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Veröffentlicht am 20.11.2025

Zwischen Erinnerung und Wahrheit

Der Tag, an dem Barbara starb
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Margaret Winterbottom wird nachts durch Polizeisirenen geweckt und erfährt dann, dass ihre Nachbarin Barbara ermordet wurde. Trotz ihrer Krankheit geht sie der Sache nach und Unterstützung bekommt sie ...

Margaret Winterbottom wird nachts durch Polizeisirenen geweckt und erfährt dann, dass ihre Nachbarin Barbara ermordet wurde. Trotz ihrer Krankheit geht sie der Sache nach und Unterstützung bekommt sie dabei von ihrem geliebten Enkel James.

Richard Hooton verbindet in seinem Roman den Versuch, einen Kriminalfall zu erzählen, mit dem ernsten Thema Alzheimer. Anfangs war ich gespannt, wie es dem Autor gelingen würde, diese beiden Elemente miteinander zu verknüpfen. Tatsächlich entwickelt sich die Geschichte jedoch weniger zu einem klassischen Krimi, sondern vielmehr zu einem einfühlsamen Porträt von Margaret und ihrem langsamen geistigen Verfall.

Besonders Margaret und ihr Enkel James wirkten auf mich sympathisch und authentisch. Bewegend ist vor allem Margarets Entschlossenheit, trotz ihrer Krankheit dem Tod von Barbara auf den Grund zu gehen. Das ist ein Vorhaben, das für sie zunehmend zur Herausforderung wird. Diese Darstellung vermittelt sowohl Nähe als auch Tragik. Margarets Tochter und ihr Schwiegersohn wirken in ihrem Verhalten oft distanziert und wenig einfühlsam. Ihre Ungeduld und Überforderung im Umgang mit Margarets Krankheit waren für mich stellenweise schwer nachzuvollziehen und hinterließen einen bitteren Beigeschmack. Gleichzeitig spiegeln sie aber auch ein Stück weit die heutige Gesellschaft wider, in der Demenz und Pflegebedürftigkeit viele Angehörige an ihre Grenzen bringen und nicht immer mit der nötigen Empathie begegnet wird.

Fazit: Ein sensibel erzählter Roman über Alzheimer und familiäre Bindungen, der durch seine Figuren berührt, aber als Kriminalgeschichte wenig Spannung aufbaut und mich deshalb insgesamt nicht ganz überzeugen konnte.

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Veröffentlicht am 17.11.2025

Agentenchaos

Kälter
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Auf der Nordseeinsel Amrum arbeitet die Polizistin Luzy Morgenroth, die versucht, ihre dunkle Vergangenheit als frühere BKA-Personenschützerin hinter sich zu lassen. Als ein mysteriöser Fall die Insel ...

Auf der Nordseeinsel Amrum arbeitet die Polizistin Luzy Morgenroth, die versucht, ihre dunkle Vergangenheit als frühere BKA-Personenschützerin hinter sich zu lassen. Als ein mysteriöser Fall die Insel erschüttert, wird Luzy jedoch erneut in die Welt der Geheimdienste hineingezogen. Dabei holt sie ihre Vergangenheit schneller ein, als ihr lieb ist.

"Kälter" war mein erstes Buch von Andreas Pflüger, und entsprechend hoch waren meine Erwartungen. Die vielen positiven Stimmen zu seinen früheren Werken haben mich neugierig gemacht, vielleicht sogar etwas zu sehr. Denn am Ende bin ich mit einem recht zwiespältigen Eindruck aus diesem Thriller gegangen. Zunächst hat mich die Hauptfigur Luzy Morgenroth wirklich interessiert. Eine Polizistin auf Amrum, die auf den ersten Blick beinahe unscheinbar wirkt, gleichzeitig aber eine Vergangenheit als Personenschützerin beim BKA mit sich trägt. Dieses Zusammenspiel aus äußerer Normalität und inneren Schatten fand ich spannend. Man ahnt schnell, dass Luzy mehr gesehen und erlebt hat, als sie zeigt.

Die Atmosphäre anfangs auf Amrum ist für mich eines der Highlights des Buches. Stürmisch, dunkel, kalt und abgeschieden, ein perfekter Schauplatz für einen Thriller. Man spürt das raue Wetter und die permanente Bedrohung, die über der Insel hängt. Das Setting hat mich sofort abgeholt und in die Geschichte hineingezogen. Doch ab dem Moment, in dem Luzy wieder in die Welt der Geheimdienste zurückkehrt, wurde es für mich zunehmend schwierig. Die Handlung schwenkt von einem atmosphärischen Inselthriller zu einer überladenen Agentenstory, die immer mehr an Glaubwürdigkeit verliert. Vieles wirkte auf mich maßlos übertrieben, fast so, als wolle der Autor krampfhaft immer noch eine Schippe drauflegen.

Ein Punkt, der mich besonders gestört hat, war die Darstellung von Luzys körperlichen Fähigkeiten. Sie wird als übergewichtige 50-Jährige beschrieben, was völlig in Ordnung ist und sogar interessant sein könnte. Aber dann führt sie Aktionen aus, die selbst für eine extrem fit trainierte Person unrealistisch wirken. Dadurch entstand für mich eine deutliche Diskrepanz zwischen Figur und Handlung. Das machte es schwer, der Geschichte zu folgen oder die dramatischen Szenen ernst zu nehmen. Auch der Schreibstil hat meinen Zugang zum Buch erschwert. Er wirkt sehr kühl, emotionslos und teilweise sperrig. Das mag für manche Leser genau der richtige Ton sein, für mich hat es aber verhindert, wirklich eine Verbindung zu den Figuren aufzubauen.

Am Ende bleibt für mich das Gefühl, dass "Kälter" phasenweise spannend und atmosphärisch stark ist, aber insgesamt zu viel will. Der Mix aus überzogener Agentenstory, unrealistischen Handlungen und einem sehr nüchternen Stil hat mich immer wieder geblockt. Trotz allem bin ich froh, das Buch gelesen zu haben, denn Pflüger hat definitiv seinen eigenen Ton und versucht, neue Perspektiven zu schaffen. Dennoch weiß ich nicht, ob "Kälter" der richtige Einstieg für mich war.

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Düster, schnell – aber sprachlich holprig

Garden Girls
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FBI-Agent Tiberius "Ty" Granger steht vor einer neuen, besonders grausamen Mordserie. Frauen, deren Namen an Blumen erinnern, werden mit Blumentätowierungen vor Leuchttürmen ermordet aufgefunden. Die Morde ...

FBI-Agent Tiberius "Ty" Granger steht vor einer neuen, besonders grausamen Mordserie. Frauen, deren Namen an Blumen erinnern, werden mit Blumentätowierungen vor Leuchttürmen ermordet aufgefunden. Die Morde scheinen eine düstere Verbindung zu seiner eigenen Vergangenheit zu haben.  

"Garden Girls - Verhängnisvolle Schönheit" ist bereits der dritte Teil aus dieser Reihe rund um eine Spezialeinheit des FBI, die sich mit religiösen Fällen beschäftigt. Der Auftakt erscheint 2026 auf deutsch. Der zweite Fall wurde noch nicht übersetzt. Im Original wird die Reihe als FBI: Strange Crimes Unit betitelt und jedes Mal steht ein anderer SCU-Agent im Mittelpunkt.

"Garden Girls" war für mich ein zwiespältiges Leseerlebnis. Sprachlich hatte ich große Schwierigkeiten mit dem Buch. Der Stil wirkte auf mich abgehackt, unruhig und einfach nicht mein Fall. Schon im Prolog dachte ich: Na, das kann ja heiter werden. Diese anfängliche Irritation zog sich leider durch das ganze Buch. Die Erzählweise wirkt stellenweise zerrissen, die Dialoge sind häufig unlogisch oder abrupt, sodass ich mich immer wieder gefragt habe, ob das an der Autorin selbst oder an der deutschen Übersetzung liegt.

Im Mittelpunkt steht dieses Mal FBI-Agent Ty Granger, der bei der SCU, einer Abteilung des FBI für Fälle mit religiösem Hintergrund, arbeitet. Die Mordserie an Frauen mit Blumentattoos führt ihn zurück in seine Heimat nach North Carolina und damit direkt in seine traumatische Vergangenheit. Ty stammt aus der Sekte Family of Glory, in der er aufgewachsen ist, bevor er verstoßen wurde. Eigentlich ein spannender Hintergrund, doch leider wirkt selbst Ty seltsam unnahbar. Seine Art, vor allem sein Verhalten gegenüber Bex, empfand ich oft als egoistisch und distanziert. Auch zu den anderen Figuren konnte ich keinerlei Verbindung aufbauen, was ich sehr bedauerlich fand.

Ausserdem hatte ich das Gefühl, wichtige Informationen zu verpassen. Vieles wird so dargestellt, als müsste man es bereits wissen, was mich zu der Frage bringt, warum man die Reihe in Deutschland nicht mit dem ersten und zweiten Band veröffentlicht hat. Der Einstieg mittendrin macht es unnötig schwer. Trotz dieser Kritikpunkte hat "Garden Girls" auch starke Seiten. Die Geschichte ist schnelllebig, das Tempo hoch, und die Spannung trägt einen gut durch die Handlung. Die Autorin versteht es, die düsteren Abgründe der menschlichen Psyche zu zeichnen, und manche Szenen haben eine bedrückende Intensität.

Fazit: Ein atmosphärischer, temporeicher Thriller, der für mich jedoch an sprachlicher Holprigkeit, unnahbaren Figuren und den fehlenden Vorgängern in deutscher Übersetzung scheitert.

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Veröffentlicht am 29.10.2025

Liebe wird nicht weniger, sie wächst

Ich hab dich ganz genauso lieb
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Als wir das Buch das erste Mal in den Händen hielten, waren wir neugierig. Schließlich stammt es von Keira Knightley und ist inspiriert von ihren eigenen Erfahrungen als Mutter. Das Thema hat uns sofort ...

Als wir das Buch das erste Mal in den Händen hielten, waren wir neugierig. Schließlich stammt es von Keira Knightley und ist inspiriert von ihren eigenen Erfahrungen als Mutter. Das Thema hat uns sofort angesprochen. Wie fühlt sich das ältere Kind, wenn plötzlich ein Geschwisterchen da ist? Wie kann man ihm zeigen, dass Liebe nicht weniger wird, sondern einfach mehr Platz bekommt?

Beim Lesen hat uns besonders berührt, wie feinfühlig die Geschichte erzählt ist. Die Unsicherheit der großen Schwester, die Angst, nicht mehr genug geliebt zu werden. All das wird mit so viel Verständnis und Poesie beschrieben. Diese Botschaft finden wir wunderschön. Die Liebe teilt sich nicht, sie wächst.

Was uns allerdings ein bisschen gefehlt hat, sind hellere, fröhlichere Illustrationen. Gerade bei einem Buch, das Trost und Geborgenheit schenken soll, hätten wir uns Zeichnungen gewünscht, die Kinder sofort mitnehmen und ein warmes Gefühl hinterlassen.

Trotzdem ist "Ich hab dich ganz genauso lieb" ein liebevolles und tröstendes Buch, das wir gerne gemeinsam lesen. Es hilft, über Gefühle zu sprechen und erinnert uns alle daran, dass jedes Kind auf seine eigene Weise wichtig und geliebt ist.

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Veröffentlicht am 25.10.2025

Schnell, simpel, solide – mehr aber auch nicht

Holy
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"Holy" von Gina Sandrin präsentiert sich als modernes Kochbuch mit dem Anspruch, einfache, gesunde und kreative Gerichte auf den Tisch zu bringen. Rund 80 Rezepte zeigen, dass Genuss auch mit wenigen Zutaten ...

"Holy" von Gina Sandrin präsentiert sich als modernes Kochbuch mit dem Anspruch, einfache, gesunde und kreative Gerichte auf den Tisch zu bringen. Rund 80 Rezepte zeigen, dass Genuss auch mit wenigen Zutaten und wenig Aufwand möglich ist. Der Fokus liegt auf unkomplizierten Mahlzeiten, die schnell gelingen sollen. Ideal für alle, die gerne frisch kochen, aber keine Zeit für aufwendige Menüs haben.

Trotz der ansprechenden Aufmachung und der sympathischen Idee bleibt das Buch insgesamt etwas blass. Viele Rezepte wirken vertraut und bieten wenig Neues oder Überraschendes. Wer bereits einige Basic-Kochbücher besitzt oder regelmäßig auf Foodblogs stöbert, wird hier kaum Inspiration finden, die wirklich heraussticht.

Für Einsteiger in die gesunde Alltagsküche ist „Holy“ durchaus brauchbar. Die Rezepte sind übersichtlich, gelingen leicht und erfordern keine exotischen Zutaten. Doch wer das Besondere sucht, wird vermutlich enttäuscht.

Fazit: Solide, aber unspektakulär. Gut für den unkomplizierten Alltag, weniger für kulinarische Entdeckungen.

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