trotz Folter den Humor behalten
Ein wichtiges Buch, ein lustiges Buch ein Buch, das betroffen macht und Mißstände aufzeigt. Firaz erzählt auf humorvolle Art von seinem Leben als Flüchtling in Deutschland und seinen Erlebnissen in seiner ...
Ein wichtiges Buch, ein lustiges Buch ein Buch, das betroffen macht und Mißstände aufzeigt. Firaz erzählt auf humorvolle Art von seinem Leben als Flüchtling in Deutschland und seinen Erlebnissen in seiner Heimat Syrien. Aber über die schreckliche Folter und wie er erleben mußte, dass Menschen, teils Freunde, vor seinen Augen erschossen, totgeschlagen oder zu Tode gefoltert wurden, berichtet er. Angesichts dessen, was er erleiden und ertragen mußte, ist es fast ein Wunder, dass er seinen Humor nicht verloren hat. Ihm gelingt die Balance zwischen dem Grauen des Krieges und der Folterkeller einerseits und mit einem Augenzwinkern sein Leben als Flüchtling in Deutschland zu schildern, ohne je reißerisch oder würdelos zu klingen. Er berichtet nicht nur z.B. über das Chaos beim Amt in Berlin und die Idiotie der Unterkünfte, sondern gibt auch ganz persönliche Einblicke in seine Gefühlswelt. Er scheut sich nicht von Schuldgefühlen zu sprechen und von Scham, dass er noch lebt, während z.B. ein Freund starb, als er ihm einen Gefallen tat. Man merkt, wie dankbar der Autor für seine Chance in Deutschland ist, auch wenn er sie sich hart erkämpfen mußte. Und wie er die Hoffnung nie aufgegeben hat frei zu werden und sich ein Leben aufzubauen. Und er hat Recht : bei allen Diskussionen über Flüchtlinge, kommen die Flüchtlinge selbst nicht zu Wort.
Man bekommt Einblick, wie die Flüchtlinge hier monatelang warten müssen, bis sie endlich arbeiten dürfen und wie willkürlich manche Amtsentscheidungen sind. Einiges hat sich inzwischen verändert, manches ist besser, vieles aber auch schlechter. Firaz beschreibt die Jahre um 2015 rum. Ich finde dies Buch dennoch weiter aktuell. Es erklärt nicht nur, wieso es Blödsinn ist, wenn manche Leute denken, sollen die doch zuhause bleiben und für ihr Vaterland kämpfen, weil es kein klares Feindbild gibt, (z.B. gibt es 27 Geheimdienste ), sondern es zeigt auch, womit die Menschen hier in der Anfangszeit zu kämpfen haben. Vor allem ist es aber ein Paradebeispiel für Resilienz. Wie schafft es ein Mensch all dies zu erleben, zu überleben und dennoch nicht die Hoffnung zu verlieren ? Und wie behält man dabei seinen Humor ?
Ich habe viel gelacht in dem Buch, war aber auch bei manchen Szenen erschüttert. Oft werden die Grausamkeiten nur in einem Nebensatz erwähnt, was sie um so erschreckender macht. Z.B. berichtet er von den freiwilligen Helfern, die in Berlin die langen Warteschlange der Flüchtlinge vor dem Amt mit Tee und Wasser versorgen und selbst völlig erschöpft sind. Er schreibt, er kenne das Zittern der Hände von den Menschen in Syrien, die Leichenteile aus den Trümmern bergen und keine weiteren Toten mehr sehen können.
Auf alle Fälle ein wichtiges Buch, das auch viel Hoffnung vermittelt. Nicht nur, dass man nicht aufgeben sollte, sondern auch, was man alles überstehen kann und dass es trotz allen Schmerzes möglich ist, das Gute zu sehen und den Humor zu behalten.