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Veröffentlicht am 04.12.2025

Liebesbetrug

Mama & Sam
1

Sarah Kuttner nimmt sich eines Themas an, das leider in unsere virtuelle Zeit passt. Love Scammer. Von ihnen hört und liest man immer wieder, es wird vor ihnen gewarnt und doch haben sie Erfolg. Die Frauen ...

Sarah Kuttner nimmt sich eines Themas an, das leider in unsere virtuelle Zeit passt. Love Scammer. Von ihnen hört und liest man immer wieder, es wird vor ihnen gewarnt und doch haben sie Erfolg. Die Frauen (denn meistens sind es Frauen) wollen Liebe, wollen Zuneigung, die Betrüger jedoch wollen nur eins: sie wollen ihr Geld. Und möglichst viel davon, auch wenn ihre Opfer es sich nicht mehr leisten können. Dann helfen sie nach, finden Mittel und Wege, pressen sie aus wie eine Zitrone.

„Mama & Sam“ wird aus Sicht der Tochter erzählt. Sie steht in Mamas Wohnung, Mama ist tot. Das Erbe hat sie ausgeschlagen, denn außer Schulden ist nichts geblieben. In Mamas Laptop und in ihrem Handy findet sie den Chat zwischen Mama und Sammy, der nüchtern betrachtet sofort auf einen dieser Love Scammer schließen lässt. Er behauptet, Sam Heughan zu sein, ein berühmter Schauspieler, den ich zugegebenermaßen nicht kenne. Ein Blick ins Netz macht sofort deutlich, wer er ist, wie und mit wem er lebt, was er gerade macht – man könnte also meinen, dass keine Frau auf so eine Story hereinfallen würde. Nun, Mama ist verliebt, sie glaubt ihm zwar nicht alles, widerspricht sogar und doch lässt sie sich permanent auf ihn und seine Lügen ein. Sie lechzt geradezu nach Liebesbeweisen, die spärlich fließen, ihr Geld jedoch fließt umso mehr Richtung Sam. Sarah Kuttner erzählt davon und von der Tochter, die mit dieser Situation irgendwie zurecht kommen muss. Die Mutter-Tochter-Beziehung war ziemlich kühl, auch spüre ich nicht viel von Trauer, der Schreibstil ist eher nüchtern. Bis hin zur lieblosen Urnenbeisetzung, die mir eher als lästiges Übel vorkommt, wechseln sich das Lesen der Chateinträge und das Nachspüren von Mutters Leben und auch das der Tochter ab.

Das Nachwort gibt Empfehlungen für den Umgang mit einem Opfer eines Love Scams und greift auch das typische Verhalten eines Menschen auf, der sich auf diese manipulative Betrügermaschinerie einlässt. Ich bin zutiefst erschüttert, musste das Buch des Öfteren weglegen, denn die Story ist heftig, abwegig jedoch ist sie nicht.

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Veröffentlicht am 25.11.2025

Neues von den Hansens…

Geschenk des Loslassens
1

Der nunmehr achte Band der Reihe um „Die Kinder der Hansens“ hat sie alle im Blick. Gleich mal sind wir in Hamburg. In der Villa, die ehemals voller Leben war, ist es ziemlich still geworden. Außer Amala ...

Der nunmehr achte Band der Reihe um „Die Kinder der Hansens“ hat sie alle im Blick. Gleich mal sind wir in Hamburg. In der Villa, die ehemals voller Leben war, ist es ziemlich still geworden. Außer Amala und Eduard, ihrem Cousin, sind alle ausgeflogen. Auguste ist mit Carl und der kleinen Eva für etliche Wochen unterwegs und Therese ist nach Georgs Tod doch wieder nach Wien zurückgegangen. Amalas Bruder Robert zieht es zurück in die Staaten, vorher allerdings will er noch die Wiener Verwandtschaft besser kennenlernen, er ist bei Therese zu Gast. Natürlich ist er auch hier nicht untätig, als Journalist schreibt Robert von seinen Wiener Eindrücken, seine Artikel finden hüben wie drüben seine Leserschaft.

Drüben, in Philadelphia, ist nicht alles eitel Sonnenschein - wir erfahren so einiges von Elsa Harris. Auch werfen wir einen Blick nach München zu Helene und Bernhard und, um den Bogen zurück nach Hamburg zu spannen, ist es Eduard, der seine halbseidenen Geschäfte vorantreibt, die zunehmend lukrativ, aber auch brandgefährlich sind.

Vier Jahre sind es nun, wie Ellin Carsta im Nachwort schreibt, dass sie von den Kindern der Hansens erzählt. Schon Louise hat mich für die Familie Hansen eingenommen - was liegt da näher, auch der nächsten Generation zu folgen. Neben der fiktiven Geschichte um die einzelnen Charaktere sind es die historischen Fakten, die geschickt eingeflochten werden. Roberts Artikel habe ich oben kurz erwähnt, er schreibt über den sogenannten Eisernen Gustav, den Berliner Droschkenkutscher, der mit seiner Droschke, gezogen von dem Wallach Grasmus, von Berlin nach Paris gefahren ist. Dazu verrät sie noch so einiges Interessantes, zudem sind es noch sehr viel mehr tatsächliche Begebenheiten, die in ihre Story mit einfließen. All dies zusammen – Fiktion und geschichtliche Fakten – bietet gute Unterhaltung.

Es ist der mittlerweile achte Band und natürlich passiert im Laufe der Jahre so einiges, sodass man die Reihe am besten von Anfang an liest. Dem beugt die Autorin vor, indem sie immer wieder zurückblickt, was jedoch der Story viel an Tempo nimmt, auch muss ich nicht in jedem Band von möglichst jedem Familienmitglied lesen. Gut, hier ist es Eduard, der den guten Ruf des Hansens gefährdet, das er gleichberechtigt mit seinen Cousinen Amala und Auguste betreibt. Hier habe ich um Eduard gebangt, er ist schon ein ganz besonderer Charakter. Verwegen, nicht ganz bescheiden und doch liebenswert – irgendwie. Auf seine weitere Entwicklung bin ich gespannt. Seinen Weg und auch die Wege der anderen werde ich weiterhin verfolgen.

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Veröffentlicht am 10.11.2025

Die Geschichte Israels, die Geschichte einer Familie

Adama
1

Im Mittelpunkt dieses Thrillers, den ich eher als Roman sehe, steht Ruth, eine ungarische Jüdin, die es nach Palästina verschlägt, in einen Kibbuz. Ruth ist politisch aktiv, sie ist überzeugte Zionistin. ...

Im Mittelpunkt dieses Thrillers, den ich eher als Roman sehe, steht Ruth, eine ungarische Jüdin, die es nach Palästina verschlägt, in einen Kibbuz. Ruth ist politisch aktiv, sie ist überzeugte Zionistin. Sie erlebe ich 1946 als junge Frau und folge bis hin zum Jahre 2009. Alles beginnt 2009 mit Hanna in Miami und es endet auch mit ihr in Florida im selben Jahr. Dazwischen sind wir 1989 im Kibbuz Trashim, um dann 1946 nach Haifa zu gehen, die Zeitebenen wechseln, auch die Orte und die Personen. Ruths Enkel Lior kommt an, als er von Dannys Tod erfährt. Er soll sich erschossen haben, was Lior jedoch nicht glaubt. Er ist im Kibbuz nicht gern gesehen, er sieht zu viel, sie alle wollen, dass er zurückgeht nach Tel Aviv.

Lavie Tidhar erzählt die Geschichte von Ruths Familie, vom Leben im Kibbuz, das gemeinschaftlich organisiert ist, von dem Kinderhaus und dem Gemeinschaftsverein, Privateigentum war nicht vorgesehen, diese Lebensform war mir so nicht bewusst. Immer wieder stehen andere Familienmitglieder mehr im Focus, dabei wird die israelische Geschichte lebendig. Von politischen Aktivitäten wird berichtet, vom Sechs-Tage-Krieg und dem Jom-Kippur-Krieg ist zu lesen, Drogenschmuggel scheint alltäglich zu sein, von Folter bis hin zu Mord spielt Gewalt immer mit, die Figuren sind nicht gerade zimperlich unterwegs.

Adama bedeutet auf hebräisch Erde. Und wie es im Roman heißt, gibt es kein Adama ohne dam. Was, wie ich gelernt habe, übersetzt „Kein Land ohne Blut“ bedeutet. Auf das Heute bezogen hat dieser Satz leider noch immer seine Gültigkeit, wir hören und lesen täglich davon.

Das Buch fordert Aufmerksamkeit und Zeit sollte man auch mitbringen, dann aber weiß man mehr um die Geschichte Israels, eingebettet ist diese in eine weit verzweigte Familie und deren Geschichte, Gewalt spielt immer eine Rolle. Ein für mich eher historischer Roman denn ein Thriller.

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Veröffentlicht am 06.11.2025

Spannender dritter Teil der Åre-Morde

Blutbuße
1

„Blutbuße“ ist Viveca Stens drittes Buch der Polarkreis-Reihe. Kurz zuvor habe ich bereits Band vier gelesen und ihn als TOP bewertet, ganz kommt diese Blutbuße nicht an „Lügennebel“ heran, allerdings ...

„Blutbuße“ ist Viveca Stens drittes Buch der Polarkreis-Reihe. Kurz zuvor habe ich bereits Band vier gelesen und ihn als TOP bewertet, ganz kommt diese Blutbuße nicht an „Lügennebel“ heran, allerdings hat mich auch dieses Buch nicht losgelassen, an Schlaf war nicht zu denken.

Charlotte legt gleich mal einen absolut unsympathischen Auftritt hin. Man spürt förmlich ihre unverfrorene Art. Sie liebt es, andere zu beherrschen und auf Gedeih und Verderb ihren Willen durchzusetzen. Nun, es ist sozusagen Charlotte Wretlinds letztes Aufbegehren, denn am Tag darauf wird sie tot aufgefunden. Sie liegt erstochen in ihrem Hotelzimmer, das Bett voller Blut, sie ist an ihrem eigenen Blut erstickt.

Wir sind im Bergdorf Åre, hoch oben im Norden Schwedens, es ist ein Skiparadies und wie bald bekannt wird, wollte Charlotte das alte, leer stehende Luxushotel abreißen und durch einen spektakulären Neubau ersetzen lassen. Dazu brauchte sie angrenzende Grundstücke, deren Ankauf so gut wie abgeschlossen war, jedoch sollte dieser Grundstückskauf rückgängig gemacht werden. Charlotte reagiert ungehalten, zu viel hat sie schon investiert.

Im Mordfall Charlotte Wretlind ermitteln Hannah Ahlander und ihr Kollege Daniel Lindskog. Bald führt eine erste Spur zu einem Hotelmitarbeiter, den sie jedoch merkwürdigerweise nicht antreffen. Unterstützt werden sie von ihrem Kollegen Anton, in dessen Privatleben wir kurze Einblicke bekommen und auch bei Hanna und Daniel ist privat so einiges los - die Ermittlungsarbeit steht aber schon im Vordergrund. Diese Ermittlung jedoch bringt sie nicht recht voran, bis dann ein weiterer Mord geschieht.

Hanna und Daniel – beide sind sie gefordert und beide lassen nicht locker. Zwischendurch lesen wir von DAMALS, um die Weihnachtstage des Jahres 1973 - was es damit auf sich hat, wird zunehmend klar. Im Heute dann verschwindet ein junger Mann spurlos – noch hoffen sie, dass er noch lebt. Alles spitzt sich zu, es gilt, unverzüglich zu handeln, denn sie meinen, endlich auf der richtigen Spur zu sein. Was dann geschieht, ist nervenaufreibend, allerdings war mir die Aufklärung, die sich über viele Seiten hinzog, viel zu lange. Gefühlt dreht sich Hanna im Kreis, es passiert viel und doch tritt sie auf der Stelle, dies hätte durchaus abgekürzt werden können, wenngleich es ein trotzdem spannender dritter Teil der Åre-Morde war. Gerne mehr von Viveca Sten, gerne bin ich lesend an den Polarkreis gereist.

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Veröffentlicht am 02.11.2025

Stille Heldinnen

Wir dachten, das Leben kommt noch
1

Elisabeth Sandmann erzählt in ihrem historischen Roman „Wir dachten, das Leben kommt noch“ vom Zweiten Weltkrieg, hier ganz besonders von den mutigen Frauen, deren heldenhaftes Wirken nie wirklich an die ...

Elisabeth Sandmann erzählt in ihrem historischen Roman „Wir dachten, das Leben kommt noch“ vom Zweiten Weltkrieg, hier ganz besonders von den mutigen Frauen, deren heldenhaftes Wirken nie wirklich an die Öffentlichkeit drang. Ein gut recherchierter Roman, der auf wahren Begebenheiten beruht.

Der Roman wird auf zwei Zeitebenen erzählt, der für mich spannendere Teil spielt während des Zweiten Weltkrieges in den Jahren 1939 bis 1942.

1998 dann bekommt Pat Conway von der BBC-Redakteurin Gwen einen Anruf. Sie interessiert sich für Pats Vergangenheit, speziell für ihre Arbeit in Frankreich während des Zweiten Weltkrieges. Woher weiß Gwen davon? Nun, Pat ist auch heute nicht bereit, darüber zu sprechen. Gwen indessen reist auf den Spuren ihrer Großmutter Ilsabé nach Paris, denn auch sie scheint involviert gewesen zu sein.

Die beiden Erzählstränge vermischen sich zuweilen, was mir das Hineinfinden ins Buch schon erschwert hat. Auch die vielen Namen musste ich erst zuordnen, um der Geschichte gespannt folgen zu können. Abgesehen von diesen anfänglichen Hürden ist es eine eindringlich erzählte Geschichte über mutige Frauen im Widerstand, die ich nicht mehr weglegen wollte.

England hat für den Einsatz in Frankreich Agentinnen für geheime Missionen des SOE (Special Operatons Executive) ausgebildet. Sie wurden etwa als Kurierinnen und Funkerinnen eingesetzt, sie haben nicht nur Sprengstoff geschmuggelt, sie haben auch Explosionen durchgeführt. Ihre Aufgaben waren vielfältig, nach außen hin waren sie ganz normale, möglichst unauffällige junge Frauen. Dafür brauchte es auf französischem Gebiet Muttersprachlerinnen, die eine neue Identität bekamen, die sie voll und ganz verinnerlichen mussten, denn jeder noch so kleine Fehler konnte für sie tödlich enden. Pat war eine von ihnen, die Sprache beherrschte sie dank ihrer französischen Mutter perfekt.

Viel habe ich über diese und ähnliche Themen gelesen, über diese Frauen der SOE jedoch wusste ich nichts. Gerne wäre ich noch länger in die Vergangenheit abgetaucht, wobei die Gegenwart schon auch interessant, zuweilen jedoch zu ausschweifend, zu ausführlich war. Im Finale werden dann noch die geschichtlichen Fakten präsentiert. Nicht jede dieser mutigen, dieser unangepassten Frauen hat überlebt.

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