Profilbild von Danny

Danny

Lesejury Profi
offline

Danny ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Danny über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.10.2025

Perspektivwechsel

Jetzt gerade ist alles gut
0

Manche Ereignisse im Leben führen dazu, dass man Dine in einem neuen Licht sieht. Ein solches Erlebnis widerfährt auch dem Erzähler des kleinen Büchleins “Jetzt gerade ist alles gut” von Stephan Schäfer, ...

Manche Ereignisse im Leben führen dazu, dass man Dine in einem neuen Licht sieht. Ein solches Erlebnis widerfährt auch dem Erzähler des kleinen Büchleins “Jetzt gerade ist alles gut” von Stephan Schäfer, erschienen bei park x Ullstein im Oktober 2025. Morgens ist er noch kerngesund aufgestanden und abends sieht er sich mit seiner Sterblichkeit konfrontiert. Ein kleiner Schnitt im Finger, durch eine winzige Unaufmerksamkeit beim Kochen – etwas, das täglich tausendfach passiert - führt bei ihm innerhalb kürzester Zeit zu einer lebensbedrohlichen Sepsis. Nach seiner Genesung stellt er sich immer wieder die Frage, was im Leben wirklich wichtig ist. Er lernt die kleinen Augenblicke und persönlichen Begegnungen zu schätzen, über die wir im Alltag allzu oft hinwegeilen.

“Jetzt gerade ist alles gut” ist ein inspirierendes Buch, das zum Innehalten anregt. Einzelne Kapitel haben mich tief berührt und mich zum Nachdenken gebracht. Was ist mir in meinem Leben wirklich wichtig und welche Augenblicke, seien sie auch noch so kurz, sind wirklich bedeutsam? Mal ist es ein kurzes Gespräch mit einem Fremden im Zug, dann auch wieder ein Treffen mit alten Freunden, die man vielleicht lange nicht gesehen hat. In kurzen Kapiteln schildert Stephan Schäfer was ein Leben intensiv und glücklich macht. Es sind nicht die großen, lebensverändernden Entscheidungen, die Schäfer anspricht, sondern leisen Momente, deren Summe zu einem erfüllten Leben beiträgt.

Ich bin froh und dankbar, dieses Buch gelesen zu haben und empfehle es nicht nur denjenigen, die sich nach einem Perspektivwechseln sehnen, sondern all jenen, die durch ihr Leben eilen. Die Geschichte lädt dazu ein, innezuhalten und den Moment wertzuschätzen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 05.10.2025

Ein Debüt, das fesselt

The Business Trip
0

Das Cover von Jessie Garcias „The Business Trip“, erschienen bei dtv im Oktober 2025, hat mich sofort neugierig gemacht, und auch der kurze Klappentext hat mich so neugierig gemacht, dass ich diesen Thriller ...

Das Cover von Jessie Garcias „The Business Trip“, erschienen bei dtv im Oktober 2025, hat mich sofort neugierig gemacht, und auch der kurze Klappentext hat mich so neugierig gemacht, dass ich diesen Thriller einfach lesen musste. Und ich wurde nicht enttäuscht: Mit angehaltenem Atem bin ich nur so durch die Seiten geflogen, weil ich unbedingt wissen musste, was hinter der ungewöhnlichen Dreierkonstellation aus der mittellosen Jasmine, die vor ihrem gewalttätigen Freund flieht, der Businessfrau Stephanie und dem Mann über den beide plötzlich Nachrichten an ihr Freunde schreiben steckt.
Die kurzen Kapitel, die jeweils aus der Ich-Perspektive unterschiedlicher Figuren erzählt werden, verstärken den Eindruck, man lese einen True-Crime-Fall, der sich nach und nach vor den Augen der LeserInnen entfaltet. Durch die schnellen Perspektivwechsel und die zahlreichen Twists im Plot bleibt das Tempo hoch, so dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Jessie Garcia hat einen mitreißenden und überaus spannenden Schreibstil und versteht es ihre LeserInnen immer wieder auf falsche Fährten zu führen.
Ein kleiner Kritikpunkt: Manche Figuren hätten für meinen Geschmack noch etwas mehr Tiefe vertragen, besonders Trent wirkte stellenweise etwas stereotyp und eindimensional
Trotzdem ist The Business Trip für mich ein absolutes Thriller-Highlight. Jessie Garcia ist mit ihrem Debüt ein starker Auftakt gelungen, und ich freue mich schon auf weitere Titel von ihr. Kleine Schwächen hin oder her – ich runde guten Gewissens auf 5 von 5 Punkten auf.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.10.2025

Ein ganz normaler Familienausflug

Der Tag, an dem Max dreimal ins Auto gekotzt hat
0

Viele Kinderbücher machen zwar den Kleinen Spaß, sind aber für die VorleserInnen langweilig. „Der Tag, an dem Max dreimal ins Auto gekotzt hat“, Carlsen-Verlag im September 2025, gehört eindeutig nicht ...

Viele Kinderbücher machen zwar den Kleinen Spaß, sind aber für die VorleserInnen langweilig. „Der Tag, an dem Max dreimal ins Auto gekotzt hat“, Carlsen-Verlag im September 2025, gehört eindeutig nicht dazu. Hier haben alle etwas zu lachen: Opa nörgelt, Oma sucht ihr verlegtes Handy, dem Großen ist schlecht, weil er am Abend zuvor feiern war, die große Schwester ist genervt, weil sie auf den Ausflug mit muss und nicht selbst fahren darf, die Kleine muss mal Pipi und Papa und Mama sind ohnehin schon gestresst. Beste Voraussetzungen, also für einen harmonischen und entspannten Ausflug mit der Familie zur Hochzeit der Großtante.
Marc-Uwe Kling trifft den Familienwahnsinn einfach auf den Punkt. Mit viel Witz und einem scharfen Blick für typische Situationen macht er die Geschichte so unterhaltsam, dass wir Großen beim Vorlesen genauso viel Spaß haben, wie die Keinen beim Zuhören. Beim Vorlesen musste ich das ein oder andere Mal laut auflachen und der Sechsjährige hat sich natürlich über das Kotzen ganz besonders gefreut.
Ein großartiges Kinderbuch, das uns restlos begeistert hat! Wir freuen uns auf weitere Abenteuer aus der „Der Tag, an dem…“-Reihe mit dieser chaotischen, liebenswerten Familie. Klare Leseempfehlung: 5/5 Sternen

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.09.2025

Körperkunde mit Charm

Organisch
0

Nachdem Giulia Enders mit einem Buch über nur ein Organ berühmt geworden ist, nämlich den Darm, wirft sie in ihrer neuesten Publikation einen Blick auf unseren gesamten Körper: Lunge, Immunsystem, Haut, ...

Nachdem Giulia Enders mit einem Buch über nur ein Organ berühmt geworden ist, nämlich den Darm, wirft sie in ihrer neuesten Publikation einen Blick auf unseren gesamten Körper: Lunge, Immunsystem, Haut, Muskeln und Hirn. Ich halte kein wissenschaftliches Fachbuch in den Händen, sondern ein – im besten Wortsinne . populärwissenschaftliches Sachbuch, das auch Nichtmedizinern die Zusammenhänge im Körper nahebringt, ohne Vorkenntnisse vorauszusetzen. Enders beschreibt in lockerem, humorvollem Ton und ohne den übertriebenen Gebrauch von Fachtermini die Abläufe und Zusammenhänge in unserem Körper. Komplexe Zusammenhänge versteht sie auf das Essenzielle herunterzubrechen und Laien verständlich zu erklären. Das ist eine großartige Gabe. Dennoch sind alle Aussagen die sie trifft fundiert und orientieren sich an aktuellen Forschungserkenntnissen. Spannend räumt sie so mit verschiedenen Mythen auf, wie etwa der landläufigen Meinung, dass Sport zwingend zum Abnehmen führt.

Die promovierte Medizinerin geht von einem ganzheitlichen Ansatz aus und stellt die Grundthese auf, dass alle Abläufe in unserem Körper miteinander in Verbindung stehen. Hierbei gleitet sie nicht ins Esoterische ab, sondern möchte den Körper als einen in sich geschlossenen Organismus verstanden wissen, dessen komplexe Abläufe einander bedingen.

Mir gefällt sehr, dass sie die wissenschaftlichen Fakten und Erkenntnisse in persönliche Erfahrungen und Geschichten einbettet. Dies macht es für mich viel greifbarer und nachvollziehbarer. So beginnt jedes Kapitel mit einer sehr privaten Einleitung über eine Episode oder ein Detail aus dem Leben ihrer Urgroßmutter, eines Freund Ihrer Großmutter, Ihrer Großmutter selbst, sowie ihrer Mutter und Schwester. Die intimen Einblicke in das Familienleben sind sehr berührend und lassen das folgende Kapitel greifbarer und nahbarer erscheinen.

Besonders hervorheben möchte ich neben den wunderbar verständlichen Texten zudem die Gestaltung des Buches. Die Haptik des Einbands vermittelt Qualität. Der Text wird immer wieder durch zahlreiche Illustrationen und Zeichnungen gestützt. Diese stammen von Jill Enders, der Schwester der Autorin. Jill Enders hat bereits „Darm mit Charm“ illustriert und ist als Kommunikationsdesignerin auf Wissenschaftsvermittlung spezialisiert. Jedes Kapitel beginnt mit einer farbigen, ganzseitigen Illustration und kleinere Zeichnungen verdeutlichen hier und da das geschriebene Wort. Die Schwestern ergänzen sich in ihrer Arbeit außergewöhnlich gut und sind einander wichtige Sparring-Partnerinnen.

Normalerweise lese ich selten Sachbücher, da mich diese häufig langweilen. Doch Giulia und Jill Enders vermitteln Wissen und relevante Forschungserkenntnisse auf unterhaltsame Weise. Ich empfinde dieses Buch als große Bereicherung und gebe daher eine ganz klare Leseempfehlung und 5/5 Sternen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.08.2025

Phantasievoll, wendungsreich, spannend

Immerland – Die Stadt der Ewigkeit
0



Ein Buch wie ein Traum: poetisch, spannend, und mitreißend. Immerland – Die Stadt der Ewigkeit, erschienen im Hanser Verlag im Juli 2025, ist eines der berührendsten Jugendbücher, das ich seit Langem ...



Ein Buch wie ein Traum: poetisch, spannend, und mitreißend. Immerland – Die Stadt der Ewigkeit, erschienen im Hanser Verlag im Juli 2025, ist eines der berührendsten Jugendbücher, das ich seit Langem gelesen habe. Flix, bekannt als Cartoonist und Illustrator, gelingt es in seinem Debütroman meisterhaft, große Themen wie Leben und Tod, Freundschaft, Mut und Zukunft in eine phantasievolle und turbulente Geschichte zu verpacken.

Mika Thorwarth, ein schüchterner Außenseiter, ist 12 5/6 Jahre alt und wird in den Sommerferien zu seiner Großmutter geschickt. Sein Vater muss geschäftlich verreisen und seine Mutter lebt nicht mehr. Missmutig blickt er langweiligen Ferien entgegen, doch rasch findet er sich in einem rasanten Abenteuer wieder. Mika Reise führt ihn und seine Großmutter in eine fremde Stadt, in der alles anders ist. Hier findet er, wonach er sich am meisten sehr: Freundschaft, Anerkennung und ein Stück Zuhause. Doch all das scheint einen Haken zu haben, der immer deutlicher zum Vorschein tritt, je länger Mika in der Stadt ist. Die Spannung steigert sich von Seite zu Seite, unterstützt durch zahlreiche Wendungen.

Flix erzählt mit großem Feingefühl und sicherem Gespür für Emotionen und Dynamik. Mika ist ein sehr sympathischer Held, in den sich sicherlich viele Jugendliche hineinversetzen können. Zunächst mangelt es ihm an Selbstvertrauen, doch er wächst im Laufe der Geschichte über sich selbst hinaus. Die Geschichte ist poetisch, turbulent, humorvoll, an manchen Stellen sogar skurril und gerade dadurch so besonders.

Zu dieser Einschätzung tragen auch die liebevoll gestalteten Illustrationen bei, die alle paar Seiten die Handlung begleiten. Die Zeichnungen stammen laut Titelseite angeblich von Mika selbst, ein charmanter Kniff, der die Leser noch näher an den Protagonisten heranbringt. Das Buch ist sehr hochwertig gestaltet und mit spürbar viel Herzblut gemacht.

Immerland – Die Stadt der Ewigkeit ist nicht nur ein Buch für Kinder und Jugendliche, sondern auch ein Lesevergnügen für Erwachsene. Flix streut immer wieder kleine Anspielungen ein, die älteren LeserInnen besonders auffallen werden, ohne die kindliche Perspektive aus den Augen zu verlieren.

Mein Fazit: Das Buch hat alles, was ein gutes Jugendbuch ausmacht: Phantasie, Tiefe, Spannung und Herz. Es ist so poetisch erzählt, wundervoll illustriert und kommt mit einer Botschaft um die Ecke. Für mich ganz klar eine uneingeschränkte Leseempfehlung und 5 von 5 Sternen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere