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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.10.2025

cozy fantasy mit viel Freundschaft

Die Wahrsagerin kleiner Schicksale
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Tao reist mit ihrem Wagen und Maulesel durch Eshtera, wo sie immer wieder Halt macht und kleine Schicksale vorhersagt. Dabei trifft sie auf den ehemaligen Söldner Mash und seinen Freund Silt, die auf der ...

Tao reist mit ihrem Wagen und Maulesel durch Eshtera, wo sie immer wieder Halt macht und kleine Schicksale vorhersagt. Dabei trifft sie auf den ehemaligen Söldner Mash und seinen Freund Silt, die auf der Suche nach Mashs Tochter sind, die eines Tages spurlos verschwand. Während die drei sich zusammenschließen, stoßen sie auf die leidenschaftliche Bäckerin Kina und einem ausgesetzten Kätzchen. Nun reisen alle gemeinsam durch die Lande, machen allerlei Bekanntschaften und verkaufen kleine Schicksale und leckere Backwaren.

Die Geschichte ist schön langsam erzählt, als würde man neben Tao auf dem Kutschbock sitzen und die Landschaft genießen können. Ich liebe gemütliche Geschichten, aber irgendwie hat mir etwas Packendes gefehlt, denn ich hatte anfangs gar keinen Eindruck, wohin die Geschichte will. Total mein Fehler, den rückblickend kann ich nur den Kopf schütteln, aber es hat mich verwirrt. Obwohl in dem Land Eshtera Konflikte schwelen und Tao oft schnell weiterreist um keine zu große Neugier zu wecken, ist die Atmosphäre wirklich angenehm. Ich habe es so genossen mit Tao und ihren Freunden in eine neue Stadt zu kommen und zu beobachten, ich meine lesen, wie sie ihr Zelt neu aufschlägt und den Markt erkundet. Auch die Dynamik und die unterschiedlichen Charaktere ihrer neu gefundenen Freunde haben mir beim Lesen viel Spaß bereitet. Die anschaulichen Beschreibungen der Autorin haben mir sehr gut gefallen. Neben den cozy Vibes gibt es aber auch noch spannende Aspekte der Geschichte. Mich hat von Anfang an neugierig gemacht, warum Tao ihre Heimat verlassen und wie ihre Vergangenheit ausgesehen hat. Und auch die Suche nach Mashs Tochter wird zunehmend fesselnder und drängender.

„Ich hoffe, du findest neues Glück, das das alte ersetzen kann.", S. 191


Fazit:
„Die Wahrsagerin kleiner Schicksale“ ist ein ruhiges und langsames Buch über Tao und ihre neu gewonnenen Freunde. Mit liebenswerten Charakteren, einer gemächlichen Reise durchs Land, lustige Dynamiken und zwei fesselnden Details hat die gemütliche Geschichte alles, was sie braucht.

Veröffentlicht am 31.10.2025

Urlaubslektüre mit Tiefe

Das Versprechen eines Sommertags
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Isabelles Eltern leben auf Mallorca und feiern diesen Sommer ihre goldene Hochzeit, weshalb die Protagonistin mit ihrem Mann und Kindern auf die Insel fliegt. Doch trotz des Urlaubsflair, ist Isabelles ...

Isabelles Eltern leben auf Mallorca und feiern diesen Sommer ihre goldene Hochzeit, weshalb die Protagonistin mit ihrem Mann und Kindern auf die Insel fliegt. Doch trotz des Urlaubsflair, ist Isabelles Stimmung getrübt. Denn ihre Ehe steht vor dem Aus, ihr pubertierender Sohn zieht sich von ihr zurück und dann ist da plötzlich noch Ben: Der beste Freund ihres Bruders, mit dem sie vor vielen Jahren einen unvergesslichen Sommer verlebt hat.

Ich muss zugeben, dass es mir der Anfang der Geschichte nicht leicht gemacht hat. Isabelle und ihr Mann Stefan verheimlichen vor allen, dass ihre Ehe kurz vor dem Aus steht, weshalb sie sich viele Gedanken darüber und auch Sorgen über die Zukunft macht. Dass Stefan das auf die leichte Schulter nimmt, macht es auch nicht einfacher. Und dann sind da noch die Erinnerungen an eine unbeschwerte Liebe mit Ben, die meinem Empfinden nach viel Nostalgie und etwas Melancholie wecken. Das hat mir beim Einstieg in die Geschichte etwas die Stimmung getrübt, aber direkt alle Probleme auf den Tisch gelegt.

Dem gegenüber steht die sommerliche Insel Mallorca. Isabelles Eltern besitzen eine Finca mit Pool und unglaublich schönem Ausblick. Viele sommerliche Aktivitäten, Badespaß, ein Besuch am Meer oder Bummel in der Stadt geben ein schönes Urlaubsflair.

"Es gibt verschiedene Versionen eines Happy Ends. Vielleicht ist ein Neuanfang ja meines",. S. 421

Elena Sonnberg (aka Adriana Popescu) hat eine tolle Mischung aus sommerlicher Leichtigkeit und tiefgreifenden Gefühlen geschaffen. Isabellas Emotionen sind anschaulich, absolut nachvollziehbar und sehr warmherzig geschildert. Auch die Entwicklung der Geschichte hat ein angenehmes Tempo, wird immer fröhlicher und fokussiert sich auf die unterschiedlichen Charaktere. Dadurch finden auch die Themen Selbstliebe, schöne Erinnerungen und die Kraft des Neuanfangs einen Platz. Beim Zuklappen des Buches am Ende hatte ich ein warmes Gefühl in der Brust und ein zufriedenes Lächeln im Gesicht. Der Schreibstil der Autorin ist wie gewohnt wunderschön mit vielen ausdrucksvollen Beschreibungen.


Fazit:
"Das Versprechen eines Sommertags“ ist eine schöne Sommerlektüre auf der Insel Mallorca mit tiefgründigen Themen. Abgerundet wird die Geschichte mit dem wunderschönen, ausdrucksvollen und warmherzigen Schreibstil der Autorin.

Veröffentlicht am 30.10.2025

Ruhige Kurzgeschichtensammlung

Der Laden in der Mondlichtgasse
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Dieses Buch besteht aus sechs Kurzgeschichten, in denen von unterschiedlichen Menschen erzählt wird, die gerade etwas sehr stark beschäftigt, und dem Fuchsgeist, der die Confiserie betreibt. Die Personen ...

Dieses Buch besteht aus sechs Kurzgeschichten, in denen von unterschiedlichen Menschen erzählt wird, die gerade etwas sehr stark beschäftigt, und dem Fuchsgeist, der die Confiserie betreibt. Die Personen finden magischerweise in die Mondlichtgasse, wo sich der Laden mit allerhand leckeren japanischen Süßigkeiten befindet, die aber alle eine magische Komponente haben und somit diesen Menschen bei ihrer Angelegenheit hilft.

Ich bin kein Fan von Kurzgeschichten und doch muss ich sagen, dass mir hier alle zugesagt haben. Das hängt unter anderem mit dem tollen Schreibstill von Hiyoko Kurisu zusammen, da sie die Gefühle und Gedanken der Protagonist/innen sehr intensiv und klar beschreibt. Auf wenigen Seiten schafft sie es, die unterschiedlichen Charaktere gekonnt darzustellen und ihre Unsicherheiten nachvollziehbar zu schildern.

Der Süßigkeitenladen in der Mondlichtgasse wird sehr anschaulich beschrieben und ich bin nun gespannt auf all die japanischen Naschwaren. Im Glossar werden diese erläutert, sowie auch Kleidungsstücke und weitere Begriffe aus der japanischen Kultur, was dieses Buch sehr schön abrundet. Außerdem befindet sich an jedem Kapitelanfang eine hübsche Zeichnung von der entsprechenden Süßigkeit, was mir auch sehr gut gefällt.

Die Protagonist/innen in diesem Buch, meist sehr jung, sind anfangs z. B. unsicher oder hadern in einer zwischenmenschlichen Beziehung. Die Angelegenheiten sind mitten aus dem Leben gegriffen und sehr nachvollziehbar, ob man es nun selbst erlebt hat oder nicht. Die Erkenntnisse der einzelnen Geschichten werden ruhig und liebevoll entwickelt. Die Hintergrundgeschichte des Fuchsgeistes Kogetsu finde ich sehr berührend, wenn auch teilweise etwas unspektakulär. Aber das gesamte Buch ist in sich rund und eine beschauliche Geschichte.



Fazit:
„Der Laden in der Mondlichtgasse“ ist ein schöner und ruhiger Roman über Themen, die uns selbst oder im Miteinander beschäftigen. In Kurzgeschichten kommen die Protagonist/innen zu Wort und in den Genuss der magischen Süßigkeiten. Dieses kurze Buch ist perfekt für ruhige Lesestunden zum Entspannen und Innehalten.

Veröffentlicht am 27.09.2025

Erfrischend anders

Hustle
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Leonie arbeitet eigentlich als Pflanzengenetikerin, doch als ihr Chef ihre Ergebnisse als seine ausgibt, verlässt sie das Unternehmen mit Kresse auf jeder erdenklichen Oberfläche seines Büros. Ihr neuer ...

Leonie arbeitet eigentlich als Pflanzengenetikerin, doch als ihr Chef ihre Ergebnisse als seine ausgibt, verlässt sie das Unternehmen mit Kresse auf jeder erdenklichen Oberfläche seines Büros. Ihr neuer Job führt sie quer durch Deutschland nach München. Aber dort ist das Zimmer klein, teuer und die Arbeit wenig glamourös. Doch dann trifft sie auf Geneviève und nutzt ihren Ideenreichtum für Racheaktionen als Nebenjob.

Der Schreibstil von Julia Bähr ist nüchtern, prägnant und die Gefühle der Protagonisten eher versteckt. Es wird die Gedankenwelt von Leonie nicht direkt beschrieben, eher wird etwas Bestimmtes erwähnt und der darauffolgende Satz enthält vielmehr eine Wertung von Leonie. Die Autorin schreibt auch locker, amüsant und gelegentlich ironisch. Ich musste an so vielen Stellen lachen! Zum Beispiel als Leonie die Angabe der Uhrzeit mit „viertel“ lernen sollte. Leonies Racheaktionen sind sehr raffiniert und ich hab stets amüsiert und etwas ängstlich verfolgt, wie sie diese ausführt. Die Geschichte ist insgesamt erfrischend anders, was mir sehr gut gefallen hat.

Das Buch liest sich oft als Momentaufnahmen von Leonies Leben. Wir erfahren über einige Monate hinweg ihren Alltag: Wie sie ihre langweilige Arbeit verrichtet, neue Leute trifft, insbesondere Dates, ihre ausgeklügelten Racheaktionen plant und ausführt und sich mit den anderen drei Frauen trifft, die freundlich und unerschrocken sind. Dabei werden auch Themen wie Moral, Konsum, Freundschaft (Nam ist mein Lieblingscharakter) und Gesellschaftskritik angerissen. Die Geschichte nimmt zum Schluss hin einen Spannungsbogen auf, endet für mich aber trotzdem etwas unzufrieden. Bei einigen Handlungssträngen habe ich mich gefragt, warum diese eingebaut wurden oder wohin sie führen sollten (z. B. streitende Eltern, Diebstahl auf der Arbeit). Das Ende der Geschichte ist natürlicherweise nicht das Ende von Leonies Leben, aber die Grenze für meine ungeklärten Gedanken.


Fazit:
„Hustle“ ist wirklich außergewöhnlich und erfrischend anders. Der Schreibstil ist locker, amüsant und prägnant. Die Geschichte über Leonies Leben in München ist teilweise trist, aber durch ihren Nebenjob des Racheengels auch spannend und aufregend. Am Ende sind mir einige Handlungsstränge zu offen und man fragt sich immer noch amüsiert: Was hab ich hier gerade gelesen?

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Themen
Veröffentlicht am 09.09.2025

Teilweise etwas überzogen, aber trotzdem sehr liebenswert

Sweet like you
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Zu Beginn des Buches lernen wir Cassie in ihrem Job in New York kennen. Sie ist eine zielstrebige Karrierefrau und möchte Teilhaberin in der Marketing-Agentur werden. Nachdem sie die Beerdigung ihrer Tante ...

Zu Beginn des Buches lernen wir Cassie in ihrem Job in New York kennen. Sie ist eine zielstrebige Karrierefrau und möchte Teilhaberin in der Marketing-Agentur werden. Nachdem sie die Beerdigung ihrer Tante Etta verpasst hat, fliegt sie kurz für ein Wochenende zur Testamentseröffnung nach Honey Springs. Dort erbt sie überraschend Ettas Honigbienen-Farm und soll auch noch übergangsweise für drei Wochen deren Bürgermeisteramt übernehmen. Wenn auch widerwillig bleibt Cassie ihrer Tante zuliebe in der Stadt, in der sie als Jugendliche kurz lebte und sich damals in Nick verliebte.

Diesen Kontrast am Anfang zwischen Cassies bisherigem Leben und der kleinen Stadt Honey Springs hat mir sehr gut gefallen. In Honey Springs ist alles nach den Bienen ausgerichtet, von den Namen der Läden bis zur Basketballmannschaft. (Sogar die Sprache der Autorin hat sich immer wieder darauf bezogen, was sehr passend ist.) Außerdem sind die Bewohner des Städtchens sehr eigen und zu Beginn erlebt man direkt eine Babyparty für eine Katze mit. Ich hab mich sofort wohlgefühlt in Honey Springs. Der Szenenwechsel zwischen New York und Honey Springs hat die Besonderheiten der Kleinstadt noch mehr hervorgehoben. Obwohl ich das Setting sehr mag, sind einige kleine Dinge eher unrealistisch und überzogen, z. B. die Fähigkeiten der Katze. Aber das finde ich nicht wirklich schlimm, weil es amüsant war und ich es deshalb als Eigenheit der Stadt akzeptiert habe.

Einzig gestört hat mich die Rolle einer Bewohnerin, Bea. Neben der Liebesgeschichte zwischen Cassie und Nick und ihren Versuchen sich ins Bürgermeisteramt einzufinden, nimmt diese Buchfigur plötzlich viel Platz ein. Bea führt das Diner der Stadt und ist dementsprechend auch für Klatsch und Tratsch zuständig, aber dass ihr eine viel bedeutenderer Rolle im Buch eingeräumt wurde, die der Bienenkönigin, habe ich nicht verstanden. Einerseits hat es für mich Ettas Bemühungen als ehemalige Bürgermeisterin herabgesetzt und andererseits wurde mir Bea bis zum Schluss nicht sympathisch.

Das Ende passt zur Geschichte und ich finde es schön. Obwohl die Liebesgeschichte zwischen Cassie und Nick bezüglich ihrer Trennung in der Jugend sehr verwirrend war, bin ich auch mit deren Abschluss vollsten zufrieden.


Fazit:
„Sweet like you“ umfasst nicht nur die liebenswerte und etwas skurrile Stadt Honey Springs, in der sich alles um Honigbienne dreht, sondern auch eine schöne Liebesgeschichte. Einzig eine Buchfigur und deren Rolle mochte ich bis zum Schluss nicht. Ach übrigens, das Rezept in der vorderen Innenklappe ist wirklich unheimlich lecker!