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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.10.2025

"Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage"

Crime im Heim
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Wieso gibt sich eine Autorin ein Pseudonym, das sogleich aufgeklärt wird? Vielleicht wollte Tessa Korber nicht, dass ihr Roman "Das Leben im Großen und Ganzen" in irgendeinem Zusammenhang mit diesem bemüht ...

Wieso gibt sich eine Autorin ein Pseudonym, das sogleich aufgeklärt wird? Vielleicht wollte Tessa Korber nicht, dass ihr Roman "Das Leben im Großen und Ganzen" in irgendeinem Zusammenhang mit diesem bemüht lustigen "Krimi" gebracht wird. Eigentlich ist das gut so, auch wenn man sich dann natürlich fragt, warum sie dieses seltsame Buch über ein „progressives“ Seniorenheim überhaupt verfasst hat. Nichts an diesem "Krimi" hat auch nur annähernd mit der Wirklichkeit zu tun. Und spannend ist dieses Werk schon gar nicht. Albern würde eher zutreffen.

Vielleicht sollte es eine Parodie werden. Nur was soll hier auf die Schippe benommen werden? Das Alter? Seniorenheime? Durchgeknalltes Verhalten alter Menschen? Ich bin völlig ahnungslos.

Die Autorin stellt ein paar Figuren zusammen, die alle völlig übersteigert dargestellt werden. Danach bedient sie alle Klischees, die man sich in diesem Zusammenhang ausdenken kann. Wenn das Humor sein soll, dann ist er wenigstens typisch deutsch: weit entfernt von Feinsinn und nahe an den Stellen, wo der Deutsche weiß, dass er jetzt lachen soll. Vielleicht wollte Ida Tannert genau dieses Publikum erreichen. Ob ihr das gelungen ist, kann ich nicht beurteilen. Mich hat sie dagegen enttäuscht, denn ich hatte "Das Leben im Großen und Ganzen" mit Genuss gelesen. Mit "Crime im Heim" hat sie ihre Marke beschädigt, würde man wohl in der Wirtschaft sagen. Pseudonyme helfen dagegen nicht. Wenn man eine ernstzunehmende Autorin sein möchte, sollte man sich solche Seitensprünge besser verkneifen.

Die Geschichte zu erzählen, lohnt nicht. Sie wird im Klappentext ausreichend angedeutet. Vielleicht klingt das erst einmal ganz interessant, aber leider fehlt der Story völlig die Spannung. Sie plätschert so dahin und endet auch ohne Überraschung. Meine Bewertung ist eher freundlich.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

Lebensfremd

Richtig anders - anders richtig
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Ist die zwanghafte Benutzung von Anglizismen oder ganzen englischen Sätzen in einem deutschen Sachbuch eigentlich auch ein Hinweis auf eine noch nicht klassifizierte "Störung"? Wenn dazu noch der Gender-Stern ...

Ist die zwanghafte Benutzung von Anglizismen oder ganzen englischen Sätzen in einem deutschen Sachbuch eigentlich auch ein Hinweis auf eine noch nicht klassifizierte "Störung"? Wenn dazu noch der Gender-Stern kommt, dann versteift sich in mir der Widerstand gegen solche Texte. Für wen, so frage ich mich, werden solche Bücher eigentlich gemacht? Für die Betroffenen oder für die sogenannten neurotypischen Menschen?

Um es gleich klarzustellen: Ich gehöre ebenfalls nicht zu den neurotypischen Menschen. Meine Mitmenschen haben es gelegentlich schwer mit mir, weil ich zum Beispiel nicht lügen kann. Und ich habe es schwer mit ihnen, weil sie mir mit ihrer Oberflächlichkeit oder Dummheit auf die Nerven gehen. Aber ich bin noch nie auf die Idee gekommen, mich mit ähnlich Veranlagten zusammenzutun und unter irgendeiner Regenbogenfahne für meine angeblichen Rechte zu demonstrieren. Solche Rechte gibt es nicht und kann es nicht geben, weil sie die Gesellschaft sprengen würden.

Nehmen wir einmal an in einer Grundschulklasse sitzen 30 Kinder, darunter drei Migranten, zwei Autisten, zwei Kinder mit ADHS und vielleicht noch zwei mit einer anderen im Buch erklärten Besonderheit. Dann findet man dort mit Sicherheit noch Kinder, bei denen die elterliche Erziehung komplett versagt hat, wenn es denn eine gegeben hat. Mit einer solchen Struktur ist eine Grundschullehrerin völlig überfordert. Sie hat weder die Zeit noch die Ausbildung, um mit all den sich dort versammelnden Problemen zurechtzukommen. Aber in diesem Fall wäre sie "die Gesellschaft", von der die Autorinnen kühn behaupten, dass sie eine gewisse Bringschuld gegenüber den Neurodiversen hätte. Schule hat einen Bildungsauftrag und ist keine Betreuungsanstalt für Menschen, deren Gehirne anders funktionieren. Da die Lehrerin sich nicht zerteilen kann, leidet im Ernstfall der Bildungsauftrag, was ganz normale Kinder benachteiligt. An diesem Beispiel sieht man, dass Forderungen nach größtmöglicher Diversität, wie sie im Buch aufgemacht werden, keine gute, sondern eine sehr schlechte Idee sind, die leider in Schulen durchexerziert wird.

Es ist leider eine Mode, die in nichts Gutem enden wird, alle möglichen besonderen Menschen mit besonderen Rechten ausstatten zu wollen. Das kann so nicht funktionieren, weil es einfach missachtet wie Menschen sich verhalten und wie eine Gesellschaft funktioniert. Menschen haben sich in den letzten 3000 Jahren eher nicht geändert, weil sich ihr Verhalten zu großen Teilen aus ihren Genen speist. Und die kann man nicht einfach mal ändern. Wenn das Normale als Maßstab verloren geht, gibt es bald keine Maßstäbe mehr. Und dann scheitern Gesellschaften, denn sie sind immer auf Prinzipien aufgebaut, die von der Mehrheit akzeptiert werden.

Sieht man einmal vom Stil und der Ideologie der Autorinnen ab, dann kann man aus diesem Buch tatsächlich eine Menge über anders funktionierende Gehirne lernen. Auch meine Besonderheit wird sehr gut erklärt. Offensichtlich ist das Buch aber nicht unbedingt für Menschen gemacht worden, die mit diesen "neurodiversen" Menschen umgehen müssen. Es wirkt wie ein Jugendbuch für Betroffene, die so vielleicht merken, was mit ihnen los ist. Wenn ich Lehrer wäre, hätte ich mir mehr Sachlichkeit gewünscht und weniger von dieser aufdringlichen Sucht nach Aufmerksamkeit, die sich zum Beispiel im Sprachstil des Buches artikuliert.

Das moderne Konzept der Inklusion in Schulen ist eine aus meiner Sicht fürchterliche Idee, weil auf der einen Seite keine Zeit für eine wirkliche Hilfe für die Neurodivergenten vorhanden ist, aber auf der anderen Seite immer noch das Leistungsprinzip gilt. Ohne dieses Leistungsprinzip fällt eine Gesellschaft auseinander, denn es fehlen dann Anreize für Leistung. Alles in einen Topf zu werfen, wird keinem gerecht und schafft neue Ungerechtigkeiten. Es ist lebensfremd. Und schließlich bleibt das angeblich gute Prinzip am Ende an dem hängen, der es umsetzen muss, in meinem Beispiel an einer völlig überforderten Lehrkraft.

Immerhin kann diese Buch Betroffenen helfen herauszufinden, wer sie sind und es anderen erklären zu können. Ich habe meinen Bekannten und Verwandten verdeutlicht, dass mein Hang zur Wahrheit, den ich gelegentlich nicht unterdrücken kann, etwas mit meiner Genetik zu tun hat. Nun wissen sie es, allerdings leite ich aus meinem Besonderheit nicht ein Recht zur Beleidigung ab. Es ist mein Problem, und damit muss ich leben. Ich habe keinen Freibrief, nur weil ich so konstruiert bin.

Mal angenommen, ich würde mich irgendwo bewerben und das alles schön erklären. Was würde wohl passieren? Bei gleicher Qualifikation entscheiden eben solche Eigenschaften. Und da neigen Menschen nun mal nicht zum Besonderen, sondern zum Normalen, denn damit können sie umgehen. Wer etwas anders glaubt, lebt in einer Blase, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat.

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Veröffentlicht am 13.10.2025

Völlig neue Ideen im Kampf gegen den Rechtspopulismus

Das Grab des Piraten
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Eigentlich, so denkt man bei diesem Titel, handelt es sich hier um eine Abenteuergeschichte. Das ist auch so, allerdings besitzt sie einen absurden politischen Hintergrund. Und der geht so: Im Vereinigten ...

Eigentlich, so denkt man bei diesem Titel, handelt es sich hier um eine Abenteuergeschichte. Das ist auch so, allerdings besitzt sie einen absurden politischen Hintergrund. Und der geht so: Im Vereinigten Königreich wächst der sogenannte Rechtspopulismus. Und da glaubt nun der Thronfolger eine famose Idee zu haben. Man solle das Grab von Sir Francis Drake finden und dessen Gebeine nach Hause holen. Dann würde sich die Lage im nationalen Überschwang wieder beruhigen.

Wie man als Autor auf eine solche Idee kommen kann, entzieht sich meinem Verständnis. Der so genannte Rechtspopulismus entstand als Folge ungelöster Probleme. Die herrschende Schicht in Europa glaubt ernsthaft, sie könne diese Entwicklung durch Restriktionen umkehren, etwa wie in Großbritannien durch eine Einschränkung der Meinungsfreiheit, wie sie in anderen europäischen Ländern noch nicht bekannt ist. Damit beseitigt sie jedoch das Elend nicht, das sich im Land ausbreitet. Einen Nationalhelden nach Hause zu holen, ist eine völlig neue Idee, die noch absurder ist, denn auch sie löst keines der für diese Entwicklung ursächlichen Probleme.

Aus der Idee des Autors entwickelt sich nun eine leidlich spannende Geschichte mit einem akzeptablen Unterhaltungswert. Dafür gibt es die Sterne. Zwischendrin verliert sich die Story allerdings noch in ein paar anderen sonderbaren Widersprüchen. Wer Spannung erzeugen will, braucht einen Widersacher zu den Helden. Die findet der Autor in einem spanischen Diplomaten und natürlich in den nun auch noch militanten bösen Populisten, die schließlich den zurückgebrachten Drake in die Luft sprengen. Natürlich nicht wirklich, denn die Helden haben Vorsorge betrieben. Die Idee, dass britische Rechte, die eigentlich immer auch Nationalisten sind, ein Symbol des britischen Nationalismus vernichten wollen, ist ebenso absurd wie der vorgebliche politische Hintergrund der Geschichte.

Zur politischen Ausrichtung des Buches gehört natürlich auch die heraufbeschworene Gefahr, dass die Inseln, auf denen man nach Drakes Gebeinen sucht, demnächst überschwemmt werden. Andererseits beklagen sich diese Insulaner über korrupte Landsleute, die bösen Investoren erlauben wollen, dort Hotelanlagen zu bauen. Wie das zusammenpassen soll, habe ich nicht verstanden.

Nimmt man diese ganzen Ungereimtheiten einmal beiseite, dann hat man es mit einem Abenteuerroman zu tun, der einigermaßen gut unterhält.

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Veröffentlicht am 13.10.2025

Belanglos, aber natürlich total magisch

Winona und der Ruf der Wiccas
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Seit Harry Potter in London durch eine Mauer rennen musste, wenn er in seine Zauberschule reisen wollte, fühlen sich Autoren aufgerufen, das irgendwie nachzumachen. In diesem Buch liegt der Eingang in ...

Seit Harry Potter in London durch eine Mauer rennen musste, wenn er in seine Zauberschule reisen wollte, fühlen sich Autoren aufgerufen, das irgendwie nachzumachen. In diesem Buch liegt der Eingang in die magische Welt der Autorin nicht in einem Londoner Bahnhof, sondern in einem Baum im Stadtwald. Winona und drei Klassenkameradinnen schlüpfen da hindurch und gelangen zunächst in den Jadewald, in dem man nicht lügen darf.

Nachdem die Autorin diesen Einstieg geschafft hat, lässt sie ihre überschäumende Phantasie walten und kreiert eine seltsame Welt, in der es natürlich Probleme gibt, zu deren Lösung ausgerechnet die vier Mädchen beitragen können. Sie erleben zahlreiche Abenteuer und lernen sich so besser kennen. Und aus Gegnerinnen werden sogar Freudinnen. Ist es nicht schön? Ja, das wäre es tatsächlich, wenn es wenigstens irgendwie spannend wäre. Ist es aber nicht. Vielmehr zieht sich alles quälend in die Länge, obwohl der Text wirklich flott geschrieben wurde.

Aber es folgt eben einem schon hunderte Male durchexerzierten Schema. Möglicherweise urteile ich etwas zu hart, aber ich gehöre einer Generation an, in der Kinder- und Jugendbücher noch einen Sinn hatten. Hier kann ich keinen erkennen. Es ist nur flache und belanglose Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

"Wer braucht einen festen Wohnsitz?"

Krügers Fälle / Rentner Mikado
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Man könnte auch in einem Wohnmobil durch die Gegend kutschen. Das dachte sich auch Johny. Aber seine Gedanken gingen noch weiter. Er könnte sich schließlich auch als Fahrer und Liebhaber bei betagten Damen ...

Man könnte auch in einem Wohnmobil durch die Gegend kutschen. Das dachte sich auch Johny. Aber seine Gedanken gingen noch weiter. Er könnte sich schließlich auch als Fahrer und Liebhaber bei betagten Damen andienen, die sich für diese Art von Lebensabend entschieden hatten. Falls da noch ein Ehemann stören sollte, könnte man den ins Jenseits befördern, danach die Dame ausrauben, ihrem Mann nachschicken und anschließend wieder von vorne anfangen..

Dieses tolle Modell beschreibt dieser etwas schlichte Krimi in aller Ausführlichkeit. Die Leichen verscharrt der gute Johny unter dem Vorzelt der Wohnmobile und macht sich dann vom Acker. Natürlich fällt das niemandem auf. Jedenfalls nicht gleich. Später aber dann doch, und das bringt Kommissar Krüger auf den Plan. Der ermittelt mit seiner Lebensgefährtin inkognito. Gelegentlich hilft dabei noch ein Privatdetektiv. Also das typische Verfahren bei der deutschen Polizei.

Krügers neue Kollegin und ihr geheimnisvolles Netzwerk helfen dem ins Alter gekommenen Kommissar dabei auf die Sprünge. Nach dieser klassischen Polizeiarbeit kommt man dem Täter so langsam auf die Spur. Als Leser kennt man den aber schon lange. Spannung entwickelt sich folglich eher nicht. Und Krüger ist auch nicht besonders erfolgreich, denn Johny, der Depp, ist auch in die Jahre gekommen und macht Fehler, die ihn letztlich ins Netz gehen lassen. Allerdings nicht in das von Krüger.

Das Buch liest sich schnell. Es ist weder spannend, noch originell, folglich auch nur leidlich unterhaltsam und in gewisser Weise bieder. Krimis müssen nicht realistisch sein, dann aber irgendeinen Ersatz dafür liefern. Spannung zum Beispiel, verbunden mit Tempo und vielen unerwarteten Wendungen. Oder eine brillante Idee. Das alles fehlt dieser Geschichte völlig.

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