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Veröffentlicht am 17.12.2025

Licht und Dunkelheit

Andrargs Schriften
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Andrarg wächst im Orden der Wächter auf und wird selbst zu einem. Seine Aufgabe: Die Welt vor den Dämonen schützen, die in der Unterwelt lauern und sich an den Menschen gütlich tun. Wider der Regeln und ...

Andrarg wächst im Orden der Wächter auf und wird selbst zu einem. Seine Aufgabe: Die Welt vor den Dämonen schützen, die in der Unterwelt lauern und sich an den Menschen gütlich tun. Wider der Regeln und dem Wissen seiner Oberen nimmt Andrarg Kontakt zu seiner Schwester auf, gibt sich ihr aber nicht zu erkennen. Dann geschieht das unvermeidliche: seine Schwester und ihre beiden Kinder werden ermordet. Der Täter ist wahrscheinlich Andrargs Schwager.

Als er aber sein Recht auf Rache dem Orden gegenüber einfordert, wird ihm dies verwehrt und er getadelt dafür, dass er die Regeln gebrochen hat. Für Andrarg gibt es daraufhin nur einen Weg: Er muss selbst zum Dämon werden, damit er den Tod seiner Schwester und deren Kinder rächen kann. Doch der Weg dorthin verlangt sehr viel.

Ist Andrarg wirklich bereit, diesen Weg einzuschlagen?

Der Roman wird als "Grimdark" angepriesen. Und düster ist die Handlung. Ist sie aber wirklich "grimdark"? Ich muss gestehen, das Musterexemplar (A Song of Ice and Fire) sitzt seit mehreren Jahren auf meinem Bücherregal, doch ich finde immer wieder Ausreden, die Bücher nicht zu lesen. Insofern kann ich nur von dem, was man heute vielleicht als grimdark bezeichnen könnte urteilen.

Der Roman ist definitiv dark. Die Autorin und der Verlag weisen darauf hin, es gibt Triggerwarnungen im Buch, die ich allerdings für überflüssig halte. Ja, es wird gemordet, mehr als einmal. Und vor allem die ersten fünf dieser Morde sind verwerflich. Aber wirklich grim? Dazu fehlen die Einzelheiten meiner Meinung nach. Es wird in wenigen Sätzen abgeklärt, was passiert, ohne wirklich tief darauf einzugehen. Das geschieht durchweg mit allen Morden. Sicher, Andrarg denkt an seine Taten, und zumindest zwei davon scheinen ihn wirklich tief zu treffen. Aber es wird so schnell über das hinweggegangen, was passiert ist, dass ich persönlich eine Triggerwarnung für überflüssig halte. Da gibt's mehr Gemetzel in einem durchschnittlichen Horror-Roman.

Meine persönliche Präferenz bei Fantasy im allgemeinen ist ein gelungener Weltenbau. Zumindest das Magiesystem hier ist durchdacht, und es gehört zum Weltenbau dazu, keine Frage. Aber mir persönlich fehlen die Beschreibungen. Ich kann mir weder die Burg noch die Welt der Dämonen wirklich vorstellen. Der Schneesturm wird erwähnt, ja, aber man fühlt ihn nicht. Als Leser erfährt man die Geschichte aus Andrargs Sicht, aber er scheint so losgelöst von seinem Körper, dass er beispielsweise Schnee nicht wahrnimmt, oder das Heulen des Windes, das Rauschen der Bäume im Wald, die dumpfen Tritte der Pferde, etc. Es ist alles weit weg oder wird nur am Rande skizziert. Wie gesagt, dies ist meine persönliche Vorliebe. Ich mag einen reichen Weltenbau, in dem auch eine Burg erklärt wird, die Räume, in denen die Protags sich aufhalten, wie sie Hitze oder Kälte wahrnehmen, Wetter sie beeinflusst, usw.

Was von Kalm sehr gut geschildert hat ist Andrargs Innenansicht. Man fühlt mit ihm mit und kann seine Handlungen, oder sein Zögern, nachvollziehen. Er ist ein widerstrebender Antiheld, der eigentlich nur Rache sucht, aber von Kräften, die größer sind als er, zu Dingen getrieben wird, die er nicht wirklich will. An einer Stelle fragt er sich selbst, wie es weitergehen soll, nachdem er seinen Schwager gestellt hat. Zum Orden zurückkehren dürfte nach seinen Handlungen in diesem Buch nicht mehr möglich sein, aber er möchte auch kein Dämon bleiben, denn von denen wird er weiter als Wächter wahrgenommen. So steckt er fest und erkennt erst sehr spät im Roman, in welche Lage er sich eigentlich gebracht hat.

Ich will das Buch nicht schlecht reden, im Gegenteil. Es hat seine Schwächen, die zum Teil auch an der Erzählperspektive liegen, aber es hat auch seine Stärken. Der Roman ist interessant und fesselnd geschrieben, es gibt keine Tippfehler (mir sind zumindest keine aufgefallen), und für das, was er berichten will, ist die Handlung schlüssig. Ich (persönlich) wünschte nur, ein paar mehr Details, ein bisschen mehr in das Kampfgeschehen eintauchen und mehr Beschreibungen. Aber für das, was er sein will, ist der Roman mehr als ausreichend.

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Veröffentlicht am 17.11.2025

Im Reich des Winters

Die Eiskinder
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Biancas kleiner Bruder wird als Eisstatue im Park aufgefunden. Sein Herz schlägt noch, doch man kann ihn nicht aufwecken, noch zeigte er irgendeine Reaktion. Bianca fühlt sich schuldig, immerhin sind ...

Biancas kleiner Bruder wird als Eisstatue im Park aufgefunden. Sein Herz schlägt noch, doch man kann ihn nicht aufwecken, noch zeigte er irgendeine Reaktion. Bianca fühlt sich schuldig, immerhin sind Finn und sie im Streit am Abend vor seinem Verschwinden auseinander gegangen. Nun will sie herausfinden, wie sie ihm helfen und heilen kann. Und dabei kommt sie vier eigenartigen Kindern auf die Spur ...

Das Buch wird angepriesen als eine Mischung aus Disney's "Frozen" und Hans Christian Andersons "Die Schneekönigin". Wobei, Frozen habe ich eigentlich kaum etwas anderes gefunden, als dass eine der Figuren es schneien lassen kann. Die Schneekönigin ist sogar höchstselbst vertreten, wenn auch nicht so herzlos, wie sie in Andersons Märchen rüberkommt.

Aber zurück zum Roman selbst. Der Band ist ein wunderschönes Hardcover mit sprayed Edges, also im Moment der letzte Schrei auf dem Büchermarkt) und wunderschönen Illustrationen von Penny Nevel-Lee, die die Geschichte bildlich unterstreichen. Da hat man sich beim Verlag wirklich was gedacht, so wie das ganze Buch aussieht ist es bereits ein Schmuckstück. Dafür schon einmal ein riesengroßes Lob.

Die Geschichte selbst erinnert, wie gesagt, mehr an Die Schneekönigin, was die Autorin auch selbst zugibt, als eine ihrer Inspirationen. Sie geht allerdings darüber hinaus und erfindet etwas eigenes aus dem doch recht düsteren Märchen - als Kind verband mich eine Haßliebe gerade mit diesem Märchen. Ich liebte die Geschichte, doch Teile davon hasste ich einfach nur.

In diesem Fall ist es Bianca, die auszieht, um das Rätsel zu lösen. Sie ist auch clever genug, um zumindest einen Teil des Geheimnisses sehr schnell aufzuklären: es muss mit dem Buch zusammenhängen, dass ihr Bruder am Tag vor seinem Verschwinden aus der Bibliothek mitgebracht hat. Doch auf Nachfrage dort erfährt Bianca, dass Finn gar kein Buch ausgeliehen hatte. Sie erinnert sich aber daran, denn dieses Buch war der Grund des Streits, dessentwegen sie so ein schlechtes Gewissen hat.

Leonard erzählt diesen Teil der Geschichte aus Biancas Sicht, was natürlich auch die Eltern einschließt und wie die plötzlich nur noch wie Roboter erscheinen und sie kaum wahrzunehmen scheinen. Die beiden sind vollkommen in ihrer Trauer und Sorge versunken, und da ist wenig Platz für ihre elfjährige Tochter, die gerade wüste Geschichten zusammenzuspinnen scheint. Für mich ist dieses Verhalten durchaus nachvollziehbar. Nicht weil Bianca nicht geliebt wird, sondern weil Finns Schicksal und sein geringeres Alter eine Rolle spielen. Wie gesagt, Bainca ist elf, Finn dagegen fünf.

Die Winterwelt, in der Bianca schließlich erwacht auf der Suche nach Finn, ist wunderschön geschildert und die Winterseelentiere ... ehrlich, wer wünscht sich kein Winterseelentier? Alle Tiere, die wir mit den Polen und Frost verbinden, sind dort vertreten, was ein bisschen verwirrend ist, wenn Eisbären plötzlich auf Pinguine treffen. Aber es ist eine Art Märchenwelt, also ist dort alles möglich.

Am Ende bleibt ein wunderschönes Buch mit einer märchenhaften Geschichte und sehr klar definierten Figuren, einer kleinen Heldin, die über sich hinauswächst und einer Phantasiewelt, in der jeder gern noch einmal Kind sein möchte. Der erhobene Zeigefinger ist mir persönlich ein bisschen zu hoch, aber die Geschichte ist in sich schlüssig geschrieben und auch mitreißend erzählt.

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Veröffentlicht am 14.11.2025

Nicht alles ist Gold was glänzt

Miez Marple und die Tatze der Verdammnis
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Urlaub hätte Miez Marple sich so ganz anders vorgestellt, als von ihrer Zweibeinerin entführt zu werden an einen unbekannten Ort. Doch die schnurrige Ermittlerin hat zumindest hier das große Los gezogen: ...

Urlaub hätte Miez Marple sich so ganz anders vorgestellt, als von ihrer Zweibeinerin entführt zu werden an einen unbekannten Ort. Doch die schnurrige Ermittlerin hat zumindest hier das große Los gezogen: sie darf im Bellagio einige Tage verbringen, während ihre Dösenöffnerin auf Wanderschaft geht. Doch dann passiert ausgerechnet in diesem Luxushotel der reichen und schönen Haustiere ein Mord. Und Miez Marple steckt mitten in den Ermittlungen ...

Katzenkrimis sind seit "Feldidae" aus der Krimiliteratur nicht mehr wegzudenken. Und irgendetwas hat gerade dieses Untergenre an sich, was sich von anderen Tierrassen abhebt. Katzen haben etwas an sich, was sie für einen Autor zu einem sehr interessanten Charakter macht, gerade wenn es um das Kriminalistische geht. Sie sind ohnehin natürliche Ermittler, und wenn sie auf einer Spur sind, dann lassen sie sich höchstens vom Rascheln der Leckerlitüte ablenken, aber von sonst nichts.

Die Welt, in die Navarro seine Leser hier entführt, ist die der Haus- und Stadttiere, sprich alles, was Mensch sich als tierischen Begleiter hält und auch das, was Mensch nicht unbedingt in seiner Umgebung, vor allem einer städtischen, sehen will. Die Tiere können miteinander sprechen, dabei gibt es offensichtlich kaum eine Grenze, von Ratte über Taube bis Hund und Katze, alles kann sich untereinander verständigen.

Das Bellagio als Ort der Handlung ist interessant und beinahe ist es schade, dass dem Gebäude und dem ganzen Anwesen nicht noch mehr Aufmerksamkeit entgegengebracht wurde. Als Leser wird man entführt in ein Haustierhotel der Sonderklasse, in dem alles was Rang und Namen hat in der Haustierszene, sich versammelt. Miez Marple ist darin ein ... kleiner Farbtupfer, der nicht so ganz ins Bild passen will. Das erfährt sie auch recht schnell.

Navarro hält dem Promileben den Spiegel vor, und das auf sehr humorige Weise. Showkatzen, häsische Spitzensportler, kätzische Schlagersänger - alles, was der Yellow-Press Herz begehrt, sogar der Adel ist vertreten, wenn auch nur durch Aussagen der Anwesenden. Die Gesellschaft der Tiere in diesem Roman verhält sich wie die menschliche Gesellschaft, oder wie man es sich vorstellt, wie es in einem solchen Etablissement wohl zugeht. Intrigen und Lügen und Show, alles gehabt, aber alles neu auf seine eigene tierische Weise.

Der Kriminalfall, den Miez Marple untersucht, ist verwirrend. Navarro ist hier wirklich ein Meisterstück gelungen, denn als Leser ist man wirklich bis zum großen Finale verwirrt darüber, wer denn nun eigentlich hinter all dem steckt, was im Bellagio vor sich geht. Und das ist nicht allein Mord, sondern es werden auch noch mehrere Anschläge verübt. Miez springt von einer Theorie zur nächsten und scheint ebenso ratlos wie der Leser. Und am Ende ... da ist es dann doch plötzlich ganz anders.

Ein humorvoller Kriminalroman, der zur Kurzweil und zum Rätseln einlädt. Sehr gut geschrieben mit viel Wortwitz, der zum Schmunzeln einlädt.

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Veröffentlicht am 06.11.2025

Am Ende des Krieges

Opalus
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Eigentlich sollte doch alles im reinen sein, jetzt, da Georg seinen Titel und sein Land zurück hat. Eigentlich. Doch da ist die Ungewißheit über seine Halbschwester Pascale. Georg hätte sie gern an seiner ...

Eigentlich sollte doch alles im reinen sein, jetzt, da Georg seinen Titel und sein Land zurück hat. Eigentlich. Doch da ist die Ungewißheit über seine Halbschwester Pascale. Georg hätte sie gern an seiner Seite, wäre wieder eine Familie, doch Pascale ist verschwunden und niemand weiß, wo sie steckt.

Dabei müsste man gar nicht so weit weg nachsehen, nämlich im Lager der Kaiserlichen ...

Dies ist der dritte Teil einer Saga. Die Autorin war so nett und hat mir eine Zusammenfassung der ersten beiden Bände zukommen lassen, sodass ich auf dem Laufenden war. Zunächst war es doch ein klein wenig verwirrend, zugegeben, aber ich kam gut ins Buch hinein und die Verwirrung war spätestens auf Seite 20 Geschichte.

Bernhardi schreibt sehr gut, die Figuren sind lebendig und man bibbert die ganze Zeit mit ihnen mit. Gerade Pascale, die den Großteil des Romans im Mittelpunkt steht, ist gut herausgearbeitet und eine interessante Frau, und das nicht nur, weil sie einen guten Teil ihrer Geschichte in Männerkleidern verbringt. Pascale wurde von den Kaiserlichen Soldaten als möglicher Spion gefangen genommen, so spielt also ein nicht unwesentlicher Teil der Handlung in eben diesem Lager und der Leser erlebt dort ihr Leben mit. Gerettet von einem alten Bekannten, dem Soldaten Reisinger, wird sie von ihm unter seine Fittiche genommen. Er bringt ihr das Fechten bei und befiehlt ihr, sich selbst zu verteidigen. Nicht dass er nicht hilft, oh nein. Und so kommt es mit der Zeit, wie es kommen muss.

Die Fechtszenen sind sehr gut erzählt und meist authentisch. So wurde gekämpft, mit Rapier und Dolch, nicht wie heute mit nur einer Waffe. Man nannte es das "dreckige" Fechten und es wurde überwiegend eben von Soldaten und Söldnern angewandt, aber auch von den meisten, die am Leben bleiben wollten. Man setzte eine Reihe schmutziger Tricks ein, damit man den Gegner besiegen konnte. Also ja, hier stimmt alles.

Was ein bisschen hochgegriffen ist, ist die eine Folterszene im Roman. 50 Peitschenhiebe. Eigentlich hätte Pascale bewusstlos sein müssen, da die wenigsten mehr als 20 bei Bewusstsein überstehen können, wenn überhaupt. 50 ist sehr hoch gegriffen und mir ist kein Fall bekannt, in dem so viele Peitschenschläge "verordnet" wurden. Aber das nur am Rande.

Was ich ebenfalls erwähnen sollte an dieser Stelle: Der Roman ist bebildert an verschiedenen Stellen. Sehr schöne Zeichnungen der Autorin selbst. Man erlebt es selten, dass Erwachsenen-Bücher so geschmückt werden, es ist also mehr als erwähnenswert und um einiges Mehrarbeit, die Bernhardi sich hier gemacht hat. Mein Kompliment dafür!

Die Zeit, gegen Ende des 30 Jährigen Krieges, wird gerade im Bereich des Heerlagers ein wenig ausführlicher geschildert, während die Handlung in und um Nirnberg dagegen vom Krieg nicht zuviel mitbekommen zu haben scheint. Es finden dort keine Plünderungen und Raubmorde statt, oder zumindest werden sie im Roman nicht erwähnt. Der eine Graf, der sich den Kaiserlichen Verbänden anschließen möchte, ist Wochen unterwegs, was darauf schließen lässt, dass die Kriegshandlungen tatsächlich weiter entfernt statt finden. Gerade hier hätte ich mir ein wenig mehr erwartet über den Schrecken des Krieges und die Entvölkerung der Landstriche. Aber der Schrecken des Lagerlebens wird anschaulich und nachvollziehbar dargestellt.

Ein solider Roman, flüssig zu lesen, mit nachvollziehbaren Figuren. Wer historische Romane mag, der wird mit Opalus auf seine Kosten kommen.

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Veröffentlicht am 27.10.2025

Phönixasche

CROWN AND EMPIRE
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Seit 500 Jahren wacht der Phönix über den König und das Land gedeiht. Es herrscht Frieden und gibt keine zu großen Zwistigkeiten. Dies aber ändert sich schlagartig, als die Negrimanten Traumvisionen der ...

Seit 500 Jahren wacht der Phönix über den König und das Land gedeiht. Es herrscht Frieden und gibt keine zu großen Zwistigkeiten. Dies aber ändert sich schlagartig, als die Negrimanten Traumvisionen der vier Götter empfangen: Der Phönix muss geopfert werden, sonst wird das Reich, nein, der gesamte Kontinent, zerstört in einem gewaltigen Vulkanausbruch.

Der Negrimant Taco stiehlt den Vogel und macht sich auf die Reise, davon überzeugt, das richtige zu tun. Aber ist es wirklich der Wille der Götter, dass der unsterbliche Phönix sterben muss?

Als Inspiration diente der Autorin der Doppelkontinent Amerika, so ist es in ihrer Vita zu lesen. Aber ehrlich, mehr als eben, dass es zwei miteinander verbundene Landmassen sind, auf denen die Geschichte spielt, ist da wenig von Amerika zu bemerken. Anfangs dachte ich, dass sie sich vielleicht inspiriert gefühlt hat durch die doch sehr reiche Geschichte der beiden Amerikas, die ja über Jahrhunderte untereinander Handelsbeziehungen führten, oder die Großmächte, die sich gerade in Süd- und Mittelamerika formten mit der Zeit. Aber es scheint tatsächlich nur die Form gewesen zu sein.

Eine 500 Jahre alte Dynastie, die durch einen Phönix sozusagen bestätigt wird. In dieser langen Zeit kann sich einiges an Unrat ansammeln, und so ist es auch hier. Aus den einst ideellen Werten ist purer Machthunger geworden, aus den aufrechten Königen Depoten und Intriganten. Also, ich als Phönix hätte da auch keine Lust mehr.

Was mich faszinierte war das Magiesystem, das Luis hier entwickelt hat. Statt den Zauberstab zu schwenken oder Magie zu "weben" sind es die Negrimanten selbst, die besondere Fähigkeiten besitzen und nichts darüber hinaus. Taco, der mit dem armen Phönix Felix durch die Weltmeere schippert, ist ein Telekinet, und nichts mehr. Er kann Dinge bewegen, was teils sehr eindrucksvoll ist. Sein Mitbruder Ordo dagegen kann Feuer aus seinen Händen werfen. Ebenfalls sehr eindrucksvoll, und das von Beginn an. Als besondere Regel gilt: kein Zauberer darf seine Fähigkeiten öffentlich machen. Man muss nicht Einstein sein um schnell herauszufinden, zumindest die beiden hier genannten können dieses Versprechen nicht allzu lange halten.

Das Verschleiern der übernatürlichen Kräfte hat allerdings in den letzten Jahrhunderten auch dazu geführt, dass die "Mächtigen" die Negrimanten vollkommen unterschätzen. Ein Plus für letztere, denn dadurch sind sie in einem offenen Kampf (den wir hier allerdings nicht sehen) haushoch überlegen. Und ich tippe darauf, dass dieser Konflikt kommen wird, er deutete sich schon an.

Ich wünschte allerdings, dass Luis ebenso klare Regeln für den Schwertkampf aufgeführt hätte. Lara, die verfolgte einzige Überlebende des einen Zweigs der Königsfamilie, der vernichtet wurde, lernt diesen nämlich und wendet ihn an gegebener Stelle auch kurzzeitig an - d.h. sie sticht einmal zu. Ich hätte mir da ein bisschen mehr gewünscht, gerade über ihre Lehrzeit, die mit 4 Monaten ja doch recht kurz ist. Ein kleines Geheimnis von mir, das ich an dieser Stelle teile, als Kind war ich Mitglied in einem Fecht-Club. Das bedeutet bis heute, dass ich Schwert-, Säbel- und Degenkämpfe sehr gut nachvollziehen kann in Romanen. Ein Grund, warum ich die Kämpfe an einer Stelle lobe, an anderer nicht.

Das Konzept des Phönix stammt eher aus der östlichen Mythologie denn aus dem Westen. Daher interessierte es mich sehr, wie die Autorin den Vogel hier umgesetzt hat. Und dieses Konzept, zumindest soweit ich es begriffen habe (oder glaube begriffen zu haben) ist interessant. Ich möchte an dieser Stelle nicht zuviel verraten, doch ich habe große Hoffnungen für den/die Folgebände der Reihe.

Die Charaktere wachsen, allerdings überschreiten sie die Grenze ihres Archetypen hier noch nicht. Die Möglichkeit besteht, je nachdem, was die Autorin für die Fortsetzung plant und was nicht. Zumindest gegen Ende des Romans hatte ich das Gefühl, dass sich ein, zwei Figuren diesen Grenzen nähern und bereit sind zu wachsen. Wir werden sehen in den Folgebänden.

Es ist ein guter Einstieg in einen neuen Fantasy-Zyklus. Nicht überragend, aber mit viel Potenzial. Leicht zu lesen und eine gemütliche, teils auch sehr spannende Lektüre.

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