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Veröffentlicht am 18.10.2025

Magie, Mythen und Mitternachtssnacks

Hidden Creatures (Band 2) - Der Vogel der tausend Geschichten
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Manchmal sitzt man da, klappt ein Buch zu und denkt sich: „Okay, das war jetzt mehr Abenteuer, als ich für heute bestellt hatte.“ So ungefähr war das bei uns beiden – meine Tochter und ich haben uns in ...

Manchmal sitzt man da, klappt ein Buch zu und denkt sich: „Okay, das war jetzt mehr Abenteuer, als ich für heute bestellt hatte.“ So ungefähr war das bei uns beiden – meine Tochter und ich haben uns in die Welt von Marjan gestürzt, und was soll ich sagen: Es war ein Ritt auf einem Greif, ein Gespräch mit einem Drachen und zwischendrin ganz viel Herzklopfen.

Die Mischung aus Spannung, Mythen und dieser leisen Melancholie, die zwischen den Zeilen hängt, hat uns echt gepackt. Kiyash Monsef schreibt mit einer Wärme, die man selten findet – irgendwo zwischen persischem Zauber und modernem Teeniechaos. Marjan ist keine glatte Heldin, sie zweifelt, stolpert und wächst – genau das macht sie so greifbar. Meine Tochter meinte irgendwann: „Sie ist mutig, aber nicht perfekt – das ist cool.“ Treffer.

Und diese Fabelwesen! Jedes einzelne hat so viel Tiefe, dass man fast erwartet, beim nächsten Waldspaziergang eins zu treffen. Die Spannung? Dauerhaft auf Anschlag. Zwischendurch haben wir abends diskutiert, wem man jetzt noch trauen kann – und wer hier welches Spiel spielt. Der Autor schafft es, gleichzeitig Abenteuer, Emotion und Mythologie so zu verweben, dass man kaum merkt, wie die Seiten fliegen.

Ganz ehrlich: Ein paar Momente waren etwas zu komplex, gerade wenn’s um die Hintergründe der Organisation ging – da musste ich zweimal erklären, was gerade passiert. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Denn am Ende stand fest: Dieses Buch hat uns nicht nur unterhalten, sondern uns auch ein Stück näher aneinandergebracht – mit Keksen, Chaos und ganz viel Staunen.
Kurz gesagt: Fantastisch, wild, emotional – und garantiert nichts für Leser mit schwachem Kopfkino.

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Veröffentlicht am 18.10.2025

Ein stiller Sturm aus Liebe und Trotz

Die Königin von Dirt Island
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Ein Dorf irgendwo in Irland, ein kleines Haus, vier Generationen Frauen, die sich mit Stolz, Zorn und Liebe durchs Leben kämpfen – so leise und doch so eindringlich erzählt Donal Ryan in Die Königin von ...

Ein Dorf irgendwo in Irland, ein kleines Haus, vier Generationen Frauen, die sich mit Stolz, Zorn und Liebe durchs Leben kämpfen – so leise und doch so eindringlich erzählt Donal Ryan in Die Königin von Dirt Island von Stärke, Verlust und dem unausweichlichen Kreislauf der Familie.

Von der ersten Seite an war ich gefangen in dieser eigenwilligen Mischung aus poetischer Zartheit und rauem Realismus. Die Sprache schimmert in kurzen, fast rhythmischen Kapiteln, jedes wie ein Atemzug, und doch bleibt sie fest verwurzelt im Alltag. Eileen, die Mutter, trägt ihre Welt auf den Schultern – trotzig, stolz, verletzlich. Ihre Tochter Saoirse wächst in dieser Schwere auf, kämpft um Freiheit und Liebe und erkennt viel zu spät, wie sehr sie ihrer Mutter gleicht.

Ich habe beim Lesen oft innegehalten, weil einzelne Sätze so tief trafen. Diese Frauen weinen nicht über ihr Schicksal – sie leben es, mit einer stoischen Würde, die still bewundert werden will. Es sind nicht die großen Dramen, sondern die leisen Momente, die dieses Buch so besonders machen.

Donal Ryan schreibt über Frauen, als würde er sie seit Jahrhunderten kennen. Über Mütter und Töchter, deren Liebe manchmal weh tut, aber immer bleibt. Die Königin von Dirt Island ist kein Buch, das laut glänzt – es leuchtet leise, lange nach dem letzten Satz.

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Veröffentlicht am 17.10.2025

Chaos, Krümel, Campingglück

Entführung im Himmelreich
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Kaum klappt man das Buch auf, riecht man förmlich den Grill, hört das Klappern von Klappstühlen und das leise „Plopp“ einer Bierflasche – willkommen zurück im Himmelreich! Andreas Winkelmann serviert wieder ...

Kaum klappt man das Buch auf, riecht man förmlich den Grill, hört das Klappern von Klappstühlen und das leise „Plopp“ einer Bierflasche – willkommen zurück im Himmelreich! Andreas Winkelmann serviert wieder eine urkomische Campingkrimi-Kombi aus Chaos, Currywurst und cleverem Kopfkino. Unser grummelig-sympathischer Ex-Schauspieler Björn Kupernikus stolpert zusammen mit der quirligen Annabelle in eine verschwundene-Bäcker-Affäre, die mehr Krümel aufwirbelt, als man erwartet.

Was diesen zweiten Band so lesenswert macht, ist die Mischung aus klassischem Krimi-Spürsinn und schrägem Humor. Während die Polizei noch über Selbstmord sinniert, haben Kupernikus’ Stirnfalten längst einen Verdacht. Und was für ein Spaß, ihm dabei zuzusehen, wie er mit seiner brummigen Art alle in den Wahnsinn treibt – und trotzdem immer richtig liegt. Annabelle sorgt derweil für Farbe, Chaos und eine gute Portion Lebensfreude. Diese Kombi ist Gold wert!

Winkelmann zeigt, dass er nicht nur Thrill, sondern auch Humor kann – und zwar ohne Klamauk. Der Fall bleibt spannend, die Charaktere echt, und der Campingplatz wird fast zur Bühne für ein sommerliches Theaterstück aus Verdacht, Verwirrung und Verzweiflung. Einziger kleiner Wermutstropfen: Gegen Ende hätte ich mir noch einen Tick mehr Tempo gewünscht. Aber hey, auf dem Campingplatz darf’s auch mal gemütlich sein.

Unterm Strich: Ein wunderbar verrücktes Lesevergnügen mit Witz, Herz und Brötchenduft. Ich pack schon mal meine Klappstühle – Band 3 kann kommen!

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Veröffentlicht am 17.10.2025

Zwischen Sushi, Shinkansen und stillem Staunen

DUMONT Bildband Entdeckungsreise Japan
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Reisen ist ja bekanntlich die beste Art, die eigene Komfortzone zu demolieren – und dieser Bildband macht das schon beim Durchblättern. Die beiden Autorinnen nehmen einen mit auf Touren, die so gar nichts ...

Reisen ist ja bekanntlich die beste Art, die eigene Komfortzone zu demolieren – und dieser Bildband macht das schon beim Durchblättern. Die beiden Autorinnen nehmen einen mit auf Touren, die so gar nichts mit dem üblichen Tokio-Kyoto-Klischee zu tun haben. Stattdessen geht’s auf Fahrräder, in Züge und auf Wanderpfade, die man sonst wohl nie gefunden hätte – es sei denn, man verirrt sich absichtlich (was hier gar keine schlechte Idee wäre).

Der Mix aus Infos, persönlichen Erlebnissen und richtig starken Bildern funktioniert erstaunlich gut. Man bekommt sofort Lust, die Sneakers zu schnüren, den Railpass zu zücken und einfach loszufahren – selbst wenn man eigentlich nur auf der Couch sitzt und Sushi aus der Plastikschale isst. Besonders schön: Die kleinen, ehrlichen Tipps zwischen den Zeilen. Da merkt man, dass Isa Ducke und Natascha Thoma das Land nicht nur kennen, sondern wirklich lieben.

Ein paar Stellen wirken ein bisschen wie Reiseleiterinnen-Sprech – da wäre etwas mehr Lockerheit schön gewesen. Und wer nach einem reinen Fotoband sucht, wird mit dem vielen Text vielleicht überrascht. Aber unterm Strich ist das hier eine herrlich inspirierende Entdeckungstour durch Japan, die zeigt, dass echte Abenteuer oft da warten, wo kein Touristenbus hält.

Fazit: Perfekt für alle, die Japan abseits der Neonlichter erleben wollen – und sich dabei gerne ein bisschen verlieren.

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Veröffentlicht am 17.10.2025

Wenn der Schnee die Schatten nicht vertreibt

Holly – Eine Belladonna-Novelle (Belladonna 4)
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Zwischen glitzerndem Schnee und flüsternden Schatten entfaltet sich eine Geschichte, die zugleich verzaubert und erschüttert. Die winterliche Kulisse von Wisteria Gardens wirkt wie ein funkelnder Traum, ...

Zwischen glitzerndem Schnee und flüsternden Schatten entfaltet sich eine Geschichte, die zugleich verzaubert und erschüttert. Die winterliche Kulisse von Wisteria Gardens wirkt wie ein funkelnder Traum, doch unter der glatten Oberfläche lauert etwas Kaltes, Altes – und zutiefst Trauriges. Blythe und Aris, deren Liebe in den vergangenen Bänden bereits auf die Probe gestellt wurde, suchen nach Frieden, doch die rastlosen Geister des Hauses lassen sie nicht los. Jede Seite trägt das Knistern vergangener Geheimnisse, das Flimmern von Sehnsucht und die bittersüße Nähe des Todes.

Adalyn Grace versteht es meisterhaft, Licht und Dunkelheit ineinander zu verweben. Ihre Sprache ist betörend, manchmal fast poetisch, und man spürt den Hauch von Frost auf der Haut, während man liest. Besonders gelungen ist, wie sie das Übernatürliche nicht als bloßen Effekt nutzt, sondern als Spiegel für die tiefsten menschlichen Emotionen – Verlust, Liebe, Reue. Holly ist keine bloße Ergänzung, sondern ein feines, atmosphärisches Zwischenspiel, das den Zyklus der Belladonna-Reihe mit zarter Melancholie abrundet.

Es ist eine Geschichte, die leise beginnt und mit einem Sturm endet – ein Tanz zwischen Leben und Tod, Schuld und Vergebung. Für mich ein winterlicher Nachhall, der noch lange im Herzen bleibt.

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