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Mirko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.12.2025

Großartiges Finale

Trag das Feuer weiter
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Mit „Trag das Feuer weiter“ beschließt die marokkanisch-stämmige Französin Leila Slimani ihre große Trilogie. Darin erzählt sie die Geschichte, die von ihrer eigenen Familie inspiriert ist, die Geschichte ...

Mit „Trag das Feuer weiter“ beschließt die marokkanisch-stämmige Französin Leila Slimani ihre große Trilogie. Darin erzählt sie die Geschichte, die von ihrer eigenen Familie inspiriert ist, die Geschichte der Belhajs vom Ende des 2. Weltkriegs bis in die frühen 2000er Jahre.
In diesem 3. Band schließt sie nahtlos an die beiden Vorgänger-Romane an. Allein das muss man würdigen. Denn eine angekündigte Trilogie zu einem sinnvollen Ende zu führen, gelingt nicht jedem. Aber Slimani führt ihren literarischen Stil weiter; das Buch lässt sich sehr gut lesen. Man sollte aber auf jeden Fall die ganze Geschichte kennen, um das bestmögliche Leseerlebnis zu haben.
Im Mittelpunkt steht diesmal die Familie Daoud, rund um Aicha, die Tochter von Mathilde und Amine. Der Leser wird mitgenommen auf eine Geschichte, die einen tiefen Einblick in die marokkanische Kultur gibt. Dabei wird nicht angeklagt, nicht verurteilt, sondern nur leise beobachtet. Die Autorin erzählt schlichtweg von einer Familie, über drei Generationen hinweg. Es könnte eine beliebige Familie einer anderen Kultur sein, da es dieselben Höhen und Tiefen gibt.
Aber Slimanis Blick geht darüber hinaus. Sie erzählt von Identität und Herkunft, und darüber, welche Herausforderungen es birgt, in einem fremden Land zu leben. Wann ist man dazugehörig, wann ein Fremder? Sie erzählt von verkrusteten Strukturen, vom Konflikt zwischen Tradition und Moderne und darüber, was das mit den Menschen macht. Und sie erzählt vom Kampf der Frauen gegen Unterdrückung, aber gleichzeitig auch vom Kampf der Männer gegen Erwartungen, denen sie nicht immer genügen können.
Wie die Autorin das alles zusammenhält, ist ihr hoch anzurechnen. Denn sie nimmt sich vieler Themen an, ohne dass man das Gefühl bekommt, dass der Roman dadurch überfrachtet würde. Und sie bleibt stets objektiv, obwohl sie den Finger ein ums andere Mal in die Wunde legt. Letztlich erzählt sie aber vorrangig etwas über uns Menschen, egal in welchem Teil der Erde wir leben. Die Trilogie ist daher eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 19.10.2025

Plädoyer für mehr Verständnis

Ins hohe Gras
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Trevor Noah ist ein südafrikanischer Comedian, der bereits ein sehr erfolgreiches autobiografisches Werk namens „Born a crime“ veröffentlicht hat. Dieses habe ich schon einige Zeit auf meiner To-do-Liste ...

Trevor Noah ist ein südafrikanischer Comedian, der bereits ein sehr erfolgreiches autobiografisches Werk namens „Born a crime“ veröffentlicht hat. Dieses habe ich schon einige Zeit auf meiner To-do-Liste und nun steht der Plan, es in Kürze zu lesen.

Denn mit seinem neuesten Buch „Ins hohe Gras“, das sich zumindest vordergründig an Kinder richtet, hat er einige wunderbare Botschaften in die Welt gesetzt. Es geht um einen Jungen und seinen Bären. Der Junge mag es nicht, sich an Regeln zu halten, zum Beispiel sein Bett zu machen. Das ärgert ihn so sehr, dass er sich gemeinsam mit dem Bären auf den Weg in den Garten und darüber hinaus macht. Auf dem Weg treffen Sie verschiedenen „Wesen“, die wichtige Botschaften für Sie bereithalten. Mehr zum Inhalt will ich hier nicht verraten.

Aber worum geht es eigentlich wirklich?Noah will seinen Lesern wichtige Erkenntnisse aus seinem eigenen Leben mit auf den Weg geben. Ganz vorne steht dabei, dass Menschen mehr Verständnis füreinander aufbringen müssen; seien es Eltern und ihre Kinder, aber auch verschiedene Bevölkerungsgruppen oder Rassen könnte man an deren Stelle setzen. Sich einfach mal auf die andere Seite zu stellen, eine andere Meinung gelten zu lassen. Darüber hinaus geht es aber auch um Konfliktbewältigung, Kompromissbereitschaft, Vertrauen, Akzeptanz und die Bedeutung von Regeln. Das sind viele Themen, die man allesamt in dieser kurzen Geschichte finden kann. Gerade deshalb gelingt dem Autor seine Absicht, nicht ausschließlich ein Kinderbuch geschrieben zu haben. Ich denke, dass Kinder jeweils das aus der Geschichte ziehen werden, was sie selbst am meisten berührt. Und das ist auch völlig ausreichend. Denn um tatsächlich alle Facetten auszuleuchten, bedarf es einiger umfassender Überlegungen oder Gesprächen. Aber was wäre es für eine wunderbare Vorstellung, wenn das Buch Eltern und Kinder dazu anregt, miteinander in einen tiefen Dialog einzusteigen…

Nicht unerwähnt lassen möchte ich die tolle Bebilderung von Sabina Hahn. Diese liefert ein perfektes Match mit Noahs Text. Das Buch ist ein schönes Gesamterlebnis, das zum Nachdenken und Träumen anregt, aber auch und vor allem Empathie fördert.

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Veröffentlicht am 21.08.2025

Ein wilder Ritt

Dr. No
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Percival Everett ist ein genialer Schriftsteller. Dies ist der vierte Roman von ihm, den ich gelesen habe. Und eine derartige literarische Bandbreite ist mir tatsächlich selten begegnet. Denn jeder Roman ...

Percival Everett ist ein genialer Schriftsteller. Dies ist der vierte Roman von ihm, den ich gelesen habe. Und eine derartige literarische Bandbreite ist mir tatsächlich selten begegnet. Denn jeder Roman war anders, jeder Roman war besonders.
In Dr. No geht es um einen völlig durchgeknallten Schurken, der auf der Jagd nach dem Nichts ist, sowie einen Mathematikprofessor, der ihm dabei helfen soll. Das ist zumindest der grobe Rahmen, in den der Autor eine völlig durchgeknallte Geschichte, mathematische Fragestellungen und philosophische Diskussionen einbettet. Von Beginn an ist der Roman eine Achterbahnfahrt, die mit wenig anderen Werken zu vergleichen ist. Mir würden hier „Unsere Frau in Pjöngjang“ von Jean Echenoz oder „Christy Malries doppelte Buchführung“ von B.S. Johnson einfallen. Letztlich macht Everett aber hier sein eigenes Ding. Ihm ist vollkommen egal, ob er dabei mögliche literarische Regeln bricht oder was Leser erwarten oder denken. Er lässt seine kreative Schaffenskraft einfach genauso wirken, wie er sie fühlt. Was dabei herauskommt, ist natürlich äußerst speziell, aber auch ein großes Vergnügen. Natürlich fordert er den Leser enorm, insbesondere bei den mathematisch-philosophischen Abhandlungen. Ich war bemüht, habe aber ganz sicher auch nur einen Bruchteil dessen verstanden, was hier zum Ausdruck gebracht werden sollte. Aber genau das war ja die Absicht des Autors: Den Leser unterhalten und gleichzeitig fordern. Gewohnte literarische Ansätze aufbrechen und einfach mal etwas Neues auf den Markt werfen. Dabei hat er Themen eingeflochten, die ihn offensichtlich schon länger beschäftigt hatten.
Auch wenn ich das englischsprachige Original nicht kenne, möchte ich hier ausdrücklich den Übersetzer loben. Denn solch ein Werk in eine andere Sprache zu übertragen, ist gewiss beachtenswert. Auch den Mut des Hanser-Verlages ein solches Buch zu veröffentlichen, das es vermutlich schwer haben wird, einen großen Leserkreis zu gewinnen, muss man hervorheben. Ich finde es großartig, das es veröffentlicht wurde und bin dankbar, mich auf diese wilde Achterbahnfahrt begeben zu haben.

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Veröffentlicht am 10.08.2025

Zukunftsforschung für Kids

Kosmos SchlauFUX Roboter und KI
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Mit einem tollen und gut durchdachten Konzept für Kinder ab 8 Jahren glänzt dieses Sachbuch mit den Themen KI und Robotics. Ich habe es mit meinem Neffen (9 Jahre) gelesen, der es sofort super-interessiert ...

Mit einem tollen und gut durchdachten Konzept für Kinder ab 8 Jahren glänzt dieses Sachbuch mit den Themen KI und Robotics. Ich habe es mit meinem Neffen (9 Jahre) gelesen, der es sofort super-interessiert zur Hand genommen hat. Ich selbst hatte vor wenigen Wochen eine Tagung mit einem Zukunftsforscher und habe zahlreiche seiner Themen hier wiedererkannt. Das war auch insofern spannend, als ich erkennen konnte, wie gut das Buch recherchiert ist. Tatsächlich habe ich nichts vermisst. Auf je einer Doppelseite wird ein Kapitel behandelt. So bleibt es spannend und bunt, damit zu arbeiten. In welcher Reihenfolge das gemacht wird, ist dabei unerheblich. Die Kids werden sogar dazu animiert thematisch zu springen. Mein Daumen geht deutlich nach oben. Es ist für Kinder gemacht, aber selbst für Erwachsene als Einstieg in die Themenwelt geeignet.

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Veröffentlicht am 08.07.2025

Kraftvolle Novelle

Der Krabbenfischer
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Benjamin Wood erzählt hier die Geschichte von Thomas, einem jungen Mann, der allein mit seiner Mutter lebt und sich als Krabbenfischer im Großbritannien der Sechzigerjahre verdingt. Jeden Morgen fährt ...

Benjamin Wood erzählt hier die Geschichte von Thomas, einem jungen Mann, der allein mit seiner Mutter lebt und sich als Krabbenfischer im Großbritannien der Sechzigerjahre verdingt. Jeden Morgen fährt er mit seinem Pferd heraus an den Strand, um dort sein täglich Brot zu verdienen. Er führt ein einfaches, teils hartes Leben, ist mit wenig zufrieden, hat bescheidene Träume. Es gibt ein Mädchen, die Schwester seines Freundes, die ihn fasziniert. Aber er traut sich nicht, sie anzusprechen. Und er träumt davon, Musiker zu sein, und wenn es nur ein Auftritt auf einer heimischen Bühne mit seiner Gitarre ist. Eines Tages kommt ein Fremder in das Dorf und fragt Thomas, ob er ihm helfen kann, den Strand besser kennen zu lernen, weil er plant dort einen Film zu drehen. Denn der Fremde ist ein Regisseur, ein Freigeist, der seine Kreativität kaum zügeln kann.
Dies ist das Grundgerüst der Novelle von Benjamin Wood, einem 44-jährigen britischen Autor. Man sollte hier keine ausschweifende Handlungsstränge erwarten. Es ist eine einfache, kurze Erzählung, die allerdings einiges aufzubieten hat. Da ist zum einen die Sprache. Bereits auf den ersten Seiten ist man als Leser dazu in der Lage, sich in das Erzählte bestens hineinzuversetzen. Denn das Ganze ist so plastisch geschrieben, dass man die Gerüche und Geräusche der See förmlich erspüren kann. Die Charaktere sind einem von Beginn an nah. Sie sind authentisch und greifbar.
Und da ist die Symbolik der Erzählung. Denn das Auftauchen des fremden Regisseurs wird natürlich Bedeutung erlangen, die Balance im Leben von Thomas aus dem Gleichgewicht bringen. Auch hier darf man nicht eine zu komplexe Handlung erwarten, sondern sollte vielmehr auf das achten, was zwischen den Zeilen stattfindet.
Man findet hier eine Geschichte, die von Träumen, Hoffnung, den Beschränkungen des Lebens, Kreativität, Inspiration und noch viel mehr erzählt. Es geht darum, wie uns unbekannte Menschen in der Lage sind, unserem Leben eine neue Richtung zu geben. Und es geht darum, nicht nur auf den äußeren Schein zu achten, sondern sehr genau hinzusehen. Denn auch das, was uns erstrebenswert scheint, zeigt bei genauem Hinschauen häufig Risse.
Der Autor liefert nicht an jeder Stelle Antworten, regt aber den Leser, trotz der Kürze seiner Novelle vielseitig zum Nachdenken an. Er beeinflusst die Gefühlswelt des Lesers mit einfachen Mitteln. Es ist nicht die Komplexität von Handlung oder Sprache, mit welcher der Autor beeindruckt, sondern die Liebe zu seinen Figuren und die Fähigkeit gefühlvoll und tiefgründig zu schreiben. Deshalb ist dieser Kurzroman eine klare Leseempfehlung. Lässt man sich darauf ein, kann man tatsächlich reich belohnt werden.

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