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Veröffentlicht am 16.10.2025

Bucky geht baden

Strandgut
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In seiner Jugend gelang es Bucky zwei Soul-Stücke aufzunehmen, die inzwischen nach einem halben Jahrhundert dort vergessen sind. Anders in England. Dort gibt es plötzlich ein Festival, zu dem Bucky eingeladen ...

In seiner Jugend gelang es Bucky zwei Soul-Stücke aufzunehmen, die inzwischen nach einem halben Jahrhundert dort vergessen sind. Anders in England. Dort gibt es plötzlich ein Festival, zu dem Bucky eingeladen wird. Warum erst jetzt? Mit quälenden Gelenkschmerzen bricht Bucky nach Europa auf. Beim Auschecken lässt er seine Schmerztabletten im Flieger zurück und leidet seitdem noch mehr als sowieso schon. Und das alles für den Gesang zweier Lieder, den man von ihm in England erwartet.

Der Plot strotzt von Ungereimtheiten. Myers versucht das mit einer gewissen unterschwelligen Rührseligkeit wieder wettzumachen. Und offenbar gelingt ihm das auch bei vielen Lesern. Mit "Offene See" hatte Myers einen wirklich hervorragenden Einstand in Deutschland. Aber danach verirrte er sich mit eher seltsamen Geschichten, die schließlich in einem monströsen Roman über "Cuddy" gipfelten. Vielleicht hat er sich besonnen und kehrt nun zum Anfang zurück, denn diese Geschichte ähnelt ein wenig seiner "Offenen See". Aber sie ist bei Weitem nicht so gut wie der Erstling. Vor allem fehlt es ihr an Glaubwürdigkeit. Stattdessen stupst dieser Roman den Leser an, sich "das Richtige" dabei zu denken. Bei mir hat das nicht geklappt. Ich empfand die ganze Geschichte als recht absurd, wenngleich Myers wie immer hervorragend erzählen kann. Das macht dann vieles wieder gut, löst aber den Mangel an nachvollziehbaren Inhalt nicht auf.

Als zweite Person tritt Dinah auf. Sie gehört offenbar zu den Organisatoren des Festivals und ist etwa 20 Jahre jünger als Bucky. Ihr Familienleben ist eine einzige Katastrophe, die sie mit täglichem Baden in der kalten Nordsee erträgt. Und mit einem Lied von Bucky. Was für eine Geschichte.

Natürlich kommen sich die beiden während der paar Tage in England näher. Doch einen Neuanfang wird es nicht geben, wenngleich Myers (oder besser der Klappentext) das irgendwie suggeriert. Buckys Arthrose wird durch Winterbaden nicht verschwinden. Und vermutlich hat er auch nicht mehr lange zu leben. Wo also ist hier die Hoffnung?

Auch wenn die ganze Geschichte mich nicht überzeugt hat, so glänzt Myers auch hier wieder mit seiner Erzählkunst, bei der man auch den Übersetzer nicht auslassen darf, denn sie so ins Deutsche zu übertragen, ist schon große Kunst.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Mädchenkönig, Königsmädchen?

The Lost Girl King
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Irgendwie konnte man sich vermutlich nicht ganz einigen, wie dieser seltsame Titel zu übersetzen ist. Also hat man ihn einfach aus dem Original übernommen. Komischerweise gibt es doch aber im Englischen ...

Irgendwie konnte man sich vermutlich nicht ganz einigen, wie dieser seltsame Titel zu übersetzen ist. Also hat man ihn einfach aus dem Original übernommen. Komischerweise gibt es doch aber im Englischen eine Queen und einen King. Wieso also Girl King? Irgendwie passt das in diese seltsame Zeit, in der gewisse Leute alles durcheinanderbringen möchten. Im Pressetext gibt es den verlorenen Mädchenkönig, im Buch (Kapitel 30) das Königsmädchen, das am Ende heimkehrt. Verstehe das wer will.

Die Geschichte selbst verläuft nach bekannten Vorgaben. Zuerst wird das Harry-Potter-Schema angewandt. Hier müssen die Protagonisten nicht durch eine Wand im Bahnhof rennen um in eine magische neue Welt zu gelangen. Vielmehr gibt es im guten alten Irland eine Stelle, wo die Schwerkraft besiegt ist und ein Wasserfall von unten nach oben fließt. Es müsste also korrekt Wassersteig heißen, aber wir wollen mal nicht kleinlich sein. Da muss man jedenfalls durch, wenn man in die Phantasiewelt der Autorin gelangen möchte.

Dort hat sie nun freie Hand und kann abstrakt wieder dem Harry-Potter-Schema folgen und sich eine Welt nach ihren Vorstellungen ausdenken. Das tut sie dann auch zur Genüge. In diesem Land herrscht ein böser Zauberer, der es doch glatt geschafft hat, die Sonne an eine Kette zu legen. Auch hier wollen wir mal nicht kleinlich sein und nicht auf die Schmelztemperaturen von Ketten aus Metall hinweisen. Und weil die Sonne nun mal festgehalten wird, steht auch angeblich in diesem Land der Phantasie die Zeit still. Wieder wollen wir nicht kleinlich sein und es vermeiden, darauf hinzuweisen, dass man die Sonne nicht festhalten muss, denn sie ist ein Fixstern. Um zu verhindern, dass es Tag und Nacht gibt, müsste man die Erdrotation zum Stillstand bringen. Aber selbst dann würde die Zeit nicht stillstehen.

In den Märchen aus Zeiten der Gebrüder Grimm ging es zwar auch gelegentlich etwas phantastisch zu, aber das hielt sich in einem gewissen für alle erkennbaren Rahmen. Apropos Märchen – im Folgenden benutzt die Autorin dann das bekannte Märchenschema vom Prinzen, der eine Prinzessin befreien muss, um ihre Liebe zu erlangen. Hier nun dreht die Autorin zeitgemäß die Rollen um. Eine Schwester muss ihren Bruder befreien, der nicht begreifen wollte, dass die Naturwissenschaften überwindbar sein sollen.

Das Mädchen besitzt den Mut früherer Prinzen und vereint in sich kommunikative Fähigkeiten, die ewig streitsüchtige Männer zusammenführt, was schließlich zum Erfolg beiträgt. Eine moderne Heldin halt. Sie befreit nicht nur ihren Bruder, sondern auch noch ihre Großtante, die der Mädchenkönig ist. Aus welchen Gründen auch immer braucht nämlich der örtliche Bösewicht neben seiner Kette für die Sonne auch einen Anker dafür. Und das muss ein Mensch sein, der dann König in diesem Reich wird. Ein Herrscher ohne Macht und ohne Erinnerungen. Und da dieser Mensch hier ein Mädchen ist, heißt er eben Mädchenkönig. Auch hier wollen wir nicht kleinlich sein.

Man verzeihe mir die Ironie. Wenn man den ganzen Unfug aus dieser Phantasiewelt akzeptiert, erzählt die Autorin eine spannende Geschichte in flüssiger und gekonnter Weise, wozu auch die Übersetzerin beitrug. Ich vertrete allerdings den seltsamen Standpunkt, dass man Kindern in jungen Jahren nicht zu viel Unsinn zumuten, sondern besser etwas zu ihrer Allgemeinbildung beitragen sollte.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Wo ist der Steinpilz geblieben?

Steinpilz, Trüffel, Pfifferling
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Dass dieses Buch nicht zur Bestimmung von Pilzen gedacht ist, merkt man schon am Format. Es soll Kindern ab sechs Jahren Wissen über Pilze vermitteln. Dazu ist es sprachlich einfach verfasst und schön ...

Dass dieses Buch nicht zur Bestimmung von Pilzen gedacht ist, merkt man schon am Format. Es soll Kindern ab sechs Jahren Wissen über Pilze vermitteln. Dazu ist es sprachlich einfach verfasst und schön bebildert. Allerdings ist diese Altersvorgabe aus wenigstens zwei Gründen recht sportlich. Kinder in der ersten Klasse oder davor können nicht noch nicht oder noch nicht gut lesen. Und mit den verschiedenen Begriffen werden sie auch nichts anfangen können, ebenso wenig wie mit Zahlenangaben wie Millionen (Vorwort).

Viel wichtiger jedoch ist ein anderer Grund: Das Buch ist nicht besonders lebensnah. Wenn nämlich Familien mit ihren kleinen Kindern in die Pilze gehen, dann suchen sie vornehmlich Röhrlinge, denn bei ihnen kann man nicht viel falsch machen. Diese gerne gesuchten Pilze findet man aber in diesem Buch kaum. Auch nicht den Steinpilz aus dem Titel.

Stattdessen werden jede Menge exotische Pilze beschrieben, die für kleine Kinder keine Bedeutung besitzen. In diesem Sinne gehört dieses durchaus schöne Buch zur Kategorie interessantes, aber weitgehend nutzloses Wissen. Das kommt dabei heraus, wenn Spezialisten aus bestimmten Fachgebieten meinen, sie wüssten, was Kinder interessiert.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

Hilfe, ich bin von Fallen umstellt!

Die Online-Dating-Falle
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Wenn ich einmal nicht der Versuchung widerstehen kann und auf meinem Handy nach rechts wische, dann sehe ich, was mir Herr oder Frau Gugel so alles zum Lesen anbietet. Und dann kommen sie, diese ewig langen ...

Wenn ich einmal nicht der Versuchung widerstehen kann und auf meinem Handy nach rechts wische, dann sehe ich, was mir Herr oder Frau Gugel so alles zum Lesen anbietet. Und dann kommen sie, diese ewig langen Artikel mit Warnungen vor Hitze, tödlichen Unwettern, leeren Konten, falscher Bepflanzung in meinem Garten und wer weiß was noch allem. Falls man diesen volkserzieherischen Quatsch liest, wird man feststellen, dass die Schreiberlinge niemals gleich auf den Punkt kommen, wenn überhaupt. Das hat einen ganz einfachen Grund: Man soll möglichst lange auf diesen Seiten verweilen.

Was hat das nun mit diesem Buch zu tun? Nun, erstens warnt auch der Autor vor einer angeblichen Falle, zweitens kommt er auch nicht auf den Punkt und drittens scheint er auch zu einer Sorte Mensch zu gehören, die genau weiß, wie wir glücklich werden. Steht ja schließlich auf dem Cover. Obwohl ich mit ziemlicher Sicherheit niemals eine Dating-Plattform benutzen würde, interessiert mich menschliches Verhalten. Und das kann man dort vermutlich gut beobachten. Also habe ich mich durch dieses völlig überladene und unsortierte Buch gequält, das offenbar keinen oder einen sehr schlechten Lektor gehabt hat. Ein guter Lektor hätte dem Autor vermittelt, dass sein Text dringend eine Straffung und eine verständliche Kapiteleinteilung braucht. Und ihm wären auch Schnitzer aufgefallen. Beispielsweise kann sich der Autor nicht entscheiden, ob einer der Fragebogenerfinder für solche Plattformen nun zwei oder gar drei Mal geheiratet hat. Beide Informationen kommen im Abstand von nur wenigen Seiten.

Wovor warnt dieses Buch nun eigentlich? Überraschenderweise hat der Autor herausgefunden, dass Dating-Plattformen gar nicht an unserem Glück interessiert sind, sondern vorrangig am Geld der Suchenden. Man sollte aber andererseits kein billiges Basis-Abo wählen, weil man dann nicht sichtbar wird. Das Premium-Angebot hat allerdings stattliche Preise. Je länger man sucht, umso besser für den Anbieter. Obwohl keine genauen Zahlen bekannt sind, vermutet der Autor, dass bedeutend mehr Männer auf solchen Plattformen zu finden sind als Frauen. Deshalb kann es gar nicht sein, dass zu jedem Suchenden ein passendes Match gefunden wird. Auch das ist wenig überraschend. Und dann lauern dort natürlich unzählige ganz fürchterliche Fallen. Beispielsweise können Daten weitergegeben werden und die eigene Identität abhandenkommen. Man kann einem Heiratsschwindler aufsitzen und dem sein Vermögen überlassen. Und man kann auf Fake-Profile hereinfallen. Wie wahrscheinlich das ist, vermittelt der Autor nicht. Woher soll er das auch wissen? Man kann auch im Straßenverkehr umkommen. Also lieber zu Hause bleiben.

Interessant hingegen sind Untersuchungen, wie sich Menschen bei einem Match verhalten. Dafür gibt es inzwischen eine ganze Begriffswelt. Und weil das ganze Dating-Zeug so schrecklich kompliziert ist, existieren inzwischen auch Beratungsfirmen, die vieles gegen Cash übernehmen. Das ist dann die Steigerung von parasitärem Verhalten. Wer dumm ist, zahlt eben drauf.

Was schlägt der Autor also nun vor, damit wir nicht in die Dating-Falle laufen? Überraschenderweise sollen wir mehr am realen Leben teilnehmen. Auf die Idee, dass auch beides geht, kommt der Autor nicht. In meiner etwas größeren Familie gibt es zwei Paare die sich über solche Plattformen kennengelernt haben. Das sind eindrucksvoll viele, und in Fallen sind sie nicht gelaufen.

Auf der einen Seite ist dieses Buch ganz interessant, weil es für Außenstehende oder Leute, die überlegen, ob das eine für sie passende Partnerfindungsmethode sein könnte, eine Reihe von Informationen enthält. Andererseits sah sich der Autor ganz offenbar außerstande aus der Fülle seines Materials ein gut sortiertes Buch zu machen. Darüber hinaus geriert er sich als ungefragter und leicht übergriffiger Ratgeber für seine Leser. Und zwar zu Themen, die deutlich über die Partnersuche hinausgehen.

Man kann diesen Text auf ein Drittel des Umfangs reduzieren ohne seinen Inhalt zu beschädigen.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

"Eine Welt ohne Pizza? Undenkbar!"

Pizza Mania
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Für eine neapolitanische Frau wie die Autorin mag das vielleicht stimmen, Asiaten würden das bestimmt anders sehen. Natürlich beginnt Alba Pezone ihre Genussreise durch die Pizza-Backstuben in ihrer Heimatstadt. ...

Für eine neapolitanische Frau wie die Autorin mag das vielleicht stimmen, Asiaten würden das bestimmt anders sehen. Natürlich beginnt Alba Pezone ihre Genussreise durch die Pizza-Backstuben in ihrer Heimatstadt. Sie zeigt die verschiedenen Ansätze samt denn dazugehörigen Rezepten. Wie man erfährt ist das Mehl die Seele der Pizza. Also braucht man diesen Grundstoff eigentlich aus Italien. Deutsches Mehl würde vielleicht auch gehen, aber so genau weiß man das nicht. Schlimmstenfalls bekommt man eine Pizza mit einer anderen Seele.

Mit diesem Buch bekommt man einen Eindruck von der italienischen Pizza-Kunst, später werden auch französische Bäcker eine Rolle spielen. Wer nun ein Buch über verschiedene Pizza-Rezepte erwartet, wird sicher seine Befriedigung finden, denn die Vielfalt in der Einfalt ist hier groß. Eigentlich – so könnte man denken – reicht es doch, ein Rezept für den Teig zu finden und danach verschiedene Belegarten zu wählen. Doch weit gefehlt. Man kann nämlich Pizza auch frittieren. Dazu nimmt man den Teig füllt die Mitte mit einem Belag, verschließt das Ganze und wirft es in Fett, natürlich nicht in irgendeines. Einzelheiten im Buch.

Dort findet man auch andere frittierte Speisen und natürlich Nudelgerichte und einiges mehr. Ein ähnliches Konzept zieht die Autorin dann bei ihren Besuchen "an der Küste" durch. Mit Küste ist der Landstrich zwischen Neapel und Salerno gemeint. Schließlich kommen noch Pizza-Bäcker aus Marseille und Paris zu Wort, die anderen Einflüssen ausgesetzt waren.

Mit Sicherheit ist dieses Buch für Pizza-Liebhaber sehr interessant. Aber eben nur, wenn sie wirklich vorhaben ihre Pizza selbst herzustellen. Ich fand das Buch etwas unübersichtlich. Es hat zwar hinten ein „Allgemeines Register“, das nützt einem aber nur, wenn man das Buch im Ganzen gelesen hat. Besser dagegen ist das Rezept-Register. Dort muss man nur den Namen seiner Lieblingspizza aus dem Buch eingeben und findet dann die entsprechende Seite.
Wenn man mit den etwas ausschweifenden und emotionalen Stil der Autorin zurechtkommt, wird man viel Freude an diesem Buch haben.

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