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Veröffentlicht am 25.10.2025

Mix aus Dystopie und einer zarten Liebesgeschichte

The Last Bookstore on Earth
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Der Roman spielt in einer postapokalyptischen Welt, in der ein verheerender Sturm das Leben sehr vieler Menschen zerstört hat. Die 17-jährige Liz findet Zuflucht in der Buchhandlung, in der sie früher ...

Der Roman spielt in einer postapokalyptischen Welt, in der ein verheerender Sturm das Leben sehr vieler Menschen zerstört hat. Die 17-jährige Liz findet Zuflucht in der Buchhandlung, in der sie früher gearbeitet hat. Sie lebt dort allein, tauscht Bücher gegen Versorgungsgüter und führt ein Tagebuch mit Geschichten von Überlebenden. Plötzlich trifft sie auf Maeve. Gemeinsam müssen sie sich nicht nur auf den nächsten Sturm vorbereiten, sondern auch mit Ängsten, Verlust und den aufkeimenden Gefühlen füreinander umgehen.

🌪️

Wir erleben die Geschichte aus Liz Perspektive. Es kommt immer wieder zu Rückblicken in die Zeit vor dem Sturm, was ich ganz interessant fand, auch wenn man nie wirklich erfährt, was jetzt eigentlich zu dieser Katastrophe geführt hat. Liz Entscheidungen wirken nicht immer überzeugend. Für mich ist es beispielsweise nicht ganz nachvollziehbar, warum Liz trotz der drohenden Gefahr so an dem Buchladen festhält. Sie ist zudem ziemlich unbeholfen. Da fragt man sich, wie sie bis hierhin überhaupt überlebt hat.

😱

Die Atmosphäre ist trotz ständiger unterschwelliger Bedrohung eher ruhig, fast schon melancholisch und dennoch bedrückend. Insgesamt ist der Spannungsbogen relativ niedrig, der Fokus liegt eher auf zwischenmenschlichen Beziehungen und Liz Umgang mit den Traumata der Vergangenheit sowie den Herausforderungen der Gegenwart. Erst am Ende spitzen sich die Ereignisse zu.

💔

Es ist ein Mix aus Dystopie und einer zarten Liebesgeschichte. Es geht um Verlust, Schuld, Hoffnung und ums Nicht-Aufgeben inmitten einer zerstörten Welt. Wer allerdings eine detaillierte Ausarbeitung der Apokalypse, große Überlebenskämpfe oder ein starkes Weltengerüst erwartet, könnte enttäuscht werden. Außerdem verrät der Klappentext meiner Meinung nach auch schon viel zu viel.

😮

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Veröffentlicht am 15.08.2025

Was bist du bereit für das Paradies zu tun?

Die Toten von nebenan
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Frau Löffler kommt nach einem scheinbar harmlosen Fahrradunfall nach Hause, doch dort ist nichts mehr, wie es war. Ihr Viertel wird von Verstorbenen bewohnt und sie selbst gehört jetzt auch zu ihnen. Sie ...

Frau Löffler kommt nach einem scheinbar harmlosen Fahrradunfall nach Hause, doch dort ist nichts mehr, wie es war. Ihr Viertel wird von Verstorbenen bewohnt und sie selbst gehört jetzt auch zu ihnen. Sie leben in einer Art Parallelwelt, einem Jenseits verborgen vor den Lebenden, und führen ihre alten Gewohnheiten in gewohnter Umgebung fort. Doch dann erscheint ein mysteriöser Fremder auf der Bildfläche. Herr Tober verspricht den Toten ein Paradies – unter der Bedingung, dass sie die Lebenden vertreiben. Doch wie kann das gelingen? Allein durch die Verbreitung von Angst und Schrecken.

💀

Wir erleben die Ereignisse aus vielen verschiedenen Perspektiven. Lesende spüren deutlich den Zwiespalt, in dem sich sämtliche Charaktere immer wieder befinden. Sie fühlen sich hin- und hergerissen zwischen Tobers Charme, seinen Versprechungen und der Erkenntnis, dass irgendwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Dennoch kommen sie mir teilweise doch sehr engstirnig, naiv und schon fast bösartig vor.

😳

Mir ist keiner von ihnen ans Herz gewachsen oder sympathisch gewesen. Sie alle erliegen irgendwann dem Sog der Versuchung, folgen der Herde und einem vermeintlich allmächtigen Führer. Dabei lassen sie sich teilweise zu Gedanken und Taten hinreißen, für die sie sich wirklich schämen sollten. Daher hält sich mein Mitleid für sie auch eher in Grenzen. Denn wer Böses sät, wird Böses ernten. Einziger Lichtblick ist für mich Frau Meilner.

😈

Natürlich wird alles maximal überspitzt dargestellt und ist letztendlich eine gelungene Gesellschaftskritik. Es muss doch mehr im Leben (nach dem Tod) geben, als das Anhäufen von Besitz und das Verfolgen egoistischer Wünsche. Das Buch weckt Fragen nach dem Leben, Tod und nach Zugehörigkeit. Es geht aber ebenso um Minderwertigkeitsgefühle, Neid und Überheblichkeit, Vorurteile und Rassismus.

😟

Die Atmosphäre ist düster, bedrohlich und surreal. Dennoch gibt es auch einen unterschwelligen ziemlich skurrilen Humor. Insgesamt gibt es leider einige Längen.

😱

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Veröffentlicht am 15.08.2025

Starke Protagonistin trotz körperlicher und seelischer Traumata

A Dance of Lies
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Vasalie war einst Tänzerin am Hof, doch dann wird sie zu Unrecht verurteilt. Sie überlebt zwei Jahre im Kerker, aber ihr Körper ist versehrt. Die Freiheit wird ihr allerdings nur gewährt, wenn sie als ...

Vasalie war einst Tänzerin am Hof, doch dann wird sie zu Unrecht verurteilt. Sie überlebt zwei Jahre im Kerker, aber ihr Körper ist versehrt. Die Freiheit wird ihr allerdings nur gewährt, wenn sie als Spionin die Versammlung der Königreiche infiltriert. Zwischen Machtspielen, Verrat und einer gefährlichen Dreiecksbeziehung kämpft sie um ihr Überleben – und um ihr Herz.

❤️‍🩹

Vasalie ist gebrochen, verletzlich, und doch stark. Ihr innerer Kampf - körperlich mit chronischen Schmerzen, psychisch mit vergangenem Trauma sowie die damit einhergehende Erschöpfung und Verzweiflung wurde sehr gut umgesetzt. Für sie ist es bereits schwierig den Alltag zu bewältigen, geschweige denn die Herausforderungen zu meistern, vor die ihre Spionagetätigkeit und das Tanzen sie stellen. Doch sie gibt nicht auf, was wirklich bewundernswert ist. Dennoch finde ich sie nicht sympathisch, so wie fast alle anderen Charaktere auch nicht. Sie bringt sich und vor allem andere in Gefahr und handelt oft ohne Rücksicht auf Verluste.

🥺

Es gibt hier ein Love Triangle. Ich bin leider kein Fan von diesem Trope. Obendrein habe ich die Beziehung zu den beiden Love Interests überhaupt nicht gefühlt. Zu dem einen etwas mehr, aber auch da wäre definitiv Luft nach oben gewesen.

🤔

Mir haben besonders die Themen Tanz, Choreografie, Kostüme und Inszenierung gefallen. Die Tanzszenen sind wunderschön, elegant und lebendig. Ich konnte mir die Aufführungen gut vorstellen.

💃

Es handelt sich um den Auftakt im Genre Romantasy. Es geht um Freundschaft, Liebe, Loyalität, Intrigen, Macht und Verrat. Sehr gelungen finde ich die Botschaft, welche uns im Zusammenhang mit chronischen Krankheiten übermittelt wird: Weder bemisst sich unser Wert an unseren Einschränkungen, noch halten sie uns davon ab, ein wundervolles, erfülltes Leben zu führen, das Spuren hinterlässt.

❤️

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Leichten Sommerroman erwartet, deutlich härtere Themen bekommen

Die Sommer mit ihm
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Sophia flieht nach dem Tod ihrer Mutter und dem Ende ihrer Beziehung ins griechische Küstendorf Methoni. Dort, wo ihre Mutter viele Sommer verbrachte und malte, sucht sie nun ein verschollenes Gemälde. ...

Sophia flieht nach dem Tod ihrer Mutter und dem Ende ihrer Beziehung ins griechische Küstendorf Methoni. Dort, wo ihre Mutter viele Sommer verbrachte und malte, sucht sie nun ein verschollenes Gemälde. Sie begegnet dem Fischer Theo, der ihrem Leben eine neue Richtung gibt.

🖼️

Wir erleben die Ereignisse aus Sophias Perspektive. Sie versinkt in Trauer um ihre Mutter und erhofft sich in Methoni endlich Trost zu finden. Sie möchte sich ihrer Mutter näher fühlen, denn schließlich hat diese so viel Zeit in dem idyllischen Dorf verbracht. Für meinen Geschmack lässt sie sich etwas zu schnell von ihrem Vorhaben ablenken und tut insgesamt nicht wirklich viel, um das Gemälde aufzuspüren. Ihre Gefühlswelt wird authentisch dargestellt und dennoch bin ich nicht ganz warm mit ihr geworden. Auf mich wirkte sie teilweise ziemlich egoistisch.

🤔

Auch Theo ist mir nicht so sympathisch geworden wie ich es mir erhofft habe. Grade zum Ende hin, als es um wichtige Entscheidungen geht, fand ich sein Verhalten eher grenzwertig. Da gab es einige (griechische) Nebencharaktere, die mich mehr in ihren Bann gezogen haben. Natürlich muss auch Sophias Exfreund erwähnt werden: was für ein ekelhafter Typ.

😖

Ich liebe das griechische Setting, welches sofort Urlaubsfeeling vermittelt. Die Beschreibungen von Land und Leuten tragen zu einer Wohlfühlatmosphäre bei. Sophia ist Köchin und begeistert sich vor allem für die griechische Küche. Die zahlreichen kulinarischen Details rufen daher besondere Reiselust hervor.

🇬🇷

Wer hier allerdings einen leichten Sommerroman erwartet, muss mit deutlich härteren Themen rechnen. Denn diese Reise nach Griechenland ist sehr viel emotionaler als gedacht. Es geht um die Auseinandersetzung mit Verlust, Trauer und Abschied sowie um Sehnsucht, Liebe, Selbstfindung, Hoffnung und Neuanfänge. Außerdem spielen Unfruchtbarkeit, ein unerfüllter Kinderwunsch sowie Fehlgeburten große Rollen, was ich ziemlich heftig finde. Es gibt dazu keinerlei Triggerwarnung! Zudem gibt es in dem Kontext auch einige medizinische und pflegerische Ungereimtheiten (ich bin Krankenschwester in der Gynäkologie). Insgesamt ist die Handlung leider auch recht vorhersehbar.

😢

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Magie, Kolonialkritik und Sprachwissenschaft geschickt vereint und dennoch leider eher langatmig

Babel
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Robin Swift, ein Waisenjunge chinesischer Herkunft, wird im 19. Jahrhundert nach England gebracht, um in Oxfords Übersetzerinstitut „Babel“ ausgebildet zu werden. Dieses ist die Quelle einer besonderen ...

Robin Swift, ein Waisenjunge chinesischer Herkunft, wird im 19. Jahrhundert nach England gebracht, um in Oxfords Übersetzerinstitut „Babel“ ausgebildet zu werden. Dieses ist die Quelle einer besonderen Form von Magie, die auf der Kraft von Sprache basiert – sogenannte Silberarbeit. Doch Robin erkennt bald, dass das akademische Paradies nicht frei ist von Macht, Kolonialismus und Gewalt.

😲

Wir erleben die Ereignisse hauptsächlich aus Robins Perspektive. Er befindet sich stets in einem inneren Konflikt: er fühlt sich als Fremder in einer Welt, die ihn duldet, aber nie ganz annimmt. Doch darf man sich die Veränderung eines Systems wünschen, obwohl man selbst Teil davon ist und davon profitiert?

🤔

Zusätzlich bekommt jede:r seiner Freund:innen ein eigenes Kapitel, durch das wir sie näher kennenlernen, ihre Vergangenheit und ihre Beweggründe besser verstehen. Im Prinzip mochte ich die Dynamik zwischen ihnen, aber irgendwie gibt es untereinander auch immer wieder Ungereimtheiten, die ihre Freundschaft auf die Probe stellen.

🥺

Das Thema Sprache, deren Bedeutung, Einfluss, Herkunft und Entwicklung sowie Übersetzungen nehmen einen unheimlich großen Teil der Geschichte ein. Ich finde das alles zwar sehr interessant, aber durch zahlreiche Fußnoten, historische Bezüge und sprachtheoretische Überlegungen auch ziemlich anspruchsvoll. Außerdem sorgen diese Ausführungen dafür, dass alles eher langatmig wirkt.

🗣️

Zum Glück nimmt das Buch im letzten Drittel ein bisschen Fahrt auf, da wird es dann teilweise sogar ganz schön heftig. Dennoch hat es für mich definitiv zu viele Längen, da hätte man echt einiges komprimieren können. Ich bin froh das Hörbuch gehört zu haben, das macht es meiner Meinung nach einfacher allem zu folgen.

🎧

Besonders aufgeregt haben mich der Rassismus, die Stellung der Frauen, das Ungleichgewicht der Gesellschaft, die Ausbeutung von Minderheiten und die damit einhergehenden Ungerechtigkeiten. Somit ist „Babel“ kein Wohlfühlbuch – es ist ein wütendes Manifest über Sprache als Machtinstrument und ein Dark-Academia-Roman, der Magie, Kolonialkritik und Sprachwissenschaft geschickt vereint.

👍🏻

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