Das Leben ist wie ein Jahreskreis
Wilder HonigDer Roman spielt im walisischen Berllan Deg, wo Hannah mit ihrer Schwester Sadie aufgewachsen ist. Sadie floh vor den sehr bestimmenden Eltern und führte ihr eigenes Leben in der Stadt, während Hannah ...
Der Roman spielt im walisischen Berllan Deg, wo Hannah mit ihrer Schwester Sadie aufgewachsen ist. Sadie floh vor den sehr bestimmenden Eltern und führte ihr eigenes Leben in der Stadt, während Hannah und ihr Ehemann John bis zu deren Tod unter ihrer Herrschaft litten.
Im Winter ihres Lebens ist Hannah nun nach dem Tod ihres Mannes alleine in ihrem Elternhaus angekommen. Zur Trauerfeier reist ihre Schwester Sadie an, die Hannah die nächste Zeit unterstützen möchte. Doch lange sind die beiden Frauen nicht alleine, denn sie bekommen Besuch von Megan, einer jungen Frau, die in einem besonderen Verhältnis zu Hannah und Sadie steht. Mehr möchte ich dazu nicht erzählen....
Alle drei Frauen fühlen sich in ihrem Leben verloren und sind nach der Suche nach sich selbst. Während sich Hannah, Sadie und Megan im dunklen und schneereichen Winter zurückziehen, nähern sie sich im kommenden Frühling an. Während John vor allem seine wissenschaftlichen Bücher und die Imkerei am Herzen lag, widmet sich Hannah nun dem verwilderten Obstgarten ihres Vaters, den sie endlich nach ihren eigenen Plänen anlegen kann. Mit Jack, der John bei den Bienen geholfen hat und im Frühling und Sommer in einem Wohnwagen im Garten wohnt, kommt eine weitere interessante Figur hinzu. Er befasst sich vor allem mit den Bienenvölkern und bringt Megan und dem Leser das Bienenvolk näher. Hier habe ich mit Neugier gelesen, denn mein Mann ist seit letztem Jahr ebenfalls Imker und ich muss zugeben, dass ich vieles noch nicht richtig verstehe.
Dazwischen lesen wir aus den Briefen, die John seiner Frau hinterlassen hat. Anhand seiner Erzählungen aus dem Leben der Bienen, versucht er Hannah mitzuteilen, warum ihr Leben und ihre Ehe so verlaufen ist. Vor allem aber möchte er ihr erklären, warum er sein Geheimnis erst nach seinem Tode offenbart und ihr nicht früher davon erzählt hat. Dieses Geheimnis reißt jedoch alte Wunden auf, die Hannah fast zerstören....
Die Briefe, die John an Hannah geschrieben hat, haben mich nicht wirklich überzeugt. Mir fehlten hier die Emotionen im Bezug zu ihrer Ehe und Liebe.
Die bildhafte und poetische Sprache der Autorin habe ich genossen, obwohl sich die Geschichte eher unaufgeregt und leise präsentiert. Die Charaktere sind facettenreich und haben eine emotionale Tiefe, die sich jedoch erst langsam entwickelt. Es werden wesentliche Themen angesprochen und beleuchtet.
Vor allem die atmosphärische Beschreibung der Natur und der Landschaft habe ich genossen. Dabei wird die Geschichte auf anderer Seite sehr unaufgeregt erzählt, wobei es auch zu kleinen Längen kommen kann. Ich denke, man muss sich in die Geschichte hineinfühlen und auch in der richtigen Stimmung sein.
Am Ende schließt sich der Jahreskreis und gibt der Geschichte um Hannah, John, Sadie, Megan und Jack den perfekten Rahmen. Diese Verbindung habe ich als sehr harmonisch empfunden. Der graue und kalte Winter mit Johns Tod und Hannahs Trauer und Wut, danach der Frühling und Megans Ankunft bzw. ihre kleine Annäherung an die Schwestern, Hannahs Pflege des Obstgartens und dann die in Blüte stehenden Bäume, die neue Hoffnung geben bis es zur Ernte kommt.
Mir hat die Aussage der Geschichte und die bildhafte Erzählung im Jahreskreis gut gefallen, wenn sie auch manchmal etwas mehr Tempo vertragen hätte.
Fazit:
Ein sehr leiser und tiefgründiger Roman, bei dem mir vor allem die atmosphärische Beschreibung der Natur gefallen hat und die langsame Entwicklung der drei Frauen, die schlussendlich zu sich selbst finden.