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Veröffentlicht am 04.11.2025

Grandios!

Kälter
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In einer stürmischen Nacht im Herbst des Jahres 1989 kommen Männer auf Amrum an, die nichts Gutes im Schilde führen. Sie wissen nicht, dass die Provinzpolizistin, die sich ihnen in den Weg stellt, früher ...

In einer stürmischen Nacht im Herbst des Jahres 1989 kommen Männer auf Amrum an, die nichts Gutes im Schilde führen. Sie wissen nicht, dass die Provinzpolizistin, die sich ihnen in den Weg stellt, früher eine andere war. Menschen sterben, Freunde bleiben zurück und Luzy Morgenroth wird wieder zu der, die sie seinerzeit gewesen ist. Angetrieben von Rache will sie nun Vergeltung üben.

»Wahre Macht über Leben und Tod hast du nur, wenn du dann und wann jemandem erlaubst, fürs Erste weiterzuatmen.« (Seite 127)

Dies ist ein Buch, das ein gewisses Hintergrundwissen erfordert, was Geheimdienste und die Welt der Spionage betrifft, die Leserin und der Leser sollten zum Beispiel wissen, dass mit Tango kein Tanz gemeint ist, das kleine oder große Besteck nicht zum Essen einlädt, eine »Nasse Sache« nicht Wäsche aus der Waschmaschine meint und die in der Geschichte erwähnten Sherpas kein Volk aus Nepal sind. Man muss kein Profi sein, was dies angeht, aber das Entschlüsseln der üblichen Abkürzungen wie CIA, KGB, MI6, BND u.a. wird vorausgesetzt und nicht erklärt. Die Kenntnis von Fakten großer historischer Ereignisse ist von Vorteil und auch die der Namen mehr oder weniger bekannter Persönlichkeiten. Nicht, dass ich sicher bin, alles richtig zugeordnet zu haben übrigens. Was das Gesamtbild jedoch nicht im geringsten schmälert.

»Vielleicht begegnen wir uns wieder und finden dann heraus, wer von uns beiden kälter ist. Was meinen Sie: Sind Sie kälter als ich?« (Seite 136)

Der Meister der Agententhriller ist zurück und hat abgeliefert. Nichts weniger als ein Meisterwerk im Genre wurde es, großartig recherchiert und einfallsreich hinzu erfunden, was nicht wirklich passiert ist. Nach Jenny Aaron - Eingeweihte wissen, wen ich meine -, zum Zeitpunkt der Handlung übrigens noch ein Kind, eine starke Frauenfigur, die keine Wünsche offen lässt. Die Handlung rasant und spannend, das Wiedersehen mit bekannten Figuren wenig tränenreich, aber dadurch nicht minder emotional. Zumindest für mich war das passend und einfach wunderbar.

Wer Thriller auf hohem Niveau mit einem trockenen Humor mag, die Reales mit Fiktion vermischen, ohne dass man merkt, was davon gelogen ist und was wahr, der sollte zugreifen. Zehn Sterne von fünf sind das Minimum, auch wenn es mathematischer Unsinn ist. Für mich ist das egal, soviel ist mal klar!

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Veröffentlicht am 30.10.2025

Hinter den Fassaden

Heimat
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Die schwangere Jana zieht mit Noah und den gemeinsamen zwei Kindern raus aufs Land, das kleine Haus steht in einer neugebauten Siedlung am Wald. Dort freundet sie sich mit Karolin an, die sie von Anfang ...

Die schwangere Jana zieht mit Noah und den gemeinsamen zwei Kindern raus aufs Land, das kleine Haus steht in einer neugebauten Siedlung am Wald. Dort freundet sie sich mit Karolin an, die sie von Anfang an fasziniert. Karolin ist eine sogenannte »Tradwife«, sie inszeniert ihr Leben offen auf Instagram. Jana verbringt mit ihr sowie weiteren Nachbarinnen viel Zeit und merkt bald, wie sehr sie sich deren Lebensstil annähert.

»Tradwife« ist ein englischer Begriff für traditionelle Ehefrau und bezeichnet Frauen, die sich bewusst für ein Leben in traditionellen Geschlechterrollen entscheiden, bei dem sie sich auf Haushalt, Familie und Kinder konzentrieren und auf eine berufliche Karriere verzichten. Mir war dieser Begriff bisher nicht geläufig, umso neugieriger war ich darauf, mehr darüber zu erfahren.

Jana war ein schwieriger Charakter, für mich persönlich stellte sie den typischen Mitläufer-Typ dar, was perfekt zur Geschichte passte. Diese fand ich ungemein unterhaltsam, wenn ich auch einige Aspekte nicht vollständig verstanden habe - einige Dinge fand ich zudem überflüssig, wenn auch interessant. Das Buch bot viel Stoff zum Nachdenken, aber auch zum Diskutieren und dies war es, was ich großartig fand. Gerne empfehle ich es weiter.

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Veröffentlicht am 26.10.2025

davor und danach

Und ich werde dich nie wieder Papa nennen
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»Ich klammere mich an die Vorstellung, dass durch diesen Bericht die Scham die Seite wechseln wird. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass mein Text auch anderen Menschen, die manipuliert werden, hilft, sich ...

»Ich klammere mich an die Vorstellung, dass durch diesen Bericht die Scham die Seite wechseln wird. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass mein Text auch anderen Menschen, die manipuliert werden, hilft, sich wieder aufzurichten.« (Seite 209)

Durch einen Zufall erfährt die Familie von Dominique Pelicot, dass er fast zehn Jahre lang seine Frau betäubt hat, um sie durch fremde Männer sexuell missbrauchen zu lassen. Weder Gisèle Pelicot, noch die restlichen Familienmitglieder ahnten auch nur im geringsten das tatsächliche Ausmaß dieses Missbrauchs, wie er in der Folgezeit ans Licht kommt. Caroline Darian schildert im vorliegenden Buch, wie sie diese Zeit erlebt und überlebt hat.

»Ich werde ihm nie verzeihen, was er in all den Jahren getan hat. Und doch bleibt mir das Bild des Vaters, den ich zu kennen glaubte. Es ist trotz allem fest in mir verankert, mein Lebenshintergrund.« (Seite 13)

Dieser Tatsachenbericht ist der ehrlichste, erschütterndste und mutigste Text, den ich in letzter Zeit lesen durfte. In Tagebuchform zählt Caroline Darian schonungslos die Fakten auf, erzählt davon, wann und wie sie erfahren hat, was Dominique Pelicot seiner Frau, seiner Tochter und der restlichen Familie angetan hat. Sie schildert die Ängste, die sie ausgestanden, die Fragen, die sie sich gestellt hat und legt die unglaublichen Perversionen ihres Erzeugers auf den sprichwörtlichen Tisch. Leicht ist dieses Buch nicht zu lesen, viele Pausen brauchte ich, um es zu beenden. Ein schockierendes Werk, das Praktiken offenlegt, die mich sprachlos machen. Ein wichtiges Buch, das zeigt, dass nicht die Opfer sich schämen sollen, sondern die Täter.

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Veröffentlicht am 19.10.2025

Ein Schmuckstück fürs Bücherregal

Von Göttern und Menschen
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»Stellen Sie sich vor, Sie hätten eine Möglichkeit gefunden, in der Zeit zurückzureisen und eine Stadt im antiken Griechenland zu besuchen. Schauen Sie sich um: Sie sind umgeben von Mythen. Auf dem Marktplatz ...

»Stellen Sie sich vor, Sie hätten eine Möglichkeit gefunden, in der Zeit zurückzureisen und eine Stadt im antiken Griechenland zu besuchen. Schauen Sie sich um: Sie sind umgeben von Mythen. Auf dem Marktplatz stehen prächtige Statuen, Athene mit einem Speer in der Hand oder Poseidon mit seinem Dreizack.« (Seite 13)

Dieses Buch enthält die umfangreichste und für mich persönlich am besten recherchierte sowie am unkompliziertesten erzählte Sammlung von griechischen Mythen und Sagen. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie langwierig und anstrengend die Recherche dafür gewesen sein muss, welchen Aufwand Sarah Iles Johnston betrieben hat, um dieses phantastische Werk zu schaffen. Natürlich kenne ich die bekanntesten Götter, fast jeder weiß, wer Zeus, Poseidon, Athene und Orion sind. Wie aber verhält es sich mit Hyrieus, der Orion erschaffen hat, warum starb Dionysos und wer gebar ihn wieder, und ist Artemis gar kein Parfüm, sondern doch eine Göttin? Wer immer schon wissen wollte, wie alles begann, für den ist dieses Buch ein toller Einstieg und ein großartiges Nachschlagewerk.

Bereits das ausführliche Vorwort fesselte mich, die folgenden Geschichten, aus dort genannten Gründen nicht immer chronologisch erzählt, lassen mich restlos begeistert zurück. Dabei wird man erschlagen von der Hülle und Fülle an Namen, fremd klingenden Worten, manche davon klingen, wie zufällig aneinandergereihte Buchstaben, andere wiederum verursachen Bilder im Kopf, die passend zur jeweiligen Person oder einer Gottheit sind. Es ist nicht notwendig, dass man sich die Namen alle merkt, die wichtigsten Figuren tauchen wiederholt auf, andere verschwinden und hinterlassen keine Lücke, manche kehren kurz oder dauerhaft zurück. Die Erzählungen sind unterschiedlich lang, alle haben jedoch gemeinsam, dass sie unterhaltsam und oft spannender als ein Thriller sind.

Die Götter waren gut, die Götter waren böse, sie waren fies, durchtrieben, hochmütig, arrogant und oft auch grundlos gemein. Sie ließen es krachen und sprangen über Tisch und Bänke; irgendwoher müssen ja die unzähligen Nachkommen, ob göttlich oder sterblich, hergekommen sein. Die Götter konnten gut sein, sanftmütig und freundlich, ihre Taten durch Mitleid gesteuert, dem Menschen zugewandt, hilfreich zum Glück.

Gerne empfehle ich dieses Buch weiter, für Anfänger, Fortgeschrittene oder Leserinnen und Leser, die ein Geschenk suchen, denn das Buch ist nicht nur unterhaltsam, sondern mit dem tollen Cover und dem wunderschönen Farbschnitt zudem ein richtiges Schmuckstück. Die wirklich sehr schönen Illustrationen, die der Sohn der Autorin beigesteuert hat, vervollständigen das Gesamtbild. Große Empfehlung.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Farben der Liebe

Was du siehst
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Es ist das Jahr 1967, als die schwangere Ruth in dem kleinen Dorf in Mecklenburg ankommt, wo sie Unterschlupf findet bei ihrem Onkel, nachdem der Vater ihres ungeborenen Kindes verschwunden ist und ihr ...

Es ist das Jahr 1967, als die schwangere Ruth in dem kleinen Dorf in Mecklenburg ankommt, wo sie Unterschlupf findet bei ihrem Onkel, nachdem der Vater ihres ungeborenen Kindes verschwunden ist und ihr eigener Vater sie wegen ihrer Schwangerschaft vor die Tür gesetzt hat. Schnell findet sie in Hannah eine Freundin, die fast zeitgleich geborenen Kinder der beiden Frauen wachsen gemeinsam auf. Jule und Andi sind unzertrennlich, bis ein lange gehütetes Geheimnis Jule dazu bringt, das Dorf zu verlassen und damit auch ihre große Liebe Andi.

»Alle im Dorf hatten es gewusst. Von Anfang an war klar gewesen, dass diese beiden Kinder die dicksten Freunde werden würden. Juliane und Andi - Andi und Juliane, die beiden Namen gehörten untrennbar zusammen.« (Seite 82)

Der Debütroman von Laura Maaß enthält für mich persönlich die schönste Liebesgeschichte, die ich dieses Jahr lesen durfte. Der Schauplatz ist ein fiktives Dorf in Mecklenburg, an der Elbe gelegen und direkt an der damaligen Grenze, denn die Geschichte spielt in den 1970er und 1980er Jahren, was einige nostalgische Erinnerungen mit sich brachte, wenn ich diese auch nicht mit der damaligen Geschichte der DDR verbinde. Das Leben ohne Computer und Handy, ohne Internet und sonstige Annehmlichkeiten der späteren Jahre war ein anderes, und noch ein bisschen anders mag es gewesen sein, wenn man in einem kleinen Dorf aufgewachsen ist, besonders zu der schwierigen Zeit.

Ich lese selten Liebesgeschichten, aber die von Jule und Andi traf mich mitten ins Herz. Über Jahrzehnte durfte ich beide begleiten, schaute ihnen über die Schulter, sah sie lachen und weinen, fühlte manches mal beider Schmerz. Nicht jede Entscheidung fand meine Zustimmung, nicht jeder Weg war meiner, aber gemeinsam erlebten und überlebten wir viele Situationen und ich war traurig, als es zu Ende ging, die letzte Seite gelesen war und der Abschied unumgänglich. Die vielen Farben aber bleiben für immer. Für immer in meinem Herzen. Danke dafür.

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