"… gegen Konfliktscheu und für … Gestaltungsmacht"
MachtLinke Ideologien zerstören schon geraume Zeit in Deutschland den Leistungsgedanken und führend zunehmend zu einem kaum vorstellbaren Realitätsverlust bei vielen Menschen. Der Autor steht einigermaßen fassungslos ...
Linke Ideologien zerstören schon geraume Zeit in Deutschland den Leistungsgedanken und führend zunehmend zu einem kaum vorstellbaren Realitätsverlust bei vielen Menschen. Der Autor steht einigermaßen fassungslos da, wenn ihm junge Menschen erklären, sie wollen mit Macht nichts zu tun haben, denn sie wäre toxisch. Gleichheitswahn und die Ablehnung des Wirtschaftssystems führen nun mal entweder zu einem aktiven ideologischen Kampf oder zum Rückzug ins Private.
Auch Menschen, die Macht ablehnen, üben sie ganz selbstverständlich ständig aus. Oder sie versuchen es wenigstens. Interessen wollen durchgesetzt werden, gelegentlich auch gegen den Willen anderer. Im Buch gibt es ein Kapitel, das diese Strukturen beleuchtet. Kapitel 7 beschreibt, wie Macht horizontal und vertikal eingesetzt wird. Vertikal bedeutet: In einer Hierarchie, also dort, wo viele Menschen Machausübung fast ausschließlich verorten. Horizontal hingegen bedeutet: in einer Gruppe Gleichgesinnter oder auf einer Ebene Gleicher. Seltsamerweise verbinden viele Menschen solche Situationen nicht mit einer Machtausübung, weil sie dort mit Macht nicht direkt, sondern nur indirekt konfrontiert werden. Aber Menschen in Gruppen merken oft, dass es dort Leute gibt, die etwas gleicher als die anderen sind, besser vernetzt, also mit mehr Unterstützern. Und damit in einer Machtposition.
Dieses Kapitel ist eines der besseren, denn das Buch bewegt sich leider nicht durchgehend auf diesem Niveau. Gelegentlich schweift der Autor zu weit ab. Oder aber er verfehlt den eigentlichen Kern seiner Aussage. Im Großen und Ganzen aber handelt es sich um einen gut geschriebenen und leicht verständlichen Text, der aber auch zeigt, wie weit die deutsche Gesellschaft inzwischen vom Kurs abgekommen ist. Wohlstand halten viele, vor allem junge Menschen, für gottgegeben, denn sie sind nichts anderes gewohnt. Sie schaffen es nicht mehr, diesen für sie normalen Zustand mit Arbeit und Leistung zu verbinden. Und zu Arbeit und Leistung zählt nun einmal die Ausübung von Macht zur Gestaltung von Prozessen.
Ist es nicht geradezu lächerlich, dass der Autor einige Pirouetten drehen muss, um bestimmten Leuten (die vermutlich sein Buch gar nicht lesen werden) zu erklären, dass Macht nicht "böse" ist. Woanders lacht man sich tot über diese Anstrengung, denn Macht ist etwas ganz Natürliches. Sie gehört zum menschlichen Wesen und ermöglicht erst die Strukturierung der menschlichen Gesellschaft. Ohne Macht gäbe es Chaos. Das nicht zu begreifen, ist eine Folge und gleichzeitig Ausdruck einer wachsenden Realitätsverweigerung.
Selbst wenn man keine Belehrung zur Macht und ihrer Ausübung braucht, weil man sich der menschlichen Realität nicht verweigert, ist dieses Buch in vielerlei Hinsicht erleuchtend, denn sein Autor gibt sich viel Mühe alle Aspekte des Themas zu beleuchten. Zwar hätte ein wenig mehr Straffheit dem Text gut getan, aber dennoch ist er sehr lehrreich.