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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.01.2026

Lesenswert

Der Fluss der Zeit
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Der Autor und Philosoph wurde weltweit bekannt durch den „Nachtzug nach Lissabon“. Zwei Jahre nach seinem Tod erscheint nun ein Band mit Kurzgeschichten.
Die Zeit vergeht. Während sie das tut, verändert ...

Der Autor und Philosoph wurde weltweit bekannt durch den „Nachtzug nach Lissabon“. Zwei Jahre nach seinem Tod erscheint nun ein Band mit Kurzgeschichten.
Die Zeit vergeht. Während sie das tut, verändert sich die Welt. Auch wir verändern uns. Dem ist diese Geschichtensammlung auf der Spur.
Es geht um Dankbarkeit, die sich im Laufe der Zeit verändert. Es geht um vergangenes Leben, das plötzlich gegenwärtig wird und kaum wiederzuerkennen ist. Es geht um den einen Moment, in dem ein Leben kulminieren kann. Und schließlich geht es auch um das Warten.
Mercier ist ein toller Erzähler. Man wird sofort in seine Geschichten hinein gezogen. Der philosophische Aspekt erschließt sich nicht immer, manchmal muss man ein bisschen nachdenken, warum er genau diese Geschichte erzählt. Besonders berührt hat mich der Busfahrer in Töten mit Lärm. Auf kleinstem Raum stehen hier menschliche Universen und Abgründe nebeneinander, fein beobachtet und mit großer Distanz vorgestellt.
Fünf Häppchen Literatur für Zwischendurch, sehr lesenswert.

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Veröffentlicht am 26.12.2025

Reise in eine fremde Zeit

Das Erbe der Drachenkrone
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Dies ist der letzte Teil der Geschichte von Wales, die die Autorin aus Sicht besonderer Frauen geschildert hat. Hier heißt die Heldin Eleanor de Montfort.
Wie schon in den Bänden zuvor verfolgen wir die ...

Dies ist der letzte Teil der Geschichte von Wales, die die Autorin aus Sicht besonderer Frauen geschildert hat. Hier heißt die Heldin Eleanor de Montfort.
Wie schon in den Bänden zuvor verfolgen wir die abenteuerliche Geschichte einer interessanten Persönlichkeit. Eleanor erlebt ein für die höheren Töchter jener Zeit ganz normales Schicksal: Sie wird im Alter von dreizehn Jahren an einen fremden alten Mann verheiratet, und zwar an Llewellyn ap Gruffydd, den wahren Fürsten von Wales. Ständige Kriege um die englische Krone und um die Freiheit von Wales sowie zwischen Familienmitgliedern erschütten immer wieder ihr Dasein. Alles ist sehr gründlich und umfassend recherchiert, bis hin zu den Persönlichkeiten der Beteiligten, soweit sie sich heute noch rekonstruieren lassen.
Das ist, wie schon die Vorgängerbände, sehr spannend zu lesen. Ein echter Schmöker.

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Veröffentlicht am 16.12.2025

Gruselig und spannend

Wer die Toten stört
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James Willoughby ist ein junger Mann aus gutem, aber verarmtem Hause. Er will Arzt werden und kommt zum Studium nach Edinburg. Hier arbeiten die besten Anatomen jener Zeit an echten Leichen.
Die Geschichte ...

James Willoughby ist ein junger Mann aus gutem, aber verarmtem Hause. Er will Arzt werden und kommt zum Studium nach Edinburg. Hier arbeiten die besten Anatomen jener Zeit an echten Leichen.
Die Geschichte ist sprachlich ganz im Stile jener Zeit geschrieben. Das Gruselige, das Toten anhaftet, weht geradezu durch durch die Buchseiten. Huh! Manche der eigentlich grauenhaften Szenen erscheinen durchaus komisch. Und es ist schließlich der Beginn der modernen Medizin. Nur so kann man erfahren, wie es im menschlichen Körper aussieht: indem man ihn aufschneidet und hineinsieht.
In diesem Spannungsfeld entwickelt sich der junge James, und ebenso der Roman. Stehen zuerst noch der Gruselaspekt und die Faszination im Vordergrund, so wird das Ganze schnell zu einem Krimi und dann zu einem Thriller, in dem es darum geht, nicht selber zur Leiche zu werden, sondern Mörder zu überführen. Ganz nebenbei erlebt James noch eine ungewöhnliche Liebesgeschichte.
Es passiert also eine ganze Menge auf diesen vierhundert Seiten. Lesen!

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Veröffentlicht am 28.10.2025

Beeindruckend

Die Knef
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Hildegard Knef (*1925) war als Schauspielerin, Sängerin und Autorin sehr erfolgreich. Dieses Buch schildert ihr Leben als Bildergeschichte in Form künstlerischer Comics. Zahlreiche Zitate sind eingebaut.
Hier ...

Hildegard Knef (*1925) war als Schauspielerin, Sängerin und Autorin sehr erfolgreich. Dieses Buch schildert ihr Leben als Bildergeschichte in Form künstlerischer Comics. Zahlreiche Zitate sind eingebaut.
Hier werden die emotionalsten Momente aus dem Leben der Knef künstlerisch dargestellt. Die Zeichnungen deuten die Personen nur an, im Mittelpunkt stehen Erlebnisse und Emotionen. Es ist hilfreich, dass die wichtigsten Personen am Anfang schon gezeigt und vorgestellt werden.
Die Darstellung folgt der Chronologie. Der Schwerpunkt auf Knefs Gefühlswelt wird der Künstlerin gerecht. Die Bilder zeigen ihre Wahrnehmung und deuten Konflikte an. Sie ist eine sehr selbstständige Persönlichkeit, aber das gesteht man Frauen in der Nachkriegszeit nicht zu. Dennoch hat sie Erfolg in der Rolle als „moderne, unabhängige Frau“. Und später auch als Sängerin und mit eigenen Liedern.
Das Buch ist auch handwerklich richtig schön: Ein fester Einband, ein großes Format und dickes Papier, das sich gut anfühlt. Comic ist heute eine eigene Kunstform. Dies ist ein beeindruckendes Beispiel.

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Veröffentlicht am 17.10.2025

Düstere Familiengeschichte

Das Nest
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Fran lebt mit ihrer Familie an der englischen Küste und vermietet Ferienheime an Touristen. Ihr Sohn Bruno und ihre Nichte Sadie gehen gemeinsam zur Schule im Ort. Frans Schwester und der alkoholsüchtige ...

Fran lebt mit ihrer Familie an der englischen Küste und vermietet Ferienheime an Touristen. Ihr Sohn Bruno und ihre Nichte Sadie gehen gemeinsam zur Schule im Ort. Frans Schwester und der alkoholsüchtige Schwager leben ebenfalls hier. Eine Gruppe Roma lässt sich auf einem Nachbargrundstück nieder. Einer von ihnen, Tad, erzählt im Wechsel mit Fran die Geschichte aus der Ich-Perspektive. Dadurch erhalten wir einerseits einen tiefen Einblick in das jeweilige Lebensgefühl als auch den Blick von außen.
Die Atmosphäre ist sehr dicht, aber die Handlung recht undurchsichtig. Tote Vögel werden gefunden, dann auch ein toter Mensch. Die Stimmung ist gedrückt, die Menschen wirken belastet ohne dass man genau weiß, warum. Das Vogelnest am Strand, das Fran immer wieder besucht, ist ein Highlight in einem tristen Leben ohne Höhepunkte. Auch Fran erscheint merkwürdig haltlos. Ihre Schwester ist distanziert, der Schwager verschwindet ganz, für ein paar Tage. Sohn und Kusine freunden sich an, was niemand wirklich gerne zu sehen scheint. Die Roma scheinen es leichter zu haben, mit einander und mit ihrem Dasein.
Die Auflösung ist überraschend, das Ende grausam.

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