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Veröffentlicht am 02.11.2025

Nicht nur aus historischer Sicht äußerst interessant und spannend!

Das Antiquariat am alten Friedhof
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Das Cover gibt den Blick durch ein Fenster mit Bücherregal frei, in eine gepflasterte Gasse mit einer sich entfernenden Frauengestalt am ummauerten, alten Friedhof im verschleierten Sonnenschein – leicht ...

Das Cover gibt den Blick durch ein Fenster mit Bücherregal frei, in eine gepflasterte Gasse mit einer sich entfernenden Frauengestalt am ummauerten, alten Friedhof im verschleierten Sonnenschein – leicht vergilbt, überaus passend zum Buchtitel und spannenden Inhalt. Die Szenerien spielen auf zwei Zeitschienen größenteils in Leipzig, im Graphischen Viertel mit seinen Verlagen, Druckereien und Antiquariaten. Vier junge, gelangweilte Männer aus diesen wohlbetuchten Familien, Freunde seit Kindheitstagen, mit einem starken Interesse für Literatur, gründen ihren Club und bestehen gefährliche Abenteuer beim Diebstahl kostbarer, seltener Bücher wie die Kreuzkorrespondenzen aus dem Genre der Esoterik, Magie und Parapsychologie. Noch brisanter wird deren lebensgefährliche Situation 1930 auch durch den Raub eines Reliquiars unter Mithilfe des neuen weiblichen Clubmitglieds Eva Wieland, überaus clever, mutig, realistisch und warmherzig. Aus diesem Druck vor Verfolgung durch finstere Mächte und einem Mittelsmann entflieht das Clubmitglied Felix Jordan, um 1945 nach Kriegsende jedoch als Bibliothekar der Amerikaner letztlich wieder im massiv zerstörten Leipzig Buchbestände als Kriegsbeute zu katalogisieren. Lebendig wird nicht nur das traumatische Überleben der Deutschen zwischen Trümmern beschrieben mit Felix und Eva zwischen vielen kriegerischen Fronten. Auch das weitere tragische Schicksal der übrigen Clubmitglieder wird einbezogen. Sehr interessant sind historische Informationen zu deutschen Lazarettzügen im 2. Weltkrieg, zu Aleister Crowley und zu den Kreuzkorrespondenzen hier in Verbindung mit dem fanatischen Mittelsmann. Das Motiv der Rache wird vielschichtig und wortgewaltig in Szene gesetzt.

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Veröffentlicht am 31.10.2025

Der frühere Umgang Schwedens mit Rentierfamilien – eine ernüchternde Erzählung!

Die Zeit im Sommerlicht
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Die Nomadenschule, ein Internat für Kinder samischer Abstammung ab 7 Jahren, steht mit der terrorisierenden Heimleiterin Rita Olsson und der warmherzigen Betreuerin Anne im Mittelpunkt der Geschichte. ...

Die Nomadenschule, ein Internat für Kinder samischer Abstammung ab 7 Jahren, steht mit der terrorisierenden Heimleiterin Rita Olsson und der warmherzigen Betreuerin Anne im Mittelpunkt der Geschichte. Schweden in den 1950-er Jahren verhängt gegenüber dieser Minderheit unrechtmäßig Verbote hinsichtlich ihrer Sprache, Kultur und Traditionen, die als Traumata bis in die Enkel-Generation fortbestehen. Zwischen 1950 und 1986 wird das Schicksal von 7 Schülern dieser Nomadenschule näher beleuchtet, angefüllt mit Mobbing, Schuldgefühlen, Ängsten, Trauer, körperlicher und seelischer Gewalt, Alkoholismus, Scham, bis zum Verlust ihrer samischen Identität. Diese fiktiven Charaktere wirken in ihrer Diversität sehr authentisch und berührend. Deren Schicksale erinnern sehr an das Unrecht gegenüber anderen Minderheiten wie Rothäuten, Inuits oder Aborigines. Die Rentierhaltung z.B. mit der Markierung der Kälber und deren Wanderung wird im Jahreszyklus entlang veränderter Wetterbedingungen lebendig beschrieben, ohne näher z.B. auf Folgen durch die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl einzugehen.
Ein überzeugender Roman persönlicher Art.

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Veröffentlicht am 25.10.2025

Politisches und privates Drama – gut verknüpft.

Deine Margot
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Das Cover zeigt mittig aufeinandergetürmte, reife Kastanien, versehen mit einem roten Poststempel mit Politikerkonterfei – passend zum Romaninhalt. Der Buchtitel verweist auf die Absenderin stimmungsvoller, ...

Das Cover zeigt mittig aufeinandergetürmte, reife Kastanien, versehen mit einem roten Poststempel mit Politikerkonterfei – passend zum Romaninhalt. Der Buchtitel verweist auf die Absenderin stimmungsvoller, gedankenschwerer Briefe, nämlich auf die Ostberliner Kindergärtnerin Luise Seidel, unter dem Decknamen »Margot«, die in ihre Zeilen auch ein Kind unter dem Decknamen »Kastanie« einbezieht. Verschuldet durch das Doppelleben des finnischen Journalisten Markus Siltanen, Vater von »Kastanie« bzw. der Tochter Vilja, begibt sich diese nach dem Tod von Markus auf die Suche nach ihrer eigenen verlorenen Vergangenheit. Die Szenerie spielt sich größenteils in Ostberlin zu DDR-Zeiten der 1980er Jahre ab. Während Vilja bei ihrer akribischen Suche nach Erinnerungen auf mehreren Zeitebenen Puzzlestücke aufspürt, entwickelt sich zeitlich zwischen 2011/12 und den Ostberliner DDR-Jahren ein spannungsgeladenes Gesamtbild des Familienlebens dieser finnischen Familie Siltanen im Plattenbau. Der politische Alltag im Sozialismus und der Untergang dieser Ideologie werden detailliert in drei Teilen beschrieben mit ihren Auswirkungen auf Jedermanns Privatleben, auch auf das von Luise. Ihre rückwärts datierten Briefe zeigen über einen Zeitraum von zwei Jahren ihre großen Sehnsüchte und Hoffnungen, ihre Trauer, aber auch ihre Liebe gegenüber Markus und Vilja.
Ein angenehmer, Herz erwärmender Schreibstil!

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Veröffentlicht am 14.10.2025

SOE-Agentinnen – mir bisher unbekannte Heldinnen des 2. Weltkriegs

Wir dachten, das Leben kommt noch
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Es geht um junge SOE-Agentinnen, Sektion F, im 2. Weltkrieg, die in Großbritannien und Frankreich als inoffizielle Saboteurinnen, Funkerinnen und Kurierinnen in Zusammenarbeit mit der Résistance in gefährlichem ...

Es geht um junge SOE-Agentinnen, Sektion F, im 2. Weltkrieg, die in Großbritannien und Frankreich als inoffizielle Saboteurinnen, Funkerinnen und Kurierinnen in Zusammenarbeit mit der Résistance in gefährlichem Kriegseinsatz waren. Die detailliert beschriebenen Szenerien - größenteils in London, Devon und Paris - spielen auf zwei Zeitsträngen:
1998 begibt sich die Moderatorin der BBC Gwendolyn Farleigh, kurz Gwen, im Rahmen eines Buchprojektes auf die Suche nach Zeitzeugen dieser speziellen Einsatztruppe Churchills, die gezielt und undercover gegen die deutschen Besatzer agierten. Die Seniorin Pat Conway, ehemalige SOE-Agentin, erweist sich als hilfreiche Informationsquelle.
Im Zeitraum 1941-1943 ereignen sich spannende Sabotageakte in Paris durch Simone Conway, daneben versteckte geheime Funksprüche ihrer Schwester Pat Conway nach London - unter Mithilfe der französischen Widerstandsbewegung. Auch Gwen`s Großmutter Ilsabé von Isolani spielt eine gewichtige Rolle im Pariser Haus in der Rue Heine.
Die damals unterzeichnete Verschwiegenheitserklärung und belastende Erinnerungen an diese mit Schuldgefühlen behaftete Vergangenheit sorgen für Twists und Turns, die bei Pat einfühlsam ausgeräumt werden können. Durch gezielte Kontaktaufnahmen und Interviews Gwens beidseits des Kanals entfaltet sich ein detailliertes Ambiente voller Dynamik und Dramatik in mitmenschlicher Anteilnahme.

Ein mutiger weiblicher Einsatz für Freiheit und Demokratie – überzeugend geschildert.

Special Operations Executive

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Veröffentlicht am 26.09.2025

Spannend und sehr interessant durch auch sprachlich gelungene Twists

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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Das Cover mit einem mehrarmigen Deckenleuchter - vielleicht ein Lobmeyr-Luster- versetzt den Betrachter zurück in die elegante, wohlbetuchte Welt der Achtzigerjahre. Der Buchtitel FABULA RASA verspricht ...

Das Cover mit einem mehrarmigen Deckenleuchter - vielleicht ein Lobmeyr-Luster- versetzt den Betrachter zurück in die elegante, wohlbetuchte Welt der Achtzigerjahre. Der Buchtitel FABULA RASA verspricht wie in Fabeln, eine moralische Lehre zu vermitteln. Das Szenarium spielt in Wien mit der chronologisch aufgebauten Lebensgeschichte von Angelika Moser als Hauptperson auf einer Erzählebene, die zweite Ebene behandelt zehn Unterhaltungen der Autorin mit dieser verurteilten Protagonistin im Gefängnis. Über einen Zeitraum von den1950-iger Jahren bis 2018 geht es zunächst um ihre finanziell sehr bescheidene Kindheit, dann um ihr ausschweifendes Nachtleben neben ihrem geliebten Buchhalterberuf im renommierten Grand Hotel, um ihr gutes Leben durch jahrzehntelang manipulierte Hotelrechnungen bis zu ihrer Inhaftierung. In drei Akten steigert sich ihr Lebensstil auf der Suche nach Glück, Liebe und Abenteuern in waghalsigere Gefilde der Bilanzfälschung, begleitet von männlichen Charakteren wie z.B. den Hoteldirektor oder Freddy in seinem speziell wienerischen Gemüt. Auch die weiblichen Charaktere sind einfühlsam porträtiert in ihrem jeweiligen Milieu, von der kämpferischen Hausbesorgerin Erna Moser im Gemeindebau bis zur adligen, dekadenten Lizzy beim vornehmen, glanzvollen Opernball. Thematisiert werden auch Probleme alleinerziehender, berufstätiger Mütter mit pubertierendem Sohn, Demenz und Medikation, Traditionen, Überwindung gesellschaftlicher Schranken, missglückte Vaterschaft, Loyalität und Diskretion im Umgang mit Spesenrechnungen, Bitcoin-Business auf weltweiten Krypto-Events etc. Sogar Historisches über Shanghai mit dem Stadtteil »Little Vienna« als letzte Rettung jüdischer Emigranten und mit dem Jewish Refugees Museum ist berücksichtigt. Der Schreibstil überzeugt durch Kreativität, Originalität und Emotion.
Und die Moral von dieser spannenden Geschichte: Wer genug Geld hat und die richtigen Leute kennt, kauft sich frei. Und wer für so jemanden arbeitet, sitzt ein.

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