Das Leben ist schon da
Wir dachten, das Leben kommt nochGwen war bereits eine der Protagonistinnen in "Porträt auf grüner Wandfarbe", dem Debütroman der Autorin. Auch ihre Großmutter Ilsabé kommt (mittels Tonbandaufzeichnungen) nochmals zu Wort.
Vorkenntnisse ...
Gwen war bereits eine der Protagonistinnen in "Porträt auf grüner Wandfarbe", dem Debütroman der Autorin. Auch ihre Großmutter Ilsabé kommt (mittels Tonbandaufzeichnungen) nochmals zu Wort.
Vorkenntnisse daraus braucht man zum lesen oder hören dieses Nachfolgers allerdings nicht.
Gwen reist gemeinsam mit Freundin Laura, Tochter Ruth und Tante Lily nach Paris zur Recherchereise und trifft dort auf verschiedene Personen, die bereits zur Zeit der deutschen Besatzung dort gelebt haben.
Und so liest man abwechselnd in zwei Handlungssträngen von Gwen (1998) und den mutigen Agentinnen, der SOE (1942).
Pat wird während des 2. Weltkrieges eher "zufällig" zu einer Agentin, doch sie will endlich aus dem Schatten ihrer scheinbar übermächtigen Schwester Simone treten, die ja bereits für die SOE in Frankreich ist.
Dieser Aspekt der Eifersucht spiegelt sich in abgeschwächter Form auch im Verhältnis von Lily und ihrer Stiefmutter Ilsabé wieder.
Ilsabé hatte ihre Enkelin Gwen kurz vor ihrem Tod gebeten eine Lilou zu finden.
Tatsächlich kannten und trafen sich, wie nach und nach herauskommt, Ilsabé, Lilou, Pat (die sich in Paris Emma Fleury nennt), Simone und Pats Freundin Helen in Paris, doch die unterschiedlichen Verbindungen entwirren sich für Gwen und die Leser(innen) erst allmählich.
Das Pat und ihre Schwester Simone beide als Agentinnen tätig waren - ohne den Tätigkeitsbereich und den Aufenthaltsort der anderen zu kennen - führt zu Verwicklungen und einem Missverständnis, der noch 70 Jahre später tragisch nachhallt. Wird eine eigentlich unwichtige rote Strickjacke zum Auslöser einer Katastrophe?
Pat will nach so vielen Jahren endlich wissen, was damals genau geschehen ist. Von Schuldgefühlen geplagt willigt sie ein, mit der BBC - Journalistin Gwen zu sprechen.
Wieso kommt ihr deren Nachname eigentlich so bekannt vor? Was weiß - und verschweigt - Helen vor ihr?
Und vor allen: Wer hat Simone und Lilou verraten?
Es kommen recht viele verschiedene Personen im Handlungsstrang der Vergangenheit vor. In der Printversion gibt es ein Personenverzeichnis, Hörbuch-Hörer könnten sich ggf. entsprechende Notizen machen ;)
Mit Pat, die (wie ich finde) in der Gegenwart zuerst recht spröde herüberkommt, bin ich nur langsam warm geworden. Erst ihre Entwicklung zu Emma hat sie für mich greifbar und letztendlich sympathisch gemacht. Im Rückblick wird ihre ganze Verletzlichkeit deutlich.
Journalistin Gwen scheint recht strukturiert und eher kühl, um nicht zu sagen distanziert. Dafür bringen Ruth und Lily Leben und Farbe in den Gegenwartsteil.
Wer "Porträt auf grüner Wandfarbe" mochte, wird auch dieses Buch mögen - auch wenn ich es im Vergleich tendenziell für etwas schwächer halte.
Hervorzuheben ist in der Hörbuchversion erneut die großartige Sprecherin Elisabeth Günther.
Besonders Ilsabé (und ihr österreichisch gesprochenen "Schätzelchen") und Lily (und ihr englisches "Darling") werden von ihr unvergleichlich zum Leben erweckt.