Bucky geht baden
StrandgutIn seiner Jugend gelang es Bucky zwei Soul-Stücke aufzunehmen, die inzwischen nach einem halben Jahrhundert dort vergessen sind. Anders in England. Dort gibt es plötzlich ein Festival, zu dem Bucky eingeladen ...
In seiner Jugend gelang es Bucky zwei Soul-Stücke aufzunehmen, die inzwischen nach einem halben Jahrhundert dort vergessen sind. Anders in England. Dort gibt es plötzlich ein Festival, zu dem Bucky eingeladen wird. Warum erst jetzt? Mit quälenden Gelenkschmerzen bricht Bucky nach Europa auf. Beim Auschecken lässt er seine Schmerztabletten im Flieger zurück und leidet seitdem noch mehr als sowieso schon. Und das alles für den Gesang zweier Lieder, den man von ihm in England erwartet.
Der Plot strotzt von Ungereimtheiten. Myers versucht das mit einer gewissen unterschwelligen Rührseligkeit wieder wettzumachen. Und offenbar gelingt ihm das auch bei vielen Lesern. Mit "Offene See" hatte Myers einen wirklich hervorragenden Einstand in Deutschland. Aber danach verirrte er sich mit eher seltsamen Geschichten, die schließlich in einem monströsen Roman über "Cuddy" gipfelten. Vielleicht hat er sich besonnen und kehrt nun zum Anfang zurück, denn diese Geschichte ähnelt ein wenig seiner "Offenen See". Aber sie ist bei Weitem nicht so gut wie der Erstling. Vor allem fehlt es ihr an Glaubwürdigkeit. Stattdessen stupst dieser Roman den Leser an, sich "das Richtige" dabei zu denken. Bei mir hat das nicht geklappt. Ich empfand die ganze Geschichte als recht absurd, wenngleich Myers wie immer hervorragend erzählen kann. Das macht dann vieles wieder gut, löst aber den Mangel an nachvollziehbaren Inhalt nicht auf.
Als zweite Person tritt Dinah auf. Sie gehört offenbar zu den Organisatoren des Festivals und ist etwa 20 Jahre jünger als Bucky. Ihr Familienleben ist eine einzige Katastrophe, die sie mit täglichem Baden in der kalten Nordsee erträgt. Und mit einem Lied von Bucky. Was für eine Geschichte.
Natürlich kommen sich die beiden während der paar Tage in England näher. Doch einen Neuanfang wird es nicht geben, wenngleich Myers (oder besser der Klappentext) das irgendwie suggeriert. Buckys Arthrose wird durch Winterbaden nicht verschwinden. Und vermutlich hat er auch nicht mehr lange zu leben. Wo also ist hier die Hoffnung?
Auch wenn die ganze Geschichte mich nicht überzeugt hat, so glänzt Myers auch hier wieder mit seiner Erzählkunst, bei der man auch den Übersetzer nicht auslassen darf, denn sie so ins Deutsche zu übertragen, ist schon große Kunst.