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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.10.2025

Paradox, verwirrend, aber dennoch tiefgründig, wenn auch nur für wenige Menschen

Was ist Meditation?
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Zunächst einmal: Dieses Büchlein hat Jiddu Krishnamurti nicht verfasst. Vielmehr haben irgendwelche Menschen Auszüge aus dessen Vorträgen und Büchern unter diesem Titel zusammengestellt. Es soll erklären, ...

Zunächst einmal: Dieses Büchlein hat Jiddu Krishnamurti nicht verfasst. Vielmehr haben irgendwelche Menschen Auszüge aus dessen Vorträgen und Büchern unter diesem Titel zusammengestellt. Es soll erklären, was Meditation sei. Oder besser, was Krishnamurti darunter versteht.

Wer sich mit diesem Thema beschäftigt hat oder gar selbst meditiert, den wird es zunächst erheblich verwirren. Denn mehrfach betont Krishnamurti, dass das gar keine Meditation ist, sondern eine Illusion. Und in den meisten Fällen wird er da wohl recht behalten. Moderne Menschen sind auf zielgerichtetes Handeln getrimmt, ob sie das nun merken oder nicht. Sie kontrollieren sich, wollen wissen, wie weit sie schon gekommen sind. Wer das macht, zerstört von Anfang an alles. Jedenfalls dann, wenn man sich von allen Anhaftungen befreien möchte. Anhaftungen, so Buddha, sind die Ursache allen Unglücks. Sie fesseln den Geist und stören die Wahrnehmung.

Und nun wird es kompliziert, denn Krishnamurti benutzt Begriffe anders als das Menschen kennen, die sich mit der Materie etwas befasst haben. Er benutzt zum Beispiel das Wort Anhaftung nicht. Man liest stattdessen: „Meditation erfordert Freiheit vom Messen und bedeutet Freiheit von der Zeit.“

Und kurz danach folgt so etwas wie eine Definition: „Meditation ist die Umwandlung des Geistes, eine psychische Revolution, damit Sie im Alltag – nicht in der Theorie oder im Ideal, sondern in jeder Bewegung des Lebens – mit Mitgefühl, Liebe und jener Energie leben können, die Sie über die Kleinlichkeit und Enge, die Oberflächlichkeit des von Ihnen geführten Lebens hinauswachsen lassen. Wenn der Geist ruhig ist, wirklich still, nicht zum Verstummen gebracht durch Verlangen oder Wille, dann ist da diese vollkommen andere Bewegung, die nicht aus der Zeit kommt. Der Versuch, sie zu beschreiben, wäre absurd, einfach nur eine Beschreibung in Worten, nichts Wahres.“

Dieses kurze Zitat kann das ganze Büchlein ersetzen. Der letzte Satz zeigt, wie paradox das alles ist, denn schließlich sind alle Texte von Krishnamurti genau der Versuch das Unerklärliche zu erklären, obwohl er genau weiß, dass das gar nicht geht. Was vor diesem Satz steht, nennen andere Gurus „Erleuchtung“, aber nicht Mediation. Das ist unnötig verwirrend.

Man kann die „Umwandlung des Geistes“ auch durch Meditation im üblichen Sinne erreichen, wenn man damit nicht dieses Ziel verbindet, sondern immer wieder nur sitzt und zum Beispiel seinen Atem beobachtet und Abschweifungen nicht bewertet, sondern danach einfach weiter macht. Das aber ist sehr schwer, weil es einen Kulturbruch darstellt und wir ganz anders konditioniert sind. Deshalb zweifelt Krishnamurti auch daran, dass das, was er Meditation nennt, von vielen Menschen erlebt werden kann. Und da hat er mit Sicherheit recht.

Dennoch bewerte ich das Buch mit fünf Sternen, weil es sich zwar an den Geist wendet und ihn beschäftigt, aber es gibt eben auch plötzliche Erkenntnisse, die aus einer solchen Beschäftigung erwachsen und diesen zwanghaften Geist wirklich verändern. Das steht übrigens auch in diesem Buch.

Fast jeder hat schon einmal wenigstens kurzzeitig erlebt, was Krishnamurti unter Meditation versteht. Wenn man zum Beispiel im Sommer auf einer Wiese liegt und ein Insekt beobachtet, dass Nektar aus einer Blume saugt, dann ist der eigene Geist plötzlich völlig unbemerkt total leer, also gedankenfrei. Das ist es.

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Überraschung: "Die Natur ist näher als du denkst."

Moments in Nature
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Warum dieses wunderbare Buch einen englischen Titel besitzt, muss man nicht unbedingt verstehen. Oder doch? Es richtet sich unter anderem wohl an die vielen Follower des Fotografen auf TikTok und Instagram. ...

Warum dieses wunderbare Buch einen englischen Titel besitzt, muss man nicht unbedingt verstehen. Oder doch? Es richtet sich unter anderem wohl an die vielen Follower des Fotografen auf TikTok und Instagram. Während sich auf diesen Plattformen meistens das zur Selbstdarstellung neigende Mittelmaß trifft, kann man das von Gamander Lopez nicht behaupten. Er ist als Fotograf Spitze. Und er kann mit der Natur verschmelzen, ob nun im Tarnzelt oder ohne. Anders kommen solche Bilder nicht zustande. Sie erfordern ein tieferes Verständnis der Natur, Ruhe und vor allem Geduld.

Ohne Erfahrung und Verständnis würde man die im Buch auftauchenden Tiere nicht finden. Und ohne Ruhe und Geduld sieht man sie nie in den Situationen, die Lopez in seinen wunderbaren Bildern eingefangen hat. Natürlich gehören dazu auch eine gehobene Fotoausrüstung, fotografisches Können und ein Blick für das entstehende Bild. Einfach so mal draufhalten reicht da nicht.

Mancher findet die Texte in diesem Buch nicht so toll. Doch man muss halt beachten, dass sie sich auch an die vielen Follower richten, also an ein vorwiegend junges Publikum. Die Geschwister sind keine Profis, sondern eher Jugendliche, die schon früh Lust auf Beobachtungstouren in der Natur bekam und über eine gewisse fotografische Ausrüstung verfügte. Man merkt die fehlende Professionalität vor allem an den Texten und überhaupt nicht an den Bildern.

Vielleicht wundert sich manch Betrachter, dass es doch tatsächlich Natur vor unseren Haustüren gibt. Nun, man muss da einfach mal hingehen und sie entdecken wollen. Und das gelingt nur, wenn man sich so verhält wie die Tiere, die man dort möglicherweise sucht: ruhig, vorsichtig, still und geduldig. Alles Eigenschaften, die selten sind. Andererseits beruhigt mich das. Ein Mensch mit so vielen Followern setzt vielleicht Trends. Und wenn nun plötzlich viele junge Menschen im Wald herumspringen würden um es Lopez nachzumachen, wäre das fatal. Aber dazu wird es nicht kommen, denn das ist anstrengend, anspruchsvoll und erfordert eben Eigenschaften, die Leute nicht entwickeln können, wenn sie ständig in irgendwelchen Plattformen nach Unterhaltung herumsuchen statt in den Wald zu gehen.

Kurz gesagt: Dieses Buch ist fotografisch eine Augenweide und kann in seiner Aussage nur Leute überraschen, die einfach zu lange süchtig auf ihre elektronische Lebenshilfe gucken. Meine Bewertung bezieht sich vor allem auf die hervorragenden Bilder.

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Veröffentlicht am 20.10.2025

Über realen Neid und düstere Glücksvampire

Maggie Blue - Das Portal zur Düsterwelt
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Manchmal lese ich dann doch andere Rezensionen, vor allem wenn es wie bei diesem Jugendbuch recht viele sind. Unfreiwillig erhält man dabei einige Einblicke in die Lebenswelt der heutigen Elterngeneration. ...

Manchmal lese ich dann doch andere Rezensionen, vor allem wenn es wie bei diesem Jugendbuch recht viele sind. Unfreiwillig erhält man dabei einige Einblicke in die Lebenswelt der heutigen Elterngeneration. Einige vermissen an diesem Buch die Magie. Naja, ein wenig Glitzer kommt ja vor, aber eben auf Kosten anderer. Und dann fehlt einigen eine Trigger-Warnung. Gibt es die eigentlich auch inzwischen bei Grimms Märchen? Wieso haben Millionen Menschen die Harry-Potter-Bücher schadlos überlebt?

Wer sich ein Buch kauft, in dessen Titel das Wort Düsterwelt vorkommt, sollte sich hinterher nicht beschweren, dass es in der Düsterwelt düster ist. Im Gegensatz zu gewissen überempfindlichen oder zartbesaiteten Zeitgenossen empfand ich dieses Buch als völlig harmlos. Und mir war seine Heldin von Anfang an sympathisch. Ja, Menschen tun sich mit scheinbaren Außenseitern und starken Charakteren schwer, weil sie bei ihnen auf Eigenschaften und Fähigkeiten treffen, die sie nicht besitzen. Und Neid ist bekanntlich eine Auszeichnung.

Maggie Blue Brown hat es nicht leicht. Ihr Vater hat sich eine andere Frau gesucht, und ihre Mutter leidet unter Depressionen. Maggie lebt deshalb bei ihrer etwas seltsamen Tante und muss in eine neue Schule gehen, wo sie auf die üblichen minderbemittelten Neider trifft. Auf dieser Seite scheint auch Ida zu stehen, die scheinbar auf der Sonnenseite lebt. Doch dieser Schein trügt wie so häufig.

Und dann verschwindet Ida auch noch durch ein seltsames Portal, das nur Maggie sehen kann, in die Düsterwelt. Das ist so eine Art Paralleluniversum. Dort herrscht ein Typ, der aus dem Glück anderer Menschen, die er extra dafür entführen lässt, seinen Rausch zieht. Maggie durchschreitet das Portal, um Ida zurückzuholen. Natürlich wird ihr das gelingen, ansonsten wäre diese Geschichte nicht geschrieben worden.

Die ist jedoch keinesfalls eine dieser üblichen seichten Magiegeschichten, sondern besitzt einen durchaus ernsthaften Hintergrund. Auch im realen Leben gibt es sie nämlich, diese Energievampire, die andere aussaugen. Dazu wurden ganze Bibliotheken von Lebenshilfebüchern geschrieben. Insofern handelt es sich bei diesem Buch zwar um eine Fantasy-Geschichte, die jedoch einen durchaus nachvollziehbaren und ernsthaften Hintergrund besitzt. Und Maggie ist keine von diesen magischen Alleskönnern mit Strahlkraft, sondern ein ungewöhnliches Mädchen mit einem realistischen Charakter.

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Veröffentlicht am 20.10.2025

"Wilfried (war) auch an Land ein Einhandsegler"

Wilfried Erdmann - von außen nach innen
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Diese Worte stammen von Burghard Pieske, ebenfalls eine Segellegende, ein Freund von Erdmann, aber auch ein Gegensatz zu ihm. Vielleicht muss man die Einsamkeit lieben, wenn man alleine in einem kleinen ...

Diese Worte stammen von Burghard Pieske, ebenfalls eine Segellegende, ein Freund von Erdmann, aber auch ein Gegensatz zu ihm. Vielleicht muss man die Einsamkeit lieben, wenn man alleine in einem kleinen Segler die Welt umrundet. Wilfried Erdmann, vielleicht bis vor kurzem der bekannteste deutsche Segler, war so ein Einzelgänger. Vielleicht hat ihn nun Boris Herrmann an Bekanntheit überholt, weil er im Gegensatz zu Erdmann auf allen Kanälen sendet. Etwas, was Erdmann sicher nicht eingefallen wäre.

An ihn erinnern sich neben Pieske und Herrmann noch 18 andere bekannte Persönlichkeiten in diesem Buch. Damit erhält man einen neuen Eindruck von Erdmann, wenn man ihn bislang nur aus seinen Büchern kannte. In diesem Sinne ist dieser Band sehr empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 20.10.2025

Ringelnatz und kein Plan

Mein merkwürdig schöner Sommer mit Luna
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Skat ist übrigens ein dänischer Name, behauptet jedenfalls eine Suchmaschine. Natürlich gebührt deutschen Eltern, die ihren Sohn Skat nennen wenigstens ein Preis der Stadt Altenburg. Oder man sollte ihnen ...

Skat ist übrigens ein dänischer Name, behauptet jedenfalls eine Suchmaschine. Natürlich gebührt deutschen Eltern, die ihren Sohn Skat nennen wenigstens ein Preis der Stadt Altenburg. Oder man sollte ihnen vielleicht einfach einen Vogel zeigen.

Skat jedenfalls soll seine Sommerferien in Cuxhaven verbringen. Im Zug dorthin trifft er auf Luna, die von zu Hause abgehauen ist, weil sie herausgefunden hat, dass ihr Papa nicht ihr biologischer Vater ist. Sie ist sauer auf ihre Eltern. Und die hatten es wirklich schwer, denn wann ist der richtige Zeitpunkt für eine solche Offenbarung? Etwaige Einsichten kann man von einer Elfjährigen allerdings nicht verlangen oder erwarten.

Lunas einzige Information ist ein Foto, das ihre Mutter und ihren wirklichen Vater in Cuxhaven zeigt. Dort wohnt übrigens ihre Oma von der Mutterseite, wohin es Luna nun zieht. Skat verspricht Luna seine Hilfe bei der Vatersuche in Cuxhaven. Und davon berichtet dieses Buch. Sein Anfang ist sprachlich etwas holprig, aber dann wird es deutlich besser und durchaus spannend.

Man kann ja wirklich froh sein, wenn es noch Kinderbücher gibt, die tatsächliche Probleme thematisieren und in denen niemand hexen oder zaubern kann oder in irgendwelche ausgedachten Parallelwelten flieht um dies und das zu retten. Hier geht es um ein nicht seltenes Problem, das gerne verschwiegen wird. Allerdings ist Luna kein Kuckuckskind, was die ganze Geschichte dann wieder etwas einfacher macht.

Ob Lunas und Skats Suche erfolgreich sein wird, kann hier nicht verraten werden. Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, weil es nicht lebensfremd ist, sondern spannend und kindgerecht ein echtes Problem und eine verletzte Kinderseele beschreibt.

Ach ja, Ringelnatz. Auf der Rückseite des Fotos, das Luna von ihrem Vater zu Hause fand, steht ein Ringelnatz-Wort. Und in Cuxhaven gibt es ein Ringelnatz-Museum. Eine Spur? Ich finde es bemerkenswert, dass die Autorin Schülern der fünften Klasse Kenntnisse über Ringelnatz zutraut. Mich würde das sehr überraschen.

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