Wunder gibt es immer wieder … Oder doch nicht?
Laurentius' WunderBei Kirche und Wunder denkt man sofort an Heiligsprechung. Und um die geht es tatsächlich, aber eben nicht so vordergründig, wie man es vielleicht zunächst befürchten konnte.
Bruder Laurentius sieht, ...
Bei Kirche und Wunder denkt man sofort an Heiligsprechung. Und um die geht es tatsächlich, aber eben nicht so vordergründig, wie man es vielleicht zunächst befürchten konnte.
Bruder Laurentius sieht, als er eines Abends einsam in der Basilika des Klosters sitzt, den Heiligen Franziskus aus seinem Grab aufsteigen. Aufgeregt erzählt er das seinen Klosterbrüdern. Und die erklären ihn für verrückt. Damit setzt sich ein Albtraum fort, der schon in seiner Kindheit begann.
Seine Mutter verschwindet plötzlich ohne Nachricht an ihn. Und das ausgerechnet an seinem 12. Geburtstag. Mit dem Vater kommt er nicht zurecht. In seiner Lehre zum Koch wird er misshandelt, sodass er schließlich ins Kloster flieht. Und nun das.
Zweimal landet er nun in der Psychiatrie, weil er auf seinem Wunder beharrt, schließlich haben die Heiligen auch nie abgeschworen. Und das sind seine Vorbilder. Obendrein sammelt er Informationen wie Franziskus und andere Heilige in der Welt wirken. Natürlich glaubt ihm auch hier niemand. Schließlich landet er im Vatikan genau an der Stelle, die Wunder untersucht, um dem Papst dann Vorschläge zur Heiligsprechung zu unterbreiten.
Das scheint harte Arbeit zu sein, die im Text mit einer gewissen Ironie geschildert wird. Natürlich erweisen sich alle untersuchten Wunder als erlogen oder konstruiert. Schließlich darf Laurentius gemeinsam mit seinem Vorgesetzten seine gesammelten Informationen über das angebliche Wirken der Heiligen überprüfen. Sie reisen nach Bayern und Japan. Aber auch hier zeigt sich, dass es sich lediglich um Missverständnisse handelt. Was also bleibt vom Wunder, das Laurentius erlebt zu haben vorgibt?
Bis zu dieser Stelle erweist sich das Buch als eine ziemliche Überraschung, denn es befasst sich in literarischer Form mit Ereignissen, die scheinbar rational nicht erklärbar sind. Und immer wieder stellt sich heraus, dass all diese scheinbaren Wunder eine Erklärung besitzen oder erfunden wurden. Doch was ist mit der Erscheinung des Heiligen Franziskus, die Laurentius gesehen zu haben glaubt? Wie die Autorin dies auflöst, entscheidet letztlich über den Charakter des Buches. Wie zu erwarten war krönt sie ihren überraschenden Text mit einem zwar scheinbar halboffenen Ende, das aber in Wirklichkeit keine Fragen aufwirft.
Ein sehr unterhaltsames Buch, das sich auch noch gut liest.