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Veröffentlicht am 08.12.2025

Atmosphärisch dicht, aber überfrachtet

Flutrache
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Der vierte Band der Ostfriesland-Krimi-Reihe um Kommissar Stephan Möllenkamp und Journalistin Gertrud Boekhoff beginnt vielversprechend: Ein unter einer Lenin-Statue erschossener Mann zieht Möllenkamp ...

Der vierte Band der Ostfriesland-Krimi-Reihe um Kommissar Stephan Möllenkamp und Journalistin Gertrud Boekhoff beginnt vielversprechend: Ein unter einer Lenin-Statue erschossener Mann zieht Möllenkamp in ein komplexes Netz, das von Kommunismus, DDR-Verbrechen und Waffenschmuggel bis weit in die Vergangenheit reicht.
​Das Buch punktet zweifellos mit seiner intensiven Atmosphäre. Die Autorin schafft es, das Setting der von Wasser bedrohten Küstenlandschaft lebendig und beklemmend darzustellen. Auch der Kernkonflikt aus Naturgewalt, Schuld und Vergeltung ist gut angelegt, und die Figuren sind grundsätzlich solide gezeichnet.
​Leider kippt die Geschichte jedoch ins völlig Überladene.
​Was als kunstvolle Verflechtung von Handlungssträngen gedacht war, wird schnell zu einem "Kabelsalat im Hirn". Es gibt schlicht zu viele Nebenfiguren, Nebenschauplätze, Zeitebenen und eine unübersichtliche Menge an persönlichen Verbindungen.
​Besonders störend empfand ich die überbordende Thematik – die vielen einzelnen Fäden zwischen diversen Straftaten von heute und gestern haben mich irgendwann den Durchblick verlieren lassen. Mir schien es, als wollte die Autorin zu viel auf einmal erzählen, und die Verknüpfung dieser wirren Fäden (DDR-Verbrechen, Waffenschmuggel etc.) ist leider nicht gelungen.
​Auch der Versuch, die Authentizität durch die Mischung von Deutsch mit niederländischen Phrasen zu steigern, hat meinen Lesefluss gehemmt. Ständiges Nachschlagen der Übersetzungen hat mich aus der eigentlichen Geschichte gerissen.
​Fazit:
​"Flutrache" ist ein atmosphärisch starkes Werk, das leider an seinem eigenen Anspruch scheitert. Die Überfrachtung mit Handlungssträngen, Figuren und der sprachliche Aufwand machten es schwer, mich auf die Geschichte einzulassen. Obwohl ich mich in jedem Kapitel neu bemüht habe, konnte mich das Buch weder erreichen noch abholen. Schade, denn die Grundidee hatte viel Potenzial.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 28.11.2025

Puderzucker oder Schneesturm?

Falling Like Snow
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Heute nehme ich euch mit in die Welt von Erin Doom und ihrem New-Adult-Roman Falling like Snow. Ehrlich gesagt, bin ich mit meinen 46 Jahren vielleicht nicht mehr die primäre Zielgruppe für Highschool-Dramen, ...

Heute nehme ich euch mit in die Welt von Erin Doom und ihrem New-Adult-Roman Falling like Snow. Ehrlich gesagt, bin ich mit meinen 46 Jahren vielleicht nicht mehr die primäre Zielgruppe für Highschool-Dramen, aber hey, ein gutes Buch hat kein Alter!
​Die Atmosphäre:
​Der Einstieg hat mich sofort abgeholt. Die Autorin hat ein Händchen dafür, Stimmungen zu kreieren, die man fast riechen kann. Der Kontrast zwischen Ivys verlorener Heimat Kanada – der Stille der zugefrorenen Seen – und dem neuen, rauschenden Leben an der kalifornischen Küste ist atmosphärisch grandios. Ivys Trauer um den Verlust ihrer Familie ist greifbar, und dieser melancholisch-warme Spannungsbogen zwischen Kälte und Sonne ist definitiv die größte Stärke des Buches.
​Die Metapher der Schneeglöckchen als Symbol für Hoffnung und Neuanfang? Wunderschön und feinfühlig durch die gesamte Handlung gezogen. Ein echter Pluspunkt.
​Die Protagonisten:
​Ivy: Ich war ihr sofort verfallen! Sie ist ein stiller Wirbelsturm, stark in ihrer Zerbrechlichkeit. Sie trägt die ganze Geschichte, und ihre Authentizität macht die vorhersehbaren Elemente wett.
​Mason: Ah, dieser „Bookboyfriend“... Hier musste die 46-jährige Pragmatikerin in mir tief durchatmen. Seine ständige Abweisung und sein miserables Verhalten Ivy gegenüber waren anstrengend und nur schwer nachzuvollziehen. Die Slow-Burn-Romance war hier fast schon eine No-Burn-Romance, weil sich mein Leserinnenherz schon früh verschlossen hatte, bevor die beiden überhaupt mal vernünftig miteinander reden konnten. Schade, da wurde viel Potenzial verschenkt.
​Das Drama:
​Und hier kommen wir zum Punkt, der mich als reifere Leserin ein bisschen gestört hat. Die Story beginnt mit Crime-Elementen und emotionalem Tiefgang, verliert sich aber gegen Ende in einer Überfülle an Ereignissen. Es fühlte sich an, als hätte man alle Register gezogen und sämtliche Nebenhandlungen in die letzten Kapitel gepresst.
​Ganz ehrlich, manchmal hatte ich das Gefühl, ich wäre in einer besonders düsteren, überdramatischen Folge von Élite gelandet – reich, viele Geheimnisse, alles ein bisschen gewollt literarisch und übertrieben. Auch das ganze kryptografische Nebenthema? Für mich hätte das die Liebesgeschichte nur unnötig verkompliziert. Die sanfte Geschichte zwischen Ivy und Mason trägt sich auch ohne diesen "Zusatz-Ballast".
​Mein Fazit:
​Falling like Snow hat eine wunderschöne Seele, starke emotionale Ansätze und einen wirklich poetischen Schreibstil, der Gänsehautmomente schafft. Man nimmt aus der Geschichte etwas mit; sie ist keineswegs nur einfache Unterhaltung.
​Die Autorin hat Talent, aber für mich hat sich die Geschichte manchmal in ihrem eigenen Melodrama verheddert. Ich bin vielleicht einfach ein kleines bisschen zu alt für diese Art von Highschool-Drama. Aber für die Zielgruppe, die feinfühlige Coming-of-Age-Geschichten und zarte Neuanfänge liebt, die sich leise ins Herz schleichen, ist dieses Buch eine klare Empfehlung!
​Die Frage am Ende: Waren es Schneeglöckchen der Hoffnung? Absolut. Gab es auch einen Sturm aus übertriebener Dramatik? Leider ja.

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Veröffentlicht am 23.10.2025

Geister, Charme und Cliffhanger: Ein solider Fall im Spukschloss

MacTavish & Scott - Das Geheimnis von Oxburn Castle
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Mit "Das Geheimnis von Oxburn Castle" liefern Finola MacTavish und Anne Scott ihren nunmehr zehnten Fall ab. Die beiden Lady Detectives ermitteln diesmal in einem schottischen Spukschloss, was an sich ...

Mit "Das Geheimnis von Oxburn Castle" liefern Finola MacTavish und Anne Scott ihren nunmehr zehnten Fall ab. Die beiden Lady Detectives ermitteln diesmal in einem schottischen Spukschloss, was an sich schon für eine unterhaltsame und stimmungsvolle Kulisse sorgt.
​Der Schreibstil der Autorin ist gewohnt flüssig und leicht zu lesen. Die Geschichte ist gut erzählt und die zwei charmanten und profilierten Detektivinnen sind ein absolutes Highlight. Besonders hervorzuheben sind auch die kurzen Kapitel, die für ein rasantes Tempo sorgen. Der geschickte Aufbau, der ab einem bestimmten Punkt zwischen zwei Fällen wechselt und somit ständig kleine, wirkungsvolle Cliffhanger erzeugt, hat die Spannung konstant hochgehalten. Man wird förmlich in die Geschichte hineingezogen.
​Es ist eine sehr unterhaltsame und fesselnde Geschichte, die Spannung mit authentischem Lokalkolorit verbindet. Die Charaktere, die Situationen und die Gegenden sind hervorragend und lebendig beschrieben.
​Allerdings hatte die Geschichte einige Längen und war nicht immer gleichmäßig packend. Während die Cliffhanger Neugier weckten, konnte die Auflösung der einzelnen Stränge das hohe Spannungsniveau nicht immer aufrechterhalten. Manchmal wirkte die Handlung etwas vorhersehbarer als erhofft.
​Zusammenfassend ist "Das Geheimnis von Oxburn Castle" eine nette und solide Fortsetzung. Es ist ein guter Cosy Crime für zwischendurch, der Fans der Serie sicherlich gefallen wird, aber kein herausragender Band, den man in einem Rutsch verschlingen muss.

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