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Veröffentlicht am 04.02.2018

Abenteuerlicher Roman, der auch bedingt als Reiseführer für Mallorca taugt

El Gustario de Mallorca und das tödliche Elixier
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Sven Ruge, Gastrokritiker und Journalist, erhält den Auftrag einen Reiseführer über Mallorca zu schreiben, mit Schwerpunkt Kulinarisches. Auf Mallorca angekommen, erfährt er durch Zufall etwas über ein ...

Sven Ruge, Gastrokritiker und Journalist, erhält den Auftrag einen Reiseführer über Mallorca zu schreiben, mit Schwerpunkt Kulinarisches. Auf Mallorca angekommen, erfährt er durch Zufall etwas über ein geheimnisvolles Elixier der Königin Blanka von Navarra und widmet seine Zeit voran der Suche danach. Doch nicht nur er ist hinter dem Fläschchen her, auch ein Schweizer Sammler und ein russischer Oligarch hätten es gerne in ihrem Besitz.

Was Sven erwartet, ist ein richtiges Abenteuer, das ihn und seine Mitstreiter, die sich ihm im Laufe des Romans anschließen, mehrfach in Lebensgefahr bringt. Nicht ganz nachvollziehbar jedoch ist Svens Intention, seinen Job, über den er sich sehr gefreut hatte, zu vernachlässigen und stattdessen einem Phantom hinterherzujagen, und auch, dass sich ihm kurz zuvor noch wildfremde Menschen anschließen, ist nicht wirklich glaubhaft.

Was den Leser erwartet, ist neben der doch ziemlich spannenden Geschichte eine Menge Hintergrundinformationen zur Insel, zu ihrer Geschichte und zu ihren kulinarischen Besonderheiten, und das hat mir wirklich gefallen und über manchen Mangel hinwegsehen lassen.

Der Erzählstil der Autorin zeigt, dass sie Journalistin ist, weniger Erzählerin, in meinen Augen erzählt sie zu wenig tiefgehend und genau so sind auch die Charaktere. Da im Mittelpunkt die Insel steht und auch die Jagd auf das Elixier, ist dies aber zu verschmerzen.

Erzählt wird aus mehreren Perspektiven und im Präsens, vor allem aus der Svens und der der beiden Detektive, die der Schweizer anheuert. So erhält der Leser ein umfassenderes Bild und kann manche Szenen besser zuordnen. Der Präsens wirkt auf mich leider etwas erzwungen und fügt sich nicht gut in die Handlung ein.

Im Anhang findet der Leser eine, wenn auch recht klein geratene, Karte der Insel, ein Personenverzeichnis und mehrere Rezepte des Mallorca-Korrespondenten der Autorin, sowie ein Nachwort Brigitte Lamberts', in dem sie auf Wahrheit und Fiktion eingeht. Die Zusatzinhalte sind okay, richtig gut wäre ein Liste, inkl. Adressen, der genannten Restaurants und Sehenswürdigkeiten gewesen, um den Reiseführeranteil ordentlich abzurunden.

Der Abenteuerroman, der gleichzeitig auch bedingt als Reiseführer durch Mallorca taugt, hat mich über weite Strecken gut unterhalten und mir Lust auf die Insel gemacht. Allerdings hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht und vor allem mehr Nachvollziehbarkeit, was das Handeln der einzelnen Personen angeht. Ich vergebe daher 3,5 Sterne. Wer sich für Mallorca interessiert und nicht allzu hohe Ansprüche an die Romanhandlung stellt, könnte Gefallen an diesen Buch haben.

Veröffentlicht am 28.01.2018

Typischer, etwas langatmiger Cosy-Crime-Roman

Miss Daisy und der Tote auf dem Eis
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1923: Daisy Dalrymple ist zwar adeliger Abstammung, muss sich aber nach dem Tod ihres Vaters ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. Als Journalistin berichtet sie über das Landgut Wentwater Court, während ...

1923: Daisy Dalrymple ist zwar adeliger Abstammung, muss sich aber nach dem Tod ihres Vaters ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. Als Journalistin berichtet sie über das Landgut Wentwater Court, während ihres Aufenthaltes dort gibt es einen Todesfall. Da sie fotografieren und stenografieren kann, ist sie dem Ermittler, D. C. I. Alec Fletcher von Scotland Yard eine große Hilfe …

Cosy Crimes sind im Moment in, und so werden viele Reihen neu aufgelegt, so auch die um Daisy, deren erster Band bereits 1997 erstmals auf deutsch erschien, das Original stammt aus 1994. In diesem ersten Band lernt man Daisy recht gut kennen, erfährt etwas über ihre Vergangenheit und erhält einen ordentlichen Einblick in ihren Charakter. Durch ihre adelige Abstammung kennt sie sich mit dem Verhalten des Adels gut aus und passt sich so wunderbar in die Gesellschaft ein, die sie sich auf Wentwater Court versammelt hat. Außerdem ist sie sehr patent, mitfühlend und hat offenbar eine besondere Ausstrahlung, die andere dazu veranlasst, sich ihr anzuvertrauen. Daisy, aus deren Perspektive man das Geschehen größtenteils erlebt, war mir schnell sympathisch.

Über Alec Fletcher erfährt man noch relativ wenig, aber das wird sich in den folgenden Bänden sicher noch ändern. Die weiteren Charaktere – da man sich auf einem Landgut aufhält, ist nicht nur die Location sondern auch die Anzahl der Personen begrenzt – sind vielfältig und jeder einzelne ist pointiert dargestellt, wobei der Fokus auf der Familie und den Gästen liegt, nicht auf dem Personal, lediglich die Ermittler, neben Fletcher zwei weitere, bilden hier eine Ausnahme. Alle Charaktere und auch das Landgut kann man sich sehr gut vorstellen.

Die Kriminalgeschichte ist einigermaßen interessant und man kann auch miträtseln, jedoch fehlt es an Spannung. Das ist im Cosy Crime nicht ungewöhnlich, hier finde ich das Geschehen dennoch etwas sehr langatmig. Man ist bei den Verhören dabei und kann den Gedankengängen und Vermutungen Daisys und der Ermittler, die auch untereinander ausgetauscht werden, folgen, manches wiederholt sich, Action gibt es keine.

Interessant dagegen die Auflösung und die Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Aufgelöst wird bereits überraschend früh, aber logisch und passend, und hat einen etwas eigenwilligen Effekt, der mich überraschte, mir aber ebenso passend erschien, und meine Bewertung noch ein bisschen nach oben korrigierte.

Der Roman ist ein typischer Cosy Crime, zudem der erste Band einer Reihe. Die Protagonistin wird gekonnt eingeführt, die Geschichte ist jedoch etwas zu langatmig gestaltet. Das überraschende Ende hat mir dann aber doch Lust auf weitere Romane der Reihe gemacht, außerdem habe ich auch nichts dagegen, Daisy Dalrymple noch einmal zu treffen und mehr über Alec Fletcher zu erfahren. Von mir gibt es daher 3,5 Sterne.

Veröffentlicht am 27.01.2018

Kriminalroman mit brisanter Thematik aber auch einigen Mängeln

In eisiger Nacht
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Ein LKW mit 12 toten Frauen an Bord führt Max Wolfe und seine Kollegen in einen brisanten Fall, der das Team einmal mehr an seine Grenzen bringt.

Dies ist bereits (neben mehreren Kurzgeschichten) Max ...

Ein LKW mit 12 toten Frauen an Bord führt Max Wolfe und seine Kollegen in einen brisanten Fall, der das Team einmal mehr an seine Grenzen bringt.

Dies ist bereits (neben mehreren Kurzgeschichten) Max Wolfes vierter Fall und leider krankt auch er wieder an den bekannten Problemen. Zunächst schien er mir lange Tony Parsons bester Roman zu sein, vor allem der Prolog ist sehr eindringlich geschrieben und emotional berührend. Auch danach bangt und hofft man lange mit oder ist entsetzt. Die Thematik ist brandaktuell und auch die Ermittlungen schienen mir zunächst wesentlich besser zu laufen als in den Vorgängerbänden. Doch spätestens das letzte Drittel hat mich dann wieder enttäuscht. Inkompetenz, Naivität und Dummheit bestimmen wieder die Handlungen der Ermittler, die Gefahren, denen sie ausgesetzt sind, wirken auf mich teilweise aufgesetzt und oft übertrieben, für mich geht das sehr zu Lasten der Spannung, ich ärgere mich eher darüber. Die oben erwähnte Thematik blieb zudem immer mehr auf der Strecke.

Auch die Auflösung will mir nicht so recht gefallen. Zum einen, weil einige Handlungsstränge auf einmal keine Rolle mehr spielen (z. B. was Image angeht), zum anderen, weil zwar vorher (zu) oft mit dem Zaunpfahl gewinkt, der Täter dann aber mehr oder weniger aus dem Ärmel gezogen wird – hier fehlt es wieder an ordentlicher Ermittlungsarbeit. Gar nicht gut finde ich auch, dass Wolfe und seine Kollegen so ohne weiteres im Ausland agieren können, dafür gibt es m. W. Inter- bzw. Europol.

In jeder Rezension zu Parsons Max-Wolfe-Romanen kritisiere ich viel, warum lese ich die Reihe trotzdem weiter? Das liegt u. a. am Privatleben der Ermittler, vor allem dem von Max, an seiner Tochter Scout, an seinem Umgang mit ihr – aber auch daran, dass die Romane bei aller Kritik doch recht spannend sind, sich gut lesen lassen und mich im wesentlichen gut unterhalten. Und bereits jetzt weiß ich, dass ich auch Band 5 lesen werde. Irgendwie hat sich zwischen mir und der Reihe eine Art Hassliebe entwickelt. Die Hoffnung, dass sich die Reihe im Hinblick auf meine Kritikpunkte bessert, sollte ich wohl langsam aufgeben …

Der vierte Roman der Reihe schien mir lange Zeit der beste zu sein, was sich gegen Ende leider wieder relativierte. Die brisante Thematik hat sich leider mehr und mehr verlaufen, hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, und die Auflösung mochte mir nicht so recht gefallen, dennoch fühlte ich mich über viele Seiten gepackt und unterhalten und habe mich gefreut, Max und Scout wiederzutreffen. Insgesamt vergebe ich daher 3,5 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Spannung
Veröffentlicht am 08.09.2017

Ein japanischer Ermittler in Hamburg

Inspektor Takeda und die Toten von Altona
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Inspektor Takeda von der Tokioer Mordkommission nimmt an einem Austauschprogramm teil, landet bei der Mordkommission in Hamburg und wird Claudia Harms als Partner zugeteilt. Der erste Fall sieht ganz nach ...

Inspektor Takeda von der Tokioer Mordkommission nimmt an einem Austauschprogramm teil, landet bei der Mordkommission in Hamburg und wird Claudia Harms als Partner zugeteilt. Der erste Fall sieht ganz nach Selbstmord aus – oder etwa doch nicht?

Ein Japaner in Hamburg, verschiedene Kulturen, verschiedene Arbeitsweisen, zwei sehr verschiedene Menschen, die nun miteinander auskommen müssen – das klingt interessant und das ist es auch. Der Autor hat selbst in Japan gelebt, kennt also Land und Leute und kann auch Vergleiche ziehen. Manchmal erscheint mir die Sichtweise auf Deutschland und die Deutschen etwas überspitzt, aber mir fehlt vielleicht auch teilweise der Blick von außen. Insgesamt hat mir gerade die Unterschiedlichkeit der Kulturen, vor allem aus den Blickwinkeln der beiden Partner, sehr gut gefallen.

Auch Takeda gefällt mir sehr gut, er hat seine, nicht immer guten, Erfahrungen in Liebesbeziehungen gemacht, liebt Jazz, vor allem, wenn er ihn selbst auf seinem Saxophon spielen kann, und Whisky, trinkt manchmal etwas zu viel, hat Kampfsporterfahrung und kommt aus einer alteingesessenen japanischen Familie. Er ist sehr sympathisch und bemüht sich, seine Mitmenschen zu verstehen, was ihm oft intuitiv gelingt. Gut gefallen haben mir die Ausflüge in Takedas Vergangenheit.

Probleme bereitet mir Claudia Harms, die mir alles andere als sympathisch ist, aus einer komplizierten Familie stammt und u. a. wohl auch deshalb kompliziert in Liebesdingen ist. Sie will immer perfekt sein, gelingt ihr das nicht, schiebt sie gerne die Schuld auf andere, wovor auch Takeda nicht gefeit ist. Am liebsten hat sie noch ihre Pflanzen, mit denen sie ihr Büro voll gestellt hat. Ihr Verhalten hat mich oft genervt.

Der Fall ist im Grunde interessant und bietet auch die Möglichkeit mitzuraten, hat aber zwischendurch beträchtliche Längen, vor allem in der zweiten Hälfte des Romans. Leider kommt es wieder einmal dazu, dass Ermittler (dieses Mal sogar beide) in Gefahr geraten, wobei mir das in einem Fall absolut konstruiert erscheint, es sich im anderen Fall dagegen interessant und auch spannend entwickelt. Üblicherweise mag ich solche Szenen nicht, hier ist der zweite Fall eine Ausnahme.

Die Auflösung ist nicht unlogisch und insgesamt okay.

Mir hat der Roman recht gut gefallen, besonders der Titelheld und seine Anstrengungen, seinen Job auch in einem fremden Land erfolgreich zu absolvieren, und mit seinen Mitmenschen, deren Mentalität er erst noch in Gänze erfassen muss, klar zu kommen. Das ist auch das große Plus des Romans. Es gibt bereits einen weiteren Roman der Reihe, den ich direkt im Anschluss lesen werde, mal sehen, wie sich die Protagonisten entwickeln und welcher Fall dann ins Haus steht.

Von mir gibt es 3,5 Sterne. Wer außergewöhnliche Ermittler mag, bzw. Ermittler, die sich in außergewöhnlichen Situationen befinden, könnte hier gut unterhalten werden.

Veröffentlicht am 04.09.2017

Ein Roman, auf den man sich einlassen muss

Die Verschwörung von Shanghai
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Shanghai, französische Konzession, 1931: Durch ein mehr oder weniger zufällig entstandenes Foto einer jungen Frau gerät der Fotograf Hsueh Weiss in turbulente Geschehnisse …

Der Autor, selbst in Shanghai ...

Shanghai, französische Konzession, 1931: Durch ein mehr oder weniger zufällig entstandenes Foto einer jungen Frau gerät der Fotograf Hsueh Weiss in turbulente Geschehnisse …

Der Autor, selbst in Shanghai geboren, nimmt den Leser mit in das Shanghai Anfang der 1930er Jahre, einer Zeit, die offenbar nicht nur in Europa turbulent gewesen ist. Der Start in den Roman ist nicht unbedingt einfach, denn der Leser wird fast erschlagen von der Fülle der Personen, von vielen Perspektivewechseln und von den Geschehnissen, die erst nach und nach eingeordnet werden können, es lohnt sich aber, dabei zu bleiben. Die Atmosphäre erscheint mir stimmig und ich fühlte mich mitgenommen in jene Zeit und an jenen Ort.

Im Anhang findet man ein Personenverzeichnis, das es etwas erleichtert, den Überblick über die vielen Charaktere, deren asiatische Namen zudem nicht immer leicht auseinanderzuhalten sind, zu behalten. Auch die Zeittafel im Anhang kann nützlich sein, wenn man etwas über die historischen Hintergründe der Geschehnisse erfahren will. Diese finden ihren Platz auch in der Geschichte, wenn auch nur knapp und oft als Momentaufnahmen, machten mir aber immer wieder Lust, mich weiter damit zu beschäftigen und ein bisschen selbst zu recherchieren. Leider findet sich keine Karte im Buch und auch ein Glossar habe ich vermisst.

Auch einige der Charaktere erhalten interessante Hintergründe, dennoch legt der Autor eher weniger Wert auf tiefgreifende Charakterzeichnungen, sein Fokus liegt klar auf dem Geschehen. Das ist ein bisschen schade, denn so kann man als Leser kaum Emotionen für die Charaktere aufbauen, auch ihre Handlungen kann man nicht immer nachvollziehen.

Ich finde die Geschichte interessant geschrieben und war oft gespannt, wohin sie mich führen würde. Das Ende finde ich gelungen und zur Geschichte passend. Dass die Erzählung auf tatsächlichen Ereignissen basiert, die aber viel Spielraum für die Fantasie des Autors ließen, hat mir gut gefallen, in seinem Nachwort erzählt der Autor ein bisschen darüber.

Ich habe den Roman gerne gelesen. Man muss sich auf ihn und die zum Teil fremden Mentalitäten der Akteure, sowie die Erzählweise des Autors einlassen, was sicher nicht jedem leicht fallen wird. Ich vergebe 3,5 Sterne.