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Veröffentlicht am 01.07.2026

Alte Schule

00-Laschet
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„Innerhalb von zwei Tagen war er von einem britischen Geheimdienst, der britischen Königin selbst und von Brad Pitt attackiert wurden. … Womöglich sollte er eine Gefahrenzulage beantragen.“ (S. 137)
So ...

„Innerhalb von zwei Tagen war er von einem britischen Geheimdienst, der britischen Königin selbst und von Brad Pitt attackiert wurden. … Womöglich sollte er eine Gefahrenzulage beantragen.“ (S. 137)
So hatte sich Armin Laschet seinen Job als Bundespräsident sicher nicht vorgestellt. Statt auf Bällen mit Meryl Streep zu tanzen, wird bereits an seinem ersten Amtstag ein Attentat auf ihn verübt. Dabei erfährt er, dass sowohl Schloss Bellevue als auch sein Amt lediglich als Tarnung für den geheimsten Geheimdienst der Welt dienen. Selbst seine Staatsreisen haben in Wahrheit nur einen Zweck: die Agentinnen und Agenten unauffällig zu ihren Einsatzorten zu bringen.

Seine derzeitige Begleiterin ist jung, dynamisch und offiziell seine Social-Media-Beauftragte. Wenn sie nicht gerade die Welt rettet, denkt sie sich neue Challenges aus, die Armin und sein Konkurrent Söder absolvieren müssen, um Armins Reichweite zu steigern. Dabei sehnt sich Armin vor allem nach seiner Familie, die in Aachen geblieben ist. Wenigstens leistet ihm seine neue Freundin Mausi, eine kleine Hausmaus, Gesellschaft beim nächtlichen Käseplattensnack – Blauschimmel ist der Favorit von beiden. Sie lauscht geduldig seinen Selbstgesprächen und scheint grundsätzlich seiner Meinung zu sein.

Der Geheimdienst ist mit seinem neuen Schützling allerdings weniger zufrieden. Armin tritt in jedes Fettnäpfchen, liest die vorbereiteten Einsatzunterlagen nie, sondern bezieht sein Wissen lieber aus der Gala und von ChatGPT. Außerdem löst er die ihm gestellten Aufgaben lieber nach alter Schule – und manchmal bringt einen ein gutes Gespräch tatsächlich weiter.

Nach Miss Merkel nimmt David Safier nun den nächsten Politiker aufs Korn. Ich muss zugeben, dass ich sehr gespannt auf das Buch war, am Ende aber leider etwas enttäuscht wurde. Die Figuren sind durchweg liebenswert, doch die Balance zwischen Armins alltäglichen „Normalo-Problemen“ und den überdrehten James-Bond-Actionsequenzen hat für mich nicht ganz funktioniert.

Der Hintergrund ist zwar brisant und erstaunlich aktuell, entwickelt sich im Verlauf der Geschichte jedoch immer weiter ins Unrealistische und Abgedrehte. Auch der Showdown war mir letztlich eine Spur zu überzogen.

Die Miss Merkel-Reihe hat nicht ohne Grund ihren Weg auf den Bildschirm gefunden. 00-Laschet dagegen sehe ich eher als Comic – mit überzeichneten Figuren, irrwitziger Action und lautmalerischen „Bäm! Klirr! Zack! Uff! Ächz!“ auf jeder zweiten Seite.

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Veröffentlicht am 25.06.2026

Einer liebt immer mehr

People in Love
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„Ihr seid meine beiden Lieblingsmenschen. Aber seit du wieder da bist, habe ich das Gefühl, du erwartest von mir, dass ich mich… zwischen euch entscheide.“ (S. 216)
Nora und Robin sind seit 9 Jahren ein ...

„Ihr seid meine beiden Lieblingsmenschen. Aber seit du wieder da bist, habe ich das Gefühl, du erwartest von mir, dass ich mich… zwischen euch entscheide.“ (S. 216)
Nora und Robin sind seit 9 Jahren ein Paar. Obwohl Nora stets betont hat, niemals heiraten zu wollen, sagt sie Ja, als Robin plötzlich mit einem Ring vor ihr steht. Eigentlich wünschen sich die beiden nur eine kleine Hochzeit, doch Robin verliert sich zunehmend in der Planung, sodass das Fest immer größere Dimensionen annimmt.
Zu ihrer Verlobungsparty lädt Nora auch ihren besten Freund Bren ein, der seit 12 Jahren nicht mehr zu Hause war und seitdem als Work-and-Travel-Reisender um die Welt zieht. Sie rechnet nicht einmal damit, dass er ihre E-Mail liest. Eine Antwort bleibt tatsächlich aus – bis Bren plötzlich vor ihrer Tür steht.

Nora und Robin sind mit ihrem Leben zufrieden. Gemeinsam mit einer Freundin führt Nora erfolgreich ein Kunstcafé, während Robin als freier Fotograf viel unterwegs ist. Ihre Beziehung ist eingespielt und harmonisch; beide kennen die Vorlieben, Bedürfnisse und Eigenheiten des anderen und nehmen Rücksicht darauf. Es ist keine lodernde, alles verzehrende Leidenschaft, sondern eine ruhige und verlässliche Partnerschaft – bis Brens Rückkehr dieses Gleichgewicht ins Wanken bringt.
Denn Bren ist das genaue Gegenteil von ihnen. Rastlos zieht er von Ort zu Ort, immer auf der Suche nach neuen Abenteuern, Bekanntschaften und Gelegenheitsjobs. Er geht keine festen Bindungen ein, hält selbst zu seiner Mutter nur sporadischen Kontakt. Lediglich mit Nora hat er über die Jahre hinweg gelegentlich E-Mails ausgetauscht, ohne jedoch Einblicke in sein tatsächliches Leben zu gewähren. Noch immer scheint er in der Vergangenheit festzustecken. Er war stets in Nora verliebt, obwohl zwischen ihnen nie mehr als Freundschaft bestand – nicht einmal ein Kuss. Auch jetzt ist er überzeugt, dass Nora sich letztlich für ihn entscheiden und mit ihm auf Reisen gehen wird.
Nora gerät zunehmend zwischen die Fronten. Sie liebt ihr Leben und Robin, doch Bren verkörpert das Ungebundene und Aufregende, das sie gleichzeitig fasziniert und verunsichert.

Nach Claire Daverleys letztem Buch „Vom Ende der Nacht“ waren meine Erwartungen an „People in Love“ entsprechend hoch. Leider konnte der Roman diese nicht vollständig erfüllen. Die Handlung war für mich über weite Strecken zu vorhersehbar, auch wenn einige überraschende Wendungen und eine nur sehr behutsam angedeutete Dreiecksgeschichte für Spannung sorgten. Zudem empfand ich das Drama stellenweise als überzogen, und viele Gedanken und Gefühle wurden mehrfach wiederholt. Im Mittelpunkt stehen die Aufarbeitung der Vergangenheit, Missverständnisse sowie unterschiedliche Vorstellungen und Erwartungen an Liebe und gemeinsame Zukunft – Themen, die durchaus interessant sind, deren Umsetzung mich jedoch nicht durchgehend überzeugen konnte.

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Veröffentlicht am 30.10.2025

Eine Reise zurück zu sich selbst

Drei Tage im Schnee
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„Uns Erwachsenen wäre deutlich mehr geholfen, wenn wir nicht so schnell vergessen würden, wie es war, ein Kind zu sein.“ (S. 5)
Hannah ist 30 Jahre alt, beruflich erfolgreich und erschöpft von ihrem übervollen ...

„Uns Erwachsenen wäre deutlich mehr geholfen, wenn wir nicht so schnell vergessen würden, wie es war, ein Kind zu sein.“ (S. 5)
Hannah ist 30 Jahre alt, beruflich erfolgreich und erschöpft von ihrem übervollen Alltag. Die Stimmen in ihrem Kopf sind laut, die Gedanken drehen sich in Endlosschleifen, alles fühlt sich nach zu viel an. Um wieder zu sich zu finden, mietet sie sich für drei Tage ein kleines Holzhäuschen am See, das langsam im Schnee versinkt. Doch statt der erhofften Stille und Entlastung erlebt sie zunächst das Gegenteil: Die Ruhe gibt den störenden Gedanken und Gefühlen noch mehr Raum.
Dann taucht plötzlich ein kleines Mädchen auf. Sophie baut mit Hannah Schneefiguren und ein Iglu, überredet sie zu Schneeengeln, Spaziergängen und heißer Schokolade. Vor allem aber erinnert Sophie sie daran, im Moment zu leben. Stück für Stück entdeckt Hannah die Freude am Einfachen wieder – und den Genuss, einfach da zu sein.

„Drei Tage im Schnee“ von Ina Bhatter ist ein stilles, philosophisches Buch über Selbsterkenntnis, Achtsamkeit und die Grenzen der Selbstoptimierung. Der Text besteht größtenteils aus Hannahs Gedanken und inneren Dialogen, in denen Sophie ihr Spiegel und Lehrerin wird.
Eine klare Genrezuordnung fällt mir schwer. Es liest sich weniger wie ein klassischer Roman, sondern eher wie eine literarische Reflexion über das Zurückfinden zum eigenen inneren Kind und den Mut, das Leben wieder bewusst zu genießen.

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Veröffentlicht am 20.09.2025

Ein Trauerredner auf Schnitzeljagd

Über die Toten nur Gutes
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„…, wenn du das hier liest, bin ich wahrscheinlich tot.“ (S. 62) Trauerredner Mads Madsen ist es gewohnt, die richtigen letzten Worte zu finden. Aber als er diese Nachricht von seinem Schulfreund Patrick ...

„…, wenn du das hier liest, bin ich wahrscheinlich tot.“ (S. 62) Trauerredner Mads Madsen ist es gewohnt, die richtigen letzten Worte zu finden. Aber als er diese Nachricht von seinem Schulfreund Patrick auf der Fußmatte findet, verbunden mit der Bitte, seine Totenrede zu halten und sich dafür an alles von früher zu erinnern, ist er irritiert. Patrick kam bei einem Unfall mit Fahrerflucht ums Leben – wie konnte er da seinen Tod vorhersehen?
Mads hat Patrick zuletzt vor 20 Jahren gesehen und weiß nichts über sein Leben seitdem. Also befragt dessen Mutter, die ihn an seinen Freund Timo verweist. Über Timo findet er Jessica. Die drei waren jahrelang unzertrennbar, aber jetzt wollen die beiden nicht mehr über ihn reden, weil er an etwas Schuld war und es zu gefährlich wäre. Mads lässt sich nicht davon abschrecken, sondern folgt den Spuren, die ihm Patrick nach und nach wie bei einer Schnitzeljagd zukommen lässt.

Leider konnte mich Andreas Izquierdo mit diesem Cozy Krimi nicht überzeugen. Ich mochte den aus der Zeit gefallenen Mads mit seiner Vorliebe für altmodische Anzüge und Schuhe und seinen ungewöhnlichen Beruf, die philosophische Tiefe, mit der er das Leben und Sterben betrachtet. „Nicht der Tod machte Angst, sondern das, was er offenbarte.“ (S. 35) Darum passen seine Ermittlungen und wie er sich in gefährlichen Situationen verhält, für mich auch nicht richtig zu ihm.
Außerdem fand ich die Handlung etwas zu gemütlich und den Fall zu konstruiert. Die ersten 200 Seiten passiert nicht viel, ab und an tauchen plötzlich Hinweise aus dem Nichts auf oder Mads erinnert sich an etwas, das ewig zurückliegt. Erst danach nimmt das Buch endlich Fahrt auf und gipfelt in einem etwas übertriebenen Showdown.

„Über die Toten nur Gutes“ lebt vor allem von den skurrilen Protagonisten. Mads wohnt in einem Haus mit seinem nach Bingo verrückten Vater, der ihm seinen Tagesablauf (früh aufstehen) und Musikgeschmack (Udo Jürgens) aufdrückt und ihn lieber beim Radio statt als Trauerredner sehen würde, schließlich hat er eine soooo schöne Stimme! Auch Mads Familie hat ihren Anteil an den Ermittlungen (sein Bruder ist Arzt und sein Schwager Anwalt), bleibt ansonsten aber blass. Mein heimlicher Liebling des Buches ist Mads Malteserhündin Bobby, die immer den richtigen Leuten ans Bein pinkelt. Außerdem unterstützt ihn sein bester Freund Fiete, der Bestatter ist und unter der Fuchtel seiner dominanten Mutter steht. Ihr gehört übrigens ein Bestattungsinstitut inkl. einem rätselhaften Mitarbeiter, der sicher noch für einige Überraschungen sorgen wird.

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Veröffentlicht am 10.09.2025

Sex und Geld

Liebesrausch
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„Tu, was du willst, solange es Freude und Ekstase bringt.“ (S. 144)
Selten hat mich ein Buch so gleichermaßen fasziniert wie verstört. Liebesrausch von Charlotte von Feyerabend gewährt einen tiefen Einblick ...

„Tu, was du willst, solange es Freude und Ekstase bringt.“ (S. 144)
Selten hat mich ein Buch so gleichermaßen fasziniert wie verstört. Liebesrausch von Charlotte von Feyerabend gewährt einen tiefen Einblick in das Leben von Anaïs Nin in den Pariser Jahren 1931 bis 1934, und stellt dabei meine moralischen Maßstäbe auf die Probe. Seit ich als Jugendliche Anaïs Nins „Künstler und Modelle“ gelesen habe (1988 erschienen bei Volk und Welt Berlin mit einem sehr expliziten Cover, das man im Netz noch finden kann), hat mich die Frau hinter dem Buch interessiert.
Das Buch rückt Anaïs‘ leidenschaftliche Beziehung zu Henry Miller in den Mittelpunkt, deutet aber auch ein mögliches erotisches Verhältnis mit dessen Frau June an. Anaïs ist in dieser Zeit mit Hugo Parker Guiler verheiratet, pflegt jedoch zahlreiche Affären und lebt ein Leben im Spannungsfeld zwischen Lust, Kunst und Selbstsuche.

Mir war bewusst, dass Sexualität eine zentrale Rolle spielen würde, Anaïs und Henry haben sie in ihren Schriften ja ausführlich thematisiert. Trotzdem hatte ich gehofft, dass ihr gemeinsames Schreiben, der kreative Prozess, im Fokus stehen würde. Doch der wird von Eifersuchtsdramen, psychologischen Abgründen, finanziellen Abhängigkeiten und ihrer rastlosen Suche nach Ekstase und Identität überlagert.

Die Protagonist:innen wirken oft unsympathisch. Anaïs erscheint als gestörte Femme fatale, die sich immer wieder neu verliebt, sich selbst ins Zentrum stellt und eine verstörende (sexuelle?!) Beziehung zu ihrem Vater unterhält der sie evtl. schon in ihrer Kindheit sexuell missbraucht und vergewaltigt hat. Trotzdem ist er der Mann ihrer Träume und Vorbild für alle anderen Beziehungen. Sie sehnt sich nach seiner Anerkennung und Liebe, die er ihr aber erst als Erwachsener zukommen lässt.
Hugo, ihr Ehemann, bleibt blass. Er wirkt wie ein Weichei, der nur als Geldgeber fungiert, um Anaïs, ihre Familie und Liebhaber (vor allem Henry) zu finanzieren. Ob er darüber Bescheid wusste, bleibt offen.
Henry wird als schmuddeliger, getriebener Egomane dargestellt: stets auf der Suche nach Sex, Anerkennung und jemandem, der ihn aushält, finanziell und emotional. „„Er … öffnete alle Schubfächer, bis er einen zerknitterten Schein und ein paar Münzen fand. … Zu wenig für eine Hure, aber zu viel, um zu sterben.“ (S. 246) Dieser Satz fasst seine Lebenssituation erschreckend treffend zusammen.
June, ebenso rätselhaft wie faszinierend, nutzt ihre sexuelle Ausstrahlung, um Männer und Frauen gleichermaßen zu manipulieren. Sie zieht Anaïs in ihren Bann und kontrolliert Henry, finanziert aber auch seinen Aufenthalt in Paris. Woher sie das Geld dafür hat? Wahrscheinlich verkauft sie ihren Körper. Und obwohl Henry sonst so eifersüchtig ist, lässt er es zu und beobachtet ungerührt, wie sie immer weiter in die Drogensucht rutscht.

Wahrscheinlich waren meine Erwartungen an das Buch und die Schriftsteller:innen einfach falsch. Ich hatte auf einen Einblick in ihr künstlerisches Schaffen gehofft. Aber Liebesrausch hat mir Anaïs Nin nicht näher gebracht, sondern entzaubert.

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