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Veröffentlicht am 16.06.2025

Rezension Windwalkers.Verborgene Flügel (Bd. 1)

Windwalkers (1). Verborgene Flügel
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Die Gestaltwandlerin Sierra – ein schwarzer Wolf in zweiter Gestalt – hat es nicht leicht an ihrer kalifornischen Menschenschule. Umso begeisterter ist sie von dem Vorschlag ihres Vaters, eine eigene Wandlerschule ...

Die Gestaltwandlerin Sierra – ein schwarzer Wolf in zweiter Gestalt – hat es nicht leicht an ihrer kalifornischen Menschenschule. Umso begeisterter ist sie von dem Vorschlag ihres Vaters, eine eigene Wandlerschule zu eröffnen: die Redcliff-High. Sie freut sich darauf, Wandlerfreunde kennenzulernen und jene Dinge beigebracht zu bekommen, die sie für ihren Wandleralltag wirklich gebrauchen kann. Doch wie sich herausstellt, ist nicht alles so rosig, wie Sierra sich das erträumt hat. Die anderen Wolfswandler, mit denen sie ein Rudel bildet, degradieren sie ausgerechnet auf den Omega-Rang, den niedrigsten Rang im Rudel. Es gibt Schwierigkeiten, gute Lehrer zu finden, und zu allem Überfluss formieren sich die Windwalker, die fliegenden Gestaltwandler, zu einer gesonderten Gruppe, die sich von den anderen Schülern abspaltet. Zusätzlich hat Sierra mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen: Sie findet heraus, dass sie über eine zweite Tiergestalt verfügt. Als dann auch noch in der Umgebung von mysteriösen Leuten Knochen ausgegraben werden, Sierra mit ihren neuen Freunden einen schrecklichen Fund macht und kurz darauf sogar der einflussreiche Rat der Wandler eingeschaltet wird, da einige furchtbare Ereignisse überhandzunehmen drohen, geht erst recht alles drunter und drüber …

„Windwalkers – Verborgene Flügel“ ist der erste Band der sechsteiligen „Windwalker“-Staffel. Vorläufer sind die Beststeller-Reihen „Woodwalkers“ und „Seawalkers“.
Das Buch ist wirklich wunderschön – nicht nur vom Cover, den Innenklappen und den lebendig wirkenden Illustrationen her –, und nicht nur für Kinder. Da ich eine begeisterte Woodwalker-Leserin bin, war ich umso gespannter auf die Abenteuer von Sierra, die man bereits flüchtig aus den anderen Reihen kennt.
Gleich zu Beginn kann ich behaupten, dass „Verborgene Flügel“ ein gelungener Auftakt ist. Das Buch ist sehr spannend und brilliert mit unvorhergesehenen Wendungen, über die im Vorhinein immer wieder spannungsgeladene Andeutungen fallen. Selbst die Passagen, die weniger spannend sind, weisen auf alle Fälle einen hohen Unterhaltungswert auf. Es macht unglaublich viel Spaß, zu verfolgen, wie die Redcliff-High entsteht – wie sie von einer bloßen Idee zu einem großen Projekt wird, bei dem alle mitanpacken müssen, um es gelingen zu lassen.
Die bestehende Atmosphäre knüpft an die der anderen Wandler-Bücher an, ist zeitgleich aber ein wenig verschieden und gibt der Geschichte einen ganz neuen Geschmack.
Nicht nur die Handlung trägt zu der Atmosphäre bei, auch der einmalig schöne Schauplatz. Von felsigem Terrain, über Schluchten, staubige Straßen und Wälder bis hin zu Sandstränden ist alles dabei. Die Diversität der Schauplätze hat mir besonders gut gefallen. Auch über die vielen Erlebnisse, die die Charaktere durchmachen, habe ich mich gefreut. Es geht nicht ausschließlich um den Schulalltag oder um die gewagten Pläne, die die Figuren schmieden, auch begleitet man sie bei vermeintlich alltäglichen Geschehnissen wie dem Feiern einer Halloween-Party, beim Lernen, Streiten und Freundschaften schließen. Fast hat man das Gefühl, selbst an der Redcliff-High und mittendrin im Geschehen zu sein.

Über Sierra kann ich nur sagen, dass sie sehr sympathisch ist, nahbar und authentisch. Sie ist wie eine beste Freundin, deren Entwicklung man mit höchstem Interesse verfolgt.
Die Nebenfiguren sind in hoher Zahl vorhanden und anfangs befürchtete ich, ein bisschen durcheinanderzukommen mit den vielen Namen und Gesichtern, aber das war glücklicherweise nicht der Fall – nicht nur aufgrund der Charakterliste am Ende des Buches. Vor allen Dingen deshalb, weil sie alle über Alleinstellungsmerkmale verfügen, die sie vollkommen individuell und größtenteils sympathisch machen; natürlich gibt es auch Streitsüchtige und mobbende Fieslinge, wie in jeder Schulklasse. Das Gesamtbild der Klasse ist auf jeden Fall sehr rund, da alle Rollen, die es braucht, um diesen authentischen Gesamteindruck zu schaffen, ausgefüllt sind. Sehr geliebt habe ich auch die Beziehungen zwischen den Figuren. Sierras Verhältnis zu ihren Eltern beispielsweise ist sehr liebevoll, das zu ihren Freunden gefüllt von spielerischem Konkurrenzgefühl, neckendem Schalk und in erster Linie Fürsorglichkeit. Selbstverständlich darf auch eine kleine Prise Verliebtheit nicht fehlen.
Darüber hinaus finden Begegnung mit alten Bekannten aus den Wood- und Seawalkers-Staffeln statt, was der neuen Umgebung direkt zu heimeliger Vertrautheit verhilft.

„Windwalkers – Verborgene Flügel“ hat alles, was es für eine schöne, runde Lektüre braucht, die dem Leser ein Lächeln ins Gesicht zaubert: wundervolle Schauplätze, tolle Charaktere, die man umgehend ins Herz schließen muss, Spannung und unerwartete Wendungen. Hinzu kommen lehrreiche Bemerkungen über in Kalifornien beheimatete Tierarten sowie wichtige Anregungen, wie man Tiere schützt und sorgsam mit der Natur umgeht. Das alles ist in einem herrlich leichten, flüssigen Schreibstil verfasst, der einen immer sofort in das Buch hineinfinden lässt. Generell braucht es nicht die geringste Anlaufzeit, um mit den Windwalkers warm zu werden – es geschieht ganz automatisch, dass man sich mit ihnen anfreundet und sehnsüchtig den nächsten Band herbeifiebert. Ich kann das Buch wärmstens empfehlen, und zwar nicht nur Wood- und Seawalkers-Fans. Es steckt viel Wärme und spürbares Herzblut zwischen den Zeilen.

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Veröffentlicht am 23.05.2025

White Zone - Rezension

White Zone - Letzte Chance
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Einmal in die Antarktis reisen – wer wünscht sich das nicht? Für die Jugendliche Crash ist der Aufenthalt in einer verlassenen Forschungsstation allerdings keine freudige Urlaubsreise. Sie ist vorbestraft, ...

Einmal in die Antarktis reisen – wer wünscht sich das nicht? Für die Jugendliche Crash ist der Aufenthalt in einer verlassenen Forschungsstation allerdings keine freudige Urlaubsreise. Sie ist vorbestraft, und dieses Programm zur „Rehabilitation“ ihre letzte Bewährungschance. Begleitet wird sie dabei von Betreuer Martin sowie fünf anderen Jugendlichen – dem dunkelhaarigen Dattel, der eigentlich Sinan heißt, Seven, der einst eine Berühmtheit war, von dem schüchternen Benny, der hübschen Fee und Kaya, die ein eindeutiges Drogenproblem zu haben scheint. Sie alle haben eine Vergangenheit, über die sie sich ausschweigen – und die sie dennoch in unerwarteten Momenten einholt.
Die sechs erleben eine intensive Zeit, inklusive Robbenstreicheln und dem Sichten von Pinguinen und Walen. Jedoch haben die Jugendlichen nicht nur mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen, auch macht ihnen ein bisher unsichtbarer Einsiedler in den Tiefen der Forschungsstation das Leben schwer. Skrupellose Anschläge inklusive! Hinzukommend fühlt Crash sich zu Arvid hingezogen, einem deutschen Arbeiter der benachbarten russischen Forschungsstation. Als sie dann auch noch ein japanisches Schiff sichten, das vor ihren Augen Wale abschießt, geht das geplant geregelte Leben in der Station Neumayer III plötzlich drunter und drüber …

„White Zone“ ist ein Roman, der gleich mehrere Themen behandelt. Es geht um Jugendliche, die es bisher schwer hatten in ihrem Leben und in einer lebensfeindlichen Umgebung nun die Chance erhalten sollen, sich neu zu orientieren. Zudem handelt es von dem Alltag der Antarktisforscher und um diesen schneebedeckten, artenreichen und höchst faszinierenden Lebensraum im Allgemeinen. Was ebenfalls nicht zu kurz kommt: Tierschutz und der sorgsame Umgang mit der Natur. Wer nun allerdings der Ansicht ist, inmitten dieser zahlreichen Themen komme das Abenteuerliche zu kurz, der hat sich getäuscht. Mit der Spannung wird nicht zu sparsam umgegangen, was an mehreren Faktoren liegt. Zum einen ist es beeindruckend und emotional, den Werdegang der sechs Jugendlichen mitzuverfolgen. Zum anderen sorgen regelmäßige Spannungshöhepunkte für Atemlosigkeit. Dass in der Forschungsstation immer wieder geheime Botschaften auftauchen und einige Anschläge verübt werden, lässt den Adrenalinpegel des Lesers in die Höhe schnellen. Dauerhaft rätselt man darüber, wer der Verantwortliche sein mag und was es wohl mit dem rätselhaften Mitbewohner auf der Forschungsstation auf sich hat, auf dessen Anwesenheit vorerst lediglich der Geruch von Fisch und Konservendosen hindeuten. Die Wendungen sind meisterhaft eingefädelt, sodass man erst nach und nach eine Ahnung erhält, wer hinter den skrupellosen Taten stecken könnte.

Die Atmosphäre ist absolut einmalig und rührt von der weiten, weißen Ebene der Antarktis her, von Stürmen und eisiger Kälte. Der Schauplatz ist wirklich etwas ganz besonderes und weckt eine sofortige Reiselust. Das Land wird von vielen Seiten beleuchtet, nicht nur seine Unwirtlichkeit, auch seine Artenvielfalt. Der Leser begegnet Robben, Pinguinen, Walen und Füchsen (die in der Geschichte allerdings aus einem anderen Land eingeschleppt sind) und erlebt das dortige Klima beinahe hautnah mit, als sei er selbst dort anwesend. Eine erinnerungswürdige Reise in ein fernes Land, in das man nicht eben mal mit dem Flugzeug einreisen kann!

Die Individualität der Geschichte wird überdies von den Charakteren gefördert. Anfangs befürchtete ich, bei den vielen Figuren durcheinanderzukommen, aber das war nicht der Fall. Ich konnte mir ihre Gesichter und Namen sehr schnell einprägen, da sie alle über einzigartige Erkennungsmerkmale verfügen. Jede einzelne Figur ist unglaublich facettenreich und authentisch. Sie alle haben sowohl ihre Stärken und Schwächen, und niemand ist so, wie er auf den ersten Blick zu sein scheint. Im Laufe der Handlung “entpuppen“ sich alle, bis ihre äußere Fassade wegbröckelt und der Leser auch ihr sensibles Inneres zu Gesicht bekommt. Dieser Vorgang ist sehr mitreißend. Man leidet und fiebert nicht nur mit Crash mit, auch mit den meisten anderen Charakteren. Diese bunte Vielfalt macht das Lesen umso erlebnisreicher und spannender. Ich habe mich immer wieder von Neuem gefreut, das Buch aufzuschlagen.

Der Schreibstil sorgt für einen durchgehenden Flow. Er verdeutlicht nicht nur das Wissenschaftsleben inmitten des Eises, auch tritt durch ihn die Gefühlswelt der Figuren sehr eindeutig zutage. Er ist eine schöne Mischung aus poetischer, vergleichshaltiger Beschreibung und flüssig zu lesender Wissenschaftssprache.
Was ebenfalls sehr deutlich dargestellt wird, ist der heikle Drahtseilakt zwischen den brutalen Taten von Tierquälern und den Unternehmungen, die man dagegen führen darf. Wie weit darf man gehen, um solche Leute zu stoppen? Ist es in Ordnung, sich an der Grenze zur Illegalität zu bewegen oder vielleicht sogar darüber hinaus? Dieser innere Konflikt ist ein wichtiger Bestandteil des Buches.

„White Zone“ hat mich auf jeden Fall sehr gefesselt. Es ist ein Buch mit vielen Facetten, das den Leser sowohl auf emotionaler als auch auf aufklärender und kämpferischer Ebene abholt. Es behandelt sensible Themen, ist aber kein klassisches “Tierschutzbuch“ oder “Umweltbuch“, in dem aus dem Text der erhobene Zeigefinger hervorgeht. Da es in der Zukunft spielt, weist Katja Brandis viel eher darauf hin, wie es zukünftig sein könnte, und wie man dem entgegenwirken kann. Die zeitgleich ablaufenden Einzelschicksale der Protagonisten, die man aufgrund ihrer Authentizität einfach ins Herz schließen muss, runden den Roman ab und machen ihn zu einer abwechslungsreichen Lektüre, die sich definitiv nicht an Klischees bedient.
Eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 22.04.2025

Die Ewigen von Calliste, Rezension

Die Ewigen von Calliste
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Ileana lebt auf einer besonderen Insel: auf Calliste, die neben Menschen von versteinerten Kreaturen bevölkert wird. Von Magie angehaucht, erwachen diese Wesen alle siebzehn Jahre für zwei Tage zum Leben. ...

Ileana lebt auf einer besonderen Insel: auf Calliste, die neben Menschen von versteinerten Kreaturen bevölkert wird. Von Magie angehaucht, erwachen diese Wesen alle siebzehn Jahre für zwei Tage zum Leben. Da Ileana während des vergangenen Erwachens geboren wurde, ist sie nun besonders gespannt darauf, die Versteinerten kennenzulernen, die sie als Neugeborenes erlebten. Das gegenwärtige Erwachsen entwickelt sich jedoch ganz anders, als Ila sich das vorgestellt hat. Gemeinsam mit ihren Freunden schlittert sie von einer gefährlichen Situation in die nächste. Und damit nicht genug. Noch immer hängt Ileana an Rheo, einem Jungen, den sie bereits im Kindesalter liebte. Hinzu kommt nun der Tourist Taron, zu dem sie ebenfalls eine Verbindung verspürt und der ein verheerendes Geheimnis zu hüten scheint. Auch ihre Eltern verheimlichen ihr etwas – etwas, das ihr gesamtes Leben auf den Kopf stellen wird. Neben atemloser Gefahr, aufklärenden Gesprächen und zu lüftenden Geheimnissen, führt Ila ihre ganz eigene Mission: herauszufinden, weshalb die Ewigen überhaupt versteinern.
Im Mittelpunkt des Romans steht das Erwachen der Versteinerten und Ileanas ganz besondere Beziehung zu ihnen.

„Die Ewigen von Calliste“ ist ein Fantasy-Roman mit eindrucksvoller Atmosphäre. Sobald der Leser das Buch aufschlägt, taucht er ein in das “Inselfeeling“ von Calliste, das geprägt ist von sandigen Pinienwäldern, prächtigen Steinformationen, düsteren Höhlen und überirdisch blauem Meereswasser. Das Lesen gleicht einer Urlaubsreise auf unbekanntem, aber höchst magischem und imponierendem Terrain. Die unglaublich prägnante Atmosphäre ist einer der Punkte, die ich an dem Roman am meisten liebe.

Über fehlende Spannung kann man sich definitiv nicht beklagen. Es ist immer etwas los, nie wird einem langweilig. Die Spannung geht gleich von mehreren Komponenten aus – von der Handlung an sich, vom Schauplatz und von den Figuren. Es gibt mehrere Geheimnisse, die zu Anfang im Hintergrund schwelen und sich schließlich zunehmend nach vorne drängen; die Neugierde des Lesers wecken. Die Geheimnisse sind größtenteils undurchschaubar und dadurch umso erstaunlicher, sobald sie gelüftet werden.
Wer sich zwischenrein Atempausen wünscht, wird diese allerdings nicht bekommen. Da das Erwachen der Versteinerten lediglich zwei Tage andauert, ist die Handlung größtenteils in ebendiesen Zeitraum “gequetscht“. Es geht von einer abenteuerlichen Situation zur nächsten, dazwischen bleibt keine Gelegenheit zu Verschnaufen oder um die bereits gelüfteten Geheimnisse zu verdauen.
Eines ist sicher: Wer das Buch aufschlägt, bleibt bis zur letzten Seite darin gefangen.

Die Figurenwelt ist facettenreich und trägt zu der einzigartigen Stimmung bei. Die Protagonistin Ileana ist dem Leser hochsympathisch, da sie sehr authentisch ist und man sich perfekt in sie hineinversetzen kann. Sie ist keine klischeehafte Romanheldin, die restlos von sich überzeugt ist, und gerade das macht ihren Mut und ihre Entschlossenheit dermaßen beeindruckend und fesselnd.
Es kommen sehr viele Nebenfiguren vor, die allesamt höchst unterschiedliche Charaktere und Herkunftsländer mitbringen, was die Truppe bunt und anschaulich macht. Es fallen sehr viele fantasiereiche Namen, aber zum Glück kann man diese schnell den Gesichtern zuordnen und kommt nicht durcheinander.
An dieser Stelle haben auch die Versteinerten auf jeden Fall eine Erwähnung verdient. Man könnte annehmen, sie alle seien eintönige Steinfiguren, aber das Gegenteil ist der Fall. Sobald sie erwacht sind, sind sie Lebewesen mit Bedürfnissen und Seelen, die unterschiedlichen nicht sein könnten. Ihre Eigenschaften reichen von hilfsbereit über zurückgezogen bis hin zu neugierig und missfällig. Die Versteinerten bei ihrem Erwachensprozess zu verfolgen, ist unglaublich unterhaltsam.
Auch die Dreiecksbeziehung, die zwischen Ila, Rheo und Taron herrscht, unterstützt das abwechslungsreiche Gesamtpaket des Romans. Ich persönlich wusste bis zum Ende hin nicht, für welchen der beiden sie sich entscheidet. Um ehrlich zu sein, habe ich auch keine heimliche Hoffnung gehegt, sie möge einen bevorzugen, da ich sowohl Rheo als auch Taron sehr sympathisch und durch ihre vielen Facetten und Geheimnisse anziehend fand.

Was das Lesen von „Die Ewigen von Calliste“ ebenfalls vielfältig gestaltet, sind die Perspektivwechsel. Auf diese Weise erhält man unterschiedliche Blickwinkel auf das Geschehen.

„Die Ewigen von Calliste“ ist ein magischer Fantasy-Roman mit naturnahen, angenehmen Figuren, einer atemberaubenden Kulisse, ganz viel Spannung, tollen Geheimnissen und einer außerordentlich besonderen Atmosphäre. Den Roman kann ich jedem empfehlen, der sein Herz an das Fantasy-Genre gehängt hat, gleichzeitig jedoch etwas anderes als die üblichen Klischees zu lesen bekommen möchte. Wer eine große Portion Spannung auf einen Schwung verträgt, der wird sich an dem Buch auf jeden Fall erfreuen.
Liebesbuch-Fans werden womöglich nicht gänzlich befriedigt, da die Liebesgeschichte eher in einem Nebenstrang der Handlung abläuft und nicht im Vordergrund steht.
Unabhängig davon werden sowohl jüngere als auch ältere Leser mit dem Roman glücklich sein.

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Veröffentlicht am 18.01.2026

Fantastische Grundidee mit ein paar kleinen Schwächen

Dreams Lie Beneath
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Clementine führt ein zufriedenes Leben. Gemeinsam mit ihrem Vater wohnt sie in einem bescheidenen Städtchen und hütet die Anwohner vor den Albträumen, die sich in jeder Neumondnacht materialisieren und ...

Clementine führt ein zufriedenes Leben. Gemeinsam mit ihrem Vater wohnt sie in einem bescheidenen Städtchen und hütet die Anwohner vor den Albträumen, die sich in jeder Neumondnacht materialisieren und pure Gefahr verheißen. Zugehörig zu den zahlreichen Hütern des Reiches Azenor, hat sie einen angesehenen Ruf – der eine gravierende Kerbe geschlagen bekommt, als sie und ihr Vater von zwei unbekannten Hütern herausgefordert werden. Nach ihrer Niederlage sind sie gezwungen, ihr altes Leben aufzugeben und sich eine neue Bleibe zu suchen. Das Schicksal führt sie weit weg, in eine andere, größere Stadt, in der Clem durch Zufall auf einen der beiden Herausforderer trifft: auf Phelan, der ihr das Zuhause wegnahm. Sie schwört Rache, verleiht sich mithilfe eines Trugzaubers ein anderes Aussehen und nimmt den freien Hüterposten an seiner Seite an. Mit der Zeit spürt sie jedoch, dass sie sich zunehmend stärker zu ihm hingezogen fühlt. Des Weiteren verändert sich auch das Reich Azenor spürbar. Die Albträume werden von einer Feindesgestalt aufgewühlt, die Angst und Schrecken verbreitet und es nicht zuletzt auf Phelan abgesehen hat. Geheimnisse kommen ans Licht, Unsterbliche treten zutage und der Fluch, der einst zu den materiellen Albträumen führte, will gebrochen werden. Für Clementine, ihre Familie und ihre Freunde beginnt eine Zeit voller Spannungen, Verrat und Neubeginnen.

Zuerst einmal muss ich erwähnen, dass es sehr wohltuend war, ein Buch zu lesen, dessen Geschichte nach einem Band in sich geschlossen ist. In einer Zeit, in der die Reihen immer länger werden, sehnt man sich hin und wieder nach einem Buch, das man nach Beenden zufrieden zuklappen kann.
»Dreams Lie Beneath« war ein solches Buch – auch, was die Zufriedenheit am Ende betrifft. Während des Lesens hatte ich durchgehend ein schönes, behütetes Gefühl, das zum Schluss mit Zufriedenheit abgerundet wurde.
Die Grundidee hat mir sehr gut gefallen. Die lebendig gewordenen Albträume bilden ein fantasievolles Gerüst, das sein Potenzial jedoch nicht immer im Vollen ausgeschöpft hat. Die Traumangelegenheiten hätten noch feiner und detailreicher ausgearbeitet werden können, außerdem wurden weitere extrem einfallsreiche Ideen bloß angedeutet. Das Buch hätte noch größer, epischer werden können, wenn die Autorin an bestimmten Stellen mehr in die Tiefe gegangen wäre. Nichtsdestotrotz habe ich es in kürzester Zeit verschlungen, denn der Unterhaltungswert war durchgehend vorhanden. Es war nicht immer spannend, aber dank der vermehrten Ortswechsel, der zahlreichen Figuren, der Geheimnisse, die unter der Oberfläche knistern und der spürbaren Magie war es jedes Mal aufs Neue reizvoll, auf die nächste Seite zu blättern.
Ich habe auch die Wendungen geliebt. Besonders gegen Ende formieren sie sich zu einer starken Handlung, die mich in ihren Bann gezogen hat. Alle Fäden, die zuvor sorgsam gewebt worden waren, führen zusammen und lassen das Finale zu einem absolut würdigen Ereignis werden.
Das Setting ist sehr hübsch und trägt zu der Behaglichkeit während des Lesens bei, jedoch fehlt es ihm ein wenig an Einzigartigkeit. Dafür, dass Azenor ein Fantasy-Reich ist, gleicht das Gelände ziemlich der realen Welt. Ich persönlich mag es gerne, wenn ein High-Fantasy-Setting auffälligere Unterschiede aufweist, die dem Leser zu jeder Sekunde verdeutlichen, dass er in ein fantastisches Reich jenseits der Wirklichkeit gereist ist.
Die Atmosphäre gleicht sich an den Inhalt des Buches an und ist sehr verträumt. Sie zeichnet ein weiches Gefühl, das durchgehend präsent ist. Sie ist nicht die individuellste von allen, aber ausreichend vorhanden, um sich wohlig in das Geschehen einsinken und von der Geschichte mittragen zu lassen.

Was die Hauptfigur besonders spannend macht, ist, dass sie im Laufe der Handlung zwei Gewänder trägt. Zuerst ist sie sie selbst, Clementine, später verändert sie sowohl ihr Aussehen als auch ihren Namen. Auch ihr Charakter wandelt sich. An dieser Stelle kritisiere ich, dass die Eigenschaften ihres zweiten Ichs nicht ganz greifbar sind. Clementine ist freundlich, großherzig und gütig, Anna Neven hingegen scheint selbst nicht zu wissen, wer sie ist. Manchmal hat sich ihre Figur uneindeutig angefühlt. Dennoch ist sie eine angenehme Persönlichkeit, die nicht vor Klischees trieft.
Bei Phelan das Gleiche. Auch er wirkte manchmal etwas matt, wie nicht richtig ausgereift, bevor die Autorin ihn zu Papier gebracht hat. Ich weiß nicht genau, in welche Spalte ich ihn einzuordnen habe, ob er nun zu den Bad-Boys oder zu der gefühlvollen Variante gehört. Gefallen hat er mir trotzdem, denn seine Emotionen haben ihn nahbar gemacht. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden nimmt einen wohltuenden Raum ein: Es ist das Fantasy-Abenteuer, das im Vordergrund steht, und es ist kein Spice vorhanden. Allerdings war es manchmal etwas uneindeutig, wann, wie und wo die beiden sich verlieben. Es gibt kein wirkliches Schlüsselereignis, das die zwei aneinanderbindet und eine merkliche Veränderung in ihrer Chemie hervorruft. Clems und Phelans Beziehung plätschert – meinem Empfinden nach – etwas ziellos vor sich hin.
Die Figuren, die neben den Protagonisten vorkommen, üben eine große Faszination auf mich aus. Im Gegensatz zu den Hauptfiguren, sind sie allesamt sehr authentisch und facettenreich. Ich wusste bis zuletzt nicht, wer unter ihnen die Intrigen spinnt und wer nicht das ist, was er zu sein vorgibt.

Der Schreibstil wechselt Schlichtheit mit wunderschön poetischen Beschreibungen ab. Er ist eine Mischung aus dem Verdacht, dass die Autorin noch etwas ungeübt im Schreiben ist, und den erwähnten Zeilen, die durch Einfallsreichtum und reine Magie brillieren. Unabhängig davon war er angenehm zu verfolgen und ist nur hin und wieder durch einige Wort- und Grammatikwiederholungen negativ aufgefallen.

Um zu einem Abschluss zu kommen: »Dreams Lie Beneath« ist geprägt von Höhen und sanften Tiefen. Die Grundidee ist wundervoll, der Unterhaltungswert ist definitiv vorhanden, die Wendungen sind überraschend und die Magie prickelt zwischen allen Zeilen. Das Buch weist durchaus ein paar Schwächen auf, allerdings werden diese nahezu überdeckt von den positiven Aspekten. Das Lesen hat mir ein rundum gutes Gefühl gegeben und ich habe es mit einem Lächeln abgeschlossen – und der Gewissheit, dass »Dreams Lie Beneath« ein Re-Read-Kandidat ist.

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Veröffentlicht am 26.10.2025

Rezension

Of Flame and Fury
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Jede der vier Inseln Saltas wird von einer spezifischen Fabelwesen-Art bevölkert – Cendor ist die Insel der Phönixe; wild, rau und ungestüm. Das spektakulärste Ereignis Cendors waren schon immer die Phönixrennen. ...

Jede der vier Inseln Saltas wird von einer spezifischen Fabelwesen-Art bevölkert – Cendor ist die Insel der Phönixe; wild, rau und ungestüm. Das spektakulärste Ereignis Cendors waren schon immer die Phönixrennen. Auch die siebzehnjährige Kel nimmt an ihnen teil, gemeinsam mit ihrem Team, den Howlers. Sonderlich angetan ist sie allerdings nicht davon, ihrer Phönixdame Savita diese Rennen zumuten zu müssen, und sie ist lediglich deshalb ein Mitglied der Renngemeinde, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Doch urplötzlich fällt Kels Team auseinander und sie ist gezwungen, sich mit Warren „Coup“ Coupers zusammenzutun, ihrem selbstgerechten Kontrahenten. Als schließlich einige turbulente Ereignisse dazu führen, dass die Howlers von dem führenden Technikkonzern Cendors gesponsert werden, muss sie sich dazu herablassen, aus PR-Zwecken eine romantische Beziehung mit Coup einzugehen. Alles nicht so einfach. Des Weiteren muss sich das Team zunehmend fragen, ob es nicht einige weitere Geheimnisse zu lüften gibt – die wilden Phönixe betreffend, die Zähmung der Reittiere, deren Wiedergeburten … Und dann gibt es noch die Armondspest, die erbarmungslos über das Land zieht und zahlreiche Menschen zum Tode verurteilt. Für Kel, Coup und ihre Freunde bricht eine unerwartete Zeit an, die es sich zum Vorsatz gemacht hat, das Team einer Prüfung nach der anderen zu unterziehen.

„Of Flame and Fury“ ist ein Einzelband – schon mal eine sehr entspannte Gegebenheit, vor allem während der momentanen Phase, die mit einer langen Reihe nach der anderen winkt. Phönixe begeistern mich schon immer, weshalb ich unglaublich gespannt auf „Of Flame and Fury“ war. Um nicht lange um den heißen Brei herumzureden: Auf der einen Seite hat das Buch meine Erwartungen erfüllt, auf der anderen nicht.
Über fehlende Spannung kann man sich auf jeden Fall nicht beklagen. Es passiert immer etwas, ständig kommt ein Spannungshöhepunkt auf. Die Spannung rührt allerdings nicht von den Wendungen her. Um ehrlich zu sein, ist der Großteil der Wendungen sehr vorhersehbar und klischeehaft. Auch die Landschaft ist nicht besonders ausgefeilt. Meiner Meinung nach hätte ein bisschen gründlicher auf die Alleinstellungsmerkmale der Insel Cendor eingegangen werden können – unabhängig von den Phönixen. Ebenfalls bin ich der Ansicht, dass die anderen Inseln ruhig eine kleine Rolle hätten bekommen können. Sie werden lediglich am Rande erwähnt und haben ansonsten überhaupt keine Bedeutung – schade, denn sie haben durchaus Potenzial.
Trotz der Spannungspunkte war das Lesen anfangs zäh. Ich bin nur langsam vorangekommen und konnte mich kaum von der Handlung abholen lassen. Ich war kurz davor, von dem Buch enttäuscht zu sein …, bis das Ende kam. Es war einfach fulminant. Die letzten ca. hundert Seiten haben mit absoluter Atemlosigkeit brilliert und sogar mit unvorhergesehenen Wendungen. Auch das Ende konnte ich nicht vorausahnen, und es hat mir sehr gut gefallen.
Die Grundidee von „Of Flame and Fury“ basiert darauf, die Magie der Phönixe mit hochentwickelter Technologie zu kombinieren. Eine interessante und vielversprechende Idee, die allerdings nicht gänzlich ausgereift erscheint. Die ganze Technik harmoniert kaum mit dem Zauber der Fabelwesen, weshalb dieser letztendlich ein wenig untergeht. Mir wäre es lieber gewesen, wenn mehr auf die Magie eingegangen wäre als auf die Technik, die Politik und den Ertrag, der aus den Phönixrennen zu ziehen ist.

Kel und Coup, die Hauptfiguren, sind sehr sympathisch. Ich bin sofort mit ihnen warmgeworden. Allerdings weisen auch sie, abgesehen von Kels häufiger Mürrischkeit, kaum Alleinstellungsmerkmale auf. Kel ist das verbissene Mädchen, das alles tun würde, um seinen Phönix zu retten, Coup ist der draufgängerische Mädchenschwarm, der ihr ihre Vorhaben unentwegt durchkreuzt – sehr klischeehaft. Obwohl ich die beiden sogleich mochte, ist es mir zu Beginn schwergefallen, ihre Emotionen nachzufühlen. Das könnte daran liegen, dass aus der distanzierten dritten Person berichtet wurde, aber auch hier ist es mir erst gegen Ende des Buches gelungen, die Gefühle nah an mich heranzulassen.
Sehr begeistert war ich von der Allgemeinheit der Howlers, die zudem aus Kels bester Freundin Dira besteht, Coups Bruder Bekn und einem weiteren Mädchen, das sie bei Cristo Industries, ihrem Sponsor, kennenlernen. Die Zusammensetzung des Teams ist sehr klug und fantasievoll. Auch hier hat mir bei den Individuen die Einzigartigkeit gefehlt, aber sie waren auf jeden Fall ebenso sympathisch wie Kel und Coup. Überdies gefällt mir, dass der Bösewicht hingegen von den Klischees abweicht und nicht ausschließlich hinterlistige Absichten hegt.

Der Schreibstil war sehr gewöhnlich – nicht störend, aber an manchen Stellen nicht ganz flüssig. Er hat sich gut darauf verstanden, die Hitze der Phönixe zu beschreiben und Spannung zu produzieren, aber im Allgemeinen sind mir durchaus schon bessere Schreibstile begegnet. Nicht, dass er schlecht war, und ich sollte auch nicht zu streng sein, immer ist dieses Buch das Debüt der Autorin.

Fazit: „Of Flame and Fury“ hat eine tolle Grundidee, einen schönen Hintergrund, nette Figuren und beeindruckende Fantasy-Wesen. Die Spannung war da, die unerwarteten Wendungen – am Ende – ebenfalls, und die Handlung war durchaus mit Geschick gewebt. Es sind viele Klischees dabei, manchmal sehr offensichtlich. Dazu gehört auch die Liebesgeschichte von Kel und Coup, die zwar nicht im Vordergrund steht, aber definitiv präsent ist. Gefallen hat mir, dass das Ganze nicht zu spicy ist – gerade heiß genug, dass das Verhältnis zwischen ihnen prickelt. Sehr deutlich hervorgehoben wurden Kels Zwiespalte sowie ihre innige Beziehung zu Phönixdame Savita, wovon ich ebenfalls angetan war – kein einziges Mal haben die Figuren auf eine Weise reagiert, die nicht nachvollziehbar war. Ein wenig gefehlt hat es mir an dieser speziellen “Phönix-Magie“ und an der Atmosphäre. Ich mag Bücher, die eine ausgeprägte Individualatmosphäre haben, aber die hat hier völlig gefehlt. Letztendlich hat mir das Buch jedoch gut gefallen.

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