Die Idee hinter diesem Buch klang vielversprechend – eine Protagonistin ohne Erinnerungen, die mitten im Wald neben einer Leiche aufwacht, ohne zu wissen, wer sie ist oder was passiert ist. Diese Ausgangssituation hat mich sofort neugierig gemacht, und gerade in den ersten Kapiteln war ich gespannt darauf, wie sich die Geschichte entwickeln würde. Doch je weiter ich las, desto mehr verlor das Buch für mich an Reiz.
Besonders enttäuschend fand ich die Entwicklung der Protagonistin. Ihre anfängliche Unwissenheit und der Drang, ihre Identität herauszufinden, waren spannend, aber sobald sie mehr über sich erfuhr, wurde sie als Charakter leider immer uninteressanter. Während ich ihre „alte“ Version noch spannend und greifbar fand, wirkte sie nach ihrer Veränderung deutlich blasser und austauschbarer. Ich konnte ihre Emotionen und Entscheidungen oft nicht nachvollziehen, was es schwer machte, mit ihr mitzufühlen.
Auch Brendon, der männliche Protagonist, war für mich nicht stark genug ausgearbeitet. Er wurde als geheimnisvoll und gefährlich dargestellt, aber es fehlte an Tiefe, um ihn wirklich greifbar zu machen. Seine düstere Vergangenheit wurde zwar angedeutet, doch ich hätte mir gewünscht, dass sie eine größere Rolle spielt und ihn als Figur komplexer macht. Die Liebesgeschichte zwischen ihm und der Protagonistin entwickelte sich zudem viel zu schnell. Kaum begegnen sie sich, besteht eine unerklärliche Anziehung, und bevor man es sich versieht, sind sie unzertrennlich – ohne dass es wirklich einen nachvollziehbaren Aufbau oder Chemie zwischen ihnen gibt.
Hinzu kommt, dass die Handlung insgesamt sehr vorhersehbar war. Der große Plottwist, der eigentlich für Überraschung hätte sorgen sollen, war für mich schon früh offensichtlich. Viele Momente, die wohl schockieren oder mitreißen sollten, wirkten dadurch wenig eindrucksvoll. Die düstere Atmosphäre war zwar gut getroffen, und einige Nebenfiguren wie Crystal und die anderen Brüder hatten interessante Ansätze, aber sie konnten das für mich nicht mehr herausreißen.
Alles in allem hatte das Buch eine großartige Grundidee, doch die Umsetzung konnte mich nicht überzeugen. Die Charaktere blieben zu blass, die Handlung war zu vorhersehbar, und die Liebesgeschichte fühlte sich eher erzwungen als natürlich entwickelt an. Sehr schade, denn aus diesem Konzept hätte man viel mehr machen können. Daher bekommt das Buch nur 2 ⭐ von mir.
Danke an NetGalley für das Rezensionsexemplar!