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BrigittesitztinderMitte

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.01.2026

Die Welt auf einen kulinarischen Nenner gebracht

Liefern
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Berlin, Tel Aviv, Delhi, Istanbul, Buenos Aires. Was diese Millionenmetropolen eint, ist, dass deren Bewohner ständig Hunger haben. Dieser Hunger lässt sich weltweit am besten stillen mittels Essenslieferdiensten. ...

Berlin, Tel Aviv, Delhi, Istanbul, Buenos Aires. Was diese Millionenmetropolen eint, ist, dass deren Bewohner ständig Hunger haben. Dieser Hunger lässt sich weltweit am besten stillen mittels Essenslieferdiensten. Unter dieser Prämisse erschafft der Autor eine weltumspannende Erzählung, die Einblick in das multikulturelle Universum der Lieferdienste gewährt. Konkurrenzdruck, Ausbeutung, Heimweh, Familiennachzug und teilweise mafiöse Strukturen prägen global die Welt des schnellen Hungerstillens. Die Welt ist ein Dorf und so verwebt der Autor die portraitierten Einzelschicksale zu einem Netz, in dem jeder auf gewisse Weise mit anderen verbunden ist. Kulturschocks jeglicher Art sind dabei vorprogrammiert und erwünscht. Hinzu kommt eine wahnwitzige Beschreibung eines Haartransplantations-Trips nach Istanbul, welcher der Leser so garaniert noch nicht kennt.

Ein humorvoller, aber auch nachdenklich stimmender Roman. Leider waren für mich die Themen-, Personen- und Schauplatzwechsel etwas gar wild und hektisch konstruiert. Ab einen gewissen Punkt hatte ich Mühe, mit dem Geschehen noch Schritt zu halten. Insgesamt aber ein sehr unterhaltsamer Roman in einem tollen Setting.

Veröffentlicht am 06.12.2025

Suche nach Selbstbestimmung

Was vor uns liegt
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Rom, in den 1930er Jahren. Wir lernen acht junge Frauen kennen, die in einem von Nonnen geführten Wohnheim leben und tagsüber an der Universität studieren. Nicht nur in diesem Konvikt herrschen strenge ...

Rom, in den 1930er Jahren. Wir lernen acht junge Frauen kennen, die in einem von Nonnen geführten Wohnheim leben und tagsüber an der Universität studieren. Nicht nur in diesem Konvikt herrschen strenge Regeln. Auch in der konservativen, erzkatholischen Gesellschaft wird von allen Seiten vorgegeben, was für junge Frauen - ganz besonders ledige Frauen - schicklich ist. Ein einziger Fehltritt kann Folgen haben.

Trotz teilweise gefängnisähnlichen Zuständen fühlt sich die Frauengruppe dort sicher und gehalten. Die Studentinnen halten heimliche Seancen ab und vertrauen sich ihre privaten Geheimnisse an. Sie alle träumen vom Leben nach dem Studium. Jede hat dazu ihre eigenen Vorstellungen, doch gemeinsam haben sie alle den Wunsch nach Unabhängikeit, Selbstbestimmung und aufrichtiger Liebe.

Dieser Roman wurde 1938 erstmals veröffentlicht und vom damaligen Mussolini-Regime wegen Subversion verboten. Dass ein Roman, in dem fiktive Frauenfiguren in einem katholischen Wohnheim über ihre Lebensplanung sinnieren, zensiert werden musste, ist beachtlich. Die Faschisten mussten schon sehr grosse Angst um ihr Patriarchat haben.

Insgesamt ein kluger, mutiger und erstaunlich zeitloser Roman. Mit acht Protagonistinnen hatte ich allerdings bis zuletzt Mühe, diese alle richtig zuzuordnen, sowohl namentlich als auch personenbezogen. Echte Sympathien konnte ich aufgrund deren Anzahl auch nicht zu allen Figuren entwickeln. Darum fehlt von meiner Seite der letzte Stern.

Veröffentlicht am 23.10.2025

Hinter der Idylle

Heimat
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Jana ist schwanger mit dem dritten Kind. Sie ist mit ihrer Familie in ein ländliches Neubaugebiet gezogen und trägt noch die rosarote Brille, durch die sie vom heilen, idyllischen Landleben träumt. Doch ...

Jana ist schwanger mit dem dritten Kind. Sie ist mit ihrer Familie in ein ländliches Neubaugebiet gezogen und trägt noch die rosarote Brille, durch die sie vom heilen, idyllischen Landleben träumt. Doch schon bald wird sie mit der Tatsache konfrontiert, dass gerade in den ländlichen Gebieten ein grosser Rechtsrutsch passiert. Da sie ohne Absprache mit ihrem Mann ihren Job gekündigt hat, kriselt zudem die Ehe und es kommt zur zunehmenden Entfremdung in der Beziehung.
Wie anders scheint das Leben von Karoline und deren Mann Clemens! Jana freundet sich mit Karoline an und idealisiert bald alles an ihr. Karoline führt ein ausgeglichenes Leben in Einklang mit sich selber, dem Ehemann und den fünf Kindern. Sie ist zudem eine Instagram Influencerin und preist das einfache und nachhaltige Landleben an. Bald muss Jana aber erkennen, dass hinter der glücklichen Fassade Abgründe lauern.
Wenn Faszination zur Besessenheit wird, der Tradwife-Hype, die zunehmende Radikalisierung unserer Gesellschaft sowie die ständige Frage, was das Richtige für unsere Kinder ist: Die Autorin schafft es auf vergleichsweise wenig Seiten, diese aktuellen Themen spannend und immer wieder kritisch aufzubereiten. Das einzige, was mich enttäuscht hat, war das Ende.

Veröffentlicht am 23.10.2025

Hinter der Idylle

Heimat
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Jana ist schwanger mit dem dritten Kind. Sie ist mit ihrer Familie in ein ländliches Neubaugebiet gezogen und trägt noch die rosarote Brille, durch die sie vom heilen, idyllischen Landleben träumt. Doch ...

Jana ist schwanger mit dem dritten Kind. Sie ist mit ihrer Familie in ein ländliches Neubaugebiet gezogen und trägt noch die rosarote Brille, durch die sie vom heilen, idyllischen Landleben träumt. Doch schon bald wird sie mit der Tatsache konfrontiert, dass gerade in den ländlichen Gebieten ein grosser Rechtsrutsch passiert. Da sie ohne Absprache mit ihrem Mann ihren Job gekündigt hat, kriselt zudem die Ehe und es kommt zur zunehmenden Entfremdung in der Beziehung.
Wie anders scheint das Leben von Karoline und deren Mann Clemens! Jana freundet sich mit Karoline an und idealisiert bald alles an ihr. Karoline führt ein ausgeglichenes Leben in Einklang mit sich selber, dem Ehemann und den fünf Kindern. Sie ist zudem eine Instagram Influencerin und preist das einfache und nachhaltige Landleben an. Bald muss Jana aber erkennen, dass hinter der glücklichen Fassade Abgründe lauern.
Wenn Faszination zur Besessenheit wird, der Tradwife-Hype, die zunehmende Radikalisierung unserer Gesellschaft sowie die ständige Frage, was das Richtige für unsere Kinder ist: Die Autorin schafft es auf vergleichsweise wenig Seiten, diese aktuellen Themen spannend und immer wieder kritisch aufzubereiten. Das einzige, was mich enttäuscht hat, war das Ende.

Veröffentlicht am 16.10.2025

Subversion

Wir dachten, das Leben kommt noch
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London 1998: BBC-Redakteurin Gwen stösst bei der Regelung des Nachlasses ihrer verstorbenen Grossmutter auf ein Stück Familiengeschte, das bislang verborgen lag. Ihre Grossmutter stand offenbar im zweiten ...

London 1998: BBC-Redakteurin Gwen stösst bei der Regelung des Nachlasses ihrer verstorbenen Grossmutter auf ein Stück Familiengeschte, das bislang verborgen lag. Ihre Grossmutter stand offenbar im zweiten Weltkrieg einer britischen Agentin sehr nahe.

1942: Pat Conway, eine junge Engländerin, deren Mutter aus der Normandie stammt, spricht fliessend Französisch und löst blitzschnell jedes Kreuzworträtsel. Eines Tages werden sie und ihre Schwester von der "Special Operations Executive" (SOE) angeworben. Es handelt sich dabei um eine geheime britische Spezialeinheit, die in von den Deutschen besetzten Gebieten verdeckt Sabotageakte ausführt, Nachrichten oder Dinge übermittelt, Morsecodes knackt und den Feind unterwandern soll. Unterstützt werden die Agenten von den örtlichen Widerstandskämpfern. Pat wird als Funkerin ausgebildet und springt mit dem Fallschirm über dem besetzten Frankreich ab. Auf sich allein gestellt, muss sie ihre lebensgefährliche Mission erfüllen. Sie darf unter keinen Umständen auffallen und schon bald wird die wichtigste Entscheidung sein, wem sie vertrauen soll.

Sorgfältig recherchiert, serviert die Autorin nicht nur einen spannenden Agentinnenroman in einem brennenden Europa, sondern auch viel historisches Hintergrundwissen. Das Figurenverzeichnis im Anhang erweist sich als hilfreich, da die Zeitsprünge zwischen 1998 und 1942 teilweise recht abrupt erfolgen. Als Buchtitel hätte ich mir einen etwas weniger sentimental klingenden Titel gewünscht, denn er wird meines Erachtens dem hochspannenden und rasanten Inhalt nicht ganz gerecht.