die Toten von nebenan
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Ich mag die Bücher von Olivia Monti, die immer eine etwas andere Geschichte erzählen und dabei einen kritischen Blick auf unsere Gesellschaft werfen. Oftmals sind sie auch ein bisschen gruselig oder haben ...

Ich mag die Bücher von Olivia Monti, die immer eine etwas andere Geschichte erzählen und dabei einen kritischen Blick auf unsere Gesellschaft werfen. Oftmals sind sie auch ein bisschen gruselig oder haben kriminelle Inhalte. Nach "Das Haus" und "Sterbewohl" ist "Die Toten von nebenan" nun mein drittes Buch der Autorin.
Als mich Olivia Monti gefragt hat, ob ich ihr neues Buch lesen möchte, habe ich gleich zugesagt. Die Inhaltsangabe hat mich sofort wieder angesprochen und ich war neugierig, was uns die Autorin diesmal unterschwellig sagen will ;)

Auch diesmal hat sich Olivia Monti wieder etwas Spezielles einfallen lassen. Passend zum spooky Oktober kann ich euch noch ihr Buch ans Herz legen, denn wir befinden uns unter Toten.
Als Nadja Löffler knapp einen Fahrradunfall mit einem LKW entgeht, stellt sie jedoch bald fest, dass irgend etwas anders ist. Als sie in ihr Viertel kommt, sieht sie viele tote Menschen. Als sie in ihrer Wohnung ankommt, wird sie bereits von ihrer verstorbenen Großmutter erwartet. Bald erkennt sie, dass ihr normales Leben geendet hat und sie für ihre Mutter, die als Pflegefall im Obergeschoß lebt, nicht mehr sichtbar ist. Dafür sieht sie längst verstorbene Nachbarn, die sie willkommen heißen. Sie alle leben in ihren alten Häusern und Wohnungen, als wäre nichts passiert. In dieser Parallelwelt verweilen sie unbemerkt neben den Lebenden und warten darauf in eine höhere Ebene aufzusteigen. Sie können ihr Alter wählen und haben weder Schmerzen, noch Hunger und kennen keine Müdigkeit.

Doch die friedliche Existenz wird kurz nachdem Frau Löffler angekommen ist, von Herrn Tober gestört. Der charmante Mann verspricht den Toten ein Paradies, wenn sie die Lebenden, die in ihren Häusern wohnen, vertreiben. Bald ist es vorbei mit der Ruhe, denn Tober überredet einige der Familien und Frau Löffler bei seinen Aktionen teilzunehmen. Vor allem Frau Kantner ist gar nicht mit der zugezogenen syrischen Familie einverstanden, die in ihrem Haus wohnen. Auch die Sauers würden die Klingers am liebsten aus ihrem Heim vertreiben und die Henne Schwestern, stolze ehemalige Hitler-Anhängerinnen sind sowieso sofort dabei, wenn es darum geht jemand zu denunzieren. Tobers Spiel gerät bald aus dem Ruder, denn er versteht die Menschen zu manipulieren. Er erscheint den Toten anziehend, in dem er sie an eine ehemalige Liebe erinnert oder an eine bekannte Persönlichkeit, die sie verehrten. Er versteht es Neid und Missgunst zu wecken, Begehrlichkeiten zu erfüllen oder Ängste zu schüren. Tober bringt das Schlechteste im Menschen zum Vorschein...

Olivia Monti hat mit ihrem neuen Buch wieder ein interessantes Gedankenspiel aufgegriffen. Eine Parallelwelt in der die Lebenden und Toten zusammenleben, welches anfangs paradiesisch klingt, doch durch charakterliche Unzulänglichkeiten, die von Herrn Tober geschürt werden, bald verloren gehen.

Die vielen Figuren verwirren anfangs und ich wollte schon aufschreiben, wer in welchen Haus gewohnt hat und wer jetzt dort wohnt usw. Doch bald hat man die doch begrenze Personenzahl im Griff. Die Kapitel sind kurz, die Charaktere facettenreich. Die Figuren werden mit Frau und Herr angesprochen, nur in wenigen Fällen erfährt man den Vornamen der jeweiligen Person. Dies verschafft eine kleine Distanz.
Herr Tober erschien mir wie der Teufel in Person. Er verändert sein Äußeres, manipuliert seine Umgebung und verführt die Menschen in seinem Dunstkreis. Seine Versprechen klingen verlockend. Doch nichts ist umsonst....

Am Ende gibt es noch eine überraschende Wendung, mit der ich nicht gerechnet hatte.

Fazit:
Olivia Monti hat wieder in den Tiefen der menschlichen Abgründe gewühlt und einen spannenden Roman geschrieben, der uns humorvoll den Spiegel vor die Nase hält. Dazu kommt der leicht gruselige Touch und die Frage, wie weit wir gehen würden, um das "Paradies" zu erlangen.

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Veröffentlicht am 06.10.2025

Gekonnte Gesellschaftskritik

Aufsteiger
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Von Peter Huth habe ich bereits "Der Honigmann" gelesen, den ich wirklich gut fand. Vor allem die Gesellschaftskritik, die der Autor eingebaut hat, war großartig.
Diesmal beschäftigt er sich mit der Medienbranche ...

Von Peter Huth habe ich bereits "Der Honigmann" gelesen, den ich wirklich gut fand. Vor allem die Gesellschaftskritik, die der Autor eingebaut hat, war großartig.
Diesmal beschäftigt er sich mit der Medienbranche und dem schnelllebigen Social Media Erfolgen.

Spannend macht es Peter Huth auch durch seinen Prolog, denn auf den ersten Seiten wird eine Leiche gefunden. Man weiß nicht, wer es ist und wie es zum Mord kam. Danach wechselt der Autor in die Zeit kurz vor der Tat.
Felix Licht ist einer dieser Journalisten, die für ihren Job leben. Er steht kurz vor einer Beförderung zum Chefredakteur des Magazins, bei dem er schon seit Jahrzehnten arbeitet und auch die Übernahme durch den rechten Verleger Christian Berg überlebt hat. Der Champagner ist bereits kalt gestellt, seine Familie wird von seinem zukünftigen Erfolg in Kenntnis gesetzt und wer sollte sonst außer ihm in Frage kommen, wo er doch bereits alle Fäden in der Hand hält...
Doch der Schock ist groß, als ihm als Mann um die Vierzig, plötzlich eine farbige junge Frau als neue Chefin vor die Nase gesetzt wird. Außerdem kennt er seine neue Vorgesetzte etwas besser, als er sollte. Vor zwölf Jahren war sie Volontärin beim Magazin und hat ihm ordentlich den Kopf verdreht.
Doch das Magazin will sich neu orientieren und sich von alteingesessenen Meinungen, die viele alte weiße Männer vertreten, lossagen. Besonders die Ehefrau des Eigentümers möchte verstärkt Frauen und die links-woke Gesellschaft ansprechen. Sie möchte sich einer anderen Leserschaft zuwenden und vom rechten Hintergrund ihres Mannes ablenken. Licht fällt daraufhin in eine tiefe Depression, die ihm Ehe und Job kosten werden.....

Ausgehend von Felix Lichts tiefen Fall erleben wir eine Geschichte, die zeigt, wie eng Erfolg und Misserfolg beieinander liegen können.
Der Roman trifft den Zeitgeist und spricht viele Themen an, die auch in der Gegenwart präsent sind: das Zunehmen konservativer Kräfte, gendergerechte Sprache, Klimakleber, LGBTQ, Diskriminierung und einiges mehr. Außerdem geht es um Macht, Verrat, Blendung, Manipulation, Gewalt und Verlust. Trotz der 336 Seiten sind dies viele Themen, die jedoch gut eingebunden werden und beim Leser nicht das Gefühl aufkommen lässt, dass der Autor zu viel wollte.

Mit leicht satirischer und überspitzten Gesellschaftskritik kommt der Autor direkt auf dem Punkt. Seine Figuren sind oft gewollt stereotyp, aber sehr gut gezeichnet. Ihm ist es wieder eindrucksvoll gelungen, das moralische und gesellschaftliche Bild unserer Zeit wiederzugeben. Dabei schafft er es, die Themen aus verschiedenen Blickwinkeln zu zeigen und uns keine vorgefertigte Meinung aufzuzwingen. Das ist nicht selbstverständlich und macht für mich die Qualität des Buches aus.

Peter Huth hat auch wieder einige Plot-Twists eingebaut, die überraschen und der Geschichte eine krasse Wendung geben. Einen davon habe ich allerdings bald erraten oder erahnt....was sich jedoch nicht negativ ausgewirkt hat. Wieder ein sehr gutes Buch, auch wenn mir "Der Honigmann" eine Spur besser gefallen hat.

Fazit:
Der Autor trifft wieder gekonnt den Nerv der Zeit und verschafft uns einen Einblick in die Medienbranche. Obwohl leicht überspitzt erzählt und mit einem nicht kontinuierlichen Spannungslevel, konnte ich das Buch nur schwer aus der Hand legen. Die Gesellschaftskritik ist wieder einmalig erzählt und lässt einem nachdenklich zurück.

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Veröffentlicht am 19.09.2025

Wieder spannend, aber mit Abstrichen

Der Lehrer – Will er dir helfen oder will er deinen Tod?
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Eve und Nate sind verheiratet und unterrichten beide an der Caseman High School. Nach außen hin führen sie eine perfekte Ehe, doch hinter den Kulissen bröckelt die Fassade gewaltig. Zusätzlich gab es an ...

Eve und Nate sind verheiratet und unterrichten beide an der Caseman High School. Nach außen hin führen sie eine perfekte Ehe, doch hinter den Kulissen bröckelt die Fassade gewaltig. Zusätzlich gab es an der Schule das letzte Jahr einen kleinen Skandal. Addie, eine der Schülerinnen, wurde eine Affäre mit einem Lehrer nachgesagt, der daraufhin seinem Job verloren hat. Im neuen Schuljahr haben sowohl Eve, als auch Nate, Addie als Schülerin. Schon bald entsteht eine Geflecht aus Misstrauen, Machtspielchen und Manipulation.

"Ein Grab auszuheben, ist harte Arbeit" - Seite 1
Der Prolog ist düster und weckt sofort die Neugier des Lesers. Man weiß nicht, wer hier gräbt und wer die Leiche ist. Von Beginn an wird Interesse geweckt!
Danach jedoch erinnert die Geschichte eher an einen Roman mit kleinen und großen Dramen. Der Spannungsbogen ist zu Beginn nicht wirklich hoch. Erst im letzten Viertel kommt der Thriller durch und es wird richtig spannend, wie von der Autorin gewohnt.

Der Thriller lässt sich wieder wahnsinnig schnell und gut lesen, jedoch fand ich "Der Lehrer" nicht so spannend, wie die Vorgänger. Die Geschichte ist kurzweilig und die Sprache einfach. Die Kapitel sind kurz und werden größtenteils aus der Sicht von Addie und Eve, aber auch von Nate erzählt. Die Charaktere sind jedoch in sich widersprüchlich und man erlebt manche Ereignisse aus verschiedenen Wahrnehmungen.
Wie schon bei "Die Kollegin" hat auch hier eine der Figuren einen Tick. Waren es bei Dawn Schildkrötenfiguren, liebt Eve Schuhe - und zwar hochpreisige Pumps. Damit kompensiert sie die Kälte in ihrer Ehe.
Richtige Sympathieträger gibt es Roman nicht, auch wenn man Mitleid mit Addie hat, die von den Mitschülern ausgegrenzt und schwer gemobbt wird. Nur bei Nate findet sie ein offenes Ohr. Doch alle drei Protagonisten haben Geheimnisse und versuchen diese zu verstecken.

Freida McFadden ist die Königin der Plot-Twists. Sie beherrscht das Spiel mit den Misstrauen der Leser und die unterschwellige Bedrohung in ihren Geschichten perfekt. Einiges davon konnte ich jedoch diesmal erahnen, trotzdem hat mich McFadden noch mit weiteren Twists richtig überrascht. Nur den im Epilog fand ich nicht ganz stimmig. Für mich passen hier einige Punkte nicht hundertprozentig. Trotzdem konnte ich den Thriller wieder nur schwer aus der Hand legen

Fazit:
"Der Lehrer" lässt sich gewohnt schnell und "süffig" lesen. Vor allem zum Ende hin kann man das Buch wieder schwer aus der Hand legen und wird von der Königin der Plot-Twists wie üblich überrascht. An den ersten Band der "Housemaid" Reihe kommt "Der Lehrer" nicht heran, aber der Thriller hat mich wieder gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Kurzweilige Geschichte voller Magie

Gondelküsse und Zeitensprünge
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Die 16jährige Lucy hatte einen schweren Unfall, bei dem sie nur knapp dem Tod entronnen ist. Nach einem langwierigen Reha-Aufenthalt soll sie bei ihrem Vater, der in Venedig lebt, etwas zur Ruhe kommen. ...

Die 16jährige Lucy hatte einen schweren Unfall, bei dem sie nur knapp dem Tod entronnen ist. Nach einem langwierigen Reha-Aufenthalt soll sie bei ihrem Vater, der in Venedig lebt, etwas zur Ruhe kommen. Doch was soll man bitte im November in Venedig anfangen tun?
Lucy erwartet sich einige langweilige Wochen, doch bereits bei der Bootsfahrt sieht sie einen süßen Jungen mit Wollmütze, der ihr auffällt. Als sie bei ihrem Vater ankommt, bemerkt sie, dass sie anscheinend einen falschen Koffer mitgenommen hat. Es scheint, als sei es ausgerechnet der Koffer des Wollmützenjungen, denn dieser ist mit Jungenkleidung gefüllt.
Kurze Zeit später trifft sie im Trödelladen, neben dem Café ihres Vaters, auf einen weiteren interessanten Jungen im Brokatmantel, der jedoch aus einem anderen Jahrhundert zu sein scheint. Dieser bittet sie um Hilfe und Lucys Aufenthalt wird nun doch alles andere als langweilig...

Die Autorin hat Realität und Magie wunderbar vermischt und daraus eine reizende Geschichte erschaffen. Durch die lebendige und bildhafte Beschreibung des Schauplatzes und der Charaktere ist man schnell mitten im Geschehen. Venedig wird in allen Facetten beschrieben. Besonders gefallen hat mir der Blick auf das historische Venedig, den Palästen und engen Gässchen, die einem schnell auf Irrwege führen kann.

Die Charaktere sind sehr verschieden, was im Verlauf der Geschichte für einige Verwirrungen, lustigen Momenten und Konflikten sorgt.
Lucy ist ein cooler Charakter, der jedoch seit ihrem schweren Unfall die Welt mit anderen Augen sieht. Dass sie plötzlich die Gedanken anderer Menschen hören kann, verunsichert sie sehr. Doch mit der Zeit ist diese Gabe auch sehr hilfreich.
Ihre Gefühlslage wird sehr lebendig dargestellt, denn Lucy fühlt sich seit dem Unfall sehr unsicher und hat jede Menge Selbstzweifel. Sie macht im Laufe der Geschichte eine tolle Entwicklung durch. Jannis, der Wollmützenjunge und Apollo, der Junge aus dem 18. Jahrhundert sind sympathische Charaktere, die so einige schräge Momente liefern und für Spannung sorgen.
Auch viele der Nebencharaktere sind sehr lebendig beschrieben - manche mehr, manche weniger. Dabei habe ich Lucys Vater als sehr blassen Charakter in Erinnerung.

Die humorvolle und spritzige Erzählweise der Autorin lässt einem durch die Seiten fliegen. Die italienischen Begriffe und Sätze, die man auch ohne Italienischkenntnisse versteht, vermitteln Lokalkolorit.
Gefallen hat mir auch die Aufmachen des Buches. Die Kapitel sind mit einer Zeichnung einer Gondel geschmückt, das Cover auffällig in gelb und rosa gehalten.

Fazit:
Eine kurzweilige Geschichte voller Magie für Leser:innen ab 12 Jahren, die eine interessante Zeitreise ins 18. Jahrhundert erleben wollen. Dazu kommt ein Schuss Romantik, erste Liebe, Freundschaft und Verlust.

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