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Veröffentlicht am 16.10.2025

"… gegen Konfliktscheu und für … Gestaltungsmacht"

Macht
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Linke Ideologien zerstören schon geraume Zeit in Deutschland den Leistungsgedanken und führend zunehmend zu einem kaum vorstellbaren Realitätsverlust bei vielen Menschen. Der Autor steht einigermaßen fassungslos ...

Linke Ideologien zerstören schon geraume Zeit in Deutschland den Leistungsgedanken und führend zunehmend zu einem kaum vorstellbaren Realitätsverlust bei vielen Menschen. Der Autor steht einigermaßen fassungslos da, wenn ihm junge Menschen erklären, sie wollen mit Macht nichts zu tun haben, denn sie wäre toxisch. Gleichheitswahn und die Ablehnung des Wirtschaftssystems führen nun mal entweder zu einem aktiven ideologischen Kampf oder zum Rückzug ins Private.

Auch Menschen, die Macht ablehnen, üben sie ganz selbstverständlich ständig aus. Oder sie versuchen es wenigstens. Interessen wollen durchgesetzt werden, gelegentlich auch gegen den Willen anderer. Im Buch gibt es ein Kapitel, das diese Strukturen beleuchtet. Kapitel 7 beschreibt, wie Macht horizontal und vertikal eingesetzt wird. Vertikal bedeutet: In einer Hierarchie, also dort, wo viele Menschen Machausübung fast ausschließlich verorten. Horizontal hingegen bedeutet: in einer Gruppe Gleichgesinnter oder auf einer Ebene Gleicher. Seltsamerweise verbinden viele Menschen solche Situationen nicht mit einer Machtausübung, weil sie dort mit Macht nicht direkt, sondern nur indirekt konfrontiert werden. Aber Menschen in Gruppen merken oft, dass es dort Leute gibt, die etwas gleicher als die anderen sind, besser vernetzt, also mit mehr Unterstützern. Und damit in einer Machtposition.

Dieses Kapitel ist eines der besseren, denn das Buch bewegt sich leider nicht durchgehend auf diesem Niveau. Gelegentlich schweift der Autor zu weit ab. Oder aber er verfehlt den eigentlichen Kern seiner Aussage. Im Großen und Ganzen aber handelt es sich um einen gut geschriebenen und leicht verständlichen Text, der aber auch zeigt, wie weit die deutsche Gesellschaft inzwischen vom Kurs abgekommen ist. Wohlstand halten viele, vor allem junge Menschen, für gottgegeben, denn sie sind nichts anderes gewohnt. Sie schaffen es nicht mehr, diesen für sie normalen Zustand mit Arbeit und Leistung zu verbinden. Und zu Arbeit und Leistung zählt nun einmal die Ausübung von Macht zur Gestaltung von Prozessen.

Ist es nicht geradezu lächerlich, dass der Autor einige Pirouetten drehen muss, um bestimmten Leuten (die vermutlich sein Buch gar nicht lesen werden) zu erklären, dass Macht nicht "böse" ist. Woanders lacht man sich tot über diese Anstrengung, denn Macht ist etwas ganz Natürliches. Sie gehört zum menschlichen Wesen und ermöglicht erst die Strukturierung der menschlichen Gesellschaft. Ohne Macht gäbe es Chaos. Das nicht zu begreifen, ist eine Folge und gleichzeitig Ausdruck einer wachsenden Realitätsverweigerung.

Selbst wenn man keine Belehrung zur Macht und ihrer Ausübung braucht, weil man sich der menschlichen Realität nicht verweigert, ist dieses Buch in vielerlei Hinsicht erleuchtend, denn sein Autor gibt sich viel Mühe alle Aspekte des Themas zu beleuchten. Zwar hätte ein wenig mehr Straffheit dem Text gut getan, aber dennoch ist er sehr lehrreich.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Gibt es realistische Krimis?

Fisch Land Tod
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Natürlich nicht, denn die wären schließlich stinklangweilig. Da ich einen der beiden Autoren von anderen Büchern und das Fischland gut kenne, wollte ich die ersten beiden Bände dieser Reihe mit in den ...

Natürlich nicht, denn die wären schließlich stinklangweilig. Da ich einen der beiden Autoren von anderen Büchern und das Fischland gut kenne, wollte ich die ersten beiden Bände dieser Reihe mit in den Urlaub nehmen. Eigentlich kam mir Fischland immer vor wie ein paradiesischer Zipfel an der Ostsee vor, so ganz ohne Kriminalität. Kürzlich jedoch las ich von einer Schießerei in Zingst, was zwar nicht mehr auf dem Fischland liegt, aber gleich dahinter. Und da war auch von Banden und Mafia die Rede, was meine ganze Illusion zum Einsturz brachte.

In diesem Krimi geht es also auch um eine Mafia, diesmal aus Albanien. Vorher aber bringen die Autoren erst einmal ihre beiden Hauptfiguren in Stellung. Ganz nach alter Schule sind beide Figuren höchst unterschiedlich und wollen rein gar nicht zueinander passen. Und mal ehrlich: Welch seriöser Bestatter würde einen Punk beschäftigen, der auch noch vorlaut ist und gerne ins Risiko geht. Natürlich ist das nicht realistisch, aber eben aus dramaturgischer Sicht genau so gewollt.

Die ganze Geschichte ist in Wirklichkeit recht albern, aber eine passende Urlaubslektüre, die man schnell hinter sich bringen kann. Die Orte wurden ein wenig verfremdet, was aber auch normal für einen Krimi ist. Man soll nichts wiedererkennen. Mit zugedrückten Augen vier Sterne, sonst eher drei.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Leidige Verwandtschaft

Merciful Truth - Erkennet die Wahrheit
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Agent Kilpatrick stammt aus einer Prepper-Familie, wurde mehr oder weniger vor allem von ihrem Vater verstoßen und ist nun beim FBI. Für ihren ersten Fall musste sie zurück in ihre Heimatstadt in Oregon. ...

Agent Kilpatrick stammt aus einer Prepper-Familie, wurde mehr oder weniger vor allem von ihrem Vater verstoßen und ist nun beim FBI. Für ihren ersten Fall musste sie zurück in ihre Heimatstadt in Oregon. Während der erste Band dieser Reihe vor allem davon lebte, dass das Prepper-Milieu in den USA detailliert beleuchtet wurde, versucht der zweite Band dort anzuschließen, indem er den Extremismus noch auf eine Stufe höher hebt. Regierungsfeindliche Milizen sind das Thema. Zwar ist auch das sicher von gewissem Interesse, aber andererseits leidet diese Fortsetzung etwas darunter, das immer das gleiche Milieu den Hintergrund bildet.

Hierzulande versteht man die Neigung vieler Amerikaner, sich zu bewaffnen, eher nicht. Doch die US-Verfassung besitzt eben einen anderen historischen Hintergrund und lässt den Bürgern deutlich mehr Freiheitsrechte als wir das gewohnt sind. Doch manchen US-Bürgern geht der ganze Staat auf die Nerven, der ihnen Steuern abverlangt, sie für alles Mögliche ausgibt und sie obendrein auch noch gängelt. Manche dieser Typen sammeln dann Gleichgesinnte um sich und versuchen den Staat auf die eine oder andere Weise auszuhebeln. Um eine solche Gruppe geht es in diesem Buch.

Erst werden Brände gelegt und dann auch noch Polizeibeamte erschossen, die zu diesen Bränden kamen. Das ruft Agent Kilpatrick wieder auf den Plan. Zu ihrem Leidwesen gehört auch ihr Bruder Owen zu dieser seltsamen Truppe, die nach dem Führerprinzip organisiert ist, also keineswegs nach irgendwelchen demokratischen Ideen, die sie angeblich verteidigen will.

Ähnlich wie im ersten Band bleibt der Spannungsbogen auch hier relativ flach, und man weiß schon ziemlich zeitig, worum es eigentlich geht, auch wenn gewisse Geheimnisse erst am Ende gelüftet werden. Natürlich bringt sich Mercy wieder in Gefahr, natürlich wird sie gerettet und natürlich bekommen die Bösewichte ihre Strafe. Wirklich interessant sind dagegen das Milieu und die Denkweise der Aufrührer, die wie so oft aus einem kriminellen Kopf und jeder Menge minderbemittelter Mitläufer besteht. Bleibt zu hoffen, dass der letzte Band dann etwas aus diesem Milieu ausbricht und Neues bringt.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Ein Buch wird Opfer des eigenen Marketings und der Sehnsucht nach dem Übersinnlichen

Vorsehung
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Eine alte Dame geht auf einem Flug durch die Reihen, zeigt mit dem Finger auf bestimmte Personen und erklärt ihnen wie und wann sie sterben werden. So wird das Buch beworben. Und zwar sehr erfolgreich. ...

Eine alte Dame geht auf einem Flug durch die Reihen, zeigt mit dem Finger auf bestimmte Personen und erklärt ihnen wie und wann sie sterben werden. So wird das Buch beworben. Und zwar sehr erfolgreich. Milliarden Menschen glauben an irgendeinen Gott. Warum sollte also eine alte Frau nicht auch Fähigkeiten besitzen, die über das Gewohnte hinausgehen? Und dann lesen Leute dieses Buch und sind enttäuscht. Ein Wunder ist das nicht, sondern das Produkt ihrer esoterischen Erwartungshaltung, die sie natürlich abstreiten werden. Sie sagen vielmehr, das Buch hätte eine gute Grundidee, aber die Autorin hat nichts daraus gemacht.

Kurz vor dem Ende dieses überlangen Romans findet man dann folgende Ernüchterung: "Ich kann mich nur aufrichtig entschuldigen und dies klarstellen: Ich bin keine Hellseherin. Ich bin eine trauernde, pensionierte Aktuarin, die auf einem Flug eine psychische Krise durchlitt." Ein Aktuar ist ein Mathematiker, der Tarife für zum Beispiel Lebensversicherungen berechnet.

Natürlich hätte von Anfang an klar sein sollen, dass es keine Hellseherei gibt. Aber mancher Zeitgenosse lässt sich gerne verwirren. Vielleicht ist da ja doch was zwischen Himmel und Erde … Naja, und so weiter.

Da ist nichts.

Wer es mit dem Übersinnlichen nicht so hat, der greift zu pseudowissenschaftlichen Rettungsringen, zum Beispiel zur Chaostheorie, ohne sie überhaupt verstanden zu haben. Der Schmetterling auf dem Cover, dessen Flügelschlag in Tausenden Kilometern Entfernung einen Taifun auslösen kann. Wer einen solchen Unfug glaubt, sollte demnächst mit dem Niesen vorsichtig sein. Er könnte für ungeahnte Katastrophen verantwortlich sein.

Interessant an diesem Buch sind die Folgen dieser angeblichen Wahrsagungen. Sie machen je nach Todesdatum Leute entweder nervös oder leichtsinnig. Wer mit dreißig gesagt bekommt, dass er mit 94 stirbt, muss sich ja nicht mehr fürchten früher ins Gras zu beißen und kann entsprechend riskant leben. Wessen Todesdatum jedoch in naher Zukunft liegen soll, wird extrem vorsichtig werden. Dieses Verhalten macht den eigentlichen Inhalt dieses ziemlich in die Länge gezogenen Romans aus. Es geht also keineswegs um irgendeine Vorsehung, sondern um menschliches Verhalten, durchexerziert an einigen Beispielen aus dem Flieger. Und die Autorin ist eine hervorragende Kennerin der menschlichen Psyche.

Anfangs treffen vier der Prognosen auch tatsächlich ein, was die Panik der anderen Betroffenen deutlich erhöht. Sie machen sich auf die Suche nach der Todesdame und finden sie schließlich auch. Und Timmy, der mit sieben Jahren ertrinken sollte, wird mit 17 Olympiasieger im Schwimmen. Vielleicht weil seine Mutter ihn zum Babyschwimmen brachte.

Worte sind Taten. Und Taten haben Folgen.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Solide, aber nicht übermäßig spannend

Lavendel-Wut
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Da ich keine weiteren Bücher dieser Autorin kenne, vermag ich nicht einzuschätzen, ob dieser Band eine Ausnahme oder die Regel ist. Spannend ist dieser Krimi jedenfalls nicht. Dafür aber vorhersehbar, ...

Da ich keine weiteren Bücher dieser Autorin kenne, vermag ich nicht einzuschätzen, ob dieser Band eine Ausnahme oder die Regel ist. Spannend ist dieser Krimi jedenfalls nicht. Dafür aber vorhersehbar, denn im Laufe der Ermittlungen gehen die Verdächtigen aus, wenn es denn überhaupt welche gab. Was also bleibt, ist eine Figur, die scheinbar zufällig ganz am Anfang eingeführt wird, aber im Weiteren erst einmal keine Rolle mehr spielt.

Menschen haben den bedauernswerten Drang, viele Dinge bis zum Irrsinn ausleben zu wollen. Es reicht manchem Zeitgenossen nicht, dass er einmal am Tag einen hohen Berg mit seinem Rennrad bezwingt. Nein, er muss es drei Mal von jeweils verschiedenen Seiten schaffen, damit er in einen Klub kommt, der keine wirkliche Bedeutung besitzt. Einer dieser Verrückten wird bei einem solchen Versuch offenbar von der Straße geschleudert und landet mit einem Genickbruch abseits von ihr.

Und also ermittelt die Polizei, was in Frankreich offenbar mit Zuständigkeitsproblemen behaftet zu sein scheint. Lange Zeit ist nicht einmal klar, ob es sich tatsächlich um Mord oder eher um einen Unfall mit Fahrerflucht handelt. Das Opfer jedenfalls hat allerdings eine kriminelle Vorgeschichte, die erst im Laufe der Ermittlungen aufgedeckt wird. Das alles geschieht etwas langatmig, aber immer noch so, dass sich das Buch angenehm liest. Die Autorin neigt dazu, Triviales auszudehnen, offenbar gesteuert von ihrer Liebe zum Ort der Handlung.

Auch Geschichten aus dem Privatleben der Hauptfigur dieser Reihe weisen eher den Charakter einer Seifenoper aus. Auch hier greift der Hang zum Trivialen mehr als der Hang, Spannung zu erzeugen.

Kurz gesagt: Das ist eher ein solider Krimi ohne große Überraschungen.

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