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Veröffentlicht am 20.10.2025

Briefe, Biss und britischer Humor

Die Briefeschreiberin
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Wer hätte gedacht, dass das Lesen von Briefen einer 73-jährigen Frau so fesselnd sein kann? Sybil van Antwerp, diese leicht ruppige, aber unfassbar charmante Dame, hat mich beim Lesen durch ein Wechselbad ...

Wer hätte gedacht, dass das Lesen von Briefen einer 73-jährigen Frau so fesselnd sein kann? Sybil van Antwerp, diese leicht ruppige, aber unfassbar charmante Dame, hat mich beim Lesen durch ein Wechselbad der Gefühle geschickt – von herzhaftem Lachen bis zu leisen Momenten, in denen man kurz die Luft anhält. Diese Frau schreibt, wie andere atmen: ehrlich, spitz, manchmal grantig, aber immer voller Leben. Und irgendwie erkennt man sich in ihren Gedanken öfter wieder, als einem lieb ist.

Virginia Evans hat hier einen Briefroman hingelegt, der nach Papier, Tinte und Leben riecht. Zwischen Witz und Wehmut erzählt sie von einer Frau, die alles hatte – und trotzdem auf der Suche blieb. Ich mochte besonders, wie ungeschönt Sybil ist: kein weichgespültes Altersidyll, sondern eine Frau mit Geschichte, Ecken, Macken und Herz. Ein bisschen wie die Lieblingsoma, die einem beim Kaffeeklatsch unbequeme Wahrheiten um die Ohren haut – und genau deswegen unvergesslich bleibt.

Einziger kleiner Wermutstropfen: Zwischendurch verliert der Roman etwas Tempo. Manche Briefe hätten ruhig einen Tick weniger Philosophie und einen Tick mehr Handlung vertragen. Aber dann haut Evans wieder so eine Beobachtung über das Menschsein raus, dass man das Buch grinsend zuklappt und denkt: „Mist, das war echt gut.“

Unterm Strich: Ein leises, kluges und überraschend witziges Buch über das Leben, das Altern und die Kunst, ehrlich zu sich selbst zu sein – und zu denen, die man liebt. Für alle, die Briefe noch mögen, bei denen die Tinte ein bisschen verschmiert und das Herz mitschwingt.

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Veröffentlicht am 20.10.2025

Medienzirkus mit Schleudergang

Aufsteiger
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Karriere, Macht, Eitelkeiten – Peter Huth haut in Aufsteiger richtig auf den Putz. Diese Geschichte ist wie ein Espresso-Shot mit Pfeffer drin: scharf, wachmachend und irgendwie unangenehm ehrlich. Felix ...

Karriere, Macht, Eitelkeiten – Peter Huth haut in Aufsteiger richtig auf den Putz. Diese Geschichte ist wie ein Espresso-Shot mit Pfeffer drin: scharf, wachmachend und irgendwie unangenehm ehrlich. Felix Licht, einst goldenes Kind des Journalismus, steht kurz vor dem Ziel, als man ihm die Chefredakteursstelle vor der Nase wegschnappt. Und wer kriegt sie? Natürlich Zoe Rauch – jung, brillant, wunderschön und exakt die Frau, die ihm nie aus dem Kopf ging. So nimmt das Chaos seinen Lauf.

Huth zeichnet seine Figuren so scharf, dass man sich fast schneidet. Jeder will glänzen, keiner will verlieren – und am Ende verlieren sie alle ein Stück Würde. Das ist bitter, aber verdammt gut beobachtet. Der Autor weiß, wie Medienmenschen ticken, wie Eitelkeit sich tarnt und wie leicht Moral zur Pose wird. Dabei schreibt er mit einem süffisanten Witz, der oft weh tut, aber immer Spaß macht.

Manchmal dreht Huth etwas zu sehr auf – ein bisschen weniger Rasanz hätte der Story gutgetan, um den Figuren noch mehr Tiefe zu geben. Aber hey, wer will schon Tiefenbohrungen, wenn die Oberfläche so schön glitzert? Aufsteiger ist ein bissiger, sarkastischer Rundumschlag über die Medienwelt, den Selbstbetrug und das bittersüße Gefühl, wenn man merkt: Das Leben ist kein Leitartikel.

Kurz gesagt: ein modernes Gesellschaftsdrama, das mit Tempo, Witz und Abgrund unterhält – perfekt für alle, die ihre Satire gern mit einem Schuss Wahrheit trinken.

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Veröffentlicht am 19.10.2025

Wenn der Airfryer mein neuer bester Freund wird

Einfach und schnell kochen mit dem Ninja®
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Kaum zu glauben, was dieses kleine Küchengerät alles kann. Der Ninja®-Airfryer hat mich schon vorher neugierig gemacht – aber mit Einfach und schnell kochen mit dem Ninja® von Nadja und Artur Koos hat ...

Kaum zu glauben, was dieses kleine Küchengerät alles kann. Der Ninja®-Airfryer hat mich schon vorher neugierig gemacht – aber mit Einfach und schnell kochen mit dem Ninja® von Nadja und Artur Koos hat er offiziell Einzug in meinen Alltag gehalten. Das Buch verspricht unkomplizierte Rezepte für Familien, die nicht ewig in der Küche stehen wollen – und genau das liefert es auch.

Die Koos schaffen es, mit einem Mix aus bodenständigen Gerichten und kleinen Wow-Momenten richtig Lust aufs Nachkochen zu machen. Pesto-Bagels am Morgen, Lasagne-Tacos zum Mittag und zum Abschluss Churros mit Schokosoße – ja, das Leben kann so schön duften! Besonders cool: Die Rezepte sind so geschrieben, dass man auch mit zwei schmutzigen Pfannen, einem hungrigen Kind und einer Hand am Telefon noch irgendwie klarkommt.

Klar, nicht jedes Gericht ist der absolute Burner – ein paar Sachen schmecken halt nach „zu viel Air, zu wenig Fry“. Aber die Erfolgsquote ist hoch, die Zutatenlisten sind realistisch (kein „ein Hauch von Drachenfruchtpulver aus Bali“) und die Ergebnisse schmecken überraschend gut. Die Tipps rund um den Airfryer sind nützlich, gerade für Einsteiger, die sich fragen, warum das Ding manchmal lauter klingt als ein startender Jet.

Optisch ist das Buch hübsch gemacht – viele Fotos, appetitlich, familiär. Man merkt, dass Nadja und Artur wissen, was sie tun, und Spaß an der Sache haben. Wer Lust auf einfache, schnelle, aber trotzdem leckere Küche hat, wird hier glücklich. Perfekt für alle, die keine Zeit, aber Hunger haben.

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Veröffentlicht am 18.10.2025

Magie, Chaos und ein Fahrradkurier auf Abwegen

Das vergessene Museum
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Chaos, Magie und ein Fahrradkurier – klingt nach einem schlechten Witz? Nope, klingt nach Liam! Der Typ liefert in London eigentlich nur Pakete aus und landet plötzlich mitten in einem Überfall, bekommt ...

Chaos, Magie und ein Fahrradkurier – klingt nach einem schlechten Witz? Nope, klingt nach Liam! Der Typ liefert in London eigentlich nur Pakete aus und landet plötzlich mitten in einem Überfall, bekommt ein mysteriöses Tattoo vom sterbenden Kurator und wird – zack – zum neuen Siegelwahrer eines geheimen Museumsnetzwerks. Klingt verrückt? Ist es auch. Und genau das macht’s so unterhaltsam.

Suchanek hat hier ein richtig schönes Urban-Fantasy-Brett hingelegt: London voller Magie, Artefakte mit gefährlichen Kräften und ein Hauch Dan-Brown-Feeling, nur ohne das ganze Agenten-Gehabe. Stattdessen bekommt man einen sympathischen Underdog, der zwischen Fahrradketten und Geisterflüchen versucht, nicht völlig durchzudrehen. Das Tempo ist hoch, der Humor sitzt, und die Welt wirkt erstaunlich greifbar.

Klar, das Rad erfindet der Autor nicht neu. Einige Wendungen sind vorhersehbar, und die Figuren könnten stellenweise etwas mehr Tiefe vertragen – besonders Liam, der zwar charmant, aber manchmal ein bisschen zu glatt rüberkommt. Trotzdem: Die Idee mit dem magischen Museumsnetzwerk ist genial und macht Lust auf mehr. Der Showdown ist filmreif, die Atmosphäre dicht, und die Magie hat genau die richtige Dosis Wahnsinn.

Unterm Strich? Ein gelungener Auftakt, der mich bestens unterhalten hat. Schnell, spannend, britisch-magisch – und mit ordentlich Chaosfaktor. Ich sag’s mal so: Wenn mein Fahrrad jemals magisch glüht, weiß ich jetzt wenigstens, worauf ich mich einlasse.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Albtraum auf der Ostsee – bitte nicht ans Deck gehen!

Die Überfahrt
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Wer hätte gedacht, dass eine gemütliche Fährfahrt so rasant in die Hölle abbiegen kann? Anfangs schwappt hier noch die typische Ostsee-Partystimmung über – laute Musik, billiger Alkohol, peinliche Karaoke-Einlagen ...

Wer hätte gedacht, dass eine gemütliche Fährfahrt so rasant in die Hölle abbiegen kann? Anfangs schwappt hier noch die typische Ostsee-Partystimmung über – laute Musik, billiger Alkohol, peinliche Karaoke-Einlagen – man riecht fast den Bierdunst zwischen den Seiten. Doch dann schleichen Mutter und Kind an Bord, und plötzlich kippt die Stimmung schneller als ein Tablett Schnaps bei Seegang.

Mats Strandberg hat’s drauf, die scheinbar harmlosen Szenen mit so einer unterschwelligen Unruhe aufzuladen, dass einem schon mulmig wird, bevor das Grauen überhaupt richtig losgeht. Und wenn es dann losgeht, dann aber volle Breitseite: blutig, fies, überraschend emotional. Ich hatte Gänsehaut, Schweißhände und kurzzeitig ernsthaft den Gedanken, alle Fährreisen für die nächsten 20 Jahre abzusagen.

Was Strandberg besonders gut kann, ist diese Mischung aus Gesellschaftsstudie und Horror. Jeder Charakter ist glaubwürdig – von der müden Barkeeperin über den prolligen Junggesellen bis hin zum kleinen Kind, das eigentlich nur schlafen will, während draußen die Hölle losbricht. Der Horror ist nicht nur im Übernatürlichen zu finden, sondern auch in den Menschen selbst.

Ein paar Längen schleichen sich zwischendurch ein, und der Horror hätte zum Ende hin noch eine Spur mehr Wumms vertragen können. Trotzdem: „Die Überfahrt“ ist wie eine Nacht auf See mit bösem Erwachen – beklemmend, intensiv und mit einem literarischen Wellengang, der ordentlich nachschwingt. Wer Fitzek zu brav findet und King zu langatmig, wird hier glücklich – oder zumindest herrlich verstört.

Fazit: Skandinavischer Horror mit Gänsehautgarantie und überraschend viel Herz. Danach trinkt man lieber an Land.

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